Nach drei Jahren kehrte ich ins wahre Vogelparadies von Minca zurück, wo ich im immergrünen Regenwald der Sierra Nevada de Santa Marta eine siebenstündige Wanderung unternommen habe. Ich genoss den tropischen Nebelwald und die feuchten Vorgebirgswälder mit all ihren Vorteilen für Natur- und Vogelbeobachtung. Die Wanderung Paso del Mango entschädigte mich vollständig für die erlittenen Enttäuschungen im Tayrona-Nationalpark.

Im Laufe meines langen Wochenendes an der Karibikküste begann ich meine Abenteuer in einem der berühmtesten Nationalparks Kolumbiens, im Nationalpark Tayrona. Der überfüllte Park überzeugte weder mich noch meinen lokalen Kumpel Javier, weshalb wir beide etwas enttäuscht in unser Airbnb Zimmer in der Nähe vom Strand Rodadero, ziemlich am Stadtrand von Santa Marta gelegen, zurückkehrten.

Ich verbringe meinen Sonntag mit einer abwechslungsreichen Wanderung im unberührten Wolken- und Nebelwald unweit von Minca.

Mein kolumbianischer Kumpel ist keine dauerhaft wandernde Person, deshalb entschied er sich dafür, am nächsten Tag an die östliche Karibikküste, nach Palomino zu reisen. Javier wollte erfahren, warum das entspannte Küstendorf mit seinem Palmenstrand immer beliebter bei Touristen ist. Dieses Mal fiel meine Entscheidung gegen Stranderlebnisse, so bin ich lieber ins Bergdorf Minca, im höchsten Küstengebirge gelegen, gefahren.

Am Rande des kleinen, verschlafenen Bergdorfes, zu Beginn meines Treks, treffe ich auf beeindruckenden Bambuswald.

Minca verfügt über eine angenehm kühle Temperatur im Vergleich zur ständigen Tropenhitze von Santa Marta. Die Colectivos fahren im Viertelstundentakt vom Markt in Santa Marta ins wegen seines Bio-Kaffee bekannt gewordene Bergdorf. In direkter Umgebung des unter Rucksacktouristen populär gewordenen Orts findet man dampfenden Regenwald, Wasserfälle, Kakao- und Kaffeeplantagen, Millionen bunte Schmetterlinge und viele verschiedene Vögel. Die Schönheit der Natur, der Pflanzenwelt und die von mir erwartete außergewöhnliche Vogelwelt berührten mich sofort tief im Herzen. Ich wusste, dass mich Mincas geheimnisvolle Tierwelt und die unberührte Natur in keinem Fall enttäuschen würden.

Bei klarem Wetter hat man vom mystischen Nebelurwald aus eine tolle Aussicht bis nach Santa Marta und auf das Karibische Meer.

Nach 2016 war es schön, wieder in Minca zu sein. In einer abwechslungsreichen natürlichen Umgebung bietet das kleine Dorf eine Fülle von vielfältigen und aufregenden Sehenswürdigkeiten. Viele laufen in Minca einen kleinen Berg hoch, um zu einem Hostel zu gelangen, wo man bei Sonnenuntergang auf einem riesigen, Richtung Tal gespannten Hängenetz Instagram-Fotos schießt… Die perfekte Position in der Luxusumgebung interessierte mich gar nicht. Ich bin wieder nach Minca gekommen, um wandern zu gehen und interessante bunte Vögel zu beobachten.

Der Regen brachte üppige grüne Vegetation hervor.

Vor drei Jahren besichtigte ich den beliebten Wasserfall Marinka und unternahm eine Wanderung zu Los Pinos, welche an verschiedenen Kaffeeplantagen und kleinen Wasserfällen vorbeiführte. Diesmal plante ich eine noch längere und anstrengendere Wanderung. Paso del Mango ist ein naturbelassener Maultierpfad lokaler Indianergemeinschaften, welcher auf engen Bergpfaden von Minca nach Bonda führt.

Es gibt keinen fantastischen Nebelwald ohne großen Milchnebel.

Wie sich Minca seit 2016 verändert hat, kann ich leider nicht genau sagen. Als ich mit meinem Colectivo in der Bergsiedlung ankam, gelangte ich sofort zur Dorfgrenze, zum Ausgangspunkt des Pfades. So befand ich mich schon nach Minuten im angenehm schattigen Nebelwald.

Die kleinen Wasserfälle und Gumpen neben den Bambuswäldern bieten eine hervorragende Quelle für erfrischende Abkühlung.

Der Anblick unberührter Natur überwältigte mich und ich blieb oft einen Moment stehen um dieses friedliche Bild zu genießen. Schon nach ein paar Schritten fand ich mich in einer anderen Welt wieder. Während ich im Zentrum von Minca viele Touristen gesehen habe, traf ich auf dem Wanderweg nur Einheimische, die den sagenhaften Maultierpfad für den Transport vom Kaffee und Kakao von den Terrassen der Plantagen nach Minca verwenden.

Vielfältige Tierwelt, abwechslungsreiche Landschaft. Den reizvoll grünen tropischen Regenwald von Minca fand ich viel aufregender als den Tayrona-Nationalpark.

Der selten benutzte Pfad war zu meiner großen Überraschung klar ausgeschildert, so dass ich das Vorrücken im Nebelwald relativ einfach fand. Der leicht gewundene Waldweg stieg im ersten Teil stetig an. Auf einer Höhe von ca. 900 Metern erreichte ich einige kleine Fincas, bei denen der fruchtbare Boden der tropischen Gebiete und die hohe und über das ganze Jahr gleichmäßig verteilte Niederschlagsmenge die perfekten Bedingungen für die Entwicklung der Kaffeeproduktion bieten.

In der tropischen Umgebung sind die Bedingungen für den Kaffeeanbau ideal.

Ich verließ die Hacienda auf einem vom Regenwald stark bewachsenen Pfad und wagte mich noch höher. Innerhalb weniger Stunden wanderte ich auf dem schmalen Grat mit fantastischem Rundum-Panorama. Wegen der zu hohen Luftfeuchtigkeit floß der Schweiß in Strömen von meiner Haut ab. Die gesteigerte Schweißproduktion machte mir überhaupt nichts aus, denn das Panorama war wieder mal beeindruckend. So genoss ich meine aktuelle Wanderung viel besser als den Nationalpark Tayrona am Tag zuvor.

Es gab wenige Wegweiser beim Abstieg vom Sattel. Als ich bei einem kleinen Häuschen vorbeikam, fragte ich die Einheimischen nach dem Weg. Ich folgte ihren Anweisungen leider vergebens, verirrte mich in der fremden Gegend und fand den richtigen Weg im tiefen Dschungel erst nach ein paar Minuten Suche.

Unberührte Landschaft und saubere Natur mit Wasserfall.

Im Tal fließt ein kleiner Fluss, der Río Manzanares. Ein junges Paar aus Bogotá, welches auf einem organisch-biologischen Landbau eine nachhaltige Kaffeefarm betreibt, ist vor ca. einem Jahr hierher gezogen. Die beiden versuchen, sich mit idealen Kaffee-Anbaubedingungen dieser Klimazone in der Kaffeeproduktion selbständig zu machen.

Die zwei waren auf Anhieb sympathisch. Ich habe ein paar Worte mit ihnen gewechselt, ging aber dann Richtung Bonda weiter. Der an mehreren Stellen schnell fließende Fluss sorgte für viel Aufregung. Der Pfad führte über den Río Manzanares, so musste ich den Fluss barfuß überqueren.

Die Bananenfrüchte wachsen an hohen Stauden wild mitten im dichten Dschungel.

Ich habe die Mission erfüllt, mir gelang die Überquerung ohne nass zu werden. Es folgte der letzte flache Teilabschnitt des Wanderweges. Als ich Paso del Mango erreichte, zeigten sich die ersten Zeichen der Zivilisation. Es gab in der Siedlung viele abgestellte Motorräder. Eine große Anzahl der Besucher verbrachte ihre Zeit in einem natürlichen Pool, welcher von einem Wasserfall einzigartig geformt wurde. Es waren viele Leute im Becken, sie agierten extrem laut, so ging ich schnell wieder weiter, um rechtzeitig am geplanten Zielort in Bonda anzukommen.

In Paso del Mango, einem relativ ungestörten Naturschutzgebiet, funktioniert der Ökotourismus ziemlich gut.

Etwas müde, aber freudig und voller neuer Erlebnisse erreichte ich die Hauptstraße, von wo ich mit zwei lokalen Bussen nach Santa Marta zurückkehrte. Mit Javier werde ich morgen nach Bogotá zurückfliegen, um neue spannende Wochenendtrips zu arrangieren…

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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