Mit der Überquerung des Pati-Tales hatte ich meinen Trip in der Chapada Diamantina abgeschlossen. Nachdem ich mit zwei brasilianischen Mädels eine neue Gruppe geformt habe, sind wir zusammen das große Abenteuer Cachoeira do Buracão angegangen. Die letzten 100 Meter gegen die Strömung schwimmend erreichten wir in der prächtigen Schlucht Brasilien’s schönsten Wasserfall.

Nach der Überquerung des Vale do Pati bin ich erschöpft in Andaraí angekommen und so hat mir eine kleine Pause ganz gut getan. Meine Beine fühlten sich müde an und auch im Kopf musste ich mich ausruhen. Es war eine harte Challenge, innerhalb von zwei Tagen 50 km über Berge und Täler zu laufen.

Das „Toca“, die ehemalige Unterkunft der Edelsteinbergbauer

Andaraí ist ein netter, stimmungsvoller Ort. Das Zentrum beeindruckt mit seinen Kopfsteinpflasterstrassen, die schön renovierten Häuser sind alle bunt bemalt. Da hier wenige Touristen herumlaufen, war ich die aktuelle Sehenswürdigkeit für die Einheimischen. Mich hat es nicht gestört, ich habe mich schon daran gewöhnt in nichttouristischen Gegenden in Latein-Amerika bestaunt zu werden.

Nach einem Tag Faulenzen entscheide ich mich, in den Süden, nach Mucugê weiterzuziehen. Das nette Örtchen liegt 60 km von Andaraí entfernt. Hier muss ich eine Bekannte wegen anstehenden Projekten für das nächste Jahr treffen. Mit dem Bus erreiche ich nach einer Stunde Busfahrt das sympathische Städtchen. Ich besuche den Aussichtspunkt hinter meiner Pousada, von wo aus sich die ganze Stadt und die imposante Landschaft inkl. Tafelberge und Felsen bewundern lassen.

Mucugê vom Aussichtspunkt aus

Auf dem Weg nach Hause von meinem Abendspaziergang höre ich auf einmal jemanden meinen Namen rufen. Es sind Vivian und Sara, zwei Brasilianerinnen, welche ich schon in Lençóis getroffen habe. An Sara kann ich mich besser erinnern, sie ist eine Gaucha aus der Provinz Rio Grande do Sul, die an einem Morgen im Gemeinschaftsraum unseres Hostels Mate Tee getrunken hat. So kamen wir kurz ins Gespräch.

Ich bin ein grosser Fan dieses magischen Getränks und hatte während meinen Reisen in Süd-Amerika eine Phase, in der das Yerba (wortwörtlich Kraut) und die Thermosflasche unentbehrliche Bestandteile meines Rucksacks waren. Heutzutage bin ich froh, wenn man in argentinischer oder in süd-brasilianischer Gesellschaft das feine Getränk mit mir teilt.

Traditioneller Weise wird Mate-Tee aus einer sogenannten Kalebasse (auf portugiesisch Cuia) getrunken. Dabei handelt es sich um das ausgehöhlte und getrocknete Stielende eines Flaschenkürbisses. Ein weiterer wichtiger Bestandteil zum Geniessen des Mate-Tees ist der sogenannte „Bombilla“, ein Metallstab, der als Strohhalm fungiert, an seinem unteren Ende allerdings mit einem Sieb die Teeblätter zurückhält. Dem Mate-Tee werden zahlreiche positive Effekte auf unsere Gesundheit und unseren Körper nachgesagt. Die Blätter enthalten zahlreiche Mineralien, wie Magnesium und Kalium sowie und Antioxidantien. Diese sollen helfen, das Blut zu entgiften, sowie Stress und Schlaflosigkeit entgegenwirken. Bei uns in Europa genießt Mate vor allem den Ruf leistungssteigernd und hungerstillend zu sein. Er soll die Konzentrationsfähigkeit steigern und die Müdigkeit vertreiben.

Cézar erzählt von der Flora im Park

Nach dem kleinen Intermezzo über den Mate-Tee zurück aber zur Geschichte: Die Mädels waren am Bier trinken und ich schliesse mich ihnen an während sie erzählen, dass sie mit einem Mietwagen die wichtigsten touristischen Punkte der Chapada Diamantina besuchen. Für den nächsten Tag planen sie den Besuch vom Cachoeira do Buracão unweit von Ibicoara.

Der imposante Wasserfall ist ein ganz besonderes Highlight der Gegend und liegt auch auf meiner Wunschliste, aber alleine und ohne Auto habe ich bis jetzt von der Idee abgesehen. Schnell einigen wir uns auf ein gemeinsames Abenteuer. Wir treffen uns am nächsten Tag in der Früh und gegen 8 Uhr sind wir schon Richtung Ibicoara unterwegs.

Balancieren auf der Hängebrücke

Das Städtchen Ibicoara liegt 78 km von Mucugê entfernt. Wir schaffen die Strecke auf der Hauptstrasse in einer Stunde. In der Stadt treffen wir auf Cézar, der als Guide arbeitet. Den vorgeschriebenen Guide haben die Mädels an den Vortagen per E-mail angeheuert. Bis jetzt versteht aber keine(r) von uns, warum für den Besuch eines Wasserfalls ein Guide gebraucht wird, es wird sich aber demnächst klären.

Auf einer 30 km langen unbefestigten Strasse im wunderschönen Serra Sincorá die bis zum Eingang des Parque Natural Municipal do Espalhado führt kommen wir langsam vorwärts. Nach einer Stunde Fahrt sind wir beim Startpunkt für das Trekking. Auf dem Weg dorthin müssen wir noch einen Fluss mit dem Auto überqueren. Die Challenge wird sehr gut von Sara gemeistert.

Cachoeira dos Orquídeas

Am Eingang zahlen wir ungefähr zwei Euro pro Kopf. Wir parken und begeben uns zur drei Kilometer langen mit Kakteen überzogenen Hochebene. Am Anfang laufen wir entlang des Flusses, bis wir eine Holztreppe erreichen. Der abenteuerliche Abstieg in die Schlucht erfordert Trittsicherheit, die Treppe erleichtert uns das Weiterkommen zum nächsten Pfad.

Die Vegetation im Park ist eine Mischung aus Cerrado und Caatinga, Sträucher wechseln sich mit vielen Kakteen ab. Auf dem Weg bestaunen wir drei Wasserfälle, den Buracãozinho, den Orquídeas und den Recanto Verde. Drei Flüsse vereinen sich und fliessen zusammen zum tosenden Wasserfall Buracão.

Bald erreichen wir den Teil des Canyons, wo Cézar uns vor eine schwere Entscheidung stellt. Der Wasserfall ist an dieser Stelle noch versteckt, so können wir die moderne Version von Indiana Jones spielen und ihn entweder am Rande der Klippe erreichen oder in der Schwimmweste ins ins kalte und raue Wasser springen die letzten 100 m in der engen Schlucht schwimmend zurücklegen.

Ich war 100%-ig sicher, dass sich die Mädels für das Durchschwimmen entscheiden. Ehrlich gesagt mag ich solche „Spiele“ nicht, ich mag es eher, wenn man zu einem Naturwunder zu Fuß gelangen kann. Nichts desto trotz wähle ich diesmal nicht den Spaziergang vorsichtig an den Felsen entlang, sondern springe auch ins Wasser und schwimme gegen die Strömung, um das Wasserinferno im Kessel zu erreichen und das magische Naturwunder namens Cachoeira do Buracão zu sehen bekommen.

Wegen der starken Gischt lasse ich meine Kamera im Rucksack, ich vertraue den Fotokenntnissen von Sara, die eine GoPro mitnimmt.

Cachoeira do Buracão

Ich hatte etwas Angst, die Schlucht gegen die Strömung schwimmend zu durchqueren, aber es ist leichter als ich dachte und so erreiche ich problemlos das Innere des Canyon. Spektakulär stürzen die Wassermassen in den Felskessel. Hier wird jede Anstrengung und Müdigkeit vom Anblick und vom Klang des atemberaubenden Wasserfalles voll entschädigt. Es lohnt sich allemal!

Bis in den tobenden Felsenkessel des Falles zu schwimmen ist auf jeden Fall ein sehr spektakulärer Weg zu einem Wasserfall zu gelangen. Ich habe viele Wasserfälle auf meinen langjährigen Reisen erlebt, aber so einen besonderen in so einer wunderschönen und faszinierenden Landschaft noch nie. Der sich in ein grosses Loch (daher auch der Name Buracão) ergießende 85 m hohe Wasserfall ist höchtwahrscheinlich einzigartig auf dem südamerikanischen Kontinent.

Wir bleiben ungefähr eine halbe Stunde und während die Mädels schwimmen, gehen Cézar und ich, am Rande der Klippe und auf einer Hängebrücke zum Ausgangspunkt zurück. Auf dem Rückweg zum Auto zeigt unser Guide uns noch verschiedene Aussichtspunkte, unter anderem, einen ganz besonderen, von dem wir den massiven Buracão am Rand einer Klippe begutachten können.

Gegen die Strömung, ab zu Brasilien’s schönstem Wasserfall!

Der Weg führt uns zu den Orquídeas Fällen, welche zum Baden und zur Nackenmassage einladen. Nach einer langen Pause begeben wir uns auf den Feldweg Richtung Ibicoara. Wir halten noch bei einem Cachaça-Hersteller für eine Verkostung an und lernen einiges über den Prozess der Herstellung des hochprozentigen Feuerwassers.

Beim Abscheid einigen wir uns mit Cézar darauf, beim nächsten Mal auch den imposanten Cachoeira da Fumacinha in der Nähe von Ibicoara zu besuchen.

Der Cachoeira do Buracão von oben

Mit den Mädels kehre ich am Abend nach Mucugê zurück. Sara und Vivian müssen am nächsten Tag nach Salvador, denn ihr Urlaub geht zu Ende. Ich muss demnächst auch in Bahia’s Hauptstadt, allerdings muss ich davor noch meinen grossen Rucksack in Lençóis abholen, bevor es wieder mal zur Küste Brasiliens geht.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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