San José und seine Umgebung sind nicht nur an sagenumwobenen Vulkanen reich. Die unmittelbare Nähe der „Chepe“ beherbergt inmitten des Regenwaldes dutzende von Wasserfällen. Ich habe diesmal zwei von den Kaskaden besichtigt. Touristenmassen musste ich wohl nicht befürchten, denn bei beiden Wasserstürzen war ich der einzige Besucher, beim idyllischen Bajos del Toro seit Ausbruch der Coronavirus-Epidemie sogar erst der zweite internationale Gast!

Kurz bevor ich in Costa Rica ankam, entschied ich mich ganz bewusst dazu, nach Möglichkeit entweder draußen in der unberührten Natur zu campen oder im Auto zu schlafen. Bei der Laguna Hule habe ich mich schließlich für letzteres entschieden. Obwohl es nicht möglich war, die Rückbank meines Mietwagens umzuklappen und den Kofferraum mit den hinteren Rückenlehnen zu öffnen, habe ich letzte Nacht überraschend gut geschlafen.

Das in europäischen Händen befindliche private Reservat ist nicht nur als einer der schönsten Wasserfälle des Landes berühmt.

Ich wachte früh auf und war schon kurz nach dem Sonnenaufgang auf dem Weg zum Catarata del Toro. Letzterer befindet sich unweit des Juan Castro Blanco Nationalparks auf der 708er Seite und ist umgeben von Dutzenden von Wasserfällen. Vielleicht nicht einmal 20 km trennen die beiden Sehenswürdigkeiten, so erreichte ich schon vor der frühen Öffnungszeit einen der schönsten Wasserfälle der Region. Ich musste ungefähr zehn Minuten darauf warten, bis Wil, der niederländische Besitzer der hübschen Lodge und des imposanten Wasserfalls – mit europäischer Pünktlichkeit – den Parkplatz öffnete.

Der Wanderweg zum parasitären Krater verläuft vom Eingang zunächst auf ebenem Gelände.

Ich fotografiere die bunte Farbpracht der Vegetation in Richtung des Kraters.

Costa Rica ist eines der lateinamerikanischen Länder, in denen ein ausländischer Einwanderer problemlos einen Wasserfall besitzen kann. Ich habe leider keine Ahnung, wie der wertvolle Naturschatz, der in einem in verschiedenen Farben schillernden erloschenen Vulkankessel versteckt ist, in europäische Hände gelangte. Es besteht kein Zweifel daran, dass Catarata Bajos del Toro ein brillanter Wasserfall ist, der aus irgendeinem Grund auch in den Friedenszeiten selten besucht wurde, geschweige denn jetzt während und nach der Corona-Pandemie! Wil zeigte sich einigermaßen erstaunt, aber freute sich ganz besonders über meinen frühen Besuch. Der Holländer sagte mir, ich sei seit Beginn der Corona-Epidemie – abgesehen von ein paar in Costa Rica lebenden Auswanderern – der zweite internationale Besucher. Es ist kein schlechtes Gefühl, Silbermedaillengewinner zu sein, vor allem, weil es am frühen Morgen garantiert schien, dass sich niemand außer mir am Wasserfall befand. So durfte ich bei meinem Besuch den ganzen Wasserfall für mich alleine haben. Wil empfang mich ganz herzlich am Eingang zur Lodge, die im Vergleich zu anderen Unterkünften in Costa Rica einen überraschend fairen Preis bietet, so dass es für mich beim nächsten Mal eine ganz hervorragende Alternative zum Übernachten im Auto geben wird, wenn ich mich komfortabel in einem weichen Bett ausruhen möchte.

Während der Wanderung halte ich öfters, um Fotos von der atemberaubenden Umgebung zu knipsen.

Der Eintritt zum Naturwasserfall kostet 14 USD, kombiniert mit den Blue Falls wären das 25 USD. Von letzteren habe ich bisher noch nichts gehört, also entscheide ich mich nur den lokalen Wasserfall zu besichtigen. Ich mag Kaskaden, bei denen sich der Wasserfall nicht in unmittelbarer Nähe des Besucherzentrums befindet. Trotz der über 400 Stufen fühlt es sich gut an, zum Boden des kraterartigen Abgrunds abzusteigen, denn beginnend mit den dutzenden Kolibris am Eingang wird es einem naturliebenden Wanderer, der sich aktiv entspannen und erholen möchte, unterwegs nicht langweilig. Wil und sein Team haben nämlich viel Arbeit und Aufwand in die Umgebung des Ökoparks rund um die Lodge gesteckt, sodass mich zahlreiche beeindruckende und bunte Pflanzen zum ehemaligen Parasitärkrater des Vulkans Poás begleiten.

Schon im Besucherzentrum geben die Kolibris den Ton für eine sagenhafte Wanderung an.

Vulkanische Aktivitäten haben die tiefe Schlucht geschaffen, in die der Breitwasserfluss Rio Toro aus einer Höhe von fast 90 Metern stürzt.

Sehr schöne Naturkulisse ohne Touristengruppen.

Zurück zum Eingang zur Lodge nutze ich die Möglichkeit des Internets und gebe meiner Familie, die seit einigen Tagen nichts von mir gehört hat, ein kurzes Lebenszeichen von mir. Ich beruhige meine Eltern und erzähle ihnen, dass am anderen Ende der Welt alles in Ordnung ist und in der wunderbaren Natur die Coronavirus-Pandemie gar kein Thema ist. Ich plante vor Ort schnell um und da  dieser Tag von den Wasserfällen handelte, fuhr ich als nächstes zum Parque Recreativo Los Manantiales! Vom letzteren habe ich schon einiges Gutes in den Internetforen gelesen und da es sich von einem System von Wasserfällenhandelte, war ein weiterer Impuls im lokalen Regenwald schon vorab garantiert.

Obwohl der etwas kleinere Wasserfall von Manantiales mit seinem natürlichen Becken nicht mit dem Ausmaß des Catarata del Toro vergleichbar ist, beeindrucken mich die dschungelartigen Wälder der Umgebung schon von Anfang an.

Immer weiter in den Regenwald vordringend, erscheinen noch schönere Wasserfälle.

Wir schauen einander an.

Manantiales liegt nicht weit von Wil‘s Lodge, vielleicht war ich insgesamt eine halbe Stunde bis zum nächsten nassen Erlebnis unterwegs. Es war für mich keine große Überraschung, aufgrund der derzeitigenCOVID-19-Pandemie auch hier keinen Besucher vorzufinden. Nun muss man aber gestehen, dass sich Manantiales nicht in dem gleichen hervorragenden Zustand befindet wie der beeindruckende Catarata Bajos del Toro. Die Kunststofflatten der alten Hängebrücken waren sehr morsch, an manchen Stellen fehlten sogar ein oder zwei Latten. Man hat sich in letzter Zeit anscheinend nicht wirklich um den Zustand der Wanderwege und der Hängebrücken gekümmert, dennoch war das Gelände problemlos begehbar.

Obwohl die Hängebrücken nicht im besten Zustand sind, muss ich diese durchqueren, um auch die anderen Wasserfälle zu begutachten…

Die höchste Kaskade der Manantiales Fälle stürzt in einer sagenhaften Kulisse in den tiefen Abgrund.

Die zahlreichen Wasserfälle sind teilweise sehr leicht zu erreichen, aber es gibt auch einige Kaskaden, die wegen den dschungelartig-verwunschen Pflanzen schwieriger zu fotografieren sind. Der Vorteil des üppigen Dschungels ist, dass die Brüllaffen hier bereits in großer Anzahl in Kolonien auftauchen. Daher kann ich sie ziemlich gut und aus der Nähe fotografieren. Es überrascht mich gar nicht, dass ich auch auf den Pfaden von Manantiales ganz alleine laufe. Erst nach dem Verlassen der Wasserfälle treffe ich auf eine einheimische Familie, die im Naturpool beim Eingang den Schweiß des heißen Tages von ihrem Körper abwäscht.

Schwarze Brüllaffen begleiten meinen Weg.

In Abwesenheit eines Begleiters versuche ich, den denkwürdigen Moment selbst festzuhalten.

Bevor es für mich weitergeht, tauche ich selber auch ins angenehme Wasser ein. Darüber freuen sich ganz riesig die beiden Kinder der Ticos, da es wahrscheinlich schon eine lange Zeit keinen internationalen Besucher beim Wasserfall gab…

Wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat und du neugierig auf weitere Fotos und Informationen geworden bist, besuche einfach meine Facebook-Seite.