Nachdem ich die bemerkenswerten Ausgrabungsgebiete der Caral-Kultur aufgesucht hatte, besichtigte ich die Ruinen von Cerro Sechín im Tal des Río Casma. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die gegen 1.600 v. Chr. gegründete Siedlung mit seiner Architektur und Ikonographie dem Chavin-Horizont voraus geht. Die mit großer Sorgfalt und Sachkenntnis errichteten, mit ca. 300 Basreliefen versehenen bis zu vier Meter hohen Steinwände von Cerro Sechín haben für Jahrhunderte einen großen Eindruck auf die gesamte Wüstenküste und die nachfolgenden Zivilisationen hinterlassen.

Bald ist es schon eine Woche her, seitdem ich die zahlreichen, für lange Zeit weitestgehend vom Sand überdeckten, Ruinenkomplexe der öden und wüstenartigen Küste Perus erkunde. Das jahrhundertelang unbekannte, kaum erkundete Terrain verbirgt die ersten stadtähnlichen Siedlungen der Neuen Welt.

Die Reliefe stellen blutdurstige Kriegerpriester, enthauptete Opfer, abgerissene Körperteile und Gedärme dar.

Während der intensiven Woche an den faszinierenden Ausgrabungsstätten habe ich in kurzer Zeit extrem viel gesehen und viel von den lokalen Reiseführern aufgenommen, so dass ich das Gefühl hatte, langsam müde zu werden. Nichtsdestotrotz bin ich von Barranca nach Casma gereist, um meine Erkundungen von Fundorten an der Sandwüstenküste Perus in Cerro Sechín abzuschließen.

Der Blick auf die Tempelanlage von Cerro Sechín, von der oberen Seite des Granithügels aus.

Nach dem Besuch der auf Grundlage der radiometrischen Altersbestimmung ältesten Wüstensiedlung der Neuen Welt Àspero, sammelte ich meinen Rucksack in meinem Hotel in Barranca auf und bin mit Sammeltaxis über Huarmey Richtung Norden gefahren, um noch vor dem Sonnenuntergang in Casma anzukommen.

Die massive Monumentalanlage, eingekesselt zwischen dem Ozean und den Anden, liegt knapp 380 km nördlich von Lima.

Die Fahrt dauerte etwas länger als geplant, denn der Fahrer meines zweiten Sammeltaxis legte auf der Straße eine gemütliche Mittagspause ein. In einem auf Meeresfrüchte spezialisierten Fischrestaurant nahm er sich genügend Zeit, um sein mehrgängiges Mittagessen zu genießen. So bin ich erst kurz vor Einbruch der Nacht in Casma, auf der legendären Panamericana (Carretera Panamericana) gelegen, angekommen.

Außergewöhnlich gut erhaltene Wandmalereien des Lehmgebäudes, reich verziert mit Friesen.

Casma, ca. 15 km vom Pazifik entfernt, passt sehr gut ins Bild alter Lebensräume der präkeramischen Caral Zivilisation, einer antiken peruanischen Kultur, die zwischen der Wüstenküste und den riesigen Bergen der Anden in verschiedenen Tälern entstanden ist.

Die reich verzierten, reliefartig ausgeführten Steinschnitzereien machen die Sechín Zivilisation sehr viel weiter fortgeschritten als die Zivilisation von Caral-Supe.

Die Fundorte (u.a. Cerro Sechín, Sechín Alto, Sechín Bajo, Chanquillo und Pampa de los Llamas), die zur archäologischen Zone des Casma-Tals gehören, wurden nicht in der Periode der Caral Zivilisation errichtet. Ihre Herkunft ist auf die Sechín-Gruppe zurückzuführen. Wissenschaftler behaupten, daß die Sechín-Kultur erst aus der Periode gegen 1.600 Jahre v. Chr. stammt. Damit ist die Zivilisation von Sechín viel jünger als die Kultur der heute zum Weltkulturerbe gehörenden heiligen Stadt von Caral-Supe.

Cerro Sechín, die älteste Fundstelle der Initial-Periode.

Das Begegnen mit der längst untergegangenen Kultur habe ich im Regionalmuseum Max Uhle angefangen, wo materielle Erinnerungen an die Sechín-Kultur präsent sind. Direkt neben dem Museum befindet sich die Ausgrabungsstätte Cerro Sechín. In jedem Fall sollte das Hauptgebäude der Ruinenstadt hervorgehoben werden, welches aus kunstvollen Wandgemälden und elaborierten Steinreliefs besteht. Die Steingravierungen in Lebensgröße zeigen siegreiche Krieger, Priester und Halbgötter. Andere Abbildungen umfassen verstümmelte Menschenopfer, abgeschnittene Köpfe und andere Körperteile.

Die in Cerro Sechín gefundene Keramik gehört dem lokalen Casma-Stil an.

Ich fand Cerro Sechín in der faszinierenden Naturszene des Casma-Tals sehr aufregend. Nichtsdestotrotz war ich nach den intensiven Erkundungen an den Ruinenstätten der Caral-Kultur leider nicht mehr in der Lage, innerhalb so kurzer Zeit eine völlig andere Zivilisation kennenzulernen.

Ich denke, dass es sich dennoch lohnen wird, hierher zurückzukehren, um über die ältesten vorspanischen Kulturen weitere informative Einblicke zu erhalten. Ich muss aber zuvor alle Erfahrungen meiner aktuellen archäologischen Besichtigungen der Caral-Kultur verarbeiten.

Es gibt hier so viel zu erkunden! Ich würde noch mindestens eine Woche brauchen, um mehr über die zusätzlichen archäologischen Stätten in der Talebene zwischen Casma und seinem Nebenfluß Sechín zu erfahren. In der nahen Umgebung befinden sich weitere interessante Fundstellen, wie Sechín Alto, Sechín Bajo, Chankillo und Pampa de los Llamas.

Eine Komposition der Kampfszenen an der Eingangsseite der Gebäudereste.

Von Sechín kehrte ich zu Fuß ins Zentrum von Casma zurück und bin nach einem geschmackvollen Mittagessen mit einem Minibus nach Chimbote gefahren. Am späten Nachmittag erreichte ich den wichtigsten Fischereihafen Perus. Ich plante, noch in der gleichen Nacht nach Lima zurückzukehren, von wo aus ich morgen schon nach Bogotá fliege. Das Land Kolumbien darf mich in Kürze willkommen heißen!

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