Mit meinem deutschen Begleiter, der mir auf 76 km Wegstrecke und fünf Tage lang zur Seite stand, durchquerte ich auf eigene Faust eine der vernachlässigten Berggruppen Boliviens. Und zwar die vor allem wegen des illegalen Bergbaus bekannte Cordillera Apolobamba. Auf dem präkolumbianischen Wanderweg “Kallawaya”, der von Pelechuco nach Charazani durch verschiedene Klimazonen und über mehrere Pässe um die 5.000 Meter führt, wanderten wir mitten in der Nebensaison. So erwischten wir nachmittags oft Schnee, Schneeregen oder einfach nur Regen… Wir haben die Höhenwanderung trotzdem sehr genossen. Die Highlights?! Neben den bezaubernden, atemberaubenden Landschaften und Ausblicken, die auf 4.700 Metern befindliche Schule einer kleinen Goldmine, in der wir übernachtet haben bzw. die Überquerung des Sunchulli Passes auf 5.100 Metern im massiven Schneefall.

Als ich vor fünf Jahren zum ersten Mal in der höchsten Bergwelt von Peru, in Huaraz, war, habe ich die beeindruckenden Bergketten der Anden sofort in mein Herz geschlossen. Etwas ähnliches erlebte ich 2015, als ich, durch atemberaubende Gebirgslandschaften wandernd, mit den Elementen in der schillernden Umgebung der Region Condoriri zu kämpfen hatte.

Entspannt am traumhaften dritten Pass!

Seitdem lockten mich die schneebedeckten unvergleichlichen Berglandschaften. In den letzten Jahren habe ich viele Hochgebirgswanderungen in den traumhaften Bergen der Anden unternommen.

Am Anfang erkundete ich die gewaltigen Andengebirge der Cordillera Real oder stürmte die Gipfel des gletscherfreien Chachani (Peru) und des Huayna Potosí (Bolivien) mit Hilfe von Bergführern. Beim Huayna Potosí habe ich das erste Mal ein Sicherungsseil, Eispickel und Steigeisen verwendet.

Andengebirge überdeckt mit Puderzucker.

Im Laufe der Jahre und mit mehr Erfahrung, habe ich meine Trekkingtouren selber organisiert. Ich war vor einem halben Jahr im Basislager des Alpamayo in den majestätischen Bergen und mächtigen Gebirgszügen der Cordillera Blanca, wo ich die gesamte Logistik und all die unvorhergesehenen Herausforderungen und unerwarteten Probleme des Trekkings selber lösen musste. Auf dieser Tour schleppte ich mein eigenes Zelt, einen Outdoorkocher und ausreichend Proviant mit.

Vom Pass wandern wir hinunter ins Tal.

Diesmal, mit einem anderen Wanderer aus der Ferne, dem deutschen Florian, plante ich ein echtes Wanderabenteuer in der abgeschiedenen Bergwelt der Cordillera Apolobamba. Florian, der schon viele Wandertouren und Höhenmeter absolviert hatte und sich das erste Mal in Südamerika befand, meldete sich auf Facebook bei mir.

Florian, mit seinem großen Rucksack am Beginn unserer aussichtsreichen Höhenwanderung.

Florian hatte zwei Monate frei von seiner Familie bekommen. Bis er die Familie in La Paz traf, wollte er in der einzigartigen Umgebung von schwer zugänglichen Hochlandlandschaften wandern gehen. Florian ist in den letzten Jahren viel im Himalayagebirge unterwegs gewesen, so wollte er diesmal die ursprünglichen Landschaften und eisverzierten Berggipfel Boliviens entdecken.

Geschafft! Mein aktueller Begleiter an der Spitze des ersten Passes namens Keani auf rund 4.800 Metern!

Wir haben uns zum ersten Mal in La Paz getroffen und sofort die gemeinsame Stimme gefunden. Unser aktuelles Wanderziel, die sehr selten besuchte Bergkette Cordillera Apolobamba, liegt im östlichen Grenzgebiet von Bolivien und Peru, etwa acht Stunden von der Metropole La Paz entfernt.

Wahrscheinlich der schönste Bergbaustandort der Welt.

In der Kolonialzeit diente die Cordillera Apolobamba als bedeutendes Goldbergbauzentrum. Die von den Spaniern gegründeten Bergbausiedlungen dienten als Basis für Missionare und Eroberer, um Expeditionen in den Amazonas zu starten.

Wir verbrachten die Nacht in der Schule einer Goldmine.

Im Jahre 1781, während einer Aufstandsbewegung des Túpac Amaru II. gegen spanische Kolonisten, wurde die Mehrheit der Kolonialminen in der Region verlassen. Das in den stillgelegten Minen versteckte Gold wartete jahrhundertelang darauf, entdeckt zu werden. Diese fabelhafte Hochlandschaft, die für ihren illegalen Bergbau berühmt ist, wollten wir ohne Vorakklimatisationstour im Detail erkunden.

Der Eingang zu einer der wenigen verbliebenen Goldminen in Sunchulli.

Die wichtigsten Hauptorte im Apolobambagebiet sind Charazani und Pelechuco. In dieser abgelegenen, weniger bekannten Region ist die touristische Infrastruktur praktisch nicht vorhanden. Nichtsdestotrotz ermöglicht der Trans-Apolobamba-Trek dank seiner Abgeschiedenheit ein ereignisreiches und abenteuerliches Wandererlebnis.

Komplett verschneite, lange Serpentinen führen zu den präkolumbischen Minen von Sunchulli.

Ohne touristische Infrastruktur hatten wir auch unsere Mühe, herauszufinden, wie wir von der Andenmetropole La Paz zum Ausgangsort Pelechuco (auf 3.650 Metern gelegen) gelangen können. Wir mussten mindestens dreimal mit dem Teleférico zum Busbahnhof in El Alto hochfahren, um Fahrkarten für einen der raren morgendlichen Busse nach Pelechuco zu besorgen.

Pelechucos Hauptplatz, Ausgangspunkt des präkolumbianischen Wanderweges „Kallawaya“.

Mit einem alten und entsprechend abgenutzten Bus, der das kahle und urtümliche Hochplateau des Naturschutzgebiets Ulla Ulla über Haarnadelkurven verließ, kamen wir am Ende des Tages im Reich der Geier, Pumas und Bären in Pelechuco an.

Unser alter Volvo hält in der Nähe des Biosphärischen Schutzgebietes und Nationalen Pflanzenschutzgebiets Ulla Ulla.

Während unserer fünftägigen Hochlandtour haben wir uns mit einzigartigen und exklusiven Naturerlebnissen bereichert. Was genau haben wir aber in der faszinierenden Welt der abgelegenen und unberührten Bergregion erlebt?

Wir lassen die Andensiedlung Hilo Hilo hinter uns.

Während der ca. 120 Stunden der Wanderung befanden wir uns fast ununterbrochen 4.000 Meter über dem Meeresspiegel. Das ist höher als manche Berggipfel in Europa.

Lamas begrüßen uns zu Beginn des zweiten Tages.

Wir verbrachten tagtäglich sieben bis acht Stunden beim Wandern durch einsame und abgelegene Gebiete. Aufgrund der Regenzeit und der Höhenlage wurden die Nachmittagsetappen bei Regen oder massivem Schnee durchgeführt.

Wir haben jeden Nachmittag heftigen Schneefall erwischt.

Mit schweren Beinen hatten wir beim plötzlichen Höhenunterschied auf den steilen Aufstiegen zu kämpfen. Wir haben drei verlassene Pässe über 4.700 Meter bestiegen, der höchste davon war der 5.100 Meter hohe Sunchulli Pass.

Viel Kraft und Ausdauer waren gefragt, um die verschiedenen Elemente im dichten Schneefall überwinden zu können.

Es war eine große Erleichterung und machte uns eine Riesenfreude, den hohen Pass zu erreichen, zur Informationstafel aufzusteigen, Fotos vom hochgelegenen Andenpass zu knipsen und einfach nur ganz stolz davor zu posieren.

Stattlicher Marsch führt zum 5.100 Meter hoch gelegenen Gipfel des Apacheta.

Zum letzteren stiegen wir bei speziellen Wetterbedingungen, im heftigen Schneefall, auf. Die langen Anstiege, die uns beide stundenlang in unsere kleine Welt eingeschlossen hatten, bewerkstelligten wir bewusst in einem sehr langsamen Gehtempo.

Ich bin erleichtert, mit 5.100 Metern am höchsten Punkt des Trekkings zu stehen.

Wir waren beide begeistert vom Trekking der “mil curvas” (bedeutet tausend Kurven), bei dem wir mitten in einer großen Milchnebel an einer felsigen Schotterserpentine, an einem sehr steilen Hang, innerhalb kurzer Zeit eine Höhendifferenz von mindestens fünfhundert Metern bewerkstelligt haben.

Zur Belohnung gibt es einen tollen Panoramablick.

Wir fühlten uns sehr gelöst und waren unbeschreiblich stolz darauf, als wir am Ende der Höhenwandertour mit der Berührung der Ortschaften Lagunillas und Curva in Charazani, am Südrand der Apolobamba gelegen, ankamen.

Mein deutscher Begleiter beim Abstieg.

Wir sahen schon unser Ziel am anderen Ende des steilen, hunderte Meter tiefen Canyons direkt vor uns, mussten aber, ohne eine Brücke, noch mindestens zwei Stunden auf kurvigen Serpentinen laufen, um am Ende des fünften Tages nach einer Gesamtdistanz von 76 km unser lang erwünschtes Ziel zu erreichen.

Glücklich irgendwo auf dem halben Weg zwischen Pelechuco und Charazani.

War das lange, anstrengende Trekking mit schmerzenden Füßen und totaler Erschöpfung lohnenswert? Ohne lange darüber nachzudenken, ganz eindeutig ja. Die vielen Fotos können die am Trek erlebte Realität nicht vollständig wiederspiegeln. Man muss dort sein, es aus Körpernähe fühlen und erleben können.

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