Nach dem Nord-Pantanal machen sich die meisten Ökotouristen nicht die Mühe, die unberührte und wilde Seite des südlichen Pantanal zu besuchen. Meine Zeit ließ mir viel Freiheit, so schaute ich mir auch dieses entlegene sumpfige Terrain an. In Anbetracht der auf dem beeindruckenden Feuchtgebiet beobachteten Tierarten genoss ich Miranda und seine Umgebung sehr. Ich habe wieder mal ein unvergessliches Naturerlebnis abseits der Touristenpfade hinter mir.

In Bezug auf die Tierwelt habe ich in den letzten sechs Jahren keinen Nationalpark getroffen, der mich so unheimlich beeindruckt und beeinflusst hat wie der letzte Woche besuchte Pantanal. Die Sumpfstraße der Transpantaneira, die dortige Autosafari und die darauffolgenden erfolgreichen Jaguar-Sichtungen bleiben in ewiger Erinnerung. Inspiriert von den neuen Erfahrungen stieg ich mit großer Begeisterung in den Bus nach Campo Grande, um einen Tag später die schönsten Sehenswürdigkeiten des Süd-Pantanal zu erkunden.

Der Pantanal verfügt über eine der reichsten Vegetationen der Welt.

Die Schwemmlandebene an der Westgrenze Brasiliens gehört bereits zu einem anderen Bundesstaat, daher dauert es etwas länger, bis man im Mato Grosso do Sul ankommt. Ich war dem südlichen Pantanal am Ende der Staubstraße in Porto Jofre am nächsten, aber da die Straße am Flusshafen endet, musste ich vorerst nach Cuiabá zurückkehren, um das größte Binnenland-Feuchtgebiet unseres Planeten zu umgehen.

Während meiner Autosafari treffe ich auch Fischbussarde.

In den Landgütern der Region werden traditionell Rinder gezüchtet.

Eine speziell in den Tropen gezüchtete Rinderrasse, das Senepol-Rind, ist ebenfalls hier beheimatet.

Wie immer nahm ich wieder einen Nachtbus, mehr als 700 km warteten auf mich nach Campo Grande. Luxusbusse, die größere Städte mit längeren Fahrten verbinden, sind sehr komfortabel und auch mit Toiletten ausgestattet. So ruhte ich mich wieder bequem im weit nach hinten gefahrenen Sitz aus.

Der größte Storch der Welt, der kindgrosse Jabiru, lebt in den ausgedehnten Sumpflandschaften.

Nach einer komfortablen Nachtreise kam ich voller Energie und Freude in der Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso do Sul an, wo ich gleich ein Auto mietete und weiter nach Miranda, dem Zentrum des südlichen Pantanal, fuhr. Mein kleines Fahrzeug war wieder ein zuverlässiger FIAT, ein Modell, das sich einige Tage zuvor schon einmal als perfekt erwiesen hat. Ich kam zur schlechtesten Zeit für eine Mahlzeit in Miranda an. Das Mittagessen war lange vorbei, während die Imbissstände noch nicht zum Abendessen geöffnet waren. Egal, ohne warmes Essen blieb mir nichts anderes übrig, als die nächsten Tage bis ins Detail zu planen.

Anhinga in einer seltsamen Pose.

Auch hier gibt es Kaimane welche sonnenbaden.

Wieder gab mir der brasilianische Blogbeitrag, den ich zuvor im Nord-Pantanal verwendet habe, einen konkreten Hinweis darauf, wo ich mit der Erkundung am nächsten Tag anfangen sollte. Von Miranda ca. 100 km entfernt befindet sich die Weggabelung Buraco das Piranhas, die auf der Straße MS-184 tief in die Wildnis der Buschlandschaft des südlichen Pantanal führt. Ich war bereits vor fünf Jahren an diesem Verkehrsknotenpunkt, allerdings kam ich damals über Corumbá aus Bolivien und fuhr in die Stadt Bonito, um dort ökologisch nachhaltigen Tourismus zu erleben.

Das Naturerlebnis ist garantiert.

Aussicht auf den Fluss Río Paraguay in Corumbá vom Mirante da Capivara.

Der ca. 45 km lange Estrada Parque führt zur Gabelung der Curva do Leque. Viele Touristen würden doch nicht einmal im Traum daran denken, auf diese aufgeschüttete Straße abzubiegen. Dieser abenteuerliche Abschnitt kann als Gegenstück der Transpantaneira im Norden mithalten und ist jenes Wegstück, auf dem ein so breites Spektrum an Pflanzen- und Tierarten beheimatet sind, das sonst nirgendwo zu sehen ist.

Der Pantanal ist ein buntes Naturwunder.

Der Pantanal bietet ein vielfältigeres Tierreich als der Amazonas.

Für Touristen ist das südliche Pantanal-Marschland ein weniger bekanntes, unberührtes Naturparadies. Während meiner Safari traf ich kaum ein Auto, nur das tiefe Brummern riesiger Lastwagen und der vom Wind gepeitschte Staub störte ein bisschen die Erkundung der artenreichen Tierwelt. Obwohl es auf dieser Straße weniger Holzbrücken gibt, ist die Fauna mindestens so vielfältig und aufregend wie im bekannteren nördlichen Pantanal. Zum ersten Mal in meinem Leben erlebte ich einen Sumpfhirsch in seiner natürlichen Umgebung. Das Männchen spazierte direkt vor mir entlang des Weges.

Der Sumpfhirsch ist der größte Hirsch Südamerikas.

Die Tierwelt ist ziemlich spektakulär.

Vater und Sohn.

Ich hielt bis zur Kreuzung Curva do Leque zum Staunen und Fotografieren von Vögeln und Säugetieren mehrmals an und kam wegen den Rillen und Schlaglöchern auf der Staubstraße sehr langsam voran. Ab dem Kiosk von Qué Qué fuhr ich auf einer Teerstraße nach Porto da Manga weiter, aber fand diesen Abschnitt bis zum Fluss Río Paraguay nicht so beeindruckend. Die einzige auffällige Kuriosität war, dass es hier viel mehr von größeren Überschwemmungsgebieten gab. Der starke LKW-Verkehr produzierte aber eine solche Staubwolke, welche die Autosafari völlig ungenießbar machte. So drehte ich am Fluss um und fuhr zu meiner Basis nach Miranda zurück.

Nirgends sonst kann man so viele seltene Vögel aus nur ein paar Metern Entfernung betrachten.

Typisches Sumpfleben irgendwo auf der Strecke.

Am nächsten Tag begann ich meine Erkundungstour in einer der Seitenstraßen von Miranda, wo das Haus steht, dessen bestimmter Baum von Dutzenden Riesentukanen bewohnt wird. Es ist anzumerken, dass die Mitarbeiter des benachbarten Supermarkts jeden Morgen ein paar Scheiben der Papayafrucht auf den Betonzaun hängen, wegen dem die Vögel tagtäglich einfliegen. Die einzige Schwierigkeit bei der Vogelbeobachtung war der Betonzaun selbst, aber da ich groß gewachsen bin, war es am Ende kein Problem, die wunderschönen Vögel zu fotografieren.

Morgens knipse ich Fotos von Riesentukanen.

Mein nächster Stopp war die traditionell geführte Fazenda San Francisco, eine der berühmtesten Ranches im südlichen Pantanal mit fast 15.000 Hektar. Viele Touristen kommen aus Bonito und Miranda tagtäglich hierher, um einen Tagesausflug zu unternehmen und einen Einblick in den Alltag einer lokalen Ökofarm zu bekommen.

Wir machen uns in einem offenen Safarifahrzeug auf den Weg zur Tierbeobachtung.

Kultivierung von Nassreis auf der Fazenda San Francisco.

Um ehrlich zu sein, bin ich kein Fan von organisierten Programmen, bei denen Dutzende Touristen im offenen Spezial-Safari-Fahrzeug sitzen und auf diese Weise durch das Gelände gefahren werden. Dennoch wunderte ich mich sehr, was an dieser Gruppensafari im Vergleich zur Vogel- und Tierbeobachtung entlang der Transpantaneira – allein und ohne Zeitdruck – anders sein würde.

Die Fazenda San Francisco heißt früh am Morgen Dutzende Besucher willkommen.

Ich fotografiere Mantelkardinale am Eingang der Fazenda.

Der Rotbugamazon hat keine wirkliche Angst vor Menschen.

In Bezug auf die Fotografie ist die Safari mit eigenem (gemietetem) Auto als Selbstfahrer deutlich effizienter, aber ich konnte im ökologischen Refugium auch neue Tiere beobachten, die ich noch nie zuvor im Pantanal gesehen habe. So habe ich unter anderem Sumpfhirsche, Mantelkardinale, Senepole, Kappenblauraben und Chacoguans fotografiert. In den fast zwei Stunden auf den Straßen der Fazenda sorgte bei mir das Publikum auf dem Safarifahrzeug für Ärger, welches die wildlebenden Tiere und Vögel ständig laut kommentierte und so diese oft abschreckte. Erst am Ende der Tierbeobachtung haben alle begriffen, dass man während einer Gruppensafari immer ruhig bleiben sollte.

Der Gesang der Aracuás (auf Deutsch Chacoguan) gehört zum charakteristischen Sound des Pantanal und ist kilometerweit zu hören.

Die Tiere lassen sich teilweise vom Auto aus betrachten.

Rotbrustfischer kommen am Ufer entlang der Piste zum Vorschein.

Aufgrund meiner schlechten Erfahrungen habe ich am Nachmittag nicht mit der Touristengruppe an dem vorgeschlagenen Naturprogramm teilgenommen, sondern entschied mich für eine Kanu-Tour auf einem Seitenarm des Rio Miranda. Mit meinem Landschaftsführer hat es sich gelohnt, still durchs Wasser zu gleiten, das Kanu in den Sumpf zu steuern, dort ruhig zu sein und die Wasservögel zu beobachten.

Die Touristengruppe lernt die Landschaft in einem typischen Ausflugsschiff namens Chalana kennen und fischt Piranhas.

Ich paddele lieber auf dem Fluss.

Eine der Überraschungen des Tages ist der Nandaysittich.

Den letzten Morgen in Miranda verbrachte ich wieder beim riesigen Baum mit Beobachtung von Riesentukanen und reiste dann nach Campo Grande, um einige Tage später – diesmal ohne Mietauto – zur bolivianischen Grenze zu gelangen. Ich verabschiedete mich vom Pantanal und Brasilien in der abgelegenen Grenzstadt Corumbá. Mein 90-tägiger Aufenthalt in Brasilien läuft demnächst ab und ich muss in einer Woche Peru erreichen, wo mich dann neue Herausforderungen erwarten.

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