Der Karneval in Rio de Janeiro mit Sambaumzügen, Straßenpartys und Karnevalbällen steht vor der Tür. Als ich mich von meinen Verwandten in São Paulo verabschiedet habe, stieg ich am Busbahnhof Tietê in einen Fernbus. Die Fahrt ging Richtung Norden, nach Rio de Janeiro. Es dauerte noch ein paar Tage bis zum Beginn der prächtigsten Karnevalsparade der Welt, so machte ich in Santos kurz Station. Letzteres ist eine bedeutende Hafenstadt mit fast einer halben Million Einwohnern in der am stärksten industrialisierten Region Brasiliens. Aufgrund des langen und geraden Strandabschnitts und der unmittelbaren Nähe zu São Paulo ziehen viele Menschen aus dem führenden Handels- und Industriezentrum Südamerikas hierher.

Während der Handball-Weltmeisterschaft der Frauen im Jahr 2011 war ich bereits in Santos, dessen Hochhauskulisse schon von weitem sichtbar beeindruckend gegen den Himmel ragt. Aufgrund eines engeren Zeitrahmens konzentrierte ich mich jetzt nur auf eine einzige Attraktion, die vor neun Jahren noch nicht mal existierte. Dieser Ort der Neugier ist das Pelé-Museum, welches bei jedem vorherigen Besuch in Brasilien auf meiner To-Do-Liste stand.

Ich bin früh in São Paulo losgefahren, daher kam ich rechtzeitig in der ca. 80 km vom riesigen Handelszentrum entfernten Küstenstadt an. So plante ich den ganzen Tag im Museum über eins der Idole vieler Fußballliebhaber und im Stadtzentrum von Santos zu verbringen. Es gab aber zwei Dinge, die die detaillierte Erkundung von Santos behinderten. Eines war der starke Regen, der nicht aufhören wollte, das andere war meine schwere Ausrüstung. Am zentralen Busbahnhof von Santos hätte ich gerne meine Rucksäcke in die Gepäckaufbewahrung hinterlegt, aber wie ich erfahren hatte, war sie leider seit Jahren geschlossen. Daher war ich gezwungen, in voller Montur zum Museum zu laufen, wo ich meine großen Rucksäcke hinterlegen konnte, während ich die Ausstellung über die Schwarze Perle Pelé besuchte.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien wurde in einem rundum renovierten und modernisierten Gebäude eines noblen Herrenhauses ein interaktives Museum eröffnet, das die Karriere des größten Phänomens des brasilianischen Fußballs zeigt. Das Museum in Valongo, einem der historischen Stadtviertel von Santos, wurde letztes Jahr um eine weitere Ebene erweitert, sodass ich diesmal noch mehr herausragende Exponate und sorgfältig ausgewählte Relikte begutachten konnte.

Pelé, in seiner Geburtsurkunde als Edison Arantes do Nascimento vermerkt, wurde in Três Corações, Minas Gerais, geboren. Der Name Edison wurde seinem Sohn von Pelé’s Vater, ebenfalls ein talentierter Fußballspieler, zu Ehren des vielseitigen US-amerikanischen Erfinders Thomas Edison gegeben. Pelé wurde im Alter von 14 Jahren von Waldemar de Brito – ein ehemaliger brasilianischer Nationalteamspieler, der für Botafogo spielte und nach seiner Karriere als Talentscout arbeitete – entdeckt. Im lokalen Club von Baurú stellte er sein Talent unter Beweis, hier spielte er in den Jugendmannschaften des Vereins zwischen 1952 und 1956.

Der einzige dreimalige Weltmeister der Fußballgeschichte wechselte auf besonderen Wunsch seiner Mutter von seinem Jugendverein zum größten brasilianischen Entdeckerverein, Santos, wo er zwischen 1956 und 1974 in 1120 Spielen 1087 Tore erzielte.

Pelé bestritt unter den Amateuren von Santos am 7. September 1956 sein erstes offizielles Spiel. Sein erstes Tor erzielte er im Spiel gegen Corinthians. Apropos Tore: das Wunderkind Pelé, das 1958 bereits in der Hauptmannschaft von Santos spielte und dort in bemerkenswert guter Form war, wurde mit 58 Toren alleiniger Torschützenkönig der Liga Paulista und in der letzten Minute auch für die Weltmeisterschaft in Schweden nominiert. In 1363 Spielen in seiner Karriere erzielte Pelé 1281 Tore, also 0,94 pro Partie.

Pelé wuchs in einer armen Familie auf, so widmete er auch sein einzigartiges 1000. Tor den Armen und Kindern Brasiliens. Den Jubiläumstreffer erzielte er am 19. November 1969 im Spiel gegen Vasco da Gama im Maracanã-Stadion. Der Wunderstürmer traf vom Elfmeterpunkt und wurde nach dem Tor von den Fotografen buchstäblich bestürmt.

Zweifellos ist der größte Erfolg der Fußballlegende die Anzahl der Weltmeistertitel, die er während seiner außergewöhnlichen Sportkarriere gewonnen hat. Die ultimative Identifikationsfigur Pelé hat dreimal die Goldmedaille der Weltmeisterschaft gewonnen (1958, 1962 und 1970). Die drei Etagen eines separaten Flügels des auf zwei sanierte historische Gebäude aufgeteilten Museums befassen sich mit den Weltmeisterschaften und den Weltcup-Siegen.

Pelé war der jüngste Torschütze der WM-Geschichte und auch der jüngste Weltmeister. Den Titel holte er im Alter von 17 Jahren und 249 Tagen. Als erstem und bis heute einzigem gelang Pelé, bei vier Weltmeisterschaften jeweils mindestens ein Tor zu erzielen. Journalisten wählten ihn im Abstand von zwölf Jahren, sowohl 1958 als auch 1970 ins All-Star-Team einer WM-Endrunde.

Nachdem Pelé vom Trainer Vicente Feola aufgrund seiner herausragenden Leistung beim Campeonato Paulista in die brasilianische Nationalmannschaft eingeladen wurde, wurde das Ballgenie 1958 im Alter von 17 Jahren der neue Fußballkönig in Schweden. Während der ganzen Weltmeisterschaft demonstrierten die Brasilianer Spielkunst. Pelé erreichte das Finale mit einem glänzenden Hattrick gegen die Franzosen. Im Finale netzte neben Vava auch der „König des Fußballs“ zweimal ein, so besiegten im Finale die Südamerikaner Gastgeber Schweden problemlos. Der Stern von Pelé ging damit kometenhaft am Fußballhimmel auf.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1962 in Chile verlor Titelverteidiger Brasilien zu Beginn des Turniers einen schwer verwundeten Pelé im Spiel gegen die Tschechoslowakei. Amarildo, der den einen Muskelfaserriss erlittenen Pelé ab dem zweiten Spiel ersetzte, netzte zweimal im Vorrundenschlager gegen Spanien ein, während Vava und Garrincha in der K.o.-Phase aufblitzten, sodass die Seleção ihren Weltmeistertitel verteidigen konnte.

In Mexiko, der ersten Weltmeisterschaft außerhalb Südamerikas und Europas im Jahr 1970, durfte Brasilien dank seines dritten WM-Triumphs den Jules-Rimet-Pokal für immer behalten. Es ist eine Kuriosität, dass die Trophäe von unschätzbarem ideologischen Wert im Dezember 1983 in Rio de Janeiro aus einer Vitrine am Verbandssitz gestohlen wurde. Das kostbare Relikt, die Coupe Jules Rimet, ist seitdem nicht mehr aufgetaucht.

Im Jahr 2016 erhielt Pelé den Olympischen Orden, die höchste Auszeichnung vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Die Fußballlegende erhielt zuvor vom Fußball-Weltverband (FIFA) die Auszeichnung zum Weltfußballer des 20. Jahrhunderts und wurde vom IOC zum Sportler des Jahrhunderts ernannt. Pelé wurde vom Time Magazine zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte gewählt.

Ich verbrachte viele Stunden im außergewöhnlich interessanten Museum, wartete darauf bis der Regen etwas nachließ und mein lokaler Bekannter Marcio ankam. Nach einem gemeinsamen Abendessen stieg ich in den Nachtbus Richtung Rio de Janeiro. Mit dem Fernbus komme ich im Morgengrauen in der wunderschönen Stadt an, treffe danach meine lokalen Bekannten und der Karneval darf bald beginnen!

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