Die Heimat der Geier, Ibisse, bunter Papageien und Riesenotter ist der “Garten Eden” Brasiliens. Eine grandiose Naturlandschaft mit einem artenreichen Ökosystem, in dem man sogar von den immer in großer Anzahl auftauchenden Capybaras und Heerscharen von Jacare-Kaimanen, genug haben kann. Ein Paradies der Bio-Diversität, das in der Trockenperiode bei fast jeder Bootsfahrt das Sichten von Jaguaren in freier Wildbahn garantiert. Auf eigene Faust bereiste ich das größte Binnenland-Feuchtgebiet der Welt.

Diese Woche verbrachte ich wundervolle Tage in der tropischen Savanne der Chapada dos Veadeiros, wo ich jeden Tag recht intensiv wandern ging. Ich wirkte daher nach den langen und anstrengenden Fußmärschen etwas müde. Ich hätte bestimmt ein paar Tage gebraucht, um mich komplett auszuruhen und zu erholen, allerdings war ich vom Wunsch getrieben, zum nächsten Highlight meiner Reise überzugehen und die detaillierte Erkundungstour auf dem Kontinent fortzusetzen.

“Freunde” auf kleinem Raum.

Im Pantanal sind Kaimane omnipräsent.

Seit Beginn meiner Reise nach Lateinamerika hat sich nichts verändert. Ich bereise die verschiedenen Länder und erkunde neue Nationalparks immer noch mit der gleichen Offenheit und dem gleichen Interesse wie vor sechs Jahren. Während am Anfang einige Hauptattraktionen auf meiner Reiseroute fehlten, habe ich in den letzten Jahren versucht, auch die äußerst kostspieligen berühmten Sehenswürdigkeiten Südamerikas zu entdecken. So bin ich vor ein paar Jahren zu den zuvor verpassten Galápagos-Inseln geflogen und jetzt in eines der artenreichsten Biotope der Welt, in den Pantanal, gekommen.

Pantanal ist der Teil Brasiliens, in dem die Urnatur in ihrer beinahe ursprünglichen unverdorbenen Form erhalten geblieben ist.

Obwohl ich mit kleinen Unterbrechungen seit mehr als einem Jahr in Brasilien unterwegs bin, habe ich den Besuch des größten zusammenhängenden Feuchtgebiets der Welt aus irgendeinem Grund jedoch bis jetzt immer vernachlässigt.

Der Mangrovereiher zeigt sich gerne im Sumpfwaldgebiet.

Kappenreiher beobachte ich nur an einigen seltenen Stellen, dennoch gelingt mir ein gutes Foto.

Diesmal fühlte ich mich sehr gut vorbereitet auf das Land der Kaimane, über das ich viele Blogbeiträge in verschiedenen Sprachen las. Anfangs war ich aber mir nicht sicher, wie ich die lange Zeit isolierte nördliche Pantanal-Region besuchen sollte. Lodges auf den alten Fazendas mit kompletter Verpflegung und Erlebnispakete über Reiseveranstalter waren für mich ausnahmslos unattraktiv. Ich habe nicht die Pracht und den Komfort der Unterkünfte gebraucht. Mein Hauptziel war es, die mir zur Verfügung stehende Zeit selbst und flexibel zu planen und so viele Tiere und bunte Vögel wie möglich zu beobachten und zu fotografieren.

Der Fischbussard kann entlang der Transpantaneira leicht fotografiert werden.

Alles was ich dafür tun musste war, in die nächste große Stadt des Nationalparks, nach Cuiabá, zu gelangen. Ich hätte einen Inlandsflug zum Pantanal Nationalpark nehmen können, aber ich entschied mich dafür, mich mit dem Bus dem terrestrischen Paradies zu nähern. Von São Jorge erreichte ich mit einem Sammeltaxi Brasília, wo ich am Busbahnhof einen halben Tag auf einen Nachtbus wartete. Nach einer Fahrt von über 1000 km kam ich ca. 16 Stunden später im Bundesstaat Mato Grosso an. Mein ursprünglicher Plan war es, mich nach meinen Cerrado-Savannen-Abenteuern mindestens einen ganzen Tag auszuruhen. Ich tat dies jetzt im Bus, wo ich viel Musik hörte, Bücher las und gut genug auf dem weit zurückgelehnten Sitz schlief. Als ich in der neuen Stadt ankam, war ich völlig elektrisiert von den authentischen Naturschauspielen und Wildbeobachtungen, die in den nächsten zehn Tagen auf mich warteten.

Der Silberreiher, der als Wappentier des ungarischen Naturschutzes bekannt ist, findet sich häufig und in großer Zahl im Natur- und Tierparadies.

Wieder tauchen Dutzende von Jacarés auf.

Bevor ich im modernen Cuiabá ankam, dachte ich viel darüber nach, welche Unterkunft ich wählen sollte. Ich entschied mich für ein einfaches Hostel namens Safari Tours. Mein Plan bestand darin, das in einem brasilianischen Blogartikel gelesene zu kopieren und den Pantanal mit einem Mietwagen ganz selbstständig individuell zu erkunden. Da ich mich momentan in der Trockenzeit befand, hatte ich jede Gelegenheit dazu, da die legendäre Transpantaneira zu dieser Jahreszeit gut befahrbar ist. Meine Unterkunft wurde von einem einheimischen Ehepaar gegründet und betrieben, die Frau war für das Hostel verantwortlich, während ihr Ehemann Laercio Führungen durch den wichtigsten natürlichen Wasserspeicher Südamerikas leitete. Natürlich wollte mich der Brasilianer mittleren Alters sofort einer Gruppe zuteilen, aber ich dankte ihm freundlich und legte seine Kontaktdaten auf die Seite, da ich wusste, dass dies zu anderen Zeiten nützlich sein könnte.

Im Feuchtbiotop Pantanal wurden mehr als 650 Vogelarten gezählt.

Mein Mietwagen war ein Fiat mit geringer Leistungsklasse, der die gesamte Safaritour dennoch problemlos bewältigte. Ich habe meinen Besuch im größten Überschwemmungsgebiet der Welt in mehrere Abschnitte unterteilt. Nach einer Stunde gelangte ich ins Zentrum des nördlichen Pantanals, nach Poconé. Die beschaulich wirkende Kleinstadt, auch Tor zur Transpantaneira genannt verfügt über Supermärkte und Tankstellen, so kann man hier die Vorräte wieder auffüllen und das Fahrzeug volltanken. Die berühmt-berüchtigte “Sumpfautobahn” führt 145 km in den Nationalpark hinein. Da ich während meines sumpfigen Abenteuers viele Aufenthaltsstopps geplant habe, beschloss ich, weitere zehn Liter zusätzlichen Kraftstoff in einem Reservekanister anzufordern.

Der Riesenstorch mit dem Namen Jabiru, auch Tuiuiú genannt, ist das Symbol des Pantanal.

Sein Name “Jabiru“ kommt aus der indigenen Tupi-Guarani-Sprache und bedeutet “Geschwollener Hals“.

Am Ankunftstag in Poconé entschied ich mich die 45 km lange MT-370, die ziemlich geradeaus zum Flusshafen Porto Cercado, an dem das große Hotel Sesc Porto Cercado liegt, entlang zu fahren. Als ich die insgesamt 80 km zurücklegte, konnte ich mich sehr schnell daran gewöhnen, was mich in den kommenden Tagen erwarten wird. Ich hatte noch nicht einmal den Nationalpark offiziell betreten, aber in den ein paar Stunden, als ich zum Flusshafen hin und zurück fuhr und entlang der Sümpfe spazierte, durfte ich bereits Schare von diversen Reihern, mein erstes Wasserschwein, Glattschnabelani, Amazonasfischer, eine Familie Nandus und auch Jacare-Kaimane beobachten, die an den schlammigen Ufern wimmelten und sich sonnten. Am ersten Tag im Pantanal war alles noch neu. Ich hatte jetzt schon das Gefühl, dass die vom Wasser dominierte Landschaft und die offene Natur mein ewiger Favorit sein würde.

Das Capybara ist das größte heute lebende Nagetier der Erde.

Ich knipse vom Amazonasfischer mindestens ein Dutzend Nahaufnahmen.

Der Río Paraguay und seine Nebenflüsse erheben sich mitten auf dem südamerikanischen Kontinent und treten während der Hochwasserzeit  aus ihren Betten. Daher kommt es in der Regenzeit zu einer großflächigen Überschwemmung der riesigen Ebene. Wasser und Schlamm dominieren alles. Die Wasseroberflächen schrumpfen während der Trockenzeit beträchtlich und verdunsten durch die tropische Sonne, wodurch die markanten Sumpfgebiete mit Tausenden von Tieren besiedelt werden und eine beispiellose Gelegenheit bieten, die unvergleichliche Sumpfwelt zu erkunden.

Ein weiterer Traum wurde für mich mit dem Pantanal wahr.

Über hundert abenteuerliche Holzbrücken bestücken die Passagen der sumpfigen Vertiefungen der Transpantaneira.

Ich bin von Anfang an von der öffentlich zugänglichen Erdpiste, die den Park streift, beeindruckt. Insgesamt 126 unbefestigte Holzbrücken wurden zu den sumpfigen Passagen der rot gefärbten, steinig-staubigen Straße hinzugefügt. Ich bewegte mich sehr langsam auf dem Weg ins Paradies. Ich reckte ständig den Hals und hatte Schwierigkeiten zu entscheiden, wo ich zuerst hinsehen soll. Ich musste nicht einmal aus dem Auto aussteigen, um die Wasservögel zu beobachten. Es war genug, das Fenster ein Stück herunterzukurbeln. Ich konnte mir dadurch die Vögel auf den struppigen Büschen und am Flussufer bereits genauer ansehen und sie in Augennähe fotografieren.

Der Schneckenweih lässt sich gerne auf Baumstämmen und dickeren Ästen nieder.

Der Name “Pantanal” kommt vom portugiesischen Wort pântano und bedeutet Sumpf.

Keine Frage, ich stieg fast immer an den knarrenden, teils maroden Holzbrücken der auf einem Damm gebauten Piste aus, da ich wusste, dass sich an den seichten Gewässern, die meinen Weg säumten, ein fantastischer Anblick vor mir entfalten würde. Die großflächigen Wasserpfützen und gestaute Lagunen waren voll mit Reihern und auch mit Wasserschweinen und Kaimanen, die sich gerne fast überall zeigten.

Der Pantanal wird von über zehn Millionen Jacare-Kaimanen bevölkert.

Um das Gefieder zu trocknen, ruht der amerikanische Schlangenhalsvogel (Anhinga) mit ausgebreiteten Flügeln.

Während meiner Reisen in Lateinamerika habe ich viele Male wahre Paradiese für Tierbeobachter besucht, sei es auf den Galápagos-Inseln, im Wildlife Refuge Los Guatuzos in Nicaragua, im Pacaya Samiria Reservat in Peru, im Amazonas-Regenwald oder in Costa Rica. Ich habe allerdings noch nie eine so reiche und außergewöhnlich vielfältige Fauna erlebt, wie im Pantanal. Ich erforschte jeden Quadratzentimeter im “sumpfigen Land” mit enormer Begeisterung und verbrachte oft unendlich lange Minuten damit, die Vogelwelt des Naturrefugiums zu erkunden. So war ich überhaupt nicht überrascht, dass ich erst am späten Nachmittag am São-Lourenço-Fluss ankam. Am Ende der „Estrada-Parque“ findet man die bescheidene Fischerkommune Porto Jofre, die als Ausgangspunkt für beliebte Bootstouren und Jaguarbeobachtungen gilt.

Weißhalsibisse treffe ich am winzigen Flusshafen von Porto Jofre.

Vielleicht ist es ein anderer Weltreisender in Peru gewesen, der mir erzählte, dass er für einige Sekunden einen Jaguar im Manu Nationalpark gesehen hat. Selbst dann leuchteten meine Augen auf und ich war zuversichtlich, dass sich auch mir eines Tages die Gelegenheit dazu bietet. Ich war noch nie am Jaguar-Hotspot in Südperu, aber ich wusste, dass aufgrund der nachgewiesenen Jaguardichte die größte Chance einen Jaguar zu sichten, in den Pantanal-Feuchtgebieten, in den Flüssen von Porto Jofre, besteht.

Sonnenuntergang in Porto Jofre am Rio São Lourenço.

Aus Gründen der Selbstversorgung schlug ich mein Zelt am Flussufer auf. Hier habe ich mir warmes Essen gekocht und dann die an Tieren reiche Gegend erkundet. Ich fotografierte Nacktgesichthokkos, Hyazinthen-Aras, Riesentukane und Schopfkarakaras.

Einer der letzten Lebensräume der stark gefährdeten kobaltblauen Hyazinthen-Aras ist das Pantanal-Marschland.

Der Schopfkarakara ist ein falkenartiger Vogel und der Nationalvogel Mexikos.

Meine Aufgabe für den frühen Morgen war gegeben. Ich musste ein Motorboot mit einem Fahrer auftreiben, um nach Jaguaren Ausschau halten zu können. Ich habe mich am Abend meiner Ankunft mit einheimischen Fischern unterhalten, aber es wäre für mich alleine sehr teuer gewesen, ein eigenes Boot zu mieten. So musste ich wohl einer schon existierenden Gruppe beitreten. Ich sprach am nächsten Morgen mit einem sympathischen Trio aus Brasília, als Laercio auftauchte. Angezogen vom Geruch des Geldes wollte mich der Landschaftsführer aus Cuiabá schnell in sein Motorboot rekrutieren. Nach einem langen Gespräch sind wir uns einig geworden, so schloss ich mich nach dem Frühstück einem italienischen Paar an. Es galt, einen Jaguar zu finden!

Es ist immer eine großartige Erfahrung, Riesenotter zu treffen.

In zwei Etappen waren wir sowohl am Morgen, als auch am Nachmittag mehrere Stunden auf dem Wasser. In einem Altwasserarm fanden wir eine Gruppe Riesenotter, die sich spielerisch durchs Wasser trieb. Ich musste nicht lange darauf warten, um auch Jaguare in Ufernähe beobachten zu können. Insgesamt sahen wir an diesem Tag vier Jaguare, einen am Morgen und drei am Nachmittag. Bereits beim ersten Jaguar beschleunigte mein Puls, und das obwohl sich die drittgrößte Katze der Welt nicht bewegte, sondern nur bequem zwischen den Ufergebüschen ruhte. Die interessanteste Erfahrung hatte ich mit dem ersten Jaguar am Nachmittag. Als die majestätische Raubkatze das zwei Meter hohe Ufer hinunter zum Wasser rutschte und den Fluss entlang ging, folgten wir ihr mindestens fünfzig Meter.

Als das beeindruckendste Raubtier des Kontinents auftaucht, versammeln sich die vielen Boote, um den Jaguar zu fotografieren.

Veni, vidi, vici. Erfolgreiche Jaguarbeobachtung, jippie!

Ich glaube nicht, dass ich einen großen Fehler mache, wenn ich jetzt mutig behaupte, dass der Nord-Pantanal einer der besten Orte der Welt für Jaguar-Sichtungen ist.

Pantanal liegt im Herzen des Kontinents und gilt als die non-plus-ultra Safaridestination in Lateinamerika.

Am nächsten Tag ist eine weitere Auto-Safari durch den Pantanal das Highlight. Meine Zeit erlaubte es mir, so hielt ich auch diesmal spontan an den baufälligen Brücken und den Büschen. Ich fand den Baum wieder, wo ich zwei Tage zuvor Dutzende Mönchssittiche fotografiert habe. Noch immer saßen die grünen Vögel auf den Zweigen. Ich habe mir bei der Rückfahrt viel Zeit gelassen und absolvierte den Abschnitt zwischen Porto Jofre und Poconé erst in sieben Stunden.

Am Ort der zurückgehenden Flut blüht die Landschaft auf und das Flussbett erwacht in saftigem Grün.

Nirgendwo in Lateinamerika lässt sich die Tierwelt in solcher Vielfalt und Dichte beobachten wie im Pantanal.

Bevor ich eine weitere Auto-Safari durch den südlichen Teil des dünnbesiedelten Pantanals unternehme, erwartet mich eine weitere wichtige Mission. An einem Tag so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich auf dem Felsplateau der Chapada dos Guimarães zu erkunden…

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