Nach den entspannten Tagen in João Pessoa und dem romantischen Sonnenuntergang in Jacaré wandte ich der Küste den Rücken zu und hatte vor, die Naturwunder des Staates Paraíba im Landesinneren zu erleben.

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, mir den staatlichen Natur-Park Lajedo do Pai Mateus in der Nähe von Cabaceiras anzuschauen, wo man hunderte von Felsbrocken auf einer langen Ebene bewundern kann. Glaubt man lokalen Sagen so strahlen die rotglühenden Gesteinsysteme beim Sonnenuntergang besonders positive Energie auf die Besucher aus.

Lajedo befindet sich auf einer Farm in privater Hand und ist zusammen mit dem kleinen Dorf Cabaceiras für brasilianische Film-, und Serienproduktionen bekannt. Deswegen nennt man den Ort ganz stolz und stylistisch auch “Roliúde Nordestina”, was eine Anspielung an Hollywood in Los Angeles ist, sogar die Buchstaben des “Roliúde” stehen stolz wie in L.A. auf den Hügeln über das Dorf.

Der idyllischte Ort, um einen weiteren Sonnenuntergang zu erleben

Eine Drama ähnlich einer Seifenoper war auch mir beschert, denn der größte Fernsehsender des Landes Globo sicherte sich für eine Stange Geld von Anfang Oktober bis Ende April 2018 die exklusiven Zutrittsrechte zur Fazenda, was gleichzeitig bedeutet, daß während der Dreharbeiten für eine neue Serie keine Touristen die Anlage besuchen dürfen.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich nach einem neuen Ziel in der Natur zwischen João Pessoa und Natal umzuschauen. Fündig geworden bin ich in der Savannelandschaft von Pedra de Boca. Ebenso ein Nationalpark, mit ungewöhnlichen Klippen, welche die lokalen Alpinisten für Klettern, Abseilen und Wandertouren nützen.

Traumhafte Landschaft mit Palmenwäldern und Steinklippen

Von João Pessoa aus musste ich nach Passa e Fica kommen, in einen kleinen, verschlafenen Ort, welcher zwischen Serra da Confusão und Serra de Araruna liegt.

Am Busbahnhof von Jampa stellte sich aber ganz schnell heraus, daß täglich nur ein Bus zu meinem Wunschort verkehrt und dieser schon seit einer Stunde den Bahnhof verlassen hatte. Ich musste daher wieder umplanen und so habe ich mir ein Ticket zur nächstgelegenen größten Ortschaft Nova Cruz besorgt, in der Hoffnung, daß ich bei der Ankunft dort ganz schnell weiterreisen kann. Allerdings musste ich in Kauf nehmen, dass mein Bus nach Nova Cruz über große Umwege über Caiçara fahren wird und die Fahrt über gerade mal 93 km mehr als vier Stunden in Anspruch nehmen wird.

Zum Glück war unser Fahrer tüchtig und der Bus kam schon nach drei Stunden in Nova Cruz an, wo ich nach einer halben Stunde Wartezeit problemlos nach Passa e Fica weiterreisen konnte. Eine Ortschaft, welche demnächst eine der Zentralen des brasilianischen Ökotourismus werden kann.

Der Eingang zum 157 Hektar großen Pedra de Boca Park liegt ca. 6 km vom Stadtzentrum entfernt. So entschied ich mich schnell für ein Motorradtaxi, welches mich in 15 Minuten zur Farm Seu Tico’s brachte.

Auf geht es zu einem Abenteuer mit dem Motorrad!

Seu Tico ist einer von jenen wenigen Personen, die sich der Aufrechterhaltung des lokalen Ökoturismus seit Eröffnung des Parks im Februar 2000 verschrieben haben. Mit seiner Familie führt er ein Restaurant direkt am Fuße des Pedra de Boca und bietet Reisenden Platz auf seiner Farm zum Zelten und für ihre Hängematten.

Das Essen ist lecker, mehr als ausreichend und typisch nordöstlich. Viel Gemüse, Salat und das traditionelle Couscous. Für drei Mahlzeiten, eine Übernachtung in meinem Zelt und eine Flasche Wasser habe ich insgesamt umgerechnet 13 Euro bezahlt. Man sieht also, daß in diesem Teil von Paraíba noch keine Horden von Gringos unterwegs sind, sonst wäre das Preisniveau bestimmt viel höher.

Der Besitzer des Bauernhofes Seu Tico ist auch zertifizierter Guide, aber wenn Touristen schon öfters fremde Berge bestiegen haben und oft wandern waren, braucht man ein Guideservice meiner Meinung nach eher nicht, ausser man möchte über die lokale Flora und Faune mehr erfahren bzw. die portugiesische Sprache während der Tour üben.

Ich habe keines von beiden gebraucht und so bestieg ich nach Aufstellen meines Zeltes und einer großen Portion Açaí als Mittagessen eine naheliegende kolossale Klippenformation, um den Sonnenuntergang von deren Spitze zu geniessen. Allerdings diesmal ohne Ravel’s Bolero und Touristenmassen wie es in Jacaré der Fall war.

Minimalistische Savanne-Vegetation im Cerrado-Gebiet

Der Nationalpark besteht aus mehreren Granitformen, die viele Gneis- und Quarzspuren beinhalten. Pedra de Boca ist nicht nur der Name des Parks, sondern auch der Name einer eigenen Steinformation, welche mit 336 m Höhe auch die höchste im Park ist. Auch deswegen dominiert sie die atemberaubende Gegend.

Die Klippe schaut aus wie ein Frosch, welcher etwas zum Essen zu sich nehmen möchte. Deswegen der breite offene Mund, der durch jahrhundertlange Erosion entstanden ist.

Weiterhin zeichnet sich Pedra de Boca durch riesige Felswände aus, die sehr beliebt unter Bergsteigern sind. Oft findet man an den Wänden Alpinisten die sich abseilen.

Da der erste Tag meines Besuches im Park ein Feiertag im benachbarten Rio Grande do Norte ist, treffe ich auf der Fazenda auf zwei Pärchen aus Natal. Wir unterhalten uns über Tourismus und weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, aber ich entscheide mich trotzdem für eine baldige Abendruhe, da ich am nächsten Tag einiges vorhabe.

Auf geht es in den Mund der großen Klippe Pedra de Boca!

Nach einem reichhaltigen Frühstück (mit Käse, Eiern, Couscous, Tapioca und Früchten) breche ich zum Pedra de Boca auf. Es ist noch früh, daher bin ich alleine unterwegs, was mir aber nicht unangenehm ist. Ich stoppe öfters wegen Fotos und der tollen Aussicht. Die Landschaft ist einfach bewunderswert. Trotz mehrerer Pausen erreiche ich mit Hilfe von Seilen schon nach 45 Minuten die Mündung der Klippe.

Ich bleibe ungefähr 30 Minuten oben, es wird ziemlich windig. Ein Zeichen wieder aufzubrechen. Nach der Rückkehr entscheide ich mich für den ökologischen Wanderweg, der mich ins Innere des Parks führt. Ich liebe es zwischen mehreren Steinklippen zu spazieren und mich beeindruckt auch die minimale Cerrado Vegetation. Wir sind in der Savanne in Zentralbrasilien und daher charakterisieren minimale Vegetation und viele Kakteen den sehr trockenen Park.

Meine neue brasilianische Bekannschaft vom Vortag erzählte von einem kleinen Höhlensystem. Trotz Mangel an Markierungen gelingt es mir, die Höhle zu finden. Die Höhle gefällt mir so gut, dass ich sie gleich zweimal durchqueren muss.

Die jahrhundertealte Erosion schafft Naturwunder

Auf meiner Wanderung treffe ich auch auf Seu Tico, der als Teil einer Führung von einer Schulklasse begleitet wird. Die Kinder machen einen derartigen Krawall, daß man sie schon aus ca. 500 Metern hören kann. Nachdem die Gruppe vorbei gezogen ist, werde ich auf einen kleinen Pfad aufmerksam. Ich halte Nachschau wohin er führt und werde belohnt. Der Pfad führt nämlich zu einer weiteren grandiosen Klippe und weiter auf die Spitze hinauf. Eine andere Klippe liegt ganz nahe gegenüber.

Das “Superfood” Açaí

Auf der Farm treffe ich wieder auf die Schulklasse. Ich finde sie auch beim Mittagessen zu laut, daher packe ich meine Sachen, esse mein tägliches Açaí und rufe meinen Fahrer Diego an, um zu einer neuen Reise und zu einem neuen Abenteuer aufzubrechen. Diesmal zum Entspannen und zu langen Strandspaziergängen nach Pipa.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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