Als abenteuerlustiger Weltenbummler besuchte ich wandernd die gefährlichste Straße der Welt. Die Hochlandstraße, die sich zwischen massiven Felsen erstreckt, verteilt sich über vier verschiedene Klimazonen bis nach Yolosa, auf 1.100 m über dem Meeresspiegel. Auf der ungeteerten, schmalen Todesstraße traf ich auf abenteuerreiche Abschnitte mit vielen Herausforderungen. Fast alle hundert Meter waren Christuskreuze zum Gedenken an die Toten aufgestellt und in den riesigen Tiefen der Schlucht lagen verwüstete Wrackteile von Autos und Lastkraftwagen. Die legendäre Todesstraße ist trotz ihres wunderbaren Panoramas eine gruselige Schotterpiste, die eine schreckliche Vergangenheit aufweist und auf der sich nur mutige und abenteuerlustige Mountainbiker austoben sollten.

Mein letztes Abenteuer in Bolivien beendete ich vor ein paar Tagen im Hochland von Coroico, wo ich in zwei Tagen den spannenden Inka-Pfad El Choro bewältigt habe. Am Ziel der Wanderstrecke angekommen fühlte ich aber wegen meinen durchnässten Schuhen starke Schmerzen auf der Sehnenplatte meiner Fußsohlen.

Lieblingsgelände für adrenalinsüchtige Mountainbiker

Zurück in La Paz verbesserte sich mein Zustand dramatisch, ich habe mich über die Tage gut ausgeruht, die vielen Falten sind schnell zurückgegangen und die Schmerzen ließen nach und waren nach 2-3 Tagen vollständig verschwunden. Dank der heilenden Wirkung einer der ältesten Kulturpflanzen, nämlich der Ringelblume war dies möglich. Ich füllte meine durchnässten Schuhe mit 1 kg Reis auf, um das Wasser zu absorbieren und um meine Lieblingswanderschuhe vollständig zu trocknen.

Üppige grüne Nebelwälder

Am zweiten Tag meiner Genesung begann ich intensiv darüber nachzudenken, wohin ich als Nächstes wandern sollte. Die bergreiche Gegend um die Andenmetropole La Paz bietet sehr viele anspruchsvolle und abwechslungsreiche Wanderpfade für diejenigen, die die Natur auf eine ganz besondere Art genießen wollen. In Bolivien fühlt jeder Reisende, dass es keine falsche Richtung gibt. Es ist egal in welche Himmelsrichtung man aufbricht, überall findet man tolle und interessante Wanderpfade.

Diesmal wollte ich keine mehrtägige Wanderung mit Zeltübernachtung, sondern eher einen langen Tag in einer extremen Umgebung, irgendwo im subtropischen Regenwald der Yungas, unternehmen. Ich liebe die Yungas. Trotz der hohen Luftfeuchtigkeit bin ich ein großer Fan der hügeligen, sattgrünen Vegetation, die ein wahres Paradies für die Wanderer bietet.

Vorübergehende Wasserfälle machen das Weiterkommen schwierig

Ich entschied mich bewusst für eine ganz spezielle Route, die nicht wirklich ein Wanderpfad, sondern eher ein unter Adrenalinjunkies populärer Straßenabschnitt ist, nämlich für das „El Camino de la Muerte“, für die sogenannte Todesstraße.

Ich hatte vor, anstatt dem Nervenkitzel die traumhafte Downhill-Route hinunterzuradeln, die legendäre, mystische Strecke zu Fuß zu erleben. Mehr als 35 km mit grandiosen Panoramen warteten auf mich in einer der schönsten Landschaften der Welt.

Selten, aber doch verkehren noch Autos auf der Death Road

Als ich fühlte, dass meine Füße vollständig verheilt waren, fuhr ich mit einem regulären lokalen Bus in einen der Außenbezirke von La Paz, um vom Terminal in Villa Fatima aus mit einem recht alten und ramponiert aussehenden Trufi Richtung Coroico aufzubrechen.

Von La Paz kommend steigt die Straße binnen einer Stunde zuerst auf rund 4.650 Meter am La Cumbre an. Dort ist es der Höhe entsprechend sehr kühl. Wir passierten eine wunderschöne, karge Berglandschaft mit Bergseen, Lamas und Alpakas. Schon allein die Fahrt von La Paz nach La Cumbre ist eine Reise wert. Von La Cumbre an geht es an den nahezu senkrecht abfallenden Bergflanken der Cordillera Real entlang nur noch nach unten. Das Ende der Todesstraße liegt auf nur 1.100 m – Yolosa im feucht-warmen Regenwald. Bis in den Dschungel der Yungas werden mehr als 3.500 Höhenmeter überwunden.

Das Ziel Yolosa ist in Reichweite

Ich war am Morgen um halb sechs schon mit viel Energie auf den Beinen. Frisch und fit ging ich meine aktuelle Wanderung an. Ich habe die Fahrt genossen, schon nach einer dreiviertel Stunde erreichten wir die Höhenlage des La Cumbre-Passes.

Die gefährlichste Straße der Welt mit unzähligen Haarnadelkurven

Was sollte man über die 1995 als die gefährlichste Straße der Welt verkündete alte Piste wissen? Ab dem Jahr 2006 nahm auf der „Alten Straße“ der Nahverkehr zwischen La Paz und Coroico ab. Das war das Jahr, als die Regierung unter der Führung von Evo Morales eine zwar längere, dafür aber gut ausgebaute und deutlich ungefährlichere Umfahrungsstraße von La Paz in die Yungas-Täler eröffnet hat. Der LKW-Verkehr, der maßgeblich zur Gefährlichkeit der Death Road beitrug, wurde nun gänzlich auf diese Ausweich-Route verlegt.

Die Fertigstellung einer Umfahrungsstraße war dringend erforderlich, weil die erschreckend gefährliche, nicht befestigte Yungas-Straße von Woche zu Woche von verheerenden Unfällen mit Todesfolge gezeichnet war.

An mehreren Stellen ist die Schlucht 600 m tief

Trotz des starken und gefährlichen LKW-Verkehrs ist die Todesstraße an vielen engen Passagen nur einspurig. Auf der einen Seite steht eine riesige schroffe Felswand, links neben der Straße gibt’s einen steil abfallenden Abgrund, ohne Leitplanken, ins Grüne. Bis 2006 traf man auf der aus Schotter und losen Steinen bestehenden Death Road auf massiven Gegenverkehr. Trotz der engen Passagen wichen die lokalen LKW-Fahrer nicht aus, jede(r) manövrierte ganz dicht am Rande der tiefen Schlucht, selbstverständlich ohne Sicherheitsbegrenzung.

Wechsel der Fahrtrichtung

Die einspurige schmale Yungas-Straße, auf der bis 2006 viel Verkehr herrschte, ist außerdem nicht befestigt und verwandelt sich in der Regenzeit in eine matschige Rutschbahn. Beeinträchtigt dann vielleicht auch noch eine aufkommende Wolke oder Nebel die Sicht, wird die Fahrt auf der Death Road tatsächlich zu einem waghalsigen Unterfangen.

Alltäglicher Nebelvorhang

Vor 2006 zählte, auf der von einheimischen Journalisten als die „Bolivianische Hölle“ genannten Schotterstraße, oft jeder Zentimeter, wenn auf der engen Piste, oft nur auf einer einzigen Fahrspur, zwei LKW’s nebeneinander passieren wollten.

Vorübergehende Wasserläufe bilden eine matschige, rutschige Piste

Als ich auf den engen Passagen zu Fuß unterwegs war, hatte ich keine Todesangst, es gab aber eine Reihe an eingespeisten Wasserfällen und tiefen Bäche, die den Fußgängerverkehr beeinträchtigten und das Weiterkommen auf der Todesstraße zu einer Mutprobe machten.

Massive Wasserfälle in der Regenzeit

Die temporären Wasserfälle bedeuteten sowohl die eigentliche Schwierigkeit, als auch die besondere Schönheit der alten Verbindungsstraße zwischen La Paz und Coroico. Über hundert Meter hohe Wasserfälle fielen oft in die Mitte der Schotterpiste, das gepaart mit Regen und Nebel verwandelte oft die Straße zu einer unkalkulierbaren Todeszone.

Gedenkkreuz an die Toten

Erbaut wurde die Yungas-Straße in den 1930er Jahren von paraguayischen Gefangenen des blutigen Chaco-Krieges. Damals war sie eine der wenigen Straßen und damit bedeutende Verbindung zwischen Boliviens Amazonasgebiet und dem Regierungssitz La Paz. Einer der schlimmsten bekannten Verkehrsunfälle auf der Death Road ereignete sich im Juli 1983, als ein zwischen den massiven Bergfelsen fahrender Bus mit rund hundert Passagieren in den tiefen Abgrund stürzte. Lokalen Legenden zufolge sind diese und ähnliche Verkehrsunfälle die Rache der paraguayischen Gefangenen, die die Straße unter unmenschlichen Bedingungen erbaut haben.

Easy Rider

Die Todesstraße wird von vielen wagemutigen Downhill-Mountainbikern aufgesucht, um praktisch die gesamte Länge der Straße, durch die Yungas bis zur Siedlung Yolasa, abwärts hinabzufahren. Für die meisten Touristen steht die Death Road ganz oben auf der To-Do-Liste in Bolivien. Wandernd war es für mich ein atemberaubender Ausflug mit zahlreichen herrlichen Weitblicken auf einer der schönsten Strecken in ganz Bolivien.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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