Auf dem Oberdeck eines LKW’s erreichte ich die bolivianisch-chilenische Grenze auf 5000 Meter Seehöhe. Im äußersten Norden von Chile campierte ich im Schnee im wildromantischen Lauca, dem chilenischen Pendant des Nationalparks Sajama. Im Altiplano-Dörfchen Parinacota lernte ich die Lagune Cotacotani kennen, unternahm mehrere Wanderungen mit atemberaubender Vulkankulisse, fotografierte seltene Vögel und bewunderte, wie sich prächtige rosa Flamingos in einer Höhenlage von über 4500 Meter in der Lagune tummeln.

Nach den Erlebnissen der Höhenwanderung auf den “Lagunas de Altura” verbrachte ich die Nacht in Yvonne’s Unterkunft, bevor wir beide weiterreisten. Meine aktuelle Weggefährtin plante über Oruro nach Cochabamba zu reisen, während ich vorhatte, im Nationalpark Lauca auf der chilenischen Seite des Sajama Nationalparks erneut in Höhenlage wild zu campen.

Wunderschöne und unberührte Natur auf 4.800 Meter

Unter der Woche verlässt jeden Morgen ein Kleinbus den Sajama Nationalpark. So standen wir früh auf, um den Bus um 5:30 Uhr zu erreichen. Mit anderen Fahrgästen warteten wir bereits schon um 5:00 Uhr auf Sajama’s Hauptplatz auf unseren Van, der aber erst kurz vor 6:00 Uhr eintraf. Wir stiegen ein, fuhren los und nach ca. 10 Minuten kam es schon zum ersten ungeplanten Halt. Die Räder unseres Fahrzeugs steckten in der schlammigen Erde fest. In der Nacht hatte es geschneit und wie die örtlichen Aymaras uns erzählten sind unpassierbare Straßen während der Regenzeit alltägliche Probleme im Altiplano. Trotz der Morgenkälte stiegen wir alle aus und in Sekundenschnelle halfen wir den Bus aus dem tiefen und breiten Schlamm zu schieben. Dann konnten wir unsere Reise fortsetzen.

In der Regenzeit erlebt man oft Probleme mit dem Verkehr

Nachdem wir den Sajama Nationalpark Richtung Zivilisation verließen, erreichten wir nach ca. 20 Minuten die Hauptstrasse. Da der Bus Richtung Patacamaya weiterfuhr, stiegen wir beide aus, in der Hoffnung per Anhalter weiterzukommen. Yvonne wollte einen LKW Richtung Oruro und Cochabamba anhalten, während ich als erstes die 12 km weit entfernte Grenze anpeilte.

Ich trampe ungern in Lateinamerika und nur dann, wenn es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, um an mein gewünschtes Ziel zu gelangen. Unsere Mitreisenden meinten es gäbe gegen 9:00 Uhr einen Bus zur Grenze, aber da es erst kurz vor 7:00 Uhr war, blieb ich mit zwei Einheimischen auf der Strasse und streckte den Daumen raus. Ich hoffte auf einen der zahlreichen LKW’s, welche zwischen La Paz und Arica unterwegs waren. Das Glück war auf meiner Seite, denn schon nach ca. 20 Minuten blieb ein Laster stehen und wir kletterten auf die offene Ladefläche. Yvonne blieb alleine am Rand der Hauptstrasse zurück, aber als wir einige Tage später Nachrichten miteinander gewechselt haben, stellte es sich heruas, dass es ihr gelang, am selben Tag noch den Nationalpark Toro Toro zu erreichen.

Auf der offenen Ladefläche eines LKW’s zur Grenze unterwegs

Es war aufregend, auf dem Oberdeck des Lasters unterwegs zu sein. Der Morgenfrost erwischte mich ein bisschen und so war ich froh, 20 Minuten später an der Grenze auszusteigen. Nach schnellem Geldwechsel war ich ziemlich schockiert darüber, dass die Passkontrolle der zwei Länder Bolivien und Chile zusammengelegt wurde und der Grenzposten in einem Gebäude sieben Kilometer von meinem aktuellen Standort enfernt lag. All dies auf einer Höhenlage von 5.000 Meter, mit zwei Rucksäcken auf meinem Rücken, zwischen LKW’s marschierend und bergauf

Ich gehe gerne in Höhenlage wandern, aber ich hätte mir lieber eine romantischere Umgebung für meinen frühmorgendlichen Spaziergang vorgestellt, also ließ ich mich am Straßenrand nieder und hoffte, dass einer der Lastwagen anhalten und mich mitnehmen würde.

Spezieller Altiplanovogel 1

Ich habe den Fahrern ständig gewinkt, aber keiner von ihnen wollte anhalten. Obwohl ich versuchte, auch über die örtlichen Grenzbeamten eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen, gelang es mir wieder nicht. So musste ich neu überlegen und mir etwas anderes einfallen zu lassen. Zwanzig Minuten später kam mir ein bolivianisches Auto zur Hilfe. Zugegeben, der Wagen war fast voll, aber nach einem kurzen Gespräch durfte ich einsteigen. Es stellte sich heraus, dass die vierköpfige Familie Frühstück und Kaffee an die wartenden LKW-Fahrer verkaufte, also fuhren wir langsam, hielten öfters an und erreichten nach ca. 30 Minuten das neue Gebäude der aktuellen Grenzstation.

Die bolivianischen Grenzbeamten machten große Augen, als sie erfuhren, dass ich die höchstgelegene Grenze des Landes zu Fuß und per Anhalter erreichte. Nichts desto trotz erhielt ich schnell die Stempel auf beiden Grenzstationen und schaute mich nach einer neuen Mitfahrmöglichkeit um.

Das Geisterdorf Parinacota

Gleich nach dem Grenzübergang, am vor Vulkanen liegenden See Chungará wollte ich meine erste chilenische Nacht im Zelt verbringen. Der See ist die Hauptattraktion des Lauca Nationalparks und einer der höchstgelegenen Seen der Welt. Vor tausenden von Jahren raste ein beeindruckender Lavastrom die Hänge des Berges Payachata hinunter und verwandelte die Landschaft. Die verschüttete Lava hat an einigen Stellen eine Barriere gebildet, die das Wasser vor dem schmelzenden Schnee des Chungará-Sees schützt.

Dank der chilenischen Grenzwächter wurde ich schnell fündig und ein sympathischer LKW-Fahrer nahm mich mit. Der bolivianische Fahrer fragte den Beamten noch schnell um eine Bestätigung, ob er jetzt wirklich einen Gringo mitnehmen darf. Nach kurzer Bekanntschaft bewegten wir uns langsam fort, der Schwerlastverkehr war unerträglich und der Verkehr auf der Ruta 11, der Hauptverbindungsstrecke zwischen Nordchile und Bolivien, war auf eine Spur begrenzt.

Der imposante Parinacota Vulkan (6.350 m)

Ich war überrascht zu sehen, dass die Strecke direkt nach der Grenze komplett aufgewühlt war, denn es gab kontinuierliche Bauarbeiten und Straßenreparaturen. Und das in einem der wertvollsten Nationalparks in Chile, mitten im Lauca. Neben den schneebedeckten Riesen ist der Park auch ein Naturreservat und Heimat zahlreicher Tierarten wie Lamas, Guanakos, Vikuñas, Alpakas, vieler Vogelarten und dem Andenpuma. In der Ferne beobachtet man die beiden Schichtvulkane Pomerape und den Parinacota.

Das Klima im Lauca Nationalpark ist trocken, tagsüber hat es ca. 10 bis 20 Grad, die Temperatur kann aber auch in den warmen Sommernächten weit unter Null Grad fallen.

Die magische Schönheit des wunderbaren Sees Chungará und die Reflexion des Parinacota-Vulkans im dunkelgrünen See bieten eine atemberaubende Aussicht. Ich wollte den See seit meinem letzten Chile Besuch vor vier Jahren unbedingt kennenlernen, aber ehrlich gesagt war ich vom See und seiner Umgebung enttäuscht, denn ich habe etwas anderes erwartet.

Lang andauernde Straßenbauarbeiten neben dem See Chungará

Es war erstaunlich und schockierend, die rosa Flamingos im Staub und im Lärm der LKW’s zu beobachten. Vergebens suchte ich das geheimnisvolle Ambiente des hinter dem See liegeneden Payachatas, die angeblichen, versteckten Inkaschätze, die CONAF  (Chilenische Nationalbehörde für Wald- und Forstwirtschaft) und die Campingmöglichkeit neben dem Büro der Behörde. Ich entschied mich dafür, weiterzureisen und mich erst bei der Gabelung zur einzigen Siedlung des Nationalparks Parinacota aussetzen zu lassen.

Ich schnappte meine beiden Rucksäcke und die Tasche voller Konserven und machte mich auf den Weg zum Dorf auf 4.570 Meter. Zum “Platz der Flamingos” (so heißt die Siedlung auf Aymara) gelangte ich aber mit einem LKW, der mich ein paar Minuten später aufgenommen hat.

Die magische, im 17. Jahrhundert erbaute Adobe-Kirche

Parinacota ist ein winziges, fast ausgestorbenes Geisterdorf mit ca. zwei Dutzend Einwohnern. Von denen sah ich maximal fünf während meines Aufenthaltes in der Siedlung, unter anderem einen halboffiziellen Ranger, der mir ein paar Tausend Pesos für den Eintritt abbringen wollte. (der Lauca Nationalpark kann kostenlos besichtigt werden) Zum Glück reichte ihm das bewährte Wort „mañana“ (morgen), so dass ich gleich nach meinem Eintreffen die von der UNESCO zum Nationalmonument deklarierte kleine Siedlung mit seiner wunderschönen weissen Kirche am verlassenen Dorfplatz kennenlernen durfte.

Eine weitere Nationalparkverwaltungsstation gäbe es hier auch, allerdings wie mir mein neuer lokaler Bekannter bestätigte, sind die CONAF Mitarbeiter schon in den Weihnachtsferien. So baute ich mein Zelt, ohne jemanden gefragt zu haben, am Rande der Siedlung auf. Mit Blick auf einen Vulkan und einen kleinen See genoß ich mein Mittagessen unter freiem Himmel.

Großartiges Panorama von meinem Basecamp aus

Der beeindruckende Lauca-Nationalpark, mit hochgelegenen Seen, Vulkanen und Andengipfeln, umfasst eine Fläche von 137.883 Hektar. Der Park ist ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat, das ein einzigartiges Ökosystem mit einer außergewöhnlichen Flora und Fauna beherbergt. Die Landschaften der Voranden und der Hochebene des Altiplano vereinen sich an diesem Ort von außerordentlicher natürlicher Schönheit. Immer wieder fällt der Blick auf die beiden Zwillingsvulkane Pomerape und Parinacota, die beide ebenmäßige schneebedeckte Kegel vorweisen und das Bild der Landschaft prägen.

In der Siedlung Parinacota war ich nahe an extremen Höhen, wo man oft die dünne Luft merkt und man schnell außer Atem kommt. Die dünneren Luftschichten könnten körperliche Beschwerden verursachen. Glücklicherweise habe ich mich schon aufgrund der Höhenlage von La Paz und Sajama innerhalb einer Woche an die Höhe gewöhnt, also entschied ich mich für einen Nachmittagsspaziergang zum Flamingogebiet der Cotacotani Lagune.

Flamingos tummeln sich in der Lagune Cotacotani

Der Startpunkt der Wanderung lag bei meinem Campingplatz hinter der Adobe-Kirche, an der CONAF-Hütte vorbei. Ein Wegweiser und Pfeile gaben stets die richtige Richtung an, allerdings war die Steintafel mit der Wegskizze verwaschen, so dass ich am Anfang dem aktuellen Steinweg folgen musste. Auch die App auf meinem Handy war hilfreich und so wanderte ich Richtung dem Aussichtspunkt der Lagune Cotacotani inmitten von Bofedalen, eine typische Landschaft des chilenischen Hochlandes.

Hinter dem Cotacotani an der direkten Grenze zu Bolivien liegt der über 6.300 Meter hohe Parinacota Vulkan, aufgrund seiner schönen Berglandschaften ein ausgesprochen beliebtes Ziel für Wanderer und Bergsteiger.

Ich wanderte entlang dem Weideplatz der Alpacas und der Lamas in einer hügeligen Landschaft, fernab von der Zivilisation und vom Lärm der Fahrzeuge. Ich genoss die nomadische Welt des Lauca Nationalparks und den vor mir erstreckten Vulkan Parinacota, das Wahrzeichen des Naturschutzgebietes.

Spezieller Altiplanovogel 2

Am Aussichtspunkt der Lagune Cotacotani ankommend war ich überwältigt von dem sich mir bietenden Anblick. Die großen durch hohe vulkanische Aktivität entstandene Felsen der Lagune bilden eine große Anzahl von Seen und von Lavainseln, welche die beliebtesten Aufenthaltsorte der Flamingos sind.

Es war ein unbeschreibliches Gefühl, alleine zwischen den kleinen Lagunen und ihrer Fauna zu wandern. Leider war aber das Wetter nicht auf meiner Seite, wegen den dahintreibenden grauen Wolken und des bewölkten Himmels war der imposante Parinacota schnell verdeckt. Ich wünschte, ich hätte Parinacota und die Lagune Cotacotani nicht wolkenverhangen und bei strahlend vor blauem Himmel erlebt… Ich entschloß mich, wegen des anstehenden Regens lieber ins Dorf zurückzukehren, um mich in meinem Zelt auszuruhen.

Auf dem faszinierenden Rückweg durch die paradiesische Natur des Hochlandes traf ich auf mehrere Viscachas. Die auch Hasenmäuse genannten Nagetiere erinnern äußerlich an Kaninchen mit langen Schwänzen. Sie sind Pflanzenfresser, die nahezu jede Art von Pflanzen zu sich nehmen, darunter auch Flechten, Moose und Gräser.

Das schneebedeckte Altiplano

Zurück in Parinacota habe ich in meinem Zelt Abend gegessen und legte mich in der Hoffnung nieder, dass mich am nächsten Tag ein klarer Himmel und eine klare Sicht erwarten würde. Wegen den außergewöhnlichen Erlebnissen und Erfahrungen am Tag war ich in der Nacht öfters wach, ich hörte und fühlte den Klang und die Stärke des Regens draußen.

Um sechs Uhr morgens kam ich zum ersten Mal aus dem Zelt und mich erstaunte, dass es nicht regnete, sondern dass nachts Schnee fiel. Die verschneite Landschaft und der andauernde Schneefall gaben mir einen wundervollen Anblick. Auch meine aktuelle Unterkunft war mit Schnee bedeckt. Ich putzte mein Zelt, legte es sicher zusammen und hoffte darauf, dass der dichte und ununterbrochene Schneefall bald nachlassen wird. Es wäre gut, die schneebedeckte Hochebene zu beobachten und zur Lagune Cotacotani, einem Gewirr aus vielen kleinen Seen wieder aufzubrechen.

Unerwartete Morgensicht

Der Schnee ist noch in dichten Flocken gefallen, als ich mich dazu entschlossen habe, eine fast einstündige Wanderung zu unternehmen. Diese Wanderung sollte sich später als guter Plan entpuppen. Der Schneefall ließ beim Erreichen der Lagune komplett nach, der Himmel wurde langsam klarer und der magische Anblick des schneebedeckten Parinacota Vulkans tauchte auch auf.

Ich ging runter zum Ufer zu den Flamingos, um sie zu beobachten und zu fotografieren. Zum Aussichtspunkt zurückkehrend, fotografiere ich einige interessante, für mich unbekannte Altiplanovögel, und bewunderte für ein paar Minuten den majestätischen Vulkan und das unberührte Lagunensystem des sich im Puderzucker befindenden Parinacota Vulkans. Wenn nicht früher, dann jetzt wurde mir bewusst, in welcher endlosen Weite und in welchem magischen Ort zwischen Himmel und Erde ich mich befand. Meine einzigen Begleiter waren die rosa Flamingos und verschiedene Vogelarten.

Als ich ins Dorf zurückkehrte, schmolz der Schnee schnell, die Sonne strahlte wieder, so trocknete ich mein Zelt, aß Mittag und entschloss, nach Arica zu trampen.

Der Innenhof der kolonialen Kirche

Wieder mit Glück hielt der erste Lastwagen an, er war nach Iquique unterwegs. Mit dem sympathischen chilenischen Fahrer machte ich mich auf den Weg zu einer vierstündiger Reise durch hunderte von steilen und engen Serpentinen, ein Höhenunterschied von über 4.600 Meter musste überwunden werden. Am Weg passierten wir oasenartige, fruchtbare Tiefebenen, karge Wüstenberge und abenteuerlich enge Kurven.

Ich plante, eine ungarische Bekannte in Arica zu besuchen und eine Nacht in der Stadt zu verbringen, die ich bereits schon im Jahr 2014 kennenlernte. Es ginge dann am nächsten Tag weiter durch den peruanischen Tacna nach Arequipa

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