Drei Tage lang waren wir alle hin und her gerissen im bolivianschen Andenhochland, in der zwölftausend Quadratkilometer grossen Salzebene, welche ganz besonders aufgrund meteorologischer Phänomene, als eines der einzigartigsten Naturphänomene der Welt bezeichnet wird. Aufgrund der Auswirkungen der massiven Niederschläge des bolivianischen Winters bildete sich ein fast dreißig Zentimeter tiefer See auf der dicken, weißen Salzkruste. So erwartete uns im grössten Trockenbecken des bolivianischen Altiplano ein abflussloser Salzsumpf, welcher den Zugang zu mehreren Attraktionen völlig unzugänglich machte. Nichts desto trotz zeigte sich wieder die Vielfalt Boliviens. Uns beeindruckte vor allem die einzigartige Spiegelwelt auf dem gigantischen Salar de Uyuní, welcher nicht nur die höchstgelegene, sondern auch die größte Salzfläche der Welt ist und auf der schon seit Jahren die zukünftige Lithiumgewinnung forciert wird…

Nachdem die Rallye Dakar die staubige Stadt Uyuní verlassen hat, ist für meine Wegbegleiter endlich der Zeitpunkt gekommen, auf den sie sich während ihrer aktuellen Reise am meisten gefreut haben. Nämlich auf den Start mit unserem 4×4 Geländewagen zu einer Entdeckungstour, um die weltweit größte Salzwüste und die himmlisch schönen Landschaftspanoramas der zauberhaften Umgebung kennenzulernen.

Die smagaragdgrüne Lagune Verde (2014)

Um ehrlich zu sein freute sich mein Cousin Barna mehr auf den Besuch des sowohl als Salzsumpf als auch als Salzwüste bezeichneten Salars, als zum Beispiel auf Peru’s Hauptattraktion, das Machu Picchu. Was für die Peruaner die heilige Inkastätte ist, ist für die Bolvianer der Salar. Ich kenne kaum Touristen, die sich während ihrer ersten Bolivienreise nicht die bekannteste Sehenswürdigkeit Boliviens angeschaut haben.

Unser Geländewagen inmitten von der Salzwüste

Bei meiner dritten Salar-Tour wusste ich ganz genau, was während des aktuellen Ausflugs auf mich zukommen würde. Dennoch war der aktuelle Besuch etwas Neues und Merkwürdiges. Denn ich näherte mich der Salzwüste nämlich das erste Mal aus Uyuní, einer Stadt die einer wilden Westernstadt in der Sandwüste ähnelt. Bei meinem ersten Besuch im Jahr 2014 erreichte ich die Salzpfanne von Chile aus, aus San Pedro de Atacama, während ein Jahr später ich mit meinem ehemaligen Handballkollegen Alfred von Tupiza aus den Salar besucht habe. Einer der größten Vorteile der Anreise aus dem Süden ist, daß man aufgrund einer anderen Route teils andere, spektakuläre Naturwunder erlebt, zu denen die Uyuní-Touren nicht hinkommen. Ein weiterer großer Vorteil ist, daß aus der netten Kleinstadt Tupiza ganz wenige Touren starten. Bei der ersten Station spaltet sich das Lager von Touristen auf und der Großteil der Horde stürmt den Eisenbahnfriedhof, um die alten verfallenen Loks und durchgerostetne Wagons zu besteigen und das Open-Air-Museum zu fotografieren.

Unsere lustige Reisegruppe während der Uyuní Expedition (2014)

Zum Glück haben wir uns am Vortag unseres Abenteuers in die Salzwüste entschieden, am Rande des Salzsees die beeindruckenden, vor sich rostenden Dampflokomotiven zu besuchen. Als wir im Eisenbahnfriedhof waren hatten wir nur ein paar Touristen und die wegen der Rallye Dakar abgestellten Polizisten um uns herum. So durften wir ohne Menschenhorden in Ruhe zwischen den Waggons schlendern und das „Cementerio de trenes”, ein spannendes Zeugnis der Eisenbahngeschichte Boliviens, in vollen Zügen geniessen.

Lustiges Schaukeln im Eisenbahnfriedhof (2014)

Dort rosten zahlreiche alte Dampflokomotiven und Wagons ihrer vollständigen Auflösung entgegen. Abgesehen davon, dass die alten rostbraunen Züge fantastische Fotomotive hergaben, hat es für meine Wegbegleiter einen Heidenspaß gemacht, von Wagon zu Wagon zu springen, über die Zugwrackteile zu klettern und das besondere Treffen mit den sympathischen Einsatzkräften der lokalen Sicherheitskräfte auf Fotos zu verewigen.

Pachamama und Pachapapa, also Abendessen in der Salzwüste (2015)

1888 hat man auf Anregung des damaligen Präsidenten Aniceto Arce mit Hilfe von britischen Ingenieuren begonnen, die erste Eisenbahnstrecke Boliviens, die Ferrocarril de Antofagasta zu konstruieren, in der Hoffnung, daß das gut ausgebaute Schienennetz schnell zum Gedeihen des Landes hilft.

Fotopause inmitten vom Salar (2015)

Das im Jahr 1892 fertiggestellte und eingeweihte neue Transportsystem diente zu seiner Zeit zur Beförderung von Rohstoffen und Mineralien wie Natriumnitrat, Salz, Kupfer, Silber und Gold, aus den Minen in die Hafenstädte des Pazifischen Ozeans. Die Eisenbahnlinie erreichte die über 3,5 Kilometer über dem Meeresspiegel liegende, mit ausgezeichneten Rohstoffquellen versehene Stadt Uyuní im späten 19. Jahrhundert. So wurde in der Stadt ein Eisenbahnbetriebswerk errichtet und Uyuní entwickelte sich zu einem wichtigen Eisenbahnknoten der Region.

Die berühmten Eisenbahnschienen (2014)

Doch in den 1940er Jahren brach die örtliche Bergbauindustrie völlig zusammen. Die meisten Edelmetalle wurden stark ausgebeutet und so verließen die Bergbaubetreiber die Minen. Die von britischen Ingenieuren angelegten Trassen samt darauf befindlichen Zügen wurden ihrem Schicksal überlassen. Zerfressen vom Salz sind die meisten der über 100 Lokomotiven und Wagons heute beeindruckende Zeugen einer Zeit, als in Uyuní noch tagtäglich und intensiv Züge gefahren wurden. Durch die Nähe zu Uyuní sind die Eisenbahnwracks schnell zu einem beliebten Fotomotiv unter den Reisenden geworden.

Mein Freund Alfred posiert neben der österreichischen Fahne (2015)

Neben dem Eisenhanhfriedhof bewunderten wir in den intensiv geführten drei Tagen auf der riesigen, weißen Fläche und im Reserva Eduardo Avaroa viele zuaberhafte Naturwunder, wie brodelnde Geysire, Thermalbecken mit warmem Wasser, bizarre, erodierte Felsformationen, steile regelmäßig geformte Vulkankegel und Scharen von rosafarbenen Flamingos in den von den Algen blau, türkis und rot gefärbten Lagunen.

Flamingos kleine Krebse jagend

Der Salar de Uyuní, im bolivianischen Winter auch als Salzsumpf bekannt, ist normalerweise eine trockene Wüste, aber gelegentlich ist sie mit einer dünnen Wasserschicht bedeckt. Da ich diesmal mit meinen aktuellen Wegbegleitern während der Regenzeit im Salar unterwegs war, speiste der Niederschlag die Salzwüste zu einem „See“ mit einer Oberfläche von 20 bis 30 cm Wasser. So verwandelte sich der Salar von einer trockenen Salzwüste in den größten Spiegel der Welt. Wolken und Berge spiegelten sich in der klaren Oberfläche, es ergaben sich himmlisch schöne Landschaftspanoramas. Besonders atemberaubend fanden wir wie das stehende Wasser die Sonnenstrahlen reflektiert hat und wie sich die Wüste in einen riesigen Spiegel verwandelte. Dieses Naturschauspiel muss man einfach mit eigenen Augen gesehen haben!

Wunderschöne Spiegelwelt

In der Trockenzeit ist die Salzebene völlig flach, das Wasser verdunstet und das Salz wird auskristallisiert. Auf dem Boden bilden sich hexagonale Gitter aus Salz, die bei der Trocknung des Salzsees entstehen. Unendliche Weiten einer schneeweißen, schier unendlichen Salzwüste und farbenfrohe Lagunen prägen das vielfältige Landschaftsbild.

Besonderes Erlebnis in der bolivianischen Winterzeit

Die rund hundert Meter dicke Salzkruste der Salzebene Salar de Uyuní lagert den weltweit größten Bestand am Rohstoff der Zukunft, nämlich an Lithium. Unter dem Salz schlummern die größten bisher entdeckten Reserven der Erde. Neun Millionen Tonnen, mehr als beim bisherigen Weltmarktführer und Nachbarn Chile. Bolivien ist aber technisch komplett unterentwickelt, um das leichteste Metall der Erde selbst abzubauen. Ohne Lithium funktioniert kein Akku und vor allem gibt es keine Elektro-Auto-Offensive. Lithium braucht man für Antriebe, aber auch zur Speicherung von Solarenergie.

Auf geht’s zu einem Bilderbuch-Sonnenaufgang!

Das auch weißes Gold genannte Lithium wird außer für die Batterien in der Autoindustrie unter anderem auch in der Unterhaltungselektronik und in der Medizin verwendet. Entsprechend explodierte der Weltmarktpreis. So träumt Evo Morales, der aktuelle Präsident Boliviens, von einem kleinen goldenen Zeitalter für das Land, sollte demnächst mit dem Abbau der Lithiumvorkommen begonnen werden.

Abgefahrenes Foto mit unserer Pachamama (2015)

Morales hat viele Jahre lang das Engagement ausländischer Konzerne in der Region verhindert, aus Angst, daß all der Reichtum ähnlich wie zur Zeit der spanischen Kolonialisierung der Silberminen in Potosi ins Ausland geschafft wird und in Bolivien wieder nichts bleibt.

Über die Jahre entwickelte Evo Morales zusammen mit seiner Regierung eine neue Strategie. So will er mit Hilfe des Lithiums die Industrialisierung im Land vorantreiben und nicht nur Rohstofflieferant sein, sondern auch Weiterverarbeiter. Als strategischer Partner mit dem notwendigen, technischen Know-how fungiert unter anderem das deutsche Unternehmen K-Utec. Die ersten Pilotanlagen für die Entwicklung von Lithiumkathoden und Batterien wurden schon errichtet. Derzeit entsteht in Uyuní ein Industriekomplex zur Förderung von Lithium und Kaliumchlorid, das als Düngemittel zum Einsatz kommt. Geplant ist zudem eine eigene Batterie-Fabrik. So kann bald mit dem organisierten Abbau des weltweit größten Lithiumvorkommens begonnen werden, welches ein völlig neues Kapitel in der Geschichte des Salars eröffnen wird…

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