Unweit von Huaraz habe ich die unzähligen kürzeren oder längeren Wandermöglichkeiten für die angrenzende Hochgebirgsregion der Cordillera Blanca genutzt. So erkundete ich die am Fuße des spektakulären Nevado Vallunaraju liegende Lagune Ahuac (auf 4.560 m). Auf dem Weg zurück in die Hauptstadt der Region Ancash besichtigte ich die imposante Ausgrabungsstätte der Warikultur in Wilcahuain, wo mich die intelligente Bautechnik und die Wari-Architektur erneut fasziniert haben.

Das am Vortag besichtigte, in einem der Gebirgstäler der Weißen Kordilleren liegende, Chavín de Huantar hat mich richtig umgehaut, es war ein großartiges Erlebnis, mich nach so vielen grandiosen Höhenwanderungen in einem malerischen Tal inmitten schöner Natur zu entspannen und eine der einflussreichsten präkolumbianischen Kulturen Südamerikas kennenzulernen.

Bezaubernde natürliche Umgebung

Für den heutigen Tag haben wir sowohl eine sauerstoffarme Wanderung in der Höhenlage der Anden als auch die Erkundung einer an Artefakten reichen archäologischen Stätte geplant. Die beiden Aktivitäten konnten wir nur so kombinieren, indem wir uns in der unmittelbaren Nähe des lebendigen Huaraz aufgehalten haben. Glücklicherweise bieten die majestätischen Gebirgszüge der Cordillera Blanca die Qual der Wahl für unzählige Wandermöglichkeiten und spannende Ruinenerkundungen. So könnte man sogar für Monate ein einmalig schönes Wander- und Kulturprogramm zusammenstellen, ohne die gleiche Wanderroute ein zweites Mal zu benutzen.

Ordentlich gestaltete, aber ziemlich steile Riesenstufen

Wir erlebten die bestmögliche Anreise zum Ausgangspunkt des Ahuac-Pfades, Wilcahuain liegt nämlich nur sieben km von Huaraz entfernt. Um ehrlich zu sein, ist der in den Hügeln hinter Huaraz versteckte Laguna Ahuac im Vergleich zu den populären Lagunen Churup und Paron ein eher weniger beliebtes Wanderziel der Umgebung, da der Fußweg innerhalb von 7 km durch landwirtschaftlich genutzte Hochflächen konstant ansteigt und erst nach ca. 1.200 Meter Höhenunterschied zum auf 4.560 Meter liegenden Gebirgssee führt.

Hinweisschilder unterstützen die Orientierung

Angesichts der großen Anzahl von Touristen in Huaraz war es geradezu unglaublich, aber beim Aufstieg trafen wir auf dem wunderschön renovierten und perfekt gepflegten Wanderweg keine anderen Wanderer. Daher hatten wir die am Fuße des Nevado Vallunaraju liegende Lagune Ahuac ganz alleine für uns. Gespannt gingen wir um den isolierten Gebirgssee herum und kehrten noch vor dem gerade aufkommenden Regen zur archäologischen Stätte von Wilcahuain zurück.

Blick auf Huaraz im tiefen Tal

Auf dem Rückweg trafen wir auf eine Gruppe peruanischer Wanderer, die trotz zunehmender dunkler Wolken und des schlechter werdenden Wetters ununterbrochen in Richtung Bergsee marschierten. Sie spazierten aber nicht auf dem offiziellen Wanderweg, sondern haben den Pfad verlassen und sind zwischen steilen Klippen hinaufgestiegen. Es war ein bizarrer Anblick, da sie statt in robusten Wanderschuhen in eher einfachen Schuhen unterwegs waren.

Tolle Ausblicke auf die Berggipfel

Mit der ca. 500 Jahre vor der Gründung des Inka-Reiches auf dem Gebiet Perus lebenden, weniger bekannten Warikultur bin ich das erste Mal beim Besuch der Ruinen der ausgedehnten Stadtanlage von Pikillicata im Heiligen Tal in Berührung gekommen. Der Unterschied zwischen dem charakteristischen Inka-Baustil und der Wari-Architektur war daher für mich schon offensichtlich. Die Waris pflegten die Steine ​​und Felsen anders als die Inkas zu bearbeiten und verwendeten andere Techniken für die Bearbeitung der Steine und für die Konstruktion ihrer Gebäudekomplexe.

Die Tempel- und Wehranlage von Wilcahuain aus der Zeit der Wari Zivilisation

Neben einer anderen Technik der Steinbearbeitung ist die stabile Unterstützung der Innenwände der Steingebäude, die die vielen Kammern auf jeder Ebene bilden, ein weiteres interessantes Merkmal des Wari-Mausoleums vom Wilcahuain. Die Wari wurden zweifellos auch von der Chavín-Kultur beeinflusst, so sind die Kammern unter dem Haupttempel denen von Chavín de Huantar ähnlich. Diese Kammern wurden aller Wahrscheinlichkeit nach unter dem Einfluss einer anderen Prä-Inka-Zivilisation der Anden, nämlich der Tiwanaku-Kultur zwischen 600 und 1.000 n. Chr. erbaut.

Das dreistöckige Haupthaus erinnert an die Chavín-Zeit

Schön erhaltene Ruinen

Unterhalb des Haupttempels befinden sich erhebliche interne Korridore, die für die Belüftung des gesamten Gebäudesystems sorgen. Es ist wirklich unglaublich beeindruckend, wie die Wari-Ureinwohner ohne moderne Technologie ein derart kompliziertes Lüftungskanalsystem so akkurat geschaffen haben.

Massive erdbebensichere Ganzsteinkonstruktion

Wer könnte da wohl hineinkriechen!?

Die unberührte gemeinsame Begräbnisstätte der Herrscher und der Elite der Wari-Kultur befand sich an der Ausgrabungsstelle von El Castillo de Huarmey, 300 Kilometer von Lima entfernt. Nichtsdestotrotz haben die Archäologen weitere Menschengräber in anderen Wari-Ruinen gefunden, einschließlich jener bei der Ausgrabung von Wilcahuain.

Begräbnisstätte des Wari-Imperiums

Der aus drei Ebenen bestehende und in einem ausgezeichneten Zustand erhaltene Haupttempel ist ein Nachbau des Tempels von Chavín. In seinen Krypten wurden mehrere Artefakte und mumifizierte menschliche Überreste entdeckt. Die genaue Situation der Wari-Mumien in Wilcahuain ist spekulativ, da der Inhalt in der Kolonialzeit ausgeraubt wurde und sehr wenige Wari-Mumienbündel vor Ort gefunden und untersucht wurden.

Erstklassiger Zustand und solide Bauweise der „dreistöckigen“ Grabkammern

Nach dem Erkunden der interessanten Ruinenstätte der Wari sind wir durch Hinterstraßen und Schleichwege entlang von kleinen Siedlungen und über Felder nach Huaraz zurückgekehrt, wo wir uns von Michael in einem Chifa-Restaurant verabschiedet haben. Mein Weggefährte aus der Schweiz wird morgen in den Süden des Landes reisen, während ich meinen Sitz nach Caraz verlege, um am nächsten Tag mit dem Erkunden der Lagune Paron meine aktuellen Hochgebirgswanderungen in den Anden würdevoll abzuschließen.

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