Ich habe die letzte Chapada besucht, die auf meiner Reise-Wunschliste noch fehlte. Trotz der herrschenden Hitze unternahm ich wohltuende Spaziergänge in der brasilianischen Savanne, die durch die schweren Buschbrände der vergangenen Jahre als stark gefährdet gilt. Ich besuchte Wasserfälle, stieg zu Aussichtsplattformen auf und fotografierte in der dürren, trockenen Landschaft exotische Vögel.

Nach einer ungewöhnlichen Tiersafari und einer Jaguar-Exkursion im Nord-Pantanal verbrachte ich die Nacht in Poconé. Mein Plan war es, am Morgen mit meinem Mietwagen den Nationalpark Chapada dos Guimarães zu besuchen. Letzterer ist ein lohnenswerter Abstecher vom Pantanal und liegt in der Mitte des riesigen, südamerikanischen Kontinents, nordöstlich von Cuiabá, der Hauptstadt von Mato Grosso.

Das Guimarães-Plateau ist die letzte Chapada, die ich in Brasilien besuche.

Die Chapadas sind meine großen Favoriten in Brasilien. Von den Tafelberglandschaften ist der “Diamantencanyon” in Bahía der berühmteste, während die abgeschiedene Chapada das Mesas als am wenigsten bekannte gilt.

Wenn in der Mittagszeit die Sonne unbarmherzig vom Himmel brennt, macht es wenig Spaß, im kargen Gestrüpp der Savanne spazieren zu gehen.

In den letzten Jahren hatte ich das Glück, drei der vier Hochebenen der Chapada im Detail erkunden zu dürfen. Die Chapada dos Veadeiros unweit von Brasília besuchte ich zu meiner großen Freude eben letzte Woche. Es stand daher außer Frage, dass ich diesmal die Lücke fülle und auch diesen Traum von meiner Wunschliste wahr werden lasse. Es wartete auf mich der Guimarães Canyon!

Die einzige Attraktion im kleinen Städtchen von Chapada dos Guimarães ist neben seinen natürlichen Schätzen diese Barock-Dorfkirche aus dem Jahre 1779.

Bei der rot leuchtenden Felswand von Morro dos Ventos habe ich über die Kante in die Ebene geschaut.

Der geschützte Nationalpark, berühmt für seine charakteristischen roten Berge und megalitischen Formationen, wurde Ende 1989 gegründet. In den letzten 30 Jahren wurde das Schutzgebiet aufgrund seiner Nähe zum Pantanal immer mehr im Programm von Reiseveranstaltern eingebunden. Zum Glück hatte ich noch meinen Mietwagen, denn ohne ihn hätte ich es schwer gehabt, die wichtigsten auf ca. 30 Quadratkilometern verteilten Sehenswürdigkeiten der Hochebene zu erkunden.

Der schweißtreibendende Pfad zum Cachoeira da Véu de Noiva führt durch die Cerrado-Buschsteppe. Auf meinem Weg sind schattenspendende Bäume rar gesät.

Die Chapada machte jedoch im vergangenen Jahr nicht mit ihren imposanten natürlichen Attraktionen Schlagzeilen. Aufgrund der extremen Dürre und der starken Windböen sich schnell ausbreitende schlimme Buschfeuer erreichten auch das Guimarães-Hochplateau, das infolge des verheerenden Feuers mehrere Monate lang stark brannte und das Überleben des Parks gefährdete. Vergebens versuchte ich es, im Voraus herauszufinden, welche der Sehenswürdigkeiten offen waren. Ich war daher überhaupt nicht überrascht, als ich bei der Ankunft zu meiner ersten Station herausfand, dass die Cidade da Pedra seit den heftigen Buschfeuern geschlossen blieb.

Anstatt der Wanderung zu den sieben Wasserfällen, werde ich am Vormittag mit den Wasserfällen Namorados und Cachoeirinha kompensiert.

Auf dem schmalen Trampelpfad verändert sich die Art der Vegetation in Sekunden. Es ist viel angenehmer im grüner und dichter werdenden Gebüsch voranzukommen.

Na ja, egal dachte ich, ich werde demnächst hoffentlich mehr Glück bei den Wasserfällen haben. Ich habe nämlich geplant, den Circuito das Cachoeiras, einen ca. fünfstündigen Rundweg durch sieben Wasserfälle, zu laufen. Ich fand leicht den Eingang, wo mir schnell klar wurde, dass ich mich bei der ca. 10 km Rundwanderung nur mit einem akkreditierten lokalen Führer bewegen darf. Ein Guide ist bei der Parkstation leider nicht sofort verfügbar, sondern muss immer vorab separat vereinbart werden. Als der örtliche Parkwächter meine aufrichtige Frustration bemerkte, versuchte er mir zu Hilfe zu eilen, griff zu seinem Handy und rief einen Bekannten am Telefon an. Allerdings hätte der Führer nur für den nächsten Tag und für einen unrealistisch hohen Betrag die Führung übernommen, also habe ich mit schwerem Herzen auch diese Wanderung aufgegeben.

Meine erste Station ist der Wasserfall Namorados.

So kann man sich auch gemütlich sonnen.

Die Cachoeirinha-Fälle sind die spektakulärsten.

Mein aktueller Besuch umfasste daher nur die nahe gelegenen Wasserfälle Cachoeirinha und Namorados. Die beiden Wasserkaskaden erreicht man nach ca. 500 m im trockenen buschigen Cerrado durch dichten Wald. Nicht die Wasserfälle selbst, viel mehr die atemberaubende Natur überzeugte hier, da sich in so kurzer Zeit die Vegetation so sehr verwandelte. Auf dem Hochplateau begegnete ich ähnlich abwechslungsreichem Gelände. Der Wanderweg führte zum höchsten Wasserfall in der Region, zum Véu da Noiva, auch der Brautschleier genannt. An die 100 m stürzt der Rio Coxipó über eine Sandstein-Abbruchkante da in die Tiefe.

Beim monumentalen Wasserfall finde ich aufregende Natur.

Der Höhepunkt des Tages ist zweifellos der Cachoeira Véu da Noiva.

Am Geodätenzentrum genieße ich für ein paar Augenblicke die Stille der Natur. Unangenehme kleine Mücken vertreiben mich aber jedoch schnell.

Ich komme auf Schleichwegen zur nächsten Station. Mirante da Chapada ist ein ehemaliges geodätisches Observatorium und gilt als der geografische Mittelpunkt von Südamerika. Sein Aussichtspunkt versprach brillant zu sein, aber aufgrund der verheerenden Buschfeuer des letzten Jahres verdirbt eine graue Rauchwolke, die sich über das Plateau ausbreitet, das Erlebnis. Unangenehme Mücken greifen an, so gehe ich schnell weiter.

Durch eine hügelige Gegend komme ich zum Aussichtspunkt Morro dos Ventos.

Ich genoss den Panoramablick vom Morro dos Ventos viel besser, wo am Himmel Dutzende grüne Papageien laut krakeelten. Sie flogen an den steilen Felshängen in scharfen Kurven vorbei.  Allerdings knipste ich nicht bei diesem Aussichtspunkt die besten Vogelfotos, sondern erst am späten Nachmittag, als ich auf meinen Gastgeber wartete. Der Braunohrarassari und der Amazonasmotmot krönten meinen Tagesausflug.

Vom Braunohrarassari knipse ich unweit meiner Unterkunft gut gelungene Fotos.

Noch nie im Leben vorher habe ich einen Amazonasmotmot fotografiert.

Die Chapada dos Guimarães bietet naturbegeisterten Besuchern eine beeindruckende Landschaft mit artenreicher Tierwelt. Hoffentlich habe ich beim nächsten Mal mehr Erfolg und kann eine der beiden längeren Trekkingtouren absolvieren.

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