Meine Wanderabenteuer in den Anden setzte ich im Rahmen einer aufregenden Trekkingtour in der fantastischen Bergkulisse der Kettengebirge von Vilcanota fort. Ich verbrachte in sauerstoffarmer Höhenlage ganz besondere Tage auf abgelegenen Bergpfaden, als ich den heiligen Berg der Quechuas in der Andenregion von Cusco, den 6.384 m hohen Apu Ausangate umrundete. Während den vier erlebnisreichen Trekkingtagen bin ich mehr als 60 Kilometer gewandert, bewunderte zahlreiche einsame Eisgipfel und übernachtete auf Biwakplätzen fast so hoch wie der Mont Blanc.

In Cusco plante ich nach zwei erfolgreichen Expeditionen im Hochgebirge, nämlich der Durchquerung der Cordillera Apolobamba und der Choquequirao-Wanderung, ein weiteres Abenteuer im Anden-Hochland.

Wegen eines solchen Anblickes hat es sich schon gelohnt, so hoch hinaufzusteigen.

Ich absolvierte den beliebten 4-tätigen Salkantay-Trek im Jahr 2014, während ich die Wanderung durch das Lares Tal vor ca. einem Jahr bewältigt habe. Nach den eindrucksvollen Hochgebirgserlebnissen blieb nichts anderes übrig, als die erstaunliche, aber wenig frequentierte Ausangate-Umrundung zu unternehmen, die um den fünfthöchsten Berg Perus, im aufregendsten Teil der Anden, führt.

Beeindruckender Panoramablick mit Lamas.

Es ist ein ziemlich schwieriges, mühseliges Gelände. Ich vermutete aber, dass meine derzeitige Trekkingtour ein bisschen einfacher zu bewältigen wäre, als das anstrengende Choquequirao, bei dem die extreme Hitze für mehrere Tage die größte Herausforderung darstellte.

Mein Campingplatz am frühen Morgen nach dem starken Schneefall in der Nacht.

Der riesige Gletscher mit einem der höchstgelegenen Wanderpfade des Landes ist jedoch nicht zu unterschätzen. Ich wusste schon lange im Voraus, dass sich selbst der Ausgangspunkt des Trekkings in Höhenlage befindet. Mir war bewusst, dass ich die ganze Zeit bei akuter Höhenexposition wandern muss und ich am Beginn der aktuellen Regenzeit nicht dem Schneefall und dem langanhaltenden Regen entrinnen werde.

Ich campte am Fuße riesiger Gletscher, wo Tragpferde darauf gewartet haben, gepackt zu werden.

Ich plante, andere Wanderer für die neue Expedition zu begeistern, allerdings entschieden sich meine israelischen Bekannten in letzter Minute für den Salkantay-Pfad, sodass ich nur auf mich selbst zählen konnte. Ich unternahm die Ausangate-Umrundung auf eigene Faust.

Die farbenreiche Hochgebirgsregion der Cordillera Vilcanota zeigt, dass der berühmte Regenbogenberg Vinicunca nicht weit entfernt liegt.

Alle für das Kochen benötigten Utensilien sowie meine gesamte Trekkingausrüstung waren in meinem Rucksack verstaut, den ich während der viertägigen Abenteuertour alleine mitschleppte.

Winziges Seeauge verzaubert einen in Richtung Palomani-Pass.

Nach herausfordernden Aufstiegen und kniebelastenden Abstiegen im steilen Gelände des Choquequirao-Treks habe ich mich diesmal in Cusco voll ausgeruht. Es war für mich wichtig, nur in einem sehr guten physischen Zustand ins kleine Dorf Tinque, südöstlich von der alten Hauptstadt der Inkas Cusco gelegen, aufzubrechen. Tinque ist einer der offiziellen Ausgangspunkte für die Trekkingtour um den Ausangate.

Ich posiere ganz stolz auf 5.100 Metern am höchsten Pass des charakteristischsten Berges der Anden.

Ich erreichte nach vier Stunden die, auf 3.800 Metern über dem Meeresspiegel liegende, Siedlung auf einer schmalen Serpentinenstraße durch die Ortschaft von Ocongate. Unweit von Tinque befindet sich das kleine Dorf Mawayani, der Ausgangspunkt der Pilgerwanderung Qoyllur-R’iti.

Unvergessliches 360-Grad-Panorama am Pass von Abra Palomani.

Auf dem lokalen Markt von Tinque habe ich die letzten Früchte und Backwaren besorgt, die ich auf meine Trekkingtour unbedingt mitnehmen wollte. Bei leichtem Regen startete ich die erste Etappe der Mehrtageswanderung mit einem Höhenunterschied von ungefähr 600 Metern.

Eine tiefrot leuchtende Gletscherlagune auf 5000 Metern.

Peruaner sind sehr einfallsreich darin, schnell (zusätzliches) Geld zu verdienen, so hielt mich nach nicht einmal fünf Minuten ein Taxi an. Der lokale Fahrer bot mir schnell an, mich für einen angemessen Geldbetrag zur Schule von Upis zu fahren, zu jenem Ort der Siedlung, zu dem man noch mit dem Auto gelangen kann. Aufgrund der eher unattraktiven Siedlung und des nassen und matschigen Bodens nahm ich sein Angebot sofort an.

Langen Abstiegen folgen harte Aufstiege. Man muss große Höhenunterschiede zwischen den landschaftlich schönen und spektakulären Pässen überwinden.

Es war definitiv die richtige Entscheidung, denn kurz vor dem Eintreffen auf dem Upis-Campingplatz erwischte mich ein plötzlich einsetzender Schneefall, der mich dazu zwang, mein Zelt in Rekordzeit an der Seite eines Hauses aufzuschlagen. Glücklicherweise hörte aber der dichte Schnee innerhalb von Stunden auf. Die Sonne schien wieder und so konnte ich die faszinierende Umgebung des Vilcanota-Tals bewundern, in der ich die erste Nacht campierte.

Das Vilcanota-Tal inmitten einer grandiosen, urwüchsigen Landschaft an der langgezogenen Nordseite des Nevado Ausangate wurde zu meinem ersten Zeltplatz.

Ab Upis hielt ich mich ständig auf über 4.000 Metern auf. Ich hatte kein Problem mit der Akklimatisation, mein Kopf blieb sauber. Ich wusste, dass auf meiner Trekkingtour Traumlandschaften, fantastische Bergpässe mit Panoramablick und nicht alltägliche Abenteuer auf mich warten werden.

Mein hart gefrorenes Zelt, das ich am frühen Morgen kaum öffnen konnte.

Apropos Bergpässe. Bereits am ersten richtigen Wandertag musste ich von Upis zu einem Pass aufsteigen, nämlich zum Arapa-Pass. Ich erreichte den 4.850-Meter-Bergpass durch eine Schutt-und Geröllmoräne über einen schmalen Pfad im sich zusammenziehenden Milchnebel.

Der Himmel klärt sich auf und die Gebirgskette des Nevado Jatunhuma auf einer Höhe von über 6.000 Metern erscheint.

Das Wetter stellte tagtäglich neue Herausforderungen für mein Weiterkommen dar. Ich rutschte in den Beginn der Regenzeit, so blieb ich beim Hochgebirgswandern weder vom Regen, noch vom Schnee verschont. Aufgrund des rauen Wetters war ich jeden Tag sehr früh losmarschiert, so überquerte ich die beiden Fünftausender-Pässe bei herrlichem Sonnenschein.

Ich traf auf Vicuñas, eine dem Guanako ähnliche Kamelart, auf dem Andenplateau in der Nähe des Jampa-Passes.

Welcher war der schönste Bergpass meines viertägigen Trekkings? Obwohl Palomani der höchste meiner ganzen Tour war, fand ich den Jampa-Pass am beeindruckendsten. Beim Jampa wanderte ich zwischen schneebedeckten Sechstausender-Gipfeln der Cordillera Vilcanota. Oben auf dem Bergpass erschien ein atemberaubender Anblick. Die riesigen verschneiten Andenberge wurden von engen, tiefen Schluchten eingeengt.

Ich wandere entlang des schönsten Passes neben zahlreichen Eisgipfeln im erweiterten Andenraum.

Was war der lustigste Moment meiner Wandertour? An meinem letzten Zeltplatz campte ich mitten im Nirgendwo. Abends fing es an zu schneien. Ich hörte auf einmal Stimmen von draussen und bemerkte, dass sich ein Mann erkundigte, ob jemand in meinem Zelt lag. Als ich meine Komfortzone verließ, öffnete ich mein Zelt und sprach mit dem lokalen Mann, der trotz des massiven Schneefalls gekommen war, um ca. 3 Euro für den Biwakplatz einzusammeln.

Ein von Felsen markierter Pfad führt zu den Lagunen in Richtung Pacchanta.

Was was das schwierigste an meiner Wanderung? Man würde denken, dass die Gefahr mit der Höhenkrankheit, die Kurzatmigkeit, die langen Märsche oder die Strapazen zu den hochgelegenen Pässen die ernsthaftesten Herausforderungen dargestellt haben. So war es aber nicht.

Wunderbare Natur auf dem Andenplateau in der Kettengebirge von Vilcanota

Am schwierigsten fand ich, die letzten drei bis vier Kilometer bei strömendem Regen bereits auf einem ebenen Gelände zurückzulegen. So erschöpft und tropfnass erreichte ich noch nie das Ende einer langen Wanderung. Es war ein sehr emotionaler Moment, als ich in Pacchanta angekommen war.

Ich knipse Fotos von schneebedeckten Berggipfeln und unglaublich glitzernden Gletschern.

Trotz den letzten Kilometern bleibt mir der Ausangate Circuit als die schönste Trekkingtour meiner mehrtätigen Hochgebirgswanderungen in einer sauerstoffarmen Umgebung in Erinnerung.

Beim Abstieg komme ich an drei wunderschönen türkisfarbenen Lagunen vorbei.

Nach ein paar Tagen Erholung in Cusco fahre ich demnächst in den Norden Richtung Lima, um die weniger bekannten, aber umso spektakulären Ruinenstätten von der Zeit vor den Inkas kennenzulernen.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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