Mein gelungener Ausflug zum Pedra de Urubu bewegte meine Phantasie so sehr, daß ich anstatt mich am Strand zu entspannen, wieder eine gemütliche Wanderung unternahm. Nach 2016 habe ich wieder mal den Gipfel des Pedra Bonita im Tijuca Nationalpark bestiegen. Für den Nachmittag machte ich im beeindruckenden Park weiter und lernte den schönsten botanischen Garden Südamerikas, den mehr als 200 Jahre alten Jardim Botânico kennen, wo ich die reichste Sammlung an Pflanzen des Kontinents vorfand. Ich war völlig begeistert von der farbenfrohen Pracht des Arboretums und bin voll und ganz in die Harmonie der Natur eingetaucht.

Rio de Janeiro ist unter anderem berühmt wegen seiner Traumküste, ganz wenige assoziieren die Stadt mit Wanderungen. Die Stadt und ihre Umgebung sind aber ein verkanntes Wandermekka. Es gibt in der Umgebung mehr als 1100 markierte und spektakuläre Pfade.

Die Strände von São Conrado von Pedra Bonita aus (Foto aus 2016)

Mein geplantes Tagesziel war der Gipfel des Pedra Bonita, welchen ich im Mai 2016 schon mal bestiegen habe. Es war ein an Vegetation reicher, leichter Pfad soweit ich mich erinnen konnte, mit einem wundervollen Panorama. Damals lebte ich in der “Wunderschönen Stadt” und habe mit meinen brasilianischen Kollegen das gesamte Handballturnier von den Olympischen Spielen 2016 vorbereitet. Wegen dem anspruchsvollen Job hatte ich ganz wenige freie Tage, welche ich immer in der Natur um Rio de Janeiro verbrachte. Entweder alleine oder zusammen mit einigen meiner damaligen Kollegen.

Der 693 m hohe Pedra Bonita liegt im Stadtteil São Conrado und ist aufgrund seiner geringen Anforderungen einer der beliebtesten Wanderwege von Rio. Er ist nicht nur unter Wanderern beliebt, auch Gleitschirmflieger kommen gerne hierher, um ein wundervolles, panoramareiches Flugerlebnis zu genießen.

Der Pfad zum Pedra Bonita führt durch einen Bambuswald

Mit der U-Bahn bin ich schnell in São Conrado angekommen, von wo aus ich den Bus mit der Nummer 448 nahm, um kurz nach dem Start schon inmitten des Regenwaldes im Tijuca-Nationalpark unterwegs zu sein.

Letzterer ist eines der weltweit größten städtischen Waldgebiete der Welt, mit riesigen hügeligen Landschaften und großartigen Wanderwegen und Wasserfällen. Der Wald wurde durch die Implantation von Kaffeesträuchern in den 1800er Jahren fast vernichtet, aber zum Glück konnte man in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts durch insgesamt 9 Millionen neugepflanzte Bäume den grossen Teil des Waldgebietes retten.

Meine Rio 2016 Kollegin Bruna in Reichweite zum imposanten Pedra de Gávea (Foto aus 2016)

Nach einer halben Stunde Busfahrt war ich 2 km vom Beginn des Wanderweges entfernt. Von hier aus gelangte ich auf einer relativ steilen Asphaltstraße zum Parkplatz. Der Wanderweg führte am Agulhinha de Gávea-Pfad, durch imposante Bambusbäume mit schöner, üppiger Vegetation, mit mehreren Seidenaffen auf den Ästen und mit einem hervorragenden Blick auf die Spitze des Morro Dois Irmãos mit seinen 600 m Höhe.

Die Spitze von Pedra Bonita habe ich nach einem Spaziergang von etwa 35 min in einer sich sammelnden Nebelwolke erreicht, so daß die Nebelsuppe das Gipfelerlebnis ein bißchen verdarb. Die Sichtweite war nicht besonders groß, der Berg zeigte sein düsteres Gesicht. Von hier aus ist das Panorama auf die Strände von Barra da Tijuca, auf Recreio und auf São Conrado im Normalfall zauberhaft. Nach ca. 15 Minuten wurde die Sicht etwas klarer, die imposante Schattenlinie des Pedra da Gáveas erschien. Es ist ein massiver Felsenberg in all seiner Schönheit, der zweithöchste Punkt um Rio de Janeiro. Hinter mir erblickte ich die enorme Größe des Tijuaca Waldes.

Atemberaubendes Panorama auf Barra da Tijuca und Recreio (Foto aus 2016)

Allerdings löste sich die dichte Nebelsuppe leider nur allmählich auf, so kehrte ich zusammen mit zwei Einheimischen und mit einem Amerikaner zum Ausgangspunkt der Wanderung zurück, wo meine neuen Bekannten mich freundlicherweise mit ihrem Auto nach São Conrado transportiert haben.

Museo de Meio Ambiente, Jardim Botânico

Am Nachmittag besuchte ich auch den Jardim Botânico, einen botanischen Garten im Tijuca Nationalpark, mit einer Vielzahl an wunderschönen und ruhiger Spots mitten in einer atemberaubenden Pflanzenwelt.

Der vor Napoleon nach Brasilien geflüchtete zukünftige brasilianische König Dom João VI von Portugal hat hier wirtschaftlich wichtige Pflanzen aus anderen tropischen Regionen der Welt gepflanzt. Seine Vision war es, einen botanischen Garten zu schaffen, in dem die einzigartigen Pflanzen, Blumen und Bäume der Welt präsentiert werden. Er gründete damit 1808 eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Rio de Janeiro, neben der damaligen Pulverfabrik. Die Fabrik selbst wurde 1831 abgerissen, ein an ihrer Stelle errichtetes Museum und die Mauerruinen, die die Grenzen des Botanischen Gartens markieren, erinnern an die alten Zeiten.

Faszinierender Kaktus im Kaktusgarten

Brasilien’s grösstes Herbarium mit ca. 650.000 getrockneten Pflanzenexemplaren auf einer kultivierten Fläche von 54 Hektar beheimatet 6500 der verschiedensten Spezies aus der brasilianischen und ausländischen Flora, von denen viele auch in der Roten Liste gefährdeter Arten des Landes enthalten sind.

Der Botanische Garten ist anders als entsprechende Gärten zum Beispiel in Europa. Aufgrund des Klimas befindet sich hier alles im Freien, was natürlich einen anderen Eindruck hinterlässt. Beim Caminho da Mata Atlântica handelt es sich zum Beispiel um einen offenen Pfad mit 600 Metern Ausdehnung innerhalb eines erhaltenen Fragments von originalem Atlantischen Regenwald.

Ein kleines Stück Amazonas mit Seerosen und alten Palmen

Die Besucher können im Reservat leicht einen ganzen Tag verbringen und die zahlreichen kleinen Wasserfälle bewundern, die Wasserwelt erleben, viele unterschiedliche Themenbereiche beobachten und in den weitläufigen Parks lange spazieren gehen oder sich in den Schatten eines Baumes setzen.

Liebevoll angelegter Wasserfall im Arboretum

Gegründet im Jahr 1808 ist der Botanische Garten eine wahre Oase der Ruhe und Erholung. Der Jardim Botânico ist der älteste Botanische Garten auf dem Kontinent und ein Meilenstein in der Naturwissenschaft. Nachdem Brasilien seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, wurde der Garten für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Park findet man nicht nur ein Arboretum, in ihm befindet sich auch eines der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Forschungszentren des südamerikanischen Kontinents. Hier findet man auch die umfassendste Botanik-Fachbibliothek Brasiliens mit mehr als 32.000 Bänden.

Exotische Pflanze im spektakulären Reservat

Teil der Anlage sind auch das Bromelienhaus und das Orchideenhaus, die beide sehr beeindruckend und schön sind. Das Orquidário wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, 1930 erstmals und dann 1998 zum zweiten Mal restauriert. Das Orchideenhaus hat immer eine Sammlung blühender Orchideen, die aus einem riesigen Fundus kommen. 600 verschiedene Orchideenarten, viele ornamentalen Pflanzen und eine schöne Kollektion von 2000 Keramikvasen schmücken das Gewächshaus.

Bunte Farben im Orchideenpark

Ein weiterer interessanter Fleck des ökologischen Schaukastens ist das neben dem See befindliche Treibhaus, welches fleischfressende Pflanzen beherbergt. Eine weitere große Anziehung für einen Europäer ist die über 200 Jahre alte königliche Palmenallee, deren Palmen noch aus der ursprünglichen Gründungszeit stammen. Natürlich gibt es eine Reihe von anderen Spezialitäten, nämlich die riesigen Küstenmammutbäume und die 30 m hohen Königspalmen.

Wunderschön angelegte Rosengärten und Orchidarien bringen einem den Duft und die Schönheit der Pflanzenwelt näher. Hier findet man eine wahre Oase vor, in der man sich ein wenig vom Großstadttrubel Rios erholen kann.

Imposante Bambusallee

Der Besuch im Jardim Botânico ist eine erholsame Auszeit inmitten der lärmenden und hektischen Umgebung Rio de Janeiros. Der Botanische Garten ist sicherlich für jedermann geeignet, man muss nicht Fan von Botanik sein, um das herrliche Ambiente um die tausenden von Pflanzenarten um sich zu bestaunen und zu genießen. Einfach mal hingehen, genießen und etwas frische Luft schnappen – der Botanische Garten ist der perfekte Ort dafür.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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