Ich verbrachte wieder den ganzen Tag im Cerrado, wo ich den höchsten Aussichtspunkt auf dem schroffsten Pfad des Naturschutzgebiets bestieg. Oben erwartete mich ein einmaliger Fernblick auf die atemberaubenden Wasserfälle und den langen, gewundenen Fluss Rio Preto.

Heute wurde es noch einmal bestätigt, dass São Jorge der perfekte Ausgangspunkt ist, um das Chapada-Plateau zu erkunden. Diesmal wählte ich eine der wildesten Attraktionen der Cerrado-Wälder, die über einen langen “Natur-Abenteuer-Pfad” zu Fuß vom Zentrum des Hippie-Ortes erreichbar ist.

Blick auf das scheinbar endlose Tal des Cerrado und die Berge im Hintergrund.

In meiner Unterkunft wurde ich ausreichend vorgewarnt, dass der Mirante da Janela (auf Deutsch der “Ausblick aus dem Fenster”) eine sehr lange, besonders steile, teilweise anstrengende Wanderung sein würde, so machte ich mich schon früh am Morgen auf den Weg. Wie an den Vortagen besorgte ich in der örtlichen Bäckerei einen kleinen Proviant für ein Picknick und packte auch mehrere Liter Wasser ein. Eine regelmäßige Flüssigkeitsnachfüllung musste sehr ernst genommen werden, da ich mich wieder auf Extremtemperaturen vorbereitete und wusste, dass auf der langen Wanderung der Wasservorrat nicht aufgefüllt werden kann.

Diesmal schaffe ich es, die vielfältige Vogelwelt multimedial festzuhalten und aussagekräftige Bilder zu machen.

Ich wollte nicht noch einmal das gleiche erleben wie vor einigen Jahren auf einer 4-tägigen Wandertour zur Inka-Stätte von Choquequirao in Peru, wo mein Hals bei der extremen Hitze sehr trocken wurde und ich leider kaum Gelegenheit hatte, meine schwindenden Wasservorräte wieder aufzufüllen. Als ich den Pfad zum Aussichtspunkt “Mirante da Janela” im Voraus studierte, erfuhr ich, dass es nach einem Drittel des Weges einen Wasserfall geben wird, der jedoch nach der Regenzeit so zurückhaltend ist, dass er vollständig austrocknet.

Nachdem ich die beiden offiziellen Wanderrouten des Nationalparks besichtigt habe, gehe ich zum Beobachtungsposten “Mirante da Janela”.

Um mit dem Wandern zu beginnen, musste ich als erstes in Richtung Nationalpark spazieren und dann bei einem großen Schild links abbiegen. Ich war mindestens eine halbe Stunde auf einer sehr staubigen Straße zunehmend bergauf unterwegs, als der Weg plötzlich endete. Ich befand mich inmitten eines wunderschön angelegten kleinen Parks mit schwindelerregendem schönen Fernblick über das Tal der Chapada dos Veadeiros.

Ein authentischer, beruhigender Ort zum Nachdenken und für Yoga-Übungen.

Ich war sehr überrascht, als zwei Mädels so früh am Morgen aus der Richtung des Aussichtspunktes kommend auf mich stoßen. Nach kurzer Unterhaltung stellte sich heraus, dass sie wegen des Sonnenaufgangs, den sie von der Aussichtsplattform aus erlebt haben, schon nachts zur Wanderung aufgebrochen waren. Ich erreichte die örtliche Parkverwaltung durch die locker bewaldete Savanne des Campo Cerrado, wo ich mich schnell registrierte und das Eintrittsgeld von R$20 bezahlte.

Ich bin schon den dritten Tag unterwegs und kann immer noch nicht genug von solchen wunderbaren Pflanzenassoziationen bekommen.

Ohne Wegmarkierungen spazierte ich im Flußbett eines der bereits ausgetrockneten Flüsse des Urlandes in Richtung Tal. Ohne eine Wanderkarte und Kompass war ich dennoch zuversichtlich, dass dies die richtige Richtung sein würde. Ich marschierte ungefähr 45 Minuten, als ich nach einiger Suche den komplett ausgetrockneten Wasserfall Cachoeira do Abismo fand. Bei klarem Wetter ruhte ich mich zwischen Millionen Jahre alten Felsformationen aus und genoss den Blick auf die weite natürliche Cerrado-Landschaft. Ich sah einen großen Hügel auf der anderen Talseite auftauchen, den ich erklimmen musste, um die steilen Passagen von Mirante da Janela zu erreichen.

Der Wanderweg am Flussbett führt auf den kuriosen Felsformationen des Plateaus weiter.

Die Umgebung des Abismo-Wasserfalls ist mit metertiefen Löchern versehen.

Während der Wanderung ins Tal habe ich mich zunächst mehrmals verlaufen, aber es war weniger verwirrend, da ich immer einen neuen Fang am Berg gefunden habe. Zwar trat ich manchmal etwas zögernd, aber ich bewegte mich vorwärts in Richtung Tal. Es war mir bewusst, dass ich vom Ende der Wanderung noch weit entfernt war, dennoch fühlte ich mich enorm erleichtert, als ich in die einzigartige Talschlucht hinabstieg.

Vom Aussichtspunkt des Wasserfalls wartet noch ein langer Marsch bis zur Spitze des Hügels auf mich.

Wo befindet sich denn der Pfad Richtung Talschlucht?!

Nach einem halbstündigen Pfad, der den Markierungen folgte, stieg ich auf das Wegstück Richtung Spitze des Hügels. Ich ging eine Weile sehr schön bergauf, aber der kaum erkennbare Pfad verschwand plötzlich, so dass ich beim Klettern wieder improvisieren musste. Ich habe nichts gegen solche Herausforderungen, es ist wichtig, öfter spontan zu sein. Auf den steilen Hügelseiten bemerkte ich den aus Holzbrettern bestehenden Pfad nicht, so rutschte ich aus und klammerte mich zur Seite taumelnd an den biegsamen Baumwurzeln fest, um die Natur-Beobachtungsstelle zu erreichen.

Diese wacklige Holzkonstruktion ist Chapadas großartigste Aussichtsterrasse.

Atemberaubendes Panorama in der Vogelperspektive.

Ich habe ganz besonders dieses aufregende Abenteuer genossen, da ich dabei die ganze Macht der Natur zu spüren bekam und am Ende bei klarem Wetter die spektakulären Wasserfälle und die charaktervolle Schluchtlandschaft bewunderte.

Der Rio Preto-Wasserfall versinkt an zwei Stellen in die Tiefe.

Klassisches Postkartenmotiv.

Der Rückweg schien schneller hinter sich gebracht. Die Wanderroute war wegen dem Hinweg bereits bekannt, daher fand ich die zuvor verlorenen Stellen des Pfades immer überall.

Auf dem Rückweg treffe ich dieses sympathische Tierchen.

Zurück auf meiner Basis in São Jorge, ergänzte ich meinen verbrannten Kalorienbedarf mit einer großen Portion Açaí. Nach dieser Wanderung durch erstaunlich vielfältige und abwechslungsreiche Landschaftsformen der Chapada entscheide ich mich, noch mindestens zwei Tage hier zu bleiben, das Gefühl von Freiheit weiter zu genießen und nach neuen Wanderabenteuern zu suchen!

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