Nach einer Woche Bloggen in der Nähe von Bogotá fühlte es sich wieder gut an, für ein langes Wochenende wieder in die Natur einzutauchen. Mein aktuelles Ziel war es, Guaduas, die fabelhafte Kolonialstadt nordwestlich der Hauptstadt zu erforschen. Da mein kolumbianischer Bekannter Javier am Samstag arbeiten musste, war ich diesmal alleine unterwegs. Es folgt ein ausführlicher Bildbericht:

Ich erreichte Salto de Versalles mit einem lokalen Colectivo. Obwohl mein Fahrer ein Anwohner war, kannte er das beliebte Naturwunder von Guaduas nicht (!), so ließ er mich auf der Straße ca. ein km vom Feldweg, der zum Wasserfall führt, aussteigen. Der kleine Umweg fiel nicht sonderlich ins Gewicht, da die hügelige Landschaft magisch wirkte.

In dieser Gegend begannen vor Jahrhunderten die Spanier, Obstgärten in einem erstklassigen Anbaugebiet anzulegen. Guaduas ist ein perfektes Obstanbaugebiet für die lokale Landwirtschaft, hier genießt man vermutlich eine der atemberaubendsten Landschaften Kolumbiens.

Vorerst ging ich auf einem breiten Feldweg an hübschen Villen vorbei, bis ich zur Ehrentafel gelangte, die stolz bestätigte, dass die hier lebenden Menschen dem 40 Meter hohen Wasserfall eine besondere Hymne gewidmet haben.

Ich war am Nachmittag da und somit waren nicht mehr viele Besucher beim Wasserfall. Ich traf lediglich auf ein kolumbianisches Paar, welches den Hügel hinauf zum höchsten Punkt des Wasserfalls bestieg. Die beiden waren mit einem Motorrad aus der Nachbarschaft zum Salto de Versalles gekommen, so hatten sie genug Zeit für diese Aktivität. Leider wurde mir die Zeit langsam knapp, es war schon spät, und so musste ich baldmöglichst in die Stadt zurückkehren. Ich musste mich beeilen, wer weiß, ob ich so schnell ein Transportmittel zurück ins 10 km entfernt liegende Guaduas finden würde…

In Lateinamerika bin ich selten per Anhalter unterwegs, erst dann, wenn ich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B kommen kann. Es gab kein Zeichen von einem Colectivo, so war es wieder mal an der Zeit via Transport „per Daumen“ mein Glück zu versuchen… …ich hatte aber leider kein Glück, niemand wollte anhalten. Viele haben sich beim Vorbeifahren verlangsamt, haben mich angeschaut, aber anscheinend war ich nicht sympathisch genug, um mitgenommen zu werden.

Es scheint, dass diese Gegend von Touristen eher selten besucht wird. Es begann dunkel zu werden. Nach einer halben Stunde Wartezeit hatte ich großes Glück, einen Kleinbus Richtung Bogotá zu erwischen, der mich 15 Minuten später auf der Hauptstraße in der Nähe des Zentrums von Guaduas absetzte.

In dieser Region lebten früher mal einheimische Indianer der Panche. Das kleine fruchtbare Tal stellte eine wichtige Station auf dem alten Königsweg zwischen Santa Fe (heute Bogotá) und Honda dar.

Gegründet wurde diese Ortschaft im Jahr 1572 von Andrés Díaz Venero de Leiva, unter dem Namen Villa de Guaduas. Der Ort wurde erst im Dezember 1610 besiedelt, als Fray Tomas de Morales die Franziskanerkirche und das Kloster von La Soledad an derselben Stelle errichtete. Im Dezember 1644 wurde die Ortschaft von Francisco Pérez de Guzman offiziell wieder gegründet und erhielt den Stadtrang.

Guaduas beherbergt das Geburtshaus der legendären, örtlichen Unabhängigkeitskämpferin Policarpa Salavarrieta, genannt La Pola, die die Ideen der Unabhängigkeit verbreitete. Heute dient das Gebäude als Museum mit einer Statue von La Pola im Innenhof. Die junge Frau, Vertreterin des Archetypus der klassischen weiblichen Freiheitsheldin, stellte sich auf die Seite der Aufständischen und wurde nach ihrer Gefangennahme im heutigen Bogotá mit sechs anderen Leuten öffentlich hingerichtet.

La Pola gilt als die wichtigste Frau im Unabhängigkeitskampf. Ihr Todestag (14. November) ist seit 1967 der offizielle Tag der kolumbianischen Frau. Leider war das Museum zur Zeit meines Besuchs wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, so musste ich mich mit ein paar Fotos von der Terrasse meiner Unterkunft in der unmittelbaren Nachbarschaft zufrieden geben.

Ich wachte am nächsten Morgen früh auf und entscheid mich, von meiner zentral gelegenen Unterkunft zum Aussichtspunkt Piedra Capira zu wandern. Auf der gepflasterten königlichen Straße ging ich an einfachen lokalen Häusern vorbei. Auf dem einstündigen Fußweg stieß ich mehrmals auf mythologische und religiöse Szenen…

… und auch auf domestizierte Rinder.

Der natürliche Aussichtspunkt von Piedra Capira befindet sich auf einer riesigen Felsformation, die von den Indianern der Panche als Heiligtum verwendet wurde, um bestimmte Rituale durchzuführen. Die Ureinwohner verehrten ganz besonders den Mond und errichteten ein Ritualzentrum weit außerhalb der damaligen Stadt.

Bei sonnigem, klarem Wetter – dichte Nebelwolken beeinträchtigten die Talsicht an diesem Morgen – bietet der Capira Rock einen herrlichen Blick auf das Flusstal des Río Magdalena; die schneebedeckten Vulkane in Tolima, Ruiz und Santa Isabel, sowie die Städte Honda, Mariquita und Ambalema.

Obwohl ich mich fast eine halbe Stunde am Aussichtspunkt aufhielt, lösten sich die Nebelwolken nicht auf, so ging ich langsam zu meiner Unterkunft zurück, um meinen Rucksack abzuholen und in Richtung Bogotá aufzubrechen.

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