An der Pazifikküste befinden sich die Funde der ältesten Bewässerungskanäle des amerikanischen Kontinents, so wie auch zahlreiche, aus Stein und Erde erbaute, pyramidenförmige Erhebungen der präkeramischen Steinzeitkultur. In der wasserlosen Küstenwüste nördlich von Lima lebten in einer extrem herausfordernden Umgebung die ältesten fortgeschrittenen Zivilisationen Südamerikas. In unserer Reihe der ältesten stadtähnlichen Siedlungen Perus folgt als erstes ein ausführlicher Bildbericht über Bandurria:

Von Ayacucho reiste ich über die Hauptstadt Lima nach Huacho. Nachdem der Santa Rosa Bewässerungskanal über die Ufer getreten war, entdeckte der peruanische Anthropologe und Linguist Torero Domingo Fernández de Córdova im 1973 die etwa drei km südlich von Huacho in einer trockenen Wüstenregion liegende archäologische Stätte Bandurria.

Dank des peruanischen Archäologen Alejandro Chu begannen die archäologischen Ausgrabungen im Jahr 2005, also mehr als 30 Jahre nach der Entdeckung der Ruinenstadt.

Ich erreichte die Fundstätte am frühen Nachmittag. An diesem Tag war ich der erste und einzige Besucher einer der ältesten Wüstensiedlungen des Kontinents. Neugierig blickte ich ins Gästebuch. Im Monat meines aktuellen Besuches war ich der erste Gast aus dem Ausland. Im Durchschnitt besuchen monatlich nur 2-3 ausländische Touristen die ganz besondere Ausgrabungsstätte, die auf mehr als 5000 (!) Jahre Weltgeschichte zurückblicken lässt. Eine Fundstätte wie Bandurria würde viel mehr Aufmerksamkeit verdienen…

Bei den Ausgrabungen im Jahr 2005 wurde nur ein Bruchteil der ehemaligen Stadtsiedlung freigelegt. Die Fortsetzung der Ausgrabungen, so wie die umfassende Erforschung des 54 Hektar großen Geländes ist wegen fehlender finanzieller Mittel seit mehr als einem Jahrzehnt ruhend gestellt.

Der Templo Temprano (früherer Tempel) besteht aus einer Eingangshalle, einem Atrium und einem 25 m langen, 3 m breiten und 30 m hohen Gebäudekomplex, der mit einem kreisförmigen Platz (neun Meter Durchmesser) verbunden ist. Dies ist der Plaza de los Sacrificios, der Platz der Opfer.

In den meist unfruchtbaren Gebieten der Küste zwischen dem Pazifischen Ozean und den Anden halfen Bewässerungskanäle, die Erde zu kultivieren und die Siedlungssysteme, geprägt von Fischerdörfern, aufrecht zu erhalten.

Die aus der präkeramischen Steinzeitkultur stammenden, aus Lehm und Stein errichteten und durch die Wassererosion beschädigten, 8-15 m hohen, Stufenpyramiden sind älter als die Pyramiden von Gizeh in Ägypten.

Der Templo Tardío (Späterer Tempel) ist ein riesiger Pyramidenstumpf mit einer Länge von 80 m, einer Breite von 60 m und einer Tiefe von 10 m. Archäologische Ausgrabungen haben ergeben, dass der Tempel ohne Unterbrechungen fertiggestellt wurde, da keine Anzeichen von Änderungen oder früheren Strukturen vorhanden sind.

Aufgrund der Nähe der fischreichen Pazifikküste gilt Bandurria nach Asperó als die zweitälteste Monumentalsiedlung der Neuen Welt.

Die 8 km langen Humedales (Feuchtgebiete) umfassen ein Gebiet von 690 ha und befinden sich direkt hinter der archäologischen Fundstätte Bandurria. Aufgrund geschützter Vogelarten erhielt die Fundstätte ihren Namen durch den hier in signifikanter Anzahl vertretenden Weißhalsibis (auf Spanisch Bandurria).

Die auch als Albúfera del Paraiso genannten Feuchtgebiete sind das Zuhause für 125 Vogelarten. So könnten die Humedales auch als ideale Beobachtungsstelle und Paradies für Vögel und Ornithologen dienen. Während der etwa einstündigen Führung durch einen sympathischen Guide fokussierte er sich auf die historische Ausgrabungs- und Fundstätte Bandurria, obwohl in ihrer unmittelbaren Umgebung zahlreiche Vogelarten, darunter Peruseeschwalben, Schmuckseeschwalben, Magellantaucher, Chileflamingos, Braunmantel-Austernfischer, Klippenausternfischer und Präriemöwen beheimatet sind.

Ich erkundete die faszinierende archäologische Fundstätte in einer wüstenähnlichen kargen Sand- und Dünenlandschaft mit großem Interesse und war völlig begeistert von den Ruinen dieser präkeramischen Kultur. So freue ich mich jetzt um so mehr auf die mysteriösen Ruinenstätten von Vichama, Asperó und Caral!

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

Wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat und du neugierig auf weitere Fotos und Informationen geworden bist, besuche einfach meine Facebook-Seite.