São Jorge hat erneut bewiesen, dass seine natürliche Umgebung äußerst spektakulär ist. Ich trampte zu einem geheimen Wasserfall, der aufgrund des Edelmetallabbaus für Jahrzehnte von der Außenwelt abgeschnitten war. Kristallklare Wasserquellen und ein Wasserfall in unberührter Natur hießen mich willkommen. Außerdem konnte unser Allradfahrzeug überflutete Flüsse durchfahren. Es war wieder mal ein schöner Tag.

Ausgehend von meiner derzeitigen Basis gehen die Attraktionen, die zu Fuß erkundet werden können, langsam zur Neige. Daher wähle ich für heute eine Wanderung, bei der ich ohne planmäßigen Autobustransport nur per Anhalter zum Ziel kommen kann (eine bei der örtlichen Agentur gebuchte Tour war keine Option). Von São Jorge fahren die Fernbusse und billige Gruppentaxis nur in die Stadt Brasília, deshalb entscheide ich mich für die Suche nach einer passenden Mitfahrgelegenheit, die mich zum monumentalen Wasserfall von Cachoeira do Segredo führt.

Das Wegstück zum Wasserfall ist höchst beeindruckend.

Letzterer ist relativ weit von meiner Unterkunft entfernt, aber ich bekam erneut zahlreiche nützliche Tipps von meinem brasilianischen Bekannten Marcio, der mir geraten hat, früh am Morgen im Büro der Operadora Segredo vorbeizukommen, wo ich mich anderen Reisenden leicht anschließen kann.

Unterwegs auf dem Pfad finden wir Bäume mit interessanten Formen.

Um ganz ehrlich zu sein, war ich ein wenig überrascht, dass man das Segredo-Ticket im Voraus erwerben muss. Ich kenne nur sehr wenige Brasilianer, die Eintrittskarten im Voraus kaufen und nicht erst später vor Ort. Aber es hilft nichts und so warte ich schon gegen halb acht an der Rezeption der Agentur.

Ich bereue es nicht, den farbenfrohen Ausflug unternommen zu haben.

Ich musste nicht lange warten, ein Jeep mit drei Brasilianern traf innerhalb von zwanzig Minuten ein. Mit dem freundlichen Fahrer habe ich ein paar Worte gewechselt und organisierte schnell meine Fahrt zum Wasserfall. Die netten Jungs zeigten sich sogar bereit, mich am Nachmittag nach São Jorge zurückzubringen. Marcelo, der Anführer der kleinen Gruppe, lebt in China und kehrt jedes Jahr für einige Wochen nach Brasilien zurück, um mit seinen Freunden die besonderen Naturattraktionen des riesigen Landes zu erkunden.

Solch ein bezaubernd schöner und klarer Fluss ist selten zu sehen.

Marcelo zufolge sind die Strände für ihn und seine Freunde nicht sehr attraktiv, so dass sie meistens im Landesinneren abenteuerlustig unterwegs sind. Nach dem Besuch des Veadeiros-Plateaus fahren die Brasilianer nach Jalapão, zum weiten Gelände der für ihre Artenvielfalt bekannten Cerrado-Savanne. Das einmalige geologische Phänomen von Jalapão ist ein oft übersehenes Reiseziel in Zentralbrasilien, das seit Jahren auch auf meiner Wunschliste steht. Riesige rötliche Sanddünen, Palmenwälder und Flüsse mit kristallklarem Wasser sind die Hauptattraktionen des Nationalparks. Jalapãos Wüstenzone wird definitiv noch eine Weile auf mich warten müssen, dennoch besteht heute die Möglichkeit, zumindest auf smaragdgrüne Wildflüsse zu treffen.

Die savannenartige Cerrado-Region taucht von einem der Aussichtspunkte auf.

Cachoeira do Segredo, einer der höchsten Wasserfälle der Region, liegt westlich meiner derzeitigen Basis in Richtung Colinas do Sul. Mit meinen sympathischen Begleitern waren wir ca. 20 Kilometer auf der Asphaltstraße unterwegs, als wir ein Schild sahen, das den Eingang zum Wasserfall anzeigte. Wir fuhren auf einem holprigen Feldweg weiter und überquerten mindestens ein halbes Dutzend Mal die Flüsse Rio São Miguel und Rio Segredo.

Auch die Tierwelt des Cerrado zeigt sich.

Wir hatten Riesenglück, dass wir dieses Gelände während der Trockenzeit besucht haben, da der Wasserfall in der Regenzeit viel schwieriger zu besuchen ist. Wenn das Hochwasser die Flüsse überflutet, verwandelt sich die unbefestigte Straße in einen riesigen Sumpf und macht das Weiterkommen unmöglich. Marcelo hatte es diesmal etwas leichter, obwohl er den Jeep sicher manövrierte, um nicht beim Furten stecken zu bleiben. Der riesige Brasilianer beherrschte sein Allradfahrzeug und erwies sich als ausgezeichneter Fahrer. Wir gelangten bis zum letzten Wanderparkplatz, um von dort aus eine leichte Wanderung am Flussufer Richtung spektakuläre Kaskade zu unternehmen.

Hier ist Wandern ein ganz besonderes Erlebnis.

Der „Geheime Wasserfall” befindet sich erst seit kurzem auf der Karte des ökologisches Heiligtums der Chapada dos Veadeiros. Die Gründe dafür sind die Heerscharen von Garimpeiros, die informellen Goldsucher, die das Gebiet jahrzehntelang beherrschten und es erst dann der traditionellen Bevölkerung übergaben, als die waschbaren Goldreserven des Gebiets erschöpft waren.

Die schöne Reflexion des Flussufers und der Flussbäume im Wasser erzeugt völlig surreale Bilder.

Der schillernde smaragdgrüne Wildfluss ist eines der spektakulärsten Naturwunder der Chapada. In seinem klaren Wasser kann man immer bunte Fische beobachten. Während der 4-5 km langen Wanderung passierten wir mehrmals den überaus farbenfrohen Fluss. Ohne schwankende Hängebrücken überquerten wir die Gewässer auf rutschigen Steinen und mit Hilfe von Seilen, die über das Flussbett zwischen zwei Bäumen gespannt waren. Nach ungefähr einer Stunde Fußmarsch erreichten wir das Ende des Wanderweges und gleichzeitig die mitten im Wald versteckte Talschlucht.

Meine brasilianischen Begleiter benutzen ein Seil, um auf die andere Seite von Rio Segredo zu gelangen.

Die Segredo-Wasserfälle liegen auf einer hochromantischen Felsformation, die von üppiger Vegetation bewachsen ist und aus einer Höhe von ca. 100 Metern elegant in die Tiefe stürzen. Während sich meine Kollegen einen Joint anzündeten, genoss ich und fotografierte den spektakulären Wasserfall von allen Seiten. Kurz nach uns trafen weitere Gruppen ein, um im kühlen Naturpool des imposanten Wasserfalls zu planschen.

Nach dem kristallklaren Fluss ist die Wasserfall-Idylle ein nettes Extra.

Wunderbare Flusswelt zum Baden.

Mit meinen aktuellen Weggefährten rasten wir auf dem Rückweg und nahmen ein Bad im klaren Wasser des Flusses. Bei dieser Hitze tat uns das Schwimmen wirklich gut. Als wir unseren Jeep erreichten, war unsere Haut schon trocken. Meine neuen Freunde erfüllten ihr Versprechen und ließen mich am Eingang zu São Jorge aus. Wir tauschten Telefonnummern und verabschiedeten uns. Ich verbrachte den Rest des Nachmittags in einer Hängematte und plante die Details für meine nächste Wandertour am Folgetag.

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