Als ich wieder mal die Zivilisation verlassen hatte, unternahm ich eine weitere Expedition, diesmal an den Ausläufern der Salcantay-Gebirgskette in den peruanischen Anden. Nach einigen Tagen Fußmarsch erreichte ich während eines nomadischen und kniebelastenden Abenteuers die abgelegene Ruinenstadt der Inkas, Choquequirao. Die aufregende und malerische archäologische Stätte ist eine der geheimnisvollsten Orte der Welt.

In Bolivien habe ich das Hochgebirgswandern in der Cordillera Apolobamba ein paar Wochen zuvor sehr genossen, so wollte ich in Peru nach einer weiteren epischen und herausfordernden Trekking-Tour Ausschau halten.

In der Nähe des Beobachtungs- und Aussichtsturms Capuliyoc befindet sich ein weiterer “Rainbow Mountain”, ebenfalls in atemberaubenden Farben.

Ich habe die berühmteren und leichter zugänglichen Sehenswürdigkeiten des Heiligen Tals schon mal erkundet, deshalb wollte ich mir dieses Mal die versteckte Festung von Choquequirao (ihr Name bedeutet die Wiege des Goldes auf Quechua), anschauen, die auf einem schwer zugänglichen Bergkamm errichtet wurde.

Die nur teilweise ausgegrabene Ruinenstadt von Choquequirao wurde im 15. Jahrhundert auf majestätischen 3.050 Höhenmetern errichtet und vor einigen Jahrzehnten auch für Touristen geöffnet.

In der geheimnisvollen Stadt des Inka-Reiches, die einen spektakulären Anblick bietet, wurde bislang noch keine Infrastruktur errichtet. Seit Jahren ist der Bau einer Seilbahn zu der vergessenen Inkastadt geplant. Auf dem 3.050 m hohen Bergrücken thronend, kann die riesige präkolumbianische Stadtruine, die wahrscheinlich im 15. Jahrhundert errichtet wurde, nur durch eine mehrtägige Wanderung zu Fuß oder zu Pferd besucht werden.

Ich wandere entlang majestätischer, schneebedeckter Andenberge.

Die außergewöhnliche Aufgabe stellte ernste und vielfältige Herausforderungen und Belastungen an mich. Es war nicht die Länge der täglichen Entfernungen, die die größten Schwierigkeiten verursachte, sondern die erheblichen Unterschiede in der Höhenlage und die heiße apokalyptische Hitze.

Häufig werden Pferde zum Transport für das notwendige Gepäck und Lebensmittelvorräte eingesetzt.

Auf der fünftägigen Wanderung, bei der es in schwerem Gelände viel rauf und runter ging, stieg ich aus fast 3000 Metern Höhe auf 1.400 Meter zum Rio Apurímac ab, um vom tiefen Tal zur Spitze des Canyons, zur aus stufenartigen Terrassen, Tempeln und Observatorien bestehenden Ruinenstätte aufzusteigen.

Ein steiler und steiniger Serpentinenweg, der viel Ausdauer und Kraft erfordert, führt hinunter zum Tal.

Den Ausgangspunkt des herausfordernden Treks, Cachora, erreichte ich mit einem Kleinbus, der nach Abancay unterwegs war. Ich ließ mich an der Kreuzung zu Ramal de Cachora rausschmeißen. Mit einem Sammeltaxi ging es ins Zentrum des Dörfchens Cachora, wo ich mit einer Französin, die ich im Collectivo kennenlernte, beim sonnigen Wetter zum Aussichtspunkt von Capuliyoc und zum ruhigen und familienbetriebenen Campingplatz problemos auf- bzw. abstieg.

In Cachora, dem letzten Außenposten der Zivilisation, vor dem Choquequirao Trek.

In unserem Rucksack haben wir beide unsere Kleidung für warmes und kaltes Wetter, das Zelt, den Proviant für 5-6 Tage und eine große Flasche Wasser mitgenommen. Wir wollten bei der anspruchsvollen Trekkingtour keine Hilfe von Bergführern und Trägern in Anspruch nehmen und so das Hochlandtrekking auf eigene Faust durchführen.

Beeindruckende Bautechnik der Inka-Architektur.

Meine aktuelle Begleiterin plante über Yamana nach Machu Picchu zu laufen, so hat sie einen doppelt so großen und schweren Rucksack auf dem Rücken getragen, wie ich.

Herrlicher Blick auf das Tal des Flusses Apurìmac von meinem ersten Campingplatz aus.

Obwohl wir die erste Nacht in Cocamasana, auf dem gleichen Campingplatz, verbrachten und auch zum zweiten Tag zur gleichen Zeit zusammen aufgebrochen waren, konnte die Französin wegen ständiger Atemnot und ihrem zu schweren Rucksack das Tempo nicht mithalten.

Erstaunlich gut erhaltenes Gebäude mit anspruchsvollem Steinmauerwerk aus exakt in Form gebrachten Steinen.

Im Tal des Flusses Apurímac an der Playa Rosalina trennten sich gegen Mittag unsere Wege. Hier startete ich in extremer Hitze schwitzend den langen und harten Marsch in Richtung Santa Rosa und Marampata. In der glühenden Hitze bewegte ich mich langsam aber stetig auf mein Ziel zu.

Nach 1.400 Metern Abstieg beginnt der lange und harte Aufstieg.

Während des harten Aufstiegs habe ich kaum jemanden getroffen, nur eine peruanische Familie ist mir, ohne Rucksäcke frei zum Apurímac-Tal laufend, entgegengekommen. Wegen den apokalyptischen Bedingungen und brennender Sonne wurden ihre schweren Rucksäcke von lokalen Gepäckträgern geschleppt.

Schätzungsweise ca. ein Drittel der Ruinen der einstigen Stadt wurde von Archäologen ausgegraben und der Öffentlichkeit präsentiert.

Um die Wahrheit zu sagen, störten mich die steilen Hänge, die hinaufwindenden Serpentinen und der durchschnittlich beladene Trekkingrucksack kaum, das Problem war die unerträgliche Hitze, der Wassermangel und das Fehlen einer alternativen Wasserquelle. Mein Hals war bei der starken Hitze schnell ausgetrocknet. So musste ich nach 15 Minuten immer eine Pause einlegen, um ausreichend Wasser zu trinken.

Die Lama-Terrassen der riesigen Anlage wurden von lokalen Archäologen erst Jahre später per Zufall entdeckt, als man den archäologischen Park für Touristen eröffnet hat. Die mit üppiger Vegetation überwucherten Terrassen liegen an einem steilen Hang auf der anderen Seite des Kamms.

Heute führt ein vollständig gesäuberter Pfad zu den Lama-Terrassen, in deren Wänden und Steinmauern Lamas dargestellt wurden.

Ich habe versucht, die Flüssigkeit besser zu verteilen, aber ich habe wegen der dauerhaft zu trockenen Luft und der unerträglichen, stickigen Hitze viel getrunken. Ich konnte es kaum erwarten, so schnell wie möglich einen Rastplatz zu erreichen, wo ich Unmengen von Wasser, eine wichtige Mineralstoffquelle, konsumierte.

Eine technisch hoch entwickelte Gesellschaft prägte die Inka-Zivilisation.

Nachdem ich die langen Aufstiege und die vielen Höhenmeter bewältigt habe, kam ich noch vor Sonnenuntergang an der letzten Siedlung vor dem archäologischen Monument Choquequirao, in Marampata, an. Von hier aus war es nur noch zwei Stunden bis zur „verlorenen Stadt.“

Nach einem stattlichen Marsch erreichte ich am späten Nachmittag Marampata, mit Blick auf Choquequirao in der Ferne und auf die wunderschöne Berglandschaft.

Die steil aufsteigende, mehrere Sektoren übergreifende, riesige Anlage mit 180 Ebenen ist nichts für den durchschnittlichen Touristen. Das Trekking ist, ohne eine Teleférico, nur in einer sehr guten körperlichen Verfassung und mit viel Ausdauer und Trittsicherheit zu bewältigen.

Ich zelte in der beiindruckenden, nahezu vergessenen, Inka-Festung von Choquequirao.

In den Hauptsektoren der Anlage traf ich vielleicht ein Dutzend Touristen, während ich auf den eher wenig besuchten Terrassen der nahegelegenen Berghänge fast niemanden gesehen habe.

Atemberaubende stufenartige Terrassen mit einem einzigartigen Bergpanorama.

Ich habe insgesamt anderthalb Tage in einem der geheimnisvollsten Orte der Welt verbracht. Keine Frage, ich lernte in den zwölf Sektoren der historischen Bergfestung viel über die Geschichte der Inkas und sammelte auf dem Pfad dorthin und zurück viel Trekkingerfahrung. Ich könnte morgen sofort wieder losmarschieren, um die alte Inkastadt nochmals auf eigene Faust zu besuchen.

Zimmer mit Aussicht.

In den nächsten Tagen ruhe ich mich ein wenig aus und werde bald die schneebedeckten Berggipfel der Anden aufsuchen, um das legendäre Nevado Ausangate, den höchsten, heiligen Berg der Region Cuscos, zu umrunden.

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