Während eines Ausflugs in die Grenzstadt von Paraguay besuchte ich nach fünf Jahren wieder den Staudamm eines der leistungsstärksten Wasserkraftwerke der Welt und begutachtete auch den Wasserfall von Saltos del Monday, der inzwischen aus einem ganz besonderen Geheimtipp zu einem populären Touristenziel geworden ist.

2015 musste ich mein absolutes Lieblingsland in Südamerika nach 90 Tagen Aufenthalt verlassen und kam nach Ablauf meines Touristenvisums in Paraguay an. Zu dieser Zeit befand ich mich in São Paulo, besuchte eine Sprachschule und lernte mit vollem Einsatz Portugiesisch. Ich hatte vor, mich bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro für einen Job in der Sportart Handball zu bewerben. Wegen der Sprachübung wäre es für mich wichtig gewesen, weiterhin in Brasilien zu bleiben, allerdings war die brasilianische Polizei (Polícia Federal) unerbittlich. Selbst nach mehreren Versuchen gelang es mir nicht, mein Touristenvisum zu verlängern, so verließ ich Brasilien über Foz do Iguaçu, was ich am Ende überhaupt nicht bereute.

Der 45 Meter hohe und 120 Meter breite Wasserfall im Gemeindepark von Ciudad del Este wäre bestimmt wieder mal ein großes Erlebnis gewesen, wenn die Kaskade nicht von großen Touristengruppen von allen Seiten des Dreiländerecks überflutet würde.

Ich verbrachte fast vier aufregende Wochen in dem Land, das auf dem südamerikanischen Talkontinent am wenigsten von Touristen besucht wird. Ein Jahr später gelang mir sogar auch der lange ersehnte Job bei Rio 2016. Diesmal bin ich freiwillig und nur für einen Tag nach Paraguay gereist, um das imposante Wasserkraftwerk Itaipú zu bewundern, das als Meisterwerk der technischen Kreativität gilt. Auf dem Programm stand auch der Besuch des Wasserfalls Saltos del Monday, der seit meinem letzten Besuch leider viel touristischer geworden ist.

Während ich vor Jahren zusammen mit einem halben Dutzend anderen Besuchern fast in Form einer Privattour den Wasserfall kennengelernt habe, bevölkern heutzutage große Touristenmassen die Kaskade, die wegen der benachbarten Iguazú-Wasserfälle jahrzehntelang unentdeckt und vergessen blieb.

Die Hügelstadt am Dreiländereck liegt am Ufer des Grenzflusses Paraná und ist das drittwichtigste Handelszentrum der Welt. Ciudad del Este wurde Ende der 1950er Jahre während der Abholzung des transatlantischen Regenwaldes gegründet und ist eine Freihandelszone.

In den zahlreichen Einkaufszentren der Handelsstadt sind alle Arten von Alkohol, Kleidungsstücke und elektronischen Geräten zu viel günstigeren Preisen erhältlich als in den beiden großen Nachbarländern. Bis zum Erhalt der Ware muss man oft stundenlang warten.

Der aufgrund des deutlich gestiegenen Strombedarfs gegründete Itaipú Binacional ist eine riesige Betonmonument-Installation am 4.000 km langen südwärts fließenden Paraná an der brasilianisch-paraguayischen Grenze. Der fast 8 km lange und 196 m hohe gigantische Damm, der aus Millionen Tonnen von Stahlbeton und Erdaufschüttung gebaut wurde, nutzt das Wasserkraftpotenzial des wasserreichsten Flusses der Welt.

Im Vergleich zu meinen persönlichen Erfahrungen von 2015, als wir zu dritt als einzige Besucher mit einem eigenen Guide an einer Außenführung teilgenommen haben, hat sich bis heute im riesigen Wasserkraftwerk viel verändert. Das alte Besucherzentrum Itaipú wurde verlegt. Neben der neu gestalteten gigantischen Empfangshalle erwartet die Interessierten ein riesiger Parkplatz, wo man einem modernen Großbus zugeordnet wird, der über das Gelände entlang der Gänsehaut verursachenden Staudammmauer fährt und an Aussichtspunkten hält.

Paraguay und Brasilien teilen sich die Energieerzeugung der zwanzig riesigen 700 MW Francis-Turbinen mit einer Wasseraufnahme von 700 m3 / s. Damit reicht die Leistung einer einzigen Turbine aus, um Paraguay zu versorgen. Die jährlich ins Netz geschickte Energie versorgt den Strombedarf von 27 Millionen Haushalten.

Das Bauwerk von gigantischen Ausmaßen produziert jährlich 90.000 Gigawatt Energie und deckt damit 17% des brasilianischen Energiebedarfs und 75% des paraguayischen.

Bis heute erinnere ich mich noch genau daran, was für ein einzigartiges Erlebnis es war, 2015 den Wasserfall Saltos del Monday anstelle von Iguazú zu besichtigen. Bei wunderbar sonnigem Wetter besuchte ich den schwindelerregenden Kessel am Berghang, wo ich mindestens eine Stunde lang der sich mit übermächtiger Kraft in die Tiefe herabstürzenden rauschenden Kaskade lauschte.

Im Vergleich zu 2015 hat sich heute die Situation radikal verändert, Saltos del Monday wurde auch zu einem beliebten Reiseziel. Der Eintrittspreis wurde auf mehr als fünf Dollar erhöht, ohne dem Besucher einen entsprechenden Mehrwert zu bieten. Leider ruinieren seit den vergangenen Jahren Touristenmassen, die nach Iguazú sehr oft auch auf die paraguayische Seite gelangen, völlig das Schauspiel.

Der Besuch des Gemeinschaftsprojekts zwischen Brasilien und Paraguay wurde wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis, während ich wegen der Kaskade Saltos del Monday mit bitterem Nachgeschmack von Ciudad del Este nach Brasilien zurückkehrte. Nach dem kurzen Abstecher in Paraguay fliege ich demnächst in den Bundesstaat Bahia im Osten von Brasilien!

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