Innerhalb von zwei Monaten habe ich gleich zweimal in einer der größten Páramo-Regionen der Erde eine Wanderung unternommen. Während beim ersten Mal meine Wanderschuhe auf dem sumpfigen Boden vom feuchten Gras völlig durchnässt waren, entkamen wir beim zweiten Mal glücklich dem Regen. Für diesen aktuellen Bericht verwende ich hauptsächlich Fotos, die den sonnigen Paramo zeigen, während ich mich im Blogbeitrag an mein faszinierenderes, nasses Abenteuer erinnere.

Nachdem ich die Sehenswürdigkeiten von Cuenca und Umgebung erkundet hatte, erwartete mich eine aufregende Attraktion, nämlich der etwa 29.000 ha große Cajas Nationalpark mit ca. 230 Teichen und Seen. In den Bergen oberhalb von Cuenca gelegen, ist das zusammenhängende Paramogebiet mit einem unglaublichen Landschaftsreichtum eine der feuchtesten Regionen Ecuadors.

Ich habe erst bei meinem dritten Besuch in Cajas ein traumhaftes Wetter.

Ich war bereits vor sechs Jahren hier, als ich mitten in der Regenzeit mit zwei jungen amerikanischen Mädchen wanderte. Wir hatten keine andere Wahl des Datums, da wir alle während unserer Rucksackreise in Südamerika in der Regenzeit in Süd-Ecuador waren. Ich erinnere mich noch genau an diesen ersten Besuch im Naturschutzgebiet, als wir die berühmteste Lagune des Paramoparks, die Toreadora, besichtigten. Wegen der sumpfigen Landschaft und des andauernden Regens beschlossen wir, die Wanderung nach einer Stunde abzubrechen und zum Ausgangspunkt der Tour zurückzukehren.

In ständig regnerischen Gebieten über 3.000 Metern wechseln sich übermannshohe Pflanzen mit stacheligen Grasbüscheln ab.

Es wäre wahrscheinlich viel besser gewesen, wenn ich diesmal in der niederschlagsarmen Trockenzeit in Cajas gewesen wäre, aber es gab wohl nichts, was man tun konnte, ich war auch auf die schlechten Wetterbedingungen vorbereitet. In ungefähr zwei Monaten wird ein ungarisches Paar nach Ecuador reisen, das ich zwei Wochen lang als Guide führen werde. So habe ich mich selbst dazu überredet, trotz des erwarteten Regens durch die Lagune zu laufen, und wenn ich schon mal hier bin, auf den unterschiedlichen Wanderwegen der Anlage auch eine längere Wanderung zu unternehmen.

Ich sehnte mich danach, nach Jahren wieder in die Páramo-Region Südamerikas zurückzukehren.

Ich habe mich ins einzigartige Páramo-Ökosystem u.a. für solch besondere Naturspektakel verliebt.

Ich habe mich auf eine erneute Wanderung in Cajas gefreut, seit ich in der Páramo-Landschaft in den Parque National Los Nevados de Tolima in Kolumbien gewandert bin. Das außergewöhliche Wunder der Natur, der atemberaubende Blick der fantastischen Berglandschaft und die endemischen Pflanzen haben mich zu dieser Zeit sofort beeindruckt. So freute ich mich auf eine weitere Begegnung mit dem Andenhochland Südamerikas. Ich näherte mich dem Eingang des in 1996 zum Nationalpark erklärten Gebiets mit einem Bus von Cuenca. Schon früh morgens verließ ich meine Unterkunft und obwohl ich nicht auf die Uhr schaute – Busse fahren jede halbe Stunde nach Guayaquil – war es ein gutes Gefühl, schon am frühen Morgen am Parkeingang zu sein.

Ich freue mich wahnsinnig auf die mich erwartende Páramo-Vegetation und komme rechtzeitig am Eingang des Nationalparks Cajas an.

Nach ca. 50 Minuten Fahrtzeit gelangte ich zum Besucherzentrum auf einem Bergpass, wo man auch diesmal keinen Eintritt bezahlen musste. Mit Ausnahme der Galapagos-Inseln gibt es seit acht Jahren keinen Eintritt in den Nationalparks des Landes. Die mystische Lagunenlandschaft kann nur eine begrenzte Anzahl an Gästen gleichzeitig einlassen, aber zum Glück musste ich mir auch diesmal keine Sorgen darum machen. Die recht anspruchsvollen Wanderwege des Nationalparks waren nämlich nicht voll. Nach einer schnellen Registrierung – mit einem halben Auge die Wanderkarte im Blick behaltend – ging ich bereits den Pfad der Toreadora entlang.

Aus Angst vor dem Regen nehme ich meine Kamera immer vorsichtig heraus, um charakteristische Páramo-Pflanzen zu fotografieren.

Obwohl ich schon einmal im El Cajas Nationalpark gewesen bin, hatte ich diesmal leider kein Glück mit dem Wetter.

Im feuchtesten Teil Ecuadors komme ich dem Regen nicht entgegen.

Trotz des neblig-trüben Wetters habe ich die unbeschreiblich fantastische Páramo-Vegetation und das anspruchsvolle Hochlandtrekking sehr genossen. Ich war seit meinen Wanderungen in der Cordillera Blanca in Peru nicht mehr in der Höhenlage. Ich wusste daher, dass ich eine weitere Herausforderung unter extremen Bedingungen brauchen würde, wenn ich in einer Woche in den Bergen des erloschenen Stratovulkans Chimborazo – über fünftausend Meter – trekken wollte.

Zwei Monate später wandere ich bereits in wunderschönem sonnigen Gelände.

Deshalb habe ich die Entscheidung nicht bereut, den Cerro San Luis zu besteigen und den Polylepis-Wald (eine Parallele zum mitteleuropäischen Latschenwald) der riesigen Anlage zu passieren. Kurz darauf erreichte ich die Laguna Pataquinoas und befand mich wieder auf der Schnellstraße E582. Mein spannendes Abenteuer hat erst hier richtig begonnen. Mein Ziel befand sich auf der anderen Straßenseite. Die Laguna Llaviucu (auch Zorrocucho genannt) lag ca. zehn Kilometer entfernt.

Ich verlasse das Lago Toreadora in einem bewaldeten Gelände, das mit Papierbäumen bedeckt ist.

Bei schrecklichem Wetter erwartet mich ein extrem langer Abstieg.

Letztere – auf dreitausend Meter über dem Meeresspiegel – befindet sich nicht mehr in einer Hochgebirgsumgebung, sodass mich im Prinzip ein Abstieg von siebenhundert Höhenmetern erwartete. Es ist jedoch bekannt, dass man sich auf dem Paramogelände, insbesondere bei schlechtem Wetter und ohne Wegweiser, sehr leicht verlaufen kann. Obwohl ich für lange Stunden fast perfekt navigiert habe, gab es einige Teile, die in dichten Nebel gehüllt waren, wo meine zuvor heruntergeladene Navigation auch nicht half. Ich konnte nur ungefähr erraten, wohin ich als nächstes hintreten sollte, also versuchte ich lieber, auf meine Intuition zu hören.

Ich stieg in den nebligen Teil des Nationalparks hinab, wo ich viele einheimische Pflanzen fotografierte.

Ein anderes Problem war, dass ich versucht habe, auf einem Gelände weiterzukommen, auf dem Touristen selten wandern gehen. So waren die Wanderwege nicht so gut sichtbar und nicht mit den Füßen ausgetreten, wie in den stärker besuchten Gegenden der Anlage. Die extreme Schwierigkeit des Weiterkommens war jedoch eher auf den durchnässten sumpfigen Boden zurückzuführen. Vergebens habe ich nämlich versucht, mit meinen Bergwanderschuhen sicher zu treten, es war oft so, dass ich im Schlamm bis zu den Knien einsank. Als der Himmel wieder klarer wurde und die andinen Hochlandsteppen durch den Nebelwald und Moorland von Llaviucu ersetzt wurden, fiel es mir beim Wandern auf einmal viel leichter.

Es gibt nichts Schöneres als die unglaublich fotogene Páramo-Vegetation!

Beim Llaviucu-See habe ich keinen Grund mehr, mir Sorgen zu machen.

Bei den Ruinen einer ehemaligen Brauerei am Fuße der Lagune wäre nach den heutigen faszinierenden Abenteuern ein kaltes Bier sicherlich großartig!

Ich gehe zwischen den endlosen Weiden hindurch und kehre zur Zufahrtsstraße nach Cuenca zurück.

Ich war völlig erleichtert und stolz, die mystisch anmutende Lagune Llaviucu gefunden zu haben. In Richtung der Zufahrtsstraße spazierend habe ich schon wieder gelacht und erinnerte mich an die spannenden Abenteuer des langen Tages. Von der Hauptstraße fuhr ich dann per Anhalter nach San Pedro de Sayausí, von wo ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu meiner Unterkunft in Cuenca zurückkehrte.

Meine Wanderschuhe sind am Ende der Wanderung auf den schlammigen Pfaden völlig durchnässt, daher werde ich jetzt einige Tage lang bestimmt nicht wandern gehen…

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