In Begleitung meiner belgischen Mittrekker hatte ich eine ganz besonders wundervolle Zeit beim Wandern durch reizvolle Natur in den malerischen Landschaften der Sierra Nevada del Cocuy. Als wir die Bergseen erreichten und an den Gletscherfuß gelangt sind, wanderten wir auf jenem Gebiet, wo bis 2016 verschiedene Guerilla- und Paramilitärgruppen den Nationalpark beherrschten. Der herrliche Páramo mit seiner Charakterpflanze der Frailejón, die mächtigen Schneefelder und die weißen schneebedeckten Gipfel der Kordilleren sind zweifellos die schönsten Naturattraktionen Kolumbiens. Es folgt ein ausführlicher Bildbericht über unsere unvergesslichen Erlebnisse:

In unmittelbarer Nähe der Hacienda “La Esparanza” verbrachte ich die Nacht in meinem äußerst komfortablen Zelt. Ich stand ziemlich früh auf, da ich mich mit meinen belgischen Wanderkollegen und mit der aktuellen Bergführerin Marta geeinigt hatte, dass wir uns um 5:30 Uhr treffen würden. Nach einem heißen Tee, der Körper und Seele wärmte, sind wir auf den zweitlängsten Trail im Nationalpark aufgebrochen. Ungefähr 21 km warteten auf uns, währenddessen wir die Berglagune “Laguna Grande de la Sierra” erreichen, an der Marta eine der atemberuabendsten Aussichten der Gegend versprach.

Der Wanderweg ‘La Ruta Central’ beginnt auf 3.600 Metern bei La Esperanza. Nach vorläufigen Angaben erreicht man nach etwas mehr als zehn Kilometern und einem Aufstieg von 1.000 Höhenmetern die “Laguna Grande de la Sierra” auf 4.600 Metern Seehöhe. Der Himmel hellte sich nur langsam auf, so mussten wir in den ersten dreißig Minuten unsere Stirnlampen benutzen.

Nachdem unsere Gruppe fast 200 Höhenmeter überwunden hatte, wanderten wir schon auf scheinbar endlosen sumpfigen Wiesen im Páramo. Die Flora hier war sehr eigenartig und interessant. Die Gegend war voll mit Frailejónes, der markantesten Pflanze im Páramo. Wir haben immer wieder Pausen gemacht, unsere Kameras klickten ständig. Man kann die endemische Riesenpflanze dieses speziellen Ökosystems, von der es in diesem Teil Südamerikas keine wichtigere Pflanze gibt, nämlich nicht oft genug fotografieren.

Die Natur im Páramo lässt sich nicht mit Worten beschreiben. Wo immer wir hinsahen, wuchsen überall Frailejónen. Hinter dem Wald der blühenden Espeletia ragte eine ausgesprochen imposante Steilwand in den Himmel. Wir erlebten großartige landschaftliche Eindrücke und wussten bereits jetzt schon, dass es sich voll und ganz gelohnt hat, nach El Cocuy anzureisen. Der Nationalpark ist ein optischer Traum in angenehm klarer Luft!

Wir passierten langsam ansteigende sumpfige und moorige Gebiete. Die Schneegrenze zeichnete sich ab und in der Ferne entfaltete sich vor uns der schillernde, schneebedeckte Gletscher. Wir waren in einer wunderschönen, wild-romantischen Hochgebirgslandschaft unterwegs.

Zur großen Freude meiner Reisegefährten sind wir auf eine belgische Gruppe gestoßen, so blieb ich neben den beiden Bergführern das einzige Kuckucksei auf der Wanderung. Es machte mir nichts aus, ich wanderte weit abgelegen hinter ihnen, so hatte ich mehr Zeit, Naturfotos zu knipsen und ungestört die wunderschöne umliegende Landschaft zu bewundern.

Ist die sich auf den sumpfigen Wiesen der “Tierra Helada” (gefrorenes Land) entwickelnde unwirkliche Páramo-Vegetation nicht imposant?! Seit der Wiedereröffnung des Nationalparks im April 2017 ist der Erhalt der biologischen Vielfalt und der Schutz des primären natürlichen Ökosystems für die Naturparkverwaltung von El Cocuy von entscheidender Bedeutung.

Unser kleines Wanderteam nähert sich immer mehr dem aufregenden Ziel des atemberaubendsten Wanderwegs der als Nationalpark geschützten Sierra Nevada del Cocuy, der Laguna Grande de la Sierra, die sich an der Schneegrenze auf 4.600 Metern befindet.

Louise starrte minutenlang auf den mächtigen Gletscher, der sich vor uns entfaltete und der seit Millionen von Jahren von Fels und Eis geformt wurde.

Als wir nach langem Fußmarsch und intensiver Wanderung den Bergsee erreichen, sind wir von der glitzernden Wasserreflexion, der Ruhe und der unberührten, glänzender Natur beeindruckt. Es ist ein seltsames Gefühl darüber nachzudenken, was genau im Nationalpark geschehen ist, bis das Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und den FARC-Rebellen im November 2016 abgeschlossen wurde…

Geführt von Marta wagen wir uns noch näher an den Gletscher, der von den schneebedeckten Gipfeln des El Cóncavo, El Portales und El Toti umgeben ist. Wir sind begeistert und fühlen uns privilegiert, denn wir wissen Reisende gelangen in Kolumbien ganz selten in die Nähe eines Gletschers.

Im Hintergrund ist die einzigartige Felsformation unseres morgigen Wanderziels, der El Púlpito del Diablo, zu bewundern.

Unser erleichtertes Trio posiert fröhlich am Ufer der Laguna Grande de la Sierra.

In Begleitung von der sympathischen Marta machen wir an der Informationstafel des Bergsees ein Erinnerungsfoto.

Durch das sumpfige Tal der Frailejónes kehren wir am späten Nachmittag zum Gasthaus “La Esperanza” zurück, wo wir mit der zuvor bekannten belgischen Wandergruppe zusammen Abend essen. Ich ziehe mich für gewöhnlich früh in mein Zelt zurück, morgen geht es wieder sehr früh los, es wartet der fabelhafte Trek “El Púlpito del Diablo” auf uns!

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