Nach einem entspannten Aufenthalt von drei Monaten in Europa kehrte ich nach Peru zurück, wo ich vor meinen geplanten Tal- und Höhenwanderungen zwischen den beiden herrlichen Bergketten der Cordillera Blanca und Cordillera Negra die Campo Santo-Gedenkstätte des Biosphärenreservats Huascarán besuchte.

Meine letzte größere Entdeckungsreise nach Südamerika, wurde auf den Galapagos-Inseln in Ecuador, mit einem ganz besonderen Erlebnis gekrönt. Nach drei Monaten Entspannung und purer Erholung in Europa zog mein Herz mich erneut in die Welt von Südamerika, ich war bereit für ein weiteres, spannendes und aufregendes Abenteuer.

Die Kathedrale von Huaraz an der Plaza de Armas

Wieder einmal habe ich Peru an der Westküste Südamerikas als Ausgangsziel gewählt. Das abwechslungsreiche, pulsierende Land hat mir in den letzten Jahren sehr gut gefallen und ich freute mich, wieder zurück zu sein. Apropos Rückflug. Diesmal gelang es mir leider nicht, entweder einen Direktflug oder einen einfachen Transferflug zu buchen. So erreichte ich die peruanische Hauptstadt Lima über die Dominikanische Republik, Panama und Kolumbien.

Campo Santo: mit Blumen und Palmen geschmückte Gedenkstätte im blühenden Tal des Río Santa am Fuße des mächtigen eisbedeckten Huascarán-Massivs

Schön gepflegter Park inmitten einer üppigen andinen Kulturlandschaft zum Gedenken an die Opfer der Erdbeben-Tragödie

Ich hatte jetzt keinen Aufenthalt bei meinen Bekannten in Lima geplant, also fuhr ich mit dem ersten möglichen Bus in den Norden des Landes. Seit 2014 besuche ich regelmäßig Huaraz und die lebendige, freundliche Stadt von Ancash, den Ausgangspunkt für die angrenzende Hochgebirgsregion Cordillera Blanca. Huaraz, das Outdoor-Mekka von Südamerika ist eines der meist besuchten und interessantesten Flecken des Andengebietes, welches die Hälfte des Landes umfasst.

In Reichweite befindet sich der El Huascarán (6.768 m), der höchste Gipfel in Peru und den Tropen überhaupt, welcher vor ca. 50 Jahren eine nationale Katastrophe verursacht hat

Der Huascarán Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von 3000 Quadratkilometern und ist die peruanische Hochburg für Hochgebirgswanderungen. In der farbenfrohen Landschaft des Huascarán-Massivs findet man eine beeindruckende Anzahl an schneebedeckten Berggipfeln und an atemberaubenden Bergseen in spektakulären Farben.

Vor einem halben Jahr, bereichert und berührt mit tollen Erlebnissen und fantastischen Ausblicken, verbrachte ich zweieinhalb Wochen in einem der aufregendsten Nationalparks Perus.

Überreste eines vollständig zerstörten Busses in der „Ciudad sepultada„ an den Ruinen der vollständig unter Massen von Schlamm und Geröll begrabenen Stadt Yungay

Bevor ich jedoch mit meinen aktuellen Wanderabenteuern begann, musste ich mich richtig gut akklimatisieren. Das letzte Mal befand ich mich in einer Höhe von über 4.000 Metern erst vor ein paar Monaten, daher wusste ich nicht, wie jetzt mein Körper auf einen linear abnehmenden Sauerstoffgehalt in einer hochgelegenen Umgebung reagieren würde. Ich fühlte, dass ich mich in einem guten körperlichen Zustand befinden würde, aber es war mir bewusst, dass ich mich vor neuen Hochgebirgswanderungen bestmöglich akklimatisieren muss.

Ein Gedenkkreuz markiert den ursprünglichen Standort eines begrabenen Hauses

Um mich wegen der weiten Anreise aus Europa und der Zeitverschiebung vorerst zu erholen, bin ich nicht sofort in die riesigen Berge um Huaraz aufgebrochen. So musste mein neues minimiertes, federleichtes Zelt und die neue Isomatte noch etwas darauf warten, in den hohen Gebirgen der Anden getestet zu werden. Meine vorherige Akklimatisierung bestand immer darin, ausreichend Flüssigkeit und Kokatee zu konsumieren. Nachdem ich die Kokablätter wie eigentlich bis jetzt immer auf dem lokalen Markt besorgt habe, trank ich neben meinen bequemen Spaziergängen regelmässig Kokatee, damit sich mein Körper an die seltene Höhenluft gewöhnt.

Obwohl der Friedhof durch das gewaltige Erdbeben beschädigt wurde, gelangte die Stein- und Schlammlawine nicht zum Friedhofhügel

Bevor ich mich in die vergletscherten Berge der Anden aufmachte, reiste ich von der absoluten Lebensader der Region Huaraz in die fünfzig km weit entfernte Stadt Yungay, um die von einer schrecklichen Erdbeben-Tragödie errichtete Campo Santo-Gedenkstätte zu besuchen.

El Huascarán, eine der wichtigsten Touristenattraktionen von Yungay, ist der höchste Gipfel Perus und der vierthöchste Berg Südamerikas

Der 31. Mai 1970 war ein schwarzer Tag in der peruanischen Geschichte. Infolge eines schweren Erdbebens mit der Magnitude 7,8 auf der Richterskala brach eine vergletscherte Nordwestflanke des Huascarán ab und das Beben löste in Sekundenschnelle einen gewaltigen Fels-Eissturz von 7,5 Millionen Kubikmetern aus. Der Ancash-Eisberg stieß auf den steilen Hügel, der binnen Minuten das komplette Dorf von Yungay (und auch die Nachbarorte von Ranrahirca und Matacoto) am Fuße des Nevados unter mehreren Metern Schlamm begraben hat.

Die kärglichen Überreste der Kathedrale

Das Erdbeben hat den Friedhofhügel beschädigt, aber die riesige Erdlawine hat den Friedhof verschont. Jahre später wurde die gesamte verschüttete Stelle offiziell zum Heiligtum erklärt. Yungay Nuevo wurde zwei Kilometer entfernt etwas weiter nördlich neu angelegt.

Die Einwohner von Ancash kümmern sich bis heute noch um das Gebiet des komplett verschütteten Dorfes

Nach zwei Tagen in der Höhenlage fühlte ich mich erfolgreich akklimatisiert. Morgen werde ich ins Basislager des Ishinca-Tals aufbrechen, ich plane eine dreitägige Zeltwanderung in die herrliche Bergwelt von Quebrada Ishinca und Tocllaraju.

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