Die Entdeckung der ganz besonderen Wüstensiedlungen der Caral-Kultur habe ich in Àspero abgeschlossen. Aufgrund der radiometrischen Datierungsmethode ist die an der Pazifikküste gelegene, vorkeramische Binnensiedlung Àspero älter datiert als die heilige Stadt Caral-Supe. In der Mysterienstätte traf ich wieder auf Shicra-Säcke, die die Bauarbeiter in das jeweilige Haus einmauerten. Im kleinen Museum für archäologische Funde lernte ich den Khipu kennen, mit dessen Hilfe die Ureinwohner die Zahlen dargestellt haben sollen. Es folgt ein ausführlicher Bildbericht:

Auf meiner aktuellen peruanischen Reise war die am Supe gelegene Ausgrabungsstätte Àspero die letzte archäologische Stätte der Caral-Kultur, die ich besuchte.

Àspero, der Ort der frühesten erhaltenen Bauwerke der Neuen Welt, liegt an der Sandwüstenküste Perus. Laut der archäologischen Altersbestimmung, der Radiokarbondatierung, ist die imposante Fundstelle älter datiert als die im Supetal liegende heilige Stadt Caral.

Beim Besuch der Ruinenstätte war es auch in Àspero obligatorisch, für die Tour einen lokalen Reiseführer zu buchen. Ich war nicht überrascht, als ich in die beeindruckende archäologische Fundstelle vollständig eintauchen konnte, da außer mir kein weiterer Besucher an der Kultstätte anwesend war.

Ich habe diese Gelegenheit sofort genutzt, um die Anfänge der peruanischen Zivilisation kennenzulernen. Mein Guide Henry führte mich ca. zwei Stunden lang. Zuerst ging es durch das unterhaltsame Besucherzentrum im Museumsstil, dann weiter zu den ausgegrabenen und auch zu den unzähligen bis jetzt unentdeckten Ruinen.

Noch im Besucherzentrum lernte ich die Baumwoll-Khipus, wirkungsvolle Schnüre zur Speicherung von Daten und Zahlen, kennen. Mit diesen Instrumenten stellten die Ureinwohner der Norte-Chico-Kultur unter anderem die Zahlen dar. Die Wissenschaftler von heute beschäftigen sich zwar mit der Kunst der Knotenschrift der ältesten bekannten präkeramischen Steinzeitkultur, bislang konnten aber die Forscher diese Zeichen allerdings nicht entschlüsseln.

Während der Führung durch den einzigartigen archäologischen Komplex zeigte mir Henry eine Reihe von Orten, die von Archäologen entdeckt wurden, an denen die Ureinwohner das Gemüse getrocknet und im Freien gekocht haben. Mein Guide zeigte mir auch Löcher mit Steinmauern, in denen die Caral Zivilisation essbare Weichtiere, einschließlich Muscheln und Schalentiere, gelagert hat.

Ähnlich wie in Vichama habe ich hier auch viele Shicras (konservierte Überreste von geflochtenen Säcken aus Totora-Schilf) gesehen, die auf den Baustellen verwendet wurden, um den zerstörerischen Erdschwingungen entgegenzuwirken.

Auf den siebzehn Hügeln in Àspero entdeckten Archäologen sechs Pyramidenstümpfe. Die größte Pyramide heißt “La Huaca de los Ìdolos”. Die Zeremonialanlage ist 40 Meter lang, 30 Meter breit und fast 11 Meter hoch. Gemäß der Radiokarbondatierung ist die um 3.030 v. Chr. errichtete Pyramide nach dem aktuellen Wissenstand das älteste bekannte Gebäude der Caral-Kultur. Die Monumentalanlage wurde höchswahrscheinlich für administrative und zeremonielle Zwecke verwendet.

Über Àspero berichtete als erster Max Uhle, als der Archäologe die Fischersiedlungen der Wüstenküste Perus studierte. Im Jahr 1941 untersuchten die amerikanischen Archäologen Gordon R. Willey und John N. Corbett Àspero auf der Suche nach möglichen Keramikfunden. Auf der Grundlage eines uralten Friedhofs legten die Forscher das Alter der Kultstätte zum Frühen Horizont fest.

Der Archäologe Robert A. Feldmann ist wegen den ersten Erkundungen der Küstenhügel und der antiken Pyramiden von “Huaca de los Ídolos” und “Huaca de los Sacrificios” bekannt. Die archäologische Stätte wurde in den 1980er Jahren zwischenzeitlich aufgegeben. Archäologen entdeckten die Fundstelle erst zwei Jahrzehnte später wieder.

Die archäologischen Ausgrabungen im Tal des Río Supe und die alten Küstenkulturen der Caral Zivilisation sind von hoher internationaler Bedeutung.

Die “Huaca de los Sacrificios”, eine Stufenpyramide mit einer offenen Mitteltreppe wurde ca. 2.900 v. Chr. errichtet. Das Terrain vor der Steinpyramide wurde in den letzten hundert Jahren durch den Bau eines Bewässerungskanals und die Entfernung großer Landmengen komplett verändert, so dass nicht mehr festgestellt werden kann, ob sich an der ursprünglichen Stelle ein kreisförmiger Platz (plaza circular) befand.

Ich habe eine aufregende Woche mit tiefen Einblicken in die Welt präkeramischer Zivilisationen an der nordzentralen Wüstenküste Perus erlebt. Dort wo die Ureinwohner der Norte Chico-Zivilisation vor ca. 5.000 Jahren Pyramiden errichtet haben und sich nach heutigem Kenntnisstand isoliert entwickelt haben. Die weniger bekannten, aber nicht minder eindrucksvollen Ausgrabungsstätten im Supetal haben mich völlig fasziniert.

Von Supe ziehe ich bald Richtung Norden, nach Casma, weiter, in die Periode vor ca. 4.000 Jahren. Es folgt der Besuch der Ausgrabungsstätte von Sechín und das Kennenlernen behauener Steine, bemalter Keramiken und naturalistischer Reliefverzierungen der dortigen Ruinenstätte.

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