Ich verlegte meine Basis ins Zentrum eines der weltweit wichtigsten Schutzgebiete der Savannenlandschaft des Cerrado, um im unbestreitbar schönen Naturreservat Chapada dos Veadeiros wandern zu gehen. Das von den Einheimischen hoch geschätzte Ökosystem übertraf alle meine Vorstellungen. Ich war verzaubert von den aneinander liegenden Rio-Preto-Fällen und dem vielfältigen natürlichen Lebensraum.

Brasilien ist bekannt wegen des besonders ausgelassen gefeierten Karnevals in Rio de Janeiro, des Fußballs, des tropischen Amazonas-Regenwalds und den Iguazú-Wasserfällen. Wenige sprechen von Wandern, Bergsteigen und den aufregenden Wanderwegen. Doch die fantastische Dünenlandschaft von Lençóis Maranheses, die spektakulären Schluchten der Chapada Diamantina und des Nationalparks Aparados da Serra, bieten einige der einzigartigen und vielseitigen Landschaften des Landes.

Der Cerrado zählt zu den Hochrisikogebieten und gehört zu den wichtigsten Wasserressourcen Südamerikas.

Die im Land befindlichen Chapadas (Hochebenen) gehören seit Jahren zu meinen großen Favoriten. Seitdem ich die weniger bekannte Chapada das Mesas durchstreifte und das Symbol des Nationalparks, den Tafelberg Morro do Chapéu, bestieg, beschloss ich, bei Gelegenheit auch in die anderen Naturreservate des zentralbrasilianischen Hochplateaus zu gelangen. Ich bin schon einige Male in der von Flüssen, Quellen und Bächen durchzogenen Felsenlandschaft der Chapada Diamantina trekken gewesen. Jetzt war es an der Zeit, meine Liste zu erweitern und mich zur Quarzkristall-Platte der Chapada dos Veadeiros zu begehen, die sich im nordöstlichen Teil des Bundesstaates Goiás versteckt.

Ich wandere auf dem höchsten Plateau Zentralbrasiliens.

Reise in eine längst vorübergegangene geologische Ära des Planeten.

Ich betrachtete die Hippie-Kleinstadt São Jorge, 230 km von der Stadt Brasília entfernt, als meine neue Basis. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, da es für den 66.000 ha großen Park mehrere Eingänge gibt. Einer von ihnen liegt im Hauptort Alto Paraíso de Goiás. Letzterer ist zwar eine größere Stadt und verfügt über eine viel bessere Infrastruktur als São Jorge, aber ohne Auto wäre es für mich schwierig gewesen, die weiter von Alto Paraíso entfernten Wasserfälle zu erreichen.

Der Cerrado um São Jorge ist ein nationales Schutzgebiet, in dem viele endemische Pflanzen- und Tierarten ausschließlich beheimatet sind.

Der große Nachteil von Zentralbrasilien ist, dass der öffentliche Nahverkehr trotz der Hauptstadt sehr zu wünschen übrig ist, aber das BlaBlaCar, das ich zuvor schon mal im Bundesstaat Maranhão verwendet habe, funktionierte hier auch hervorragend. So erreichte ich mit der Mitfahrgelegenheit spät am Abend São Jorge.

Nach einem schweißtreibenden Aufstieg entfaltet sich vor mir ein wunderbares Panorama.

Die Chapada dos Veadeiros wurde kurz nach der Einweihungseuphorie der neuen Hauptstadt Brasília eröffnet und unterscheidet sich grundlegend von ihren bisher bekannten Chapada-Kollegen. Das Planalto Central (Zentrale Hochebene) ist eine der letzten unberührten tropischen Savannen der Welt. Nach der Regenzeit herrschte eine außergewöhnliche Dürre und die Temperaturen stiegen deutlich über 30 Grad an, als ich am nächsten Morgen zum Parkeingang ging.

Heute beherbergen nur zwanzig Prozent der Savannenfläche die ursprünglich artenreiche Vegetation.

Das Naturreservat wird vom Chico Mendes Institut (ICMBio) für Biodiversitätserhalt geleitet. Das sympathische Personal hieß mich in den Containern der Registrierungsstelle willkommen. Die Parkangestellten offenbarten, dass ausländischen Besuchern ein viel höherer Eintrittspreis berechnet wird als Brasilianern. Glücklicherweise dachte ich schnell mit und suchte in meinem Telefon nach einem Foto meiner Aufenthaltskarte, die noch 2016 für meinen Job bei den Olympische Spielen in Rio ausgestellt wurde, aber seitdem schon abgelaufen ist. Der freche – ungarische – Trick funktionierte, so sparte ich das Geld für Açaí für den Abend. Nach einem kurzen Orientierungsfilm und einem Vortrag von Sicherheitshinweisen durfte ich den Nationalpark betreten.

Zurück zur Natur!

Obwohl ich mich bereits in der Früh beim Park befand, schien es unmöglich zu sein, die beiden möglichen Trekking-Pfade, die mit verschiedenen Farben markiert waren, an einem einzigen Tag zu absolvieren. Jede Wanderung innerhalb der Chapada war länger als zehn Kilometer, daher wählte ich für den aktuellen Tag den ehemaligen Pfad der Minenarbeiter, an dessen Ende ich die Gelegenheit haben werde, mich bei der sommerlichen Hitze abzukühlen.

Auf dem gelb gekennzeichneten Wanderweg erwarten mich Wasserfälle und Stromschnellen.

Das geschätzte Alter der Chapada dos Veadeiros beträgt 1,8 Milliarden Jahre.

Etwa nach einem Drittel des Weges befindet sich der höchste Wasserfall im tropischen halbfeuchten Cerrado, der wegen seiner Höhe einfach Salto 120 genannte Wasserfall. Nach wenigen hundert Metern im Park bin ich schon von der savannenartigen Graslandschaft überwältigt. Erst dann fällt es mir so richtig auf, dass ich mich in der biologisch vielfältigsten Savanne der Welt befinde. Die sengende Hitze von fast 40 Grad stört mich daher beim Wandern überhaupt nicht.

Der größte und beeindruckendste Wasserfall im Nationalpark der Chapada dos Veadeiros ist der Salto 120.

Der Nationalpark zeichnet sich durch charakteristische Spezies von Gräsern aus. Trotz der ausgeprägten Trockenperiode macht die vielfältige Flora die wilde Landschaft bunt. Der Salto 120 hat kein Becken, sondern fließt sofort in eine starke Strömung, ohne Bademöglichkeit. Niemand außer mir befand sich an den interessanten Aussichtsplattformen, so fühlte ich mich in der Naturlandschaft eingebunden. So gerne ich noch hier geblieben wäre, musste ich weiter, schließlich wartete ja der nächste Wasserfall auf mich.

Cachoeira do Garimpão, auch bekannt als Salto 80, verbreitert sich fächerartig nach unten.

Badefreude im sauberen Rio Preto.

Letzterer befindet sich am Fuß des Rio Preto, so genoß ich ein tolles Bad im natürlichen Pool vor dem Wasserfall. Der türkisfarbene, saubere Fluss und die Fülle von Fischen, die meine Haut umschwärmten, an die Zehen stupsten und spürbar an ihnen saugten, begeisterten mich.

Relaxen, Schwimmen und Entspannen tun beim Mini-Wasserfall und bei den Stromschnellen der Corredeiras gut.

Absolute Ruhe abseits der Hektik der lauten Städte.

Diese Region Brasiliens umfasst fünf Prozent der biologischen Vielfalt der Erde.

Ich setzte meine Wanderung ca. zwei Kilometer flussaufwärts fort und erreichte die laute Stromschnelle der Corredeiras, um nochmals einige Zeit am Fluss zu verbringen. Erfrischt kehrte ich zum Parkeingang zurück, um mich in meiner Unterkunft auszuruhen bevor ich am nächsten Tag eine weitere Tagestour durch die vielfältigen Landschaften der Hoch-Savanne unternehme.

Fabelhafter Sonnenuntergang von der Terrasse meines Gästehauses.

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