Die letzte Station meines Savannen-Abenteuers ist das für seine Esoterik berühmte Tal des Mondes und der auf einem privaten Anwesen versteckte Wasserfall Lageado. Ich erreiche mein Ziel durch dichten Wald und buschiges Gelände, um mich aufgrund von kleineren Schnittwunden und Hautabschürfungen wochenlang an meine Wanderung zu erinnern.

Der Cerrado bietet in seinem “Wasserreich” für mehrere Wochen lang ausgedehnte Trailtouren zu Wasserfällen und Wasserquellen. Unerforschtes Terrain gäbe es für mich noch in der Umgebung der mir bis jetzt nicht bekannten Siedlungen von Colinas do Sul, Cavalcante und Alto Paraíso. Zu dieser Zeit war es schon mein fünfter Tag in São Jorge und ich hatte das Gefühl, dass es langsam wohl Zeit wird, meine Basis zu wechseln. Nach der Cerrado-Savanne sehnte ich mich nach einer neuen unbekannten Umgebung.

Ich erkunde das Serra da Boa Vista Tal außerhalb des Parque Nacional da Chapada dos Veadeiros.

Als Abschluss-Tour wollte ich jedoch nicht meinen Standort wechseln, also blieb ich in São Jorge und unternahm eine Exkursion ins Mondtal von Vale da Lua. Das Tal ist auf einer gut ausgebauten Teerstraße mit dem Auto leicht zu erreichen, allerdings entschied ich mich ohne Mietwagen für eine Wanderung. Ich habe der vor einigen Jahren auf Wikiloc aufgezeichneten Route vertraut.

Bei meinem Wanderausflug fotografiere ich auch die Vogelwelt.

Nicht das schönste Wahrzeichen des Veadeiros-Plateaus, aber dennoch eine populäre Attraktion ist das Flusstal von Vale da Lua.

In Richtung Alto Paraíso verließ ich das Dorf São Jorge, um von der Hauptstraße abzuweichen und mich auf den Weg zu den ca. eine Milliarde Jahre alten spektakulären Kraterformationen zu machen. Zwischen landwirtschaftlichen Flächen ca. eine Stunde unterwegs stand ich schnell einem unerwarteten Problem gegenüber. Die lokalen Bauern traten nämlich unzählige Pfade zwischen den Parzellen des Ackerlands aus, daher war ich mir nicht sicher, welches Wegstück ich als nächstes gehen soll. Ich schaute ständig nach links und rechts, bevor ich schließlich den richtigen Weg fand, der durch einen Furt in ein Tal führte, das für seine esoterisch-spirituellen Erfahrungen bekannt ist.

Auch hier beeindruckt die farbenprächtige Vegetation.

Typische Vegetation des wichtigen Cerrado Bioms.

Obwohl ich mich auf dem richtigen Pfad befand, musste ich schnell erkennen, dass ich versuchte, in einem Terrain voranzukommen, auf dem man nur ganz selten wandert. Ich musste mit zusammengebissenen Zähnen um das Fortschreiten kämpfen, die Sträucher mit vielen Dornen beachten und dem Pfad, der oft ganz verschwand, folgen. Für letzteres hat mir der auf meinem Smartphone gespeicherte Wikiloc-Trail sehr geholfen, mit dessen Hilfe gelang es mir immer wieder auf den richtigen Pfad zurückzufinden.

Ich versuche, mich dem Tal des Mondes in dicht gewachsenem Buschwerk und Gestrüpp zu nähern.

Die letzte Phase meines Wanderabenteuers schien sehr anstrengend und mühsam. Im dicht bewachsenen Wald war das Vorankommen ohne eine Machete viel langsamer. Ich bemühte mich, den dornigen zurückschellenden Zweigen seitlich oder gebückt so gut wie möglich auszuweichen, aber immer wieder blieb ich hängen oder ritzte mich die Haut auf. Ich kämpfte hart und so lange mit den Elementen und den Bedingungen, bis ich es endlich schaffte, aus dem Labyrinth der verworrenen Wälder herauszukommen. Sogar der überraschte Parkwächter merkte mir erstaunt an, dass dieser schier unpassierbare Wanderpfad seit Jahren nicht mehr begangen wurde.

Neben mir gibt es noch weitere Besucher im Vale da Lua.

Dieses Mal lasse ich das verlockende Bad im natürlichen Pool aus.

Der Wächter erzählte mir eine ziemlich ungewöhnliche Geschichte über das Moon Valley. Nach seinen Informationen kommen Besucher aus aller Welt, um die ganz besondere – esoterisch-spirituelle – Wirkung der Felsen aus nächster Nähe zu erleben und außerirdische Raumschiffe zu sichten. UFO-Experten glauben, dass die Kristalle des Chapada-Plateaus, das als Landeplatz für Außerirdische gilt, eine stark mystische Wirkung auf das Energiefeld der Chakren haben. Unterdessen glauben Spiritualisten, dass die Quarze von diesem Ort mitreißende positive Energien ausstrahlen, die als einer der Motoren für den positiven spirituellen Fortschritt der Menschheit gelten.

Mysteriöse Felsformationen, die durch kontinuierliche Erosionsprozesse entstanden sind, befinden sich in der Mitte des Energiefeldes der Mondlandschaft.

Die von der wilden Kraft des São Miguel Flusses geformten Felsen sind mehr als eine Milliarde Jahre alt.

Ich bin mir nicht sicher, ob dies alles wahr ist oder nicht. Allerdings fühlte ich mich nicht besonders spiritualisiert vom Feld der Steinformationen, das laut NASA als der hellste Ort der Erde gilt, der aus dem Weltraum perfekt aussieht. Besonders interessant seien dennoch die ungewöhnlichen Felsen, die sich aufgrund möglicher Wechselwirkungen zwischen Lavaströmen und Überschwemmungen geformt wurden. Es ist sehr entspannend, ein erfrischendes Bad im herrlichen Naturbecken zu nehmen, allerdings reicht ohne Bad eine gute Stunde für die detaillierte Erkundung vom nicht allzu großen Gelände.

Das Bild der Vegetation verändert sich, ich bewege mich in bewaldetem Terrain weiter.

Ein typisches Nutztier der lokalen Fazenden ist das Vieh.

Es war noch früh und ich hatte viel Zeit, daher beschloss ich, vorerst nicht nach São Jorge zurückzukehren, sondern eine Wanderung im faszinierenden Tal zu unternehmen und mir noch einige Wasserfälle anzusehen. Meine Landkarte zeigte diese Kaskaden an, so war es mir bewusst, dass ich mindestens fünf Kilometer zurücklegen muss, um das Mondtal zu verlassen.

Lageado ist ein idyllischer Wasserfall, der sich auf einem privaten Areal befindet.

Nach einem abwechslungsreichen und langen Spaziergang erreichte ich das Privatgrundstück, auf dem der Trail zu den Lageado-Wasserfällen beginnt. Die Einheimischen waren nicht zu Hause, also bin ich dem Eintritt entkommen. Der Wasserfall lag mindestens zwei Kilometer vom rostigen Wegweiser entfernt und befand sich in idyllischem Gelände am Ufer eines kleinen Baches. Im Vergleich dazu, dass Lageado kaum in Reisebüchern erwähnt wird, ist es ziemlich spektakulär.

In der mittäglichen Hitze spaziere ich mindestens drei Kilometer zur Raizama-Kaskade.

In der felsigen Schlucht kann ich leider kein gescheites Foto von der Reihe der Raizama-Wasserfälle knipsen, stattdessen fotografiere ich die Stromschnelle auf dem kleinen Fluss São Miguel.

Am Ende der Rundwanderung gelange ich auch zu den Raizama-Wasserfällen, die mich nicht so beeinflussen. Von hier ist es noch mindestens eine Stunde zurück zu meiner Unterkunft. In den im Cerrado verbrachten fünf Tagen bin ich sehr viel gelaufen und habe viel im “Geburtsort des Wassers” erlebt. Daher wirke ich am Ende des Tages etwas müde, so werde ich mir jetzt einen oder zwei Tage Pause gönnen und werde inzwischen meine nächste Reise zum größten sumpfigen Gebiet der Welt, zum lange erwarteten Pantanal, planen!

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