Aufgrund des unberechenbaren Wetters hatten wir beim Poás nicht so viel Glück, wie am Tag zuvor auf dem Irazú-Vulkan. Wir können uns aber nicht beschweren, da wir ein paar nebelfreie Minuten erwischt haben und dadurch sich der Geysir doch zeigte. In der Nähe von Poás fanden wir einen hervorragenden Ort für Vogelbeobachtung, wo die köstlichste Kraftbrühe des Landes zubereitet wird. Die Coronavirus-Pandemie hat in der Zwischenzeit unsere gesamten Pläne durcheinander gebracht. Wir konnten die Reise innerhalb von Costa Rica nicht mehr fortsetzen. Deshalb entschied ich mich, nach Europa zurück zu fliegen, was viel abenteuerlicher verlief als mein lateinamerikanisches Abenteuer der letzten sechs Jahre zusammen…

Wir machten gestern eine einmalige Erfahrung, als wir den Irazú-Vulkan bei herrlichem Sonnenschein erlebten. Sein kleiner Bruder Poás hat eine Höhe von 2708 Metern und ist damit bereits ein erheblich niedrigerer Stratovulkan, der seit dem 18. Jahrhundert fast fünfzig Mal ausgebrochen ist, zuletzt zweimal kurz im September 2019. Aufgrund seiner beispiellosen explosiven Vulkanausbrüche achten die Ticos ganz besonders auf die Sicherheitsvorkehrungen und alle Arten von Vulkanaktivitäten in dem 1955 um den Poás errichteten Nationalpark.

Auch der Nebelwald rund um den Krater ist eine Erkundung wert.

Auf dem Weg zum brodelnden Kessel fotografiere ich wunderschöne Pflanzen.

Zu Beginn des Tages ist der Himmel noch wolkenlos, daher hoffen wir zu Recht, dass wir nach dem gestrigen Tag beim tollen Wetter auch in den zwanzig Minuten, die wir am Rande des aktiven Vulkankegels verbringen werden, schönes Wetter haben. Im Gegensatz zum Irazú stellt das Besucherzentrum des Poás nur sehr wenig Zeit für die Besucher zur Verfügung. Aufgrund der schädlichen Auswirkungen von ausgestoßenen Schwefelgasen darf man nicht mehr als 20 Minuten an der Caldera verbringen. Die giftigen Schwefelsäure-Dämpfe haben beim Einatmen eine erhebliche langfristig gesundheitsschädliche Wirkung, so gibt es leider keine Möglichkeit, den Hauptkrater ernsthafter und im Detail kennenzulernen. Wenn das Wetter während des Aufenthalts am Kraterrand schlecht und der Himmel von Wolken bedeckt ist, darf man nicht so lange oben bleiben, bis die Sonne wieder rauskommt…

Der Moment, in dem das Wetter einige hundert Meter unter dem Vulkan noch erstaunlich gut ist.

Poás ist eine der besucherstärksten Sehenswürdigkeiten in Costa Rica.

Eine der Besonderheiten des Poás besteht darin, dass man am Kraterrand eine sprudelnde Kraterlandschaft – mit einem der sauersten natürlichen Seen der Welt – bestaunen kann. Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir den dampfenden Kessel, wo der Anblick jedoch eine völlig andere Erfahrung bietet, als wir uns insgeheim erhofft hatten. Der Geysir erwartet uns in einem mysteriösen Nebel, so dass er seine Geheimnisse in den ersten Minuten nicht preisgibt. Das türkisgrüne Wasser der Laguna Caliente lässt sich erst in den letzten Minuten unseres Besuchs etwas besser begutachten. Von der “heißen Lagune” würden wir gerne auf dem Sendero Botos zum erloschenen Nebenkrater des dicht bewachsenen Vulkans weitergehen, aber die Kaltwasser-Lagune Botos ist wegen vulkanischer Aktivität geschlossen und nicht zugänglich.

Der Wind bläst die Wolken nur langsam weg, so zeigt sich der in der Wolkensuppe grünlich schimmernde und blubbernde Kratersee kaum.

Die erodierte Oberfläche des Poás ist ein wunderschöner Anblick.

Da sowohl der mit Regenwasser gefüllte Kaltwassersee Botos als auch die Wanderwege Canto de Aves und Escalonia aus dem heutigen Programm gestrichen wurden, haben wir mehr Zeit für Besichtigungen in der Region Poás. Die privat geführten Wasserfallgärten von La Paz wären sicherlich eine Überlegung wert, allerdings bevorzugen wir andere Attraktionen. Neben dem Zoo des Öko-Parks fallen wunderschöne Wasserfälle in die Tiefe. Einer der schönsten – der La Paz-Wasserfall – kann vom Straßenrand aus beobachtet werden. Von hier aus ist es nicht mehr so ​​weit bis zum Soda und dem Aussichtspunkt, wo wir definitiv anhalten werden. Neben der köstlichsten hausgemachten Kraftbrühe des Landes, die mit Omas Rezept konkurriert, ist die Außenterrasse des Restaurants ein echtes Paradies für Vogelbeobachter und Ornithologen.

In der Nähe des Vulkans Poás lohnt sich der Besuch des Wasserfalls La Paz.

Der Köder lockt viele Tiere an.

Kolibris sind auf der Terrasse des Mirador Cinchona ziemlich leicht zu fotografieren.

Vom einfachen Soda hörte ich zum ersten Mal bei einer zufälligen Begegnung in der Nähe von La Fortuna und notierte mir sofort den Namen. Zu dieser Zeit befand ich mich auf den Wanderwegen und Pfaden der Arenal Observatory Lodge, wo ich einen Tico kennengelernt habe, der winzige Kolibris mit professioneller Fotoausrüstung fotografierte. Wir kamen schnell ins Gespräch. Ich habe mich seitdem mehrmals mit Oscar über die besten Vogelbeobachtungsorte in Costa Rica ausgetauscht. Er schlug mir vor, den Mirador Cinchona zu besuchen. Bei der Ankunft im Soda erschien der sympathische Besitzer mit Fruchtfleisch der Papaya in seinen Händen in Sekundenschnelle. Der Köder auf den Ästen wirkte schnell. Die bunten Vögel treffen schon nach wenigen Minuten auf der Terrasse ein. Wir fotografieren sie stundenlang, während wir den göttlichen Olla de Carne mit Kartoffeln, Yucca, Mais, Kürbis und Karotten verzehren.

Die Besitzer des Sodas stellen sich für ein Foto zur Verfügung.

Die Einheimischen kochen das Fleisch lange, um es richtig zart werden zu lassen. Mit viel Gemüse serviert, ist es die acht Dollar wert.

Am nächsten Tag fliegt Béla auf einem der letzten KLM-Flüge über Panama City nach Europa zurück, während ich in einen Bus nach Sámara steige. Am Strand versuche ich herauszufinden, wohin es als nächstes gehen soll. Ich bin seit fast zehn Monaten unterwegs und seit meiner Ankunft in Lateinamerika veränderte sich die Welt dramatisch. Ich denke speziell an die Coronavirus-Pandemie, die immer mehr Menschen in Costa Rica in Angst versetzt. Die Ticos haben schnell reagiert und neue Regeln eingeführt: nur eine Person pro Hausstand kann einkaufen gehen, vor dem Betreten der Geschäfte wird die Körpertemperatur gemessen, viele Menschen auf der Straße tragen Mundschutzmasken. Alle Geschäfte verwenden alkoholisches Händedesinfektionsgel, während ich an der Rezeption bei Ankunft als erstes danach gefragt werde, wann ich in Costa Rica angekommen bin…

In Cinchona sehen wir viele bunte Vögel.

Hungrig flogen die Vögel auf die Terrasse.

Ich habe in den letzten Jahren mit der in Sámara lebenden Ungarin Csilla ein paar Nachrichten über Lateinamerika ausgetauscht. Als wir einander persönlich kennenlernen, bekomme ich von ihr einige hilfreiche Tipps zur Wohnungssuche um Sámara. Mein Plan ist es, die ungewisse Zeit der Corona-Pandemie in Costa Rica zu verbringen. Nach einer langen und intensiven Reise wird es mir gut tun, mich mittelfristig am selben Ort zu verhalten. Der atemberaubende Strand ermöglicht viele Möglichkeiten, um Sport zu treiben, während ich in meinem Apartment wieder für mich selbst kochen kann. Weiterhin möchte ich mich mehr mit meinem Blog beschäftigen, da ich mit den Geschichten ziemlich im Rückstand bin. Bevor ich mir die erste Wohnung anschaue, bekomme ich einen Anruf aus Ungarn, wonach ich meiner Familie verspreche, die Möglichkeit eines Rückflugs nach Europa zu überlegen.

Nach dem leichten Regen erscheinen die Trupiale.

In der Nacht dachte ich über eine Million Möglichkeiten nach, aber ganz vernünftig erschien mir nur eine einzige Lösung. Am nächsten Morgen begann ich daher meine Heimreise zu organisieren. Ich hatte ursprünglich in einem Monat einen Rückflug mit Iberia nach Europa. Es wäre im Prinzip leicht gewesen, das Flugticket umschreiben zu lassen, allerdings stornierte die Fluggesellschaft ihre Überseeflüge, so dass ich nach einer anderen Lösung suchen musste. Es gab die niederländische Airline KLM, die nach Amsterdam und mit Air France nach Paris fliegt. Die meisten Flüge in die Niederlande führen jedoch über Panama-Stadt. Ich werde jetzt mit Sicherheit nicht nach Panama fliegen können, da das zentralamerikanische Land angesichts der aktuellen epidemiologischen Situation vor einigen Tagen seine Grenzen bis auf weiteres geschlossen hat und auch keine Transitpassagiere zulässt… In der Zwischenzeit klingelte mein Handy immer wieder, es war meine Schwester am anderen Ende des Telefons, die versucht hat, einen gescheiten Rückflug zu finden, während ich mit den Botschaften Kontakt aufnahm.

Trotz Coronavirus-Pandemie wäre es besser, in Costa Rica zu bleiben und weiterhin Fotos von der Vogelwelt zu knipsen.

Es wurde ziemlich schnell einmal klar, dass ich nicht mehr viele Optionen hatte. Da Mexiko noch weiterhin uneingeschränkt geöffnet war, reiste ich über Mexiko-Stadt. Von dort aus geht es nach Madrid und dann weiter nach Amsterdam, um am Ende des Mehrstopp-Trips irgendwann in Budapest zu landen. Ich wusste im Voraus, dass es am Flughafen Madrid-Barajas keine Geschäfte offen sein werden, daher kaufte ich in Costa Rica ein, und stellte noch in San José ein “Überlebenspaket zusammen. Die Getränke und die Snacks legte ich in mein aufgegebenes Gepäck. Der Proviant war elementarisch, da ich vor der Weiterreise innerhalb Europas eine ganze Nacht im Flughafen in Madrid verbringen musste.

Am Flughafen Madrid war alles zu. Um meinen Aufenthalt zu überleben, kaufte ich vor meinem Rückflug nach Europa im teuren Costa Rica ein.

Irgendwie hatte ich jedoch das Gefühl, dass die Rückreise kein so einfacher Stunt sein wird. Als ich auf dem Boden schlafend mitten in der Nacht am Flughafen in Madrid aufwachte, musste ich in kurzer Zeit einen neuen Plan improvisieren. Es stellte sich nämlich heraus, dass meine Reise nach Amsterdam nicht stattfinden wird, da die Niederlande ausländischen Staatsangehörigen ab genau heute nicht mehr erlauben wird, ins Land zu fliegen oder einen Transit zu machen… Auch nicht, wenn die Fluggäste einen Anschlussflug in ein Schengen-Land hätten… Mir blieben zwei Möglichkeiten: entweder mit Lufthansa nach Frankfurt zu fliegen, oder mit Air Europa nach London. Leider waren die beiden Flieger nach Deutschland komplett ausgebucht, so erwarb ich ein neues Flugticket für den Flug mit Air Europa. In der Früh kam der nächste Schock, als ich am Self-Check-In Automaten selbstständig einchecken wollte. Auf meiner Bordkarte stand SBY, also Standby-Ticket. Das heißt, dass bei dem gewünschten Flug keine Plätze mehr frei sind. Ich habe lange Stunden gebraucht, bis die Airline endlich bestätigte, dass ich fliegen darf…

Nach ungefähr sechzig Stunden auf der Reise finde ich endlich einen Laden am Flughafen, der offen ist und sogar kaltes Bier verkauft…

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich bereits schon seit 24 Stunden am Flughafen Madrid-Barajas. Nach einer weiteren Wartezeit stellte sich heraus, dass ich aufgrund eines Systemfehlers mindestens eine weitere Stunde vor dem Check-in Schalter warten muss… Glücklicherweise erhielt ich die Bestätigung von der Fluggesellschaft schneller, sodass ich endlich mal den T2 Flughafenterminal Richtung Sicherheitskontrolle verlassen durfte, dessen Kanten und Ecken ich am gestrigen Tag mindestens hundert Mal durchgegangen bin.

Home Office – Warten auf die nächste Flugverbindung…

Mein Cousin Barna ist nach meiner Rückkehr kreativ.

Zum Glück verlief in London alles reibungslos. Ich landete am Gatwick Airport, wo ich einige Stunden später einen Wizz Air Flug nahm und vor Mitternacht am Internationalen Flughafen Budapest „Franz Liszt“ ankam. Sowohl körperlich als auch emotional und geistig erschöpft, begebe ich mich jetzt in eine zweiwöchige freiwillige Quarantäne. Danach werde ich sehen, wie sich diese weltweite Epedemie entwickelt…

Wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat und du neugierig auf weitere Fotos und Informationen geworden bist, besuche einfach meine Facebook-Seite.