Nach März 2016 bin ich wieder zurück in Kolumbien. Für einen Monat bin ich nach Ciudad Verde gezogen, von wo aus ich an den Wochenenden mit einem lokalen Kumpel das Land bereise. Unsere erste gemeinsame Reise ging in den Tayrona-Nationalpark, der jedes Jahr Tausende von Touristen aus aller Welt nach Kolumbien zieht. Trotz der sorgfältig beschilderten und ausreichend markierten Wanderwege, der bildhübschen Strände und der weißen Sandbuchten war Tayrona eine große Enttäuschung für uns beide. Die einst vielfältige und beeindruckende Fauna des bekanntesten Naturschutzgebietes an der Karibikküste Kolumbiens wird durch die Touristenflut komplett beeinträchtigt.

Die Höhenwanderung in der Cordillera Apolobamba, der Ausangate Trek, die Mehrtages-Wanderung zu den Inka-Ruinen von Choquequirao und die detaillierte Erkundung der Ruinenstätten der Caral-Kultur saugten meine Energie völlig aus.

Tropischer Regenwald mit üppiger Vegetation am Beginn der Wanderung.

Ich war zu dieser Zeit schon seit mehreren Monaten intensiv unterwegs und fühlte mich müde, ausgelaugt und energielos. Ich habe einen ruhigen Ort zum Aufladen meiner Batterien für die nächsten Abenteuer gebraucht. Ich wollte keinen malerischen Strand mit ständigem Sonnenschein, sondern einen ruhigen, erholsamen Ort, an dem ich meine Segel einziehen kann. Ich wollte mich für ein paar Wochen ausruhen, ich wollte wieder kochen, meine Blogs in Ruhe weiterführen und viele köstliche und gesunde Fruchtsäfte probieren.

Bildhübscher Sandstrand in Cabo San Juan.

Es ist allgemein bekannt, dass in Lateinamerika die Verfügbarkeit und Vielfalt an exotischen tropischen Früchten in Kolumbien am überwältigendsten ist. Deshalb habe ich einen lokalen Bekannten unweit von Bogotá aufgesucht.

Den Kolumbianer Javier habe ich 2016 auf der malerischen Trauminsel San Andrés kennengelernt, wo wir die gleiche Unterkunft teilten und an einem Tag die Insel mit dem Rad umrundet haben. Wir tauschten unsere Adressen aus und blieben in Kontakt. Nach ein paar Tagen Korrespondenz waren wir uns einig und ich mietete bei Javier in der Nähe von Bogotá ein Zimmer für einen Monat. Mein Bekannter arbeitete unter der Woche als Zahnarzt, seine Wochenenden waren aber arbeitsfrei, so stand es ganz klar fest, dass wir an den freien Tagen verreisen würden.

Die von den Archäologen rekonstruierten kreisförmigen Tayrona-Häuser sind recht hübsch.

Ich war das letzte Mal vor drei Jahren in Kolumbien. Mein letzter Aufenthaltsort damals war Minca, ein friedliches kleines Dorf in den Ausläufern der Sierra Nevada de Santa Marta. Von Minca aus plante ich zum berühmten Tayrona-Nationalpark zu fahren, als ich eine Nachricht erhalten habe, auf die ich schon seit 2014 gewartet habe. Ich habe eine Einladung vom brasilianischen Olympischen Komitee (COB) erhalten, für die ich vor Jahren alles in Europa aufgegeben habe. Der mögliche Job im Handball beim Comitê Olímpico Brasileiro war der Grund, warum ich 2014 nach Südamerika gereist bin.

Acht Monate lang habe ich bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro mitgearbeitet, musste aber davor meine Reise in Kolumbien abbrechen, um wegen der Beantragung einer Aufenthaltserlaubnis für eine Beschäftigung nach Bogotá zurückzukehren und dann nach Erhalt des Arbeitsvisums gleich nach Brasilien zu fliegen.

Der schönste karibische Strand des Landes in Cabo San Juan?!

Zwei Jahre später befand ich mich wieder in Kolumbien und habe sofort zugesagt, als mich Javier für ein langes Wochenende nach Santa Marta und zum Nationalpark Tayrona an der Karibikküste einlud.

Hier und da sind die Häuser und Rastplätze der lokalen Indianergemeinden ersichtlich, die im Nationalpark Tayrona beheimatet sind.

Ich beschloss, mich durch den Seiteneingang bei Calabazo dem Inneren des Naturschutzgebiets zu nähern, der einst vom Stamm der Tayrona-Indianer bewohnt wurde. (noch heute beheimatet der Park die Koguis, einige ihrer Nachfahren).

Vom Seiteneingang Calabazo nähere ich mich El Pueblito und dem karibischen Meer.

Obwohl die Karibikküste weit genug von Calabazo entfernt lag, erregte die Wanderung nach El Pueblito, einem der alten Dörfer der Tayronas in den Bergen des Nationalparks, mehr Aufmerksamkeit. Die winzige Ausgrabungsstelle und die restaurierten, rustikalen Häuser der Koguis haben mir recht gut gefallen, nicht aber der vierstündige Spaziergang zum Strand.

Lustiges Steinschnitzen im El Pueblito.

Ich hatte gar kein Problem mit der Distanz und dem tropischen Regenwald, der von riesigen Bergen umgeben war, mich störten eher die vielen einheimischen Touristen und Gringos, die beim Wandern laute Musik (!) hörten. So hatte ich leider keine ideale Möglichkeit, dem Rauschen des Wassers zu lauschen, die Natur in aller Ruhe zu genießen und seltene Tiere zu beobachten. Aufgrund seiner vielfältigen Naturmerkmale könnte jedoch der Tayrona-Nationalpark zu den besten Vogelbeobachtungsgebieten des Landes gehören. Allerdings habe ich an dem Tag im Naturschutzgebiet gar keine Tiere gesehen.

Üppige Natur, aber leider komplett ohne Tiere.

Den größten kulturellen Schock hatte ich, als ich den wahrscheinlich schönsten Strand der Parkanlage, Cabo San Juan, erreichte. Der Strand selbst ist zwar wirklich traumhaft schön, aber die vielen Zelte und Hängematten in der Bucht – mit Tausenden von lauten Gästen – ruinierten völlig den Anblick.

Die Zeltlager ruinieren das ansonsten schöne Bild der Karibikküste.

Ich kann es nachvollziehen, warum Kolumbiens Tourismusministerium von Jahr zu Jahr immer mehr Besucher in den Park reinläßt. Die meisten dieser Touristen bleiben im Tayrona für Tage oder sogar für eine Woche. Wegen der Möglichkeit zu zelten wachsen ständig die Besucherzahlen. Ich bin jedoch komplett gegen das unweit vom Strand aufgebaute Zeltlager.

Für den Besuch vom El Pueblito mit seinen traditionellen Residenzen reichen gute zwanzig Minuten.

Ich denke, dass bei einem starken Besucherzuspruch die Touristen im Laufe der Jahre (wenn nicht jetzt schon!) die Wälder voller Leguane, Affen und exotischer Vögel ruinieren. Mein kolumbianischer Bekannter war selber auch ziemlich schockiert, als er feststellte, dass Tayrona, einst voller Vögel, vor Jahren viel aufregender und interessanter war. Javier glaubt, dass auf lange Sicht der ‘Overtourism’ – der Ansturm von vielen Touristen – den Nationalpark ungenießbar macht.

Durch den dschungelartigen Regenwald rennen wir dem Touristenstrom davon.

Nach dem Kulturschock haben wir uns nicht lange in Cabo San Juan aufgehalten. Wir haben beschlossen den Park in Richtung Arrecifes durch die etwas wilderen Pfade des steilen felsigen Ufers zu verlassen und nach Santa Marta zurückzukehren.

Ich mache das einzige nennenswerte Tierfoto außerhalb des Nationalparks.

Am Ende des Tages hätten wir mit einem Kleinbus zur Siedlung von El Zaino zurückkehren sollen, allerdings sind wir die fünf km lange Distanz zur Hauptstraße gelaufen. Nun, wir haben hier endlich ein paar Vögel und Affen beobachten können, so haben wir den Nationalpark in etwas besserer Laune verlassen. Nichtsdestotrotz bleibt mir aber Tayrona nicht als das Paradies aus unentdecktem Dschungel und atemberaubender Tier- und Pflanzenwelt in Erinnerung…

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