Nach fast fünf Wochen im Amazonas-Regenwald habe ich meinen Standort gewechselt. Ich flog von Belém nach São Paulo, um meine brasilianischen Verwandten zu besuchen. Ich habe den südamerikanischen Teil meiner Familie 2011 in Brasilien kennengelernt, und seitdem stehen wir in engem Kontakt. Wenn ich Zeit habe, komme ich für ein paar Tage bei ihnen vorbei. In diesen wenigen Tagen geht es normalerweise um viel Unterhaltung, lustige Geschichten, große gemeinsame Mahlzeiten, Musik und Cachaça. Dank dem Reisen und fast einem Jahrzehnt im Sport hatte ich im Laufe der Jahre viele lokale Bekannte. Ein solcher guter Freund ist Sérgio, ein Sportfreak, den ich bei der Handball-Weltmeisterschaft 2011 in Santos kennengelernt habe. Mit meinem Kumpel aus São Paulo besichtigte ich nach acht Jahren wieder das brasilianische Fußball-Museum.

2011 arbeitete ich als Journalist bei der Handball-Weltmeisterschaft der Frauen, wo ich auf den Volunteer Sérgio traf, der mich und meine Kollegen an einem meiner freien Tage zu einem besonderen Museumsbesuch einlud. Unsere Freundschaft dauert bis heute an, wir beide lieben das Museo de Futebol, also gab es keine Frage, wo wir uns treffen sollten.

Das traditionsreiche Mehrzweckstadion, das der Stadt gehört und auch von ihr betrieben wird, wurde 1940 eingeweiht. Das Stadt-Stadion Pacaembu war bei der Fußball-WM 1950 Austragungsort von sechs Spielen, darunter das schwedisch-spanische Spiel um Platz 3.

Das Fußball-Museum unter der Haupttribüne des Stadt-Stadions wurde 2008 eröffnet, um der wichtigsten brasilianischen Religion, dem Fußball, zu huldigen. Im berühmten Estádio do Pacaembu habe ich bereits 2011 ein Spiel der Frauen-Nationalmannschaft erlebt, in dem die brasilianische Legende – die mächtigste Spielerin des Frauenfußballs – Marta, die bisher sechs Mal zur besten der Welt gewählt wurde, stark aufspielte und ihr auch ein Tor gelang. Am Tag unseres Besuchs im Fußball-Museum fand im Stadion auch ein internationales Spiel statt, aber das Spiel von Santos im Wettbewerb Copa Libertadores fand leider hinter verschlossenen Türen statt. Obwohl wir am Abend beide Zeit gehabt hätten, durften wir das brasilianische Fußballheiligtum diesmal leider nicht betreten.

Im Eingangsbereich des Museums mit seinen 16 Themenzimmern befindet sich ein Raum, der – begleitet von einer Unmenge zeitloser und nostalgischer schwarz-weiß Fotografien – die Anfänge des brasilianischen Fußballs zeigt. Laut Sérgio wird der Raum ständig aktualisiert sowie erweitert. Neben vielen historischen und zeitgenössischen Team- und Starfotos wurden auch Fotos an den Wänden angebracht, die Frauenfußball sowie Plakate und Montagen zeigen, die die Gleichstellung des Frauenfußballs symbolisieren.

Das Pacaembu-Stadion befindet sich am Charles Miller Platz. Wer genau war der aus Schottland stammende Miller? Der Fußballer, der das Team São Paulo Athletic Club (SPAC) mitbegründet hat und auch Spieler des Vereins war, war die treibende Kraft hinter der Einführung des Fußballs in Brasilien. Bis heute gilt er als einer der Gründerväter des brasilianischen Fußballs.

Sérgio’s Hommage an den großen Organisator der ersten Fußballspiele des Landes, an Charles Miller. Mein brasilianischer Kumpel imitierte den legendären brasilianischen Fußballpionier Miller vor ein paar Jahren in einer lokalen TV-Show.

Die interaktiven Zimmer und Videowände diskutieren historische Ereignisse des Weltfußballs und präsentieren die größten Spieler und Trainer. Mein großer Favorit ist der den Fans gewidmete Themenraum, in dem die berühmtesten Fußballhymnen und offizielle oft lustige Fußballreime der Fans der brasilianischen Clubteams vorgestellt werden. Die emblematisch gewordenen Hymnen klingen fantastisch, beim Anhören bekomme ich ständig eine Gänsehaut!

Die kulturelle, ethnische und rassische Verflechtung von Musik und Fußball wird in der “Halle der Helden” (Sala dos Heróis) präsentiert, die eine Erinnerung an so berühmte Brasilianer wie die Soziologen Gilberto Freyre und Sergio Buarque de Hollanda oder den Dichter Carlos Drummond de Andrade darstellt. Das Themenzimmer erinnert auch an zwei dunkelhäutige Fußballer, Leônidas da Silva und Domingos Antônio da Guia, die beide erfolgreiche und weitreichende Karrieren in der brasilianischen Fußballgeschichte hinter sich haben.

Ich musste nicht lange suchen und fand sehr schnell den interaktiven Ausstellungsbereich zu Ehren der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 mit dem berühmten Foto der beiden Mannschaftskapitäne Ferenc Puskás und Walter Fritz vor dem WM-Finale in Bern in der Schweiz.

Einer der bekanntesten und von vielen als der beste Fußballspieler aller Zeiten angesehene Pelé ist in vielen Räumen vertreten. Der einzige dreimalige Weltmeister im Fußball wird von einem eigenen Museum in Santos geehrt.

Brasilien wurde 1958 erstmals Weltmeister. Das war das Finale, als die Mitarbeiter an der Seite der Nationalmannschaft auf den blauen (Auswärts)Dress vergaßen und gerade vor dem Finale gegen Schweden (im gelben Dress spielend) separat blaue Trikots erworben und die Länderwappen aufgenäht werden mussten.

In den interaktiven Räumen können die Fußballliebhaber Zeitungsartikel über wichtige Sportereignisse lesen, sich durch Reporterstimmen an emotionale Höhepunkte erinnern oder sich sogar von den besten Bewegungen und Tricks des unglaublichen Pelé und des hochbegabten Fußballtechnikers Mané Garrincha (einer der größten Dribbler aller Zeiten) in Schwarz-Weiß-Filmen bewundern lassen. Fußballleidenschaft pur!

Eines der großen Wandplakate des Museums zeigt die Namen brasilianischer Fußballer, die die Weltmeisterschaft gewonnen haben, als separate U-Bahn Linien und Haltestellen.

Sérgio kannte jeden im Museum, daher stand außer Frage, dass wir uns auch die Fachbibliothek ansehen würden. Wir haben in den großen Büchern der örtlichen Fußballmannschaften geblättert. Ich habe schnell die Bücher über die Lebensgeschichten der ungarischen Legenden Béla Guttmann und Ferenc Puskás gefunden. Nachdem sich herausstellte, dass ich Ungar war, suchte Ademir, der in der Fußball-Bibliothek arbeitete, fleißig nach den Daten der örtlichen Meisterschaften zwischen 1920 und 1930. Ich erfuhr schnell, dass es in einer unteren Division mehrere ungarische Vereine gab.

In den nächsten Tagen geht es bei mir mit dem Sport weiter. Auf dem Weg zum Karneval in Rio de Janeiro, mache ich in Santos eine schnelle Station, wo ich mir das “Museu Pelé” im Detail anschauen werde, das an das Sportleben und die Karriere des Jahrhundertfußballers Pelé erinnert.

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