Nachdem ich den schönen Rio Parnaíba, seine Flussmündung und die heimkehrenden roten Ibisse beobachtet hatte, entschied ich mich, das Landesinnere des Staates Piauí zu besuchen, um das archäologische Erbe von Brasilien, die Sete Cidades (Sieben Städte) mit enormen Felsformationen und reichen Steinbemalungen kennenzulernen.

Sete Cidades im Nordosten Brasiliens ist ein unterschätzter Nationalpark. Viele brasilianischen Touristen waren noch nie dort bzw. haben nie von diesem mystischen Ort gehört. Die komplizierte Anfahrt lohnt sich aber auf jeden Fall.

Rote Felsbemalungen

Da ich bei meiner Recherche wenige Informationen zur Verfügung hatte, waren es wieder mal meine Gastgeberinnen in Parnaíba, die mir geholfen haben, den 62 km2 großen Park zu erreichen und zu besuchen.

Die Sieben Städte können mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Parnaíba aus über die Kleinstadt Piracuruca erreicht werden. Nach fast drei Stunden Fahrt nimmt man ein Motortaxi und fährt ins ca. 15 km entfernt liegende Besucherzentrum.

Irgendwie wollte ich aber diese lange und anstrengende Hin- und Rückfahrt vermeiden. Daher erzählte ich meiner Gastgeberin Inés von meinen Problemen, die innerhalb von 5 Minuten die Lösung gefunden hatte. Sie meinte ich solle mit einem BlaBla-Auto nach Brasileira unweit von Piracuruca fahren und dann würde mich ihre Freundin Sarah weiter zum Park bringen.

Panzer einer Schildkröte oder doch eines Tatus!?

Alles lief wie geplant bis zum kleinen Dorf Brasileira. Sarah hat schon an der Bushaltestelle auf mich gewartet. Wie sie mir beim Kennenlernen gleich erzählte, war ich nicht der erste Tourist, dem sie geholfen hat, den abgelegenen Nationalpark zu besuchen. Sarah hilft gerne jeder Art von Touristen, seien sie aus Brasilien oder aus dem Ausland. Sete Cidades ist einer ihrer Lieblingsparks und gerne erzählt sie von der natürlichen Schönheit und der mystischen Geschichte der Sieben Städte.

Das Auto war auf dieser Etappe sehr praktisch, da im Park die Entfernung zwischen den Städten relativ groß ist und auch die heisse Luft mit Temperaturen von ungefähr 35 Grad es nicht leicht macht, zu spazieren. Unser Guide Bruno freute sich auch über das Kennenlernen der Felsformationen mit dem Auto.

Das Sete Cidades bestehen aus monumentalen Steinblöcken und bizarren Felsformationen. Sie bilden sieben verschiedene Steingruppen, die als “Städte” bezeichnet wurden, welche nach lokalen Mythen und nach Besuch von Althistorikern und Ufologisten Geheimnisse aufweisen. Man meint die Sieben Städte wurden von einer mysteriösen, lange ausgestorbenen, möglicherweise fremden Kultur zurückgelassen.

Der Besuch des Nationalparks erfordert keine solchen Fantasien, es lohnt sich hier ohne jegliche Vorstellungen vorbeizukommen. Die Felsformationen sind alle wirklich faszinierend, einige zeigen zum Beispiel den Panzer einer Schildkröte, das Gesicht eines Elefanten, die Landeskarte von Brasilien oder den Kopf vom Kaiser Peter II. von Brasilien.

Der Kopf des Kaisers Dom Pedro II

Hier herrscht die für den Nordosten Brasiliens typische karge und felsige Caatinga-Savanne, ein Übergangsbereich zwischen Savanne und Cerrado. Wind, Regen, Hitze und Flora schnitzten Naturdenkmäler und kreierten Formen, die Symbolen, Tieren und menschlichen Figuren ähneln.

Die Caatinga-Savanne kann leicht auch vom Aussichtspunkt des Parks beobachtet werden, von dem ungefähr dreiviertel der Sieben Städte ersichtlich sind. Alleine schon dieser Ausblick über das Gelände ist die Anfahrt wert und entschädigt für alles.

Neben der trockenen Vegetation und verschiedenen Felsformationen erforschen wir auch die zahlreichen Felszeichnungen eingebettet in abenteuerlicher Natur.

Bei der ungemütlichen Hitze konsumieren wir viel Wasser und freuen uns darauf, zwischen den Stationen Schutz vor der unnachgiebigen Sonne zu finden.

Eine Bibliothek aus überlappenden Büchern

In den von der Natur geformten Becken und in den Wasserfällen fliesst jetzt aufgrund der grossen Dürre kein Wasser, daher fokussieren wir uns ausschliesslich nur auf die Sieben Städte. Wir verbringen ungefähr vier Stunden im Nationalpark und erkunden alle Städte mit Bruno’s informativen Erzählungen.

Die Felsklippen umfassen die wichtigsten prähistorischen Erinnerungen des Landes. Nomadische Indianerstämme haben ihre Zeichnungen und ihre viele tausend Jahre alten gemalten Motive hinterlassen, die dank des trockenen, fast völlig dürren Klimas bis heute erhalten sind.

In der Tat nahm die Entstehung der antiken Formationen Jahrtausende in Anspruch, wobei die einzigen von Menschen erschaffenen Teile die 3.000-5.000 Jahre alten Felsmalereien waren, die man bei mehreren der Städte beobachten kann.

Wie der Pariser “Arc de Triomphe“

Es gibt wenige Informationen über die geologische Entwicklung und die Struktur der Felsformationen. Besucher werden ermutigt, ihre Vorstellungskraft zu nutzen und zu entscheiden, welche Formen die Steine bilden. Unser Guide Bruno fragt bei mir auch ständig nach. Bei einigen Steinklippen ist es leicht, die Form zu erraten, bei anderen hatte ich meine Mühe, denn die Vorstellungskraft der Brasilianer ist größer als meine.

Vom Aussichtspunkt aus kann man alle sieben Städte beobachten

Im Laufe der Jahrzehnte sind durch die ungewöhnliche Geologie des Naturschutzgebietes einige merkwürdige Thesen entstanden.

Der Österreicher Ludwig Schwennhagen, der im unweit liegenden Teresina als Professor für Geschichte und Philologie arbeitete, besuchte die Sete Cidades 1928 und erstellte nach seinem Besuch eine absurde Theorie über das, was er von einem strategischen Zentrum des Landes hielt auf. Laut seiner These waren Phönizier die ersten Bewohner des Staates Piauí und die Sieben Städte sind die Überreste einer Stadt mit ungefähr 3000 Menschen.

In den 1950er-Jahren wurde das Gebiet um die Sieben Städte auch vom Schweizer Paläoastronauten Erich von Däniken besucht. Laut seiner Aussage wurde die Gegend zu ihrer Zeit von Außerirdischen besucht und so bildeten sich die noch sichtbaren Felsbrocken. Der damalige Landeshauptmann nutzte die Publizität des Ufologen und die brasilanische Regierung eröffnete kurz darauf im 1961 den Nationalpark.

Alte von nomadischen Indianerstämmen erschaffene Steinmalereien

Nach heutigem Stand der Wissenschaft ist jedoch in den Sieben Städten nichts ausserirdisches vorgefallen. Die fotogenen Steinklippen formten sich aufgrund der hohen Temperaturschwankungen in seltsame natürliche Formationen.

Naturgeformte Landeskarte von Brasilien

Nach den prähistorischen Überlegungen und den Mythen der Ufologen geht es für mich erstmal zurück nach Parnaíba, um meine Reise in den Norden Brasilens fortzusetzen. Im Nationalpark Lençóis Maranhenses plane ich wieder mal etwas ungewöhnliches. Dazu aber mehr beim nächsten Mal.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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