Mit meiner aktuellen Weggefährtin, der Schweizerin Yvonne, habe ich während einer zweitätigen Höhenwanderung die wahre Seele Boliviens kennengelernt. Die atemberaubende Natur samt schneebedeckter erloschener Vulkane, klarer Berglagunen, ausgedehnter Hochflächen und der besonderen Fauna des Altiplanos hat mich komplett verzaubert. Die Rundtour Lagunas de Altura gehört definitiv zu den Kronjuwelen Boliviens, drumherum stehen gleich fünf 6000er Berge zum Greifen nah. Wir campten zwischen Viscachas und Riesenblässhühnern auf der chilenischen Seite auf 5000 Meter. Auf dem Rückweg wanderten wir zwischen Lamaherden in einer prächtigen Schlucht und auf dem Hochplateau des Nationalparks.

Nachdem ich am Flussbett hinter dem Dorf Sajama wild gecampt habe, war ich morgens früh auf und habe meinen Rucksack mit warmer Kleidung und Proviant für zwei Tage vorbereitet. Meinen Kokatee habe ich gegen halb Acht bei Constanca, bei der Aymara Frau getrunken, die ich am Vortag im Minibus kennengelernt habe. Bei ihr hinterließ ich meinen großen Rucksack. Yvonne habe ich am Hauptplatz zur vereinbarten Zeit kurz vor 8 Uhr getroffen. Sie organisierte noch das Frühstück, wir packten die zwei Rucksäcke und machten uns auf den Weg zur zweitätigen Expedition auf das Hochplateau des Altiplanos.

Rosa Flamingos auf 5000 Meter

Zwischen den östlichen und westlichen Kordilleren, auf einer Höhe von 3500 m bis 4500 m, erstreckt sich das Hochlandbecken des Altiplano, eine kalte und trockene Zone, aber dennoch das Kerngebiet Boliviens.

Die Wanderung führte uns zum Gebiet unter den Gipfeln der inaktiven Vulkane der westlichen Kordilleren. Für die Pfade während unserer Expedition bieten die Gipfel von Nevado Sajama, Parinacota und Pomerane eine atemberaubende Kulisse.

Die Zwillingsvulkane, Parinacota und Pomerape

Der Sajama Nationalpark bietet eine Vielzahl von malerischen Wanderwegen rund um den lokalen Altiplano, mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Vulkane, welche die begehrtesten Ziele vieler Bergsteiger sind. Eine der längsten und anspruchsvollsten Wanderungen ist die Rundtour Lagunas de Altura, um die hochgelegenen Lagunen des Altiplanos mit seinem speziellen Ökosystem.

Unberührter Fluss in der Nähe des Dorfes

Der erste Abschnitt der Tour führt vom kleinen malerischen bolivianischen Dorf Sajama zu den Geysiren und einem Fumarol, das heißes Gas und Dampf aus einem Vulkanfeld abgibt.

Um 8 Uhr starteten wir im Tal befindlichen Dorf Sajama, welches mit 4245 m den tiefsten Punkt unserer zweitägigen Tour darstellte. Wir zogen von der Siedlung Richtung Westen, überquerten die Brücke am Fluss, wo ich nachts im Zelt übernachtet habe. Der Pfad war offensichtlich, wir folgten dem staubigen Weg und der Spur der Jeeps, wanderten in den unteren Teilen der Stratovulkane Parinacota und Pomerape, in Richtung der zwei Schichtvulkane.

So weit das Auge reichte, sahen wir die charakteristische Vegetation des Altiplanos. Sie weist Charakteristiken der Puna auf, einer Hochgebirgs-Vegetationsformation mit wechselfeuchtem Klima. Allgegenwärtig ist hier das spröde Ichugras, welches in der Trockenzeit eine goldgelbe Farbe annimmt.

Der namensgebende Nevado Sajama ist überall sichtbar

Vier Kilometer lang waren wir auf einer endlos scheinenden Mittelebene unterwegs. Unsere Füße gewöhnten sich langsam an den langsamen, aber sicheren Rhythmus, der für das Wandern in dünner Höhenluft am angenehmsten ist. Beide von uns fühlten die schweren Rucksäcke auf unseren Rücken. Ich hatte das Zelt und den Schlafsack bei mir, Yvonne nahm meinen kleinen Rucksack, der wegen den Konserven nicht unbedingt leicht war. Der Wanderweg schien faszinierend zu sein, so bewunderten wir ein imposantes Panorama in der Nähe der Zwillingsvulkane Parinacota und Pomerane.

Nach einer halbstündigen Wanderung bemerkten wir die zunehmende Anzahl von Lamas, was darauf hindeutete, dass wir langsam den Lamahof erreichen würden. Die Lagunen des Altiplanos sind hinter den hinter uns liegenden Vulkanbergen versteckt.

Wilde Lamafarm auf dem Hochplateau

Auf dem Hof hatte ich das Gefühl, dass es mir nicht gut ging. Mir war ständig übel und ich fühlte mich unwohl. Es kann nicht sein, dass die dünne Höhenluft mich erwischt hat. Ich dachte meine Vorbereitung und die kleine Akklimatisierungstour am Vortag zum Aussichtspunkt des Montecielos waren erfolgreich.

Ich habe mit Yvonne über die Ereignisse der letzten Tage gesprochen und wir sind darauf gekommen, dass vielleicht das Mittagessen in Curahuari mir den Magen verdorben hat. Zum Glück kam mir das Frühstück schnell hoch, so konnte ich die Wanderung mit wesentlicher Erleichterung fortsetzen. Von der Lamafarm ging der Wanderweg in Richtung der Vulkane weiter. Wir wanderten weiter in den Norden und folgten dem Bach im sich langsam entwickelnden Tal. Nach weiteren 3 km Fußmarsch waren die Fumarolen erreicht.

Die Sajama Geysire

Die Wasserdämpfe und vulkanischen Gase der Sajama Geysire, die sich auf 4400 Meter befinden, sind keine ganz besonderen Attraktionen, wie zum Beispiel der Sol de Mañana Geysir auf der Salar de Uyuni Tour. Nichts desto trotz ist es wegen den hier vorfindlichen Temperaturdifferenzen interessant. An einem Teil enthüllt nämlich das heiße Wasser großen Dampf, ein halber Meter entfernt ist das Wasser komplett gefroren. Die vielfärbigen Mineralien machen das Geysirenfeld zu einer dennoch interessanten Attraktion. Wir waren bei den Geysiren völlig alleine, auf dem Weg dorthin sahen wir nur einen Minibus vorbeizufahren.

Bei der längeren Pause an den Fumarolen genoßen wir die atemberaubende Aussicht, die der wohl bekannteste Vulkan Südamerikas, der Parinacota zusammen mit dem benachbarten Pomerape und dem höchsten Berg Boliviens, dem Sajama bot.

Traumlandschaft in den westlichen Kordilleren

Wir setzten unsere Wanderung fort und gingen zu einem einsamen Haus mit einem erneuten Fumarolafeld weiter. Hier befand sich das Ende der Zivilisation und es begann die echte Wildnis des Altiplanos.

Der schwierigste Teil der Wanderung wartete auf uns. Vom kleinen Tal aus mussten wir in ein paar Stunden 600 Höhenmeter bezwingen, bis wir die Zweiländergrenze und die Lagune Khasiri Macho erreichen würden. Die wirklich großen Herausforderungen standen also noch vor uns. Wir waren am Punkt angelangt, wo sich das Tal endete und der Wanderweg mit Serpentinen steil bergauf ging.

Der Pfad nahm bis zum Bergpass allmählich zu, über den Pass führte die Staatsgrenze zwischen Bolivien und Chile. Es war eine echte Herausforderung mit unseren Rucksäcken, an vielen Stellen haben wir nur langsam schleichen können, aber das unermüdlich und beharrlich.

Wir bewegten uns langsam aber sicher und vorsichtig. Ca. alle hundert Meter blieben wir kurz stehen, wir haben oft Rucksäcke gewechselt, manchmal habe ich, manchmal Yvonne die schwere Last auf sich genommen. Wir haben oft hinter uns geschaut, wo uns weitläufige Szenen von Vulkanen ständig gegrüßt haben.

An der informellen Grenze in Chile

Der Pfad stieg weiter bis zu einem kleinen Übergang auf 4870 Meter, wo sich der Grenzübergang befindet. Der Wanderweg war ziemlich steil, aber es war auf jeden Fall jede Mühe wert, denn die Aussicht oben angekommen war wirklich wunderschön. Es war ein sehr aufregendes Gefühl, in einem Augenblick auf der chilenischen, im nächsten auf der bolivianischen Seite zu stehen. An diesem Ort gibt es keine richtige Grenze mit Grenzbeamten, es ist nur ein formales Grenzgebiet, unter dem sich die Lagune Khasiri Macho blicken ließ, welche mit ihren 4844 Metern bereits auf der chilenischen Seite liegt.

Der fast dreißig Meter tiefe Abstieg war sehr kurz und wir waren nach einigen Momenten schon am Ufer des Hochlandsees. Es war genau 14 Uhr am Nachmittag, wir waren flott und in einem guten Rhythmus unterwegs. Wir verdienten unsere halbstündige Pause und beobachteten die fabelhafte Flora des Altiplanos, die schöne und ruhige Berglagune und das felsige, karge Gebiet drumherum. Sogar Viscachas färbten das außerirdische Panorama auf den felsigen Hängen.

Viscacha auf dem felsigen Hang des Altiplanos

Mit Yvonne beschloss ich, zur zweiten Lagune weiterzugehen, um dort nachts zu zelten. Wir mussten aufpassen, nicht dass wir den „Schmugglerpfad“ nach Chile nehmen. Schließlich wollten wir in einem Zelt draußen im Freien und nicht in einem warmen chilenischen Knast übernachten. Neben dem See entdeckten wir einen kleinen Bach, der die Lagune mit Wasser versorgte. Hier mussten wir weitere 90 Meter bis zum nächsten Bergsee, bis zur Sorapata Lagune aufsteigen. Wir beide fühlten die Müdigkeit in unseren Beinen und bewegten uns sehr langsam. Für mich waren es die längsten 90 Meter die ich je bewältigen musste. Ich habe öfters Pausen gemacht, nichts desto trotz freute ich mich nach dem harten Aufstieg wie ein Kleinkind über den malerischen Panoramablick auf dem Gipfel.

Der Blick auf die imposante Vulkanlandschaft ist nicht in Worten zu beschreiben. Wegen der tollen Lage freuten wir uns beide riesig, einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Yvonne machte sich quer über das Tal, ich ließ mich am Seeufer nieder und bewunderte die tolle Fauna im Wasser und in den von Vögeln bewohnten Feuchtgebieten. Riesenblässhühner bereiteten eine echte Lagunenshow vor und schwammen vor mir öfters vorbei, es war eine Freude, die endemischen Rallen zu fotografieren.

Riesenblässhuhn planscht auf 4800 Meter

Wir profitieren wieder vom in Curahuara gekauften Dosenöffner und haben im Zelt Abend gegessen. Von der Müdigkeit fielen wir beide sofort um, allerdings war es nicht leicht in dieser Nacht einzuschlafen. Auf 5000 Meter über dem Meeresspiegel ist etwa halb so viel Sauerstoff vorhanden, es ist schwierig zu schlafen. Wir wachten beide mehrmals in der Nacht auf, nichts desto trotz blieben wir fast schon bis 8 Uhr in der Früh in unseren Schlafsäcken. Dann ging es wieder raus ins Sumpfgebiet, um nochmals die ganze Schönheit des Altiplanos zu bewundern.

Yvonne ist verzaubert von der Natur

Wir haben beschlossen, die aktuelle Etappe der Wanderung ohne Frühstück anzugehen. Wir haben geplant später zu essen, wenn wir einen geeigneten Königsplatz in der Natur dafür finden. Von der Lagune Sorapata stiegen wir wieder auf und erreichten das erste Mal auf der aktuellen Wanderung die 5000 Meter. Dann passierten wir auch die 5040 Meter bei einem Bergpass, welcher die aktuelle Grenze ist. Also kehrten wir nach einem Abstecher wieder nach Bolivien zurück.

Wildcampen in imposanter Umgebung

Unser nächster Halt war die dritte und letzte Lagune der Expedition, die Chiar Khota auf 4998 Metern. Vom Bergsee mit zahlreichen rosa Flamingos und den um Lagune liegenden pastellfarbenen Bergketten des Patilla Pata (5300 Meter) waren wir beide komplett verzaubert. Wir vergaßen die Welt für einen Moment, die Zeit blieb stehen, unsere Kameras tickten. Wir haben beide die natürliche Schönheit dieses außerirdischen Ortes eingefangen.

Der Gebirgszug Patilla Pata

Wenn man die Lagune Chiar Khota verlässt, sieht die Straße auf den ersten Blick sehr einfach aus, aber in Ermangelung einer Spur auf einer kleineren Strecke gibt es praktisch keinen normalen Pfad. Wir lösten es und bald erreichten wir einen magischen tiefen Canyon, den perfekten Ort für unser Frühstückspicknick. Mit weiteren leeren Dosen wurden unsere Rucksäcke leichter, so störte uns das Gewicht auf dem Rückweg nicht mehr, mittlerweile waren wir schon daran gewöhnt.

Fabelhafter Canyon

In der riesigen Schlucht wanderten wir lange und stiegen dann zum Bergplateau hinab, wo der eindrucksvolle Anblick von Sajama wieder ersichtlich wurde. Lange Stunden warteten auf uns, um wieder unseren Ausgangspunkt Sajama zu erreichen. Zwischen Lamaherden kreuzten wir oft das spröde Ichugras des Altiplanos. Um sechs Uhr abends, angenehm müde, kamen wir im Dorf wieder an.

Da wir am nächsten Tag beide den Nationalpark mit dem Morgenbus verlassen wollten, beschloß ich, für die Nacht lieber ins Quartier von Yvonne zu ziehen. Die Quinoa-Suppe schmeckte wieder sehr lecker und ich freute mich auch auf das bequeme Bett.

Sumpflagune mit all der Schönheit des Altiplanos

Meine Weggefährtin aus der Schweiz wird am darauffolgenden Tag in Richtung des Toro Toro Nationalparks aufbrechen, während ich mein Abenteuer im Altiplano auf der chilenischen Seite im Lauca Nationalpark mit weiterem Wildcampen und Vogelbeobachtung auf über 4500 Meter fortsetzen möchte.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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