In Süd-Peru angekommen und nach einem Aufenthalt in Arequipa, reiste ich nach Cotahuasi, um eine der tiefsten Schluchten der Welt kennenzulernen. Ich wurde nicht enttäuscht, ich entdeckte eines der schönsten Naturwunder Südamerikas. Mich hat die Mega-Schlucht mit ihrem farbigen Gestein und unendlicher Tiefe überwältigt. Der Besuch des erstaunlichen Cotahuasi sollte Pflichtprogramm für jeden Peru Besucher sein.

Nachdem ich Arica und Chile verlassen hatte, machte ich mich auf den Weg nach Peru und überquerte wie im Jahr 2014 die Grenze bei Tacna, um in der “weißen Stadt” von Arequipa, mit dem letzten Bus vor Weihnachten, anzukommen.

Die vielleicht beeindruckendste Schlucht, die ich je gesehen habe

Ich habe vor vier Jahren die zweitgrößte Stadt Perus und ihre Umgebung schon einmal intensiv erkundet, wanderte drei Tage lang im Colca Canyon und kurz darauf erklomm ich meinen ersten 6000 m hohen Gipfel, den Chachani in den Anden. Diesmal wollte ich zum geheimnisvollen großen Bruder des weltberühmten Colca Canyons, dem 1981 von einer polnischen Gruppe entdeckten Cotahuasi.

Das Subbassin-Landschaftsschutzgebiet von Cotahuasi ist ein repräsentatives Beispiel der tropischen Anden im Süden von Peru. Dank seiner Lage in den südlichen Anden und in den oberen Teilen des Ocoña Flußes ist es ein wunderschönes geologisches Naturwunder.

Seine Abgelegenheit hat dieses schöne Tal bis heute schützen können

In den Reisebüros in Arequipa wimmelt es von Angeboten für den naheliegenden Colca Canyon. Die Büroangestellten sind bestrebt, ihre aktuellen Colca Tours so zu bewerben und zu präsentieren, als wäre die Colca-Schlucht die tiefste der Welt.

Als Werbetext ist das bestimmt für viele verlockend, aber die Wahrheit ist anders, denn es gibt eine tiefere Schlucht sogar im gleichen Land. Die weniger bekannte, aber viel schönere Cotahuasi-Schlucht liegt 335 Meter tiefer als ihre kleine Schwester Colca unweit von Arequipa. Touristen sind in Cotahuasi aber seltener als der weiße Rabe.

Nach Weihnachten in der “weißen Stadt” machte ich mich mit dem ersten möglichen Bus zum Hauptort der 100 km langen Schlucht, nach Cotahuasi. Die ruhige Siedlung liegt auf knapp 2.700 Meter und ist die Heimat von ungefähr 4.000 Menschen.

Das spektakulärste Naturwunder überhaupt

Die einzige Straße, die zur Schlucht führt, startet von der Panamerikana aus durch Chuquibamba in der Provinz Condesuyos. Von Chuquibamba aus geht es über eine geteerte Straße bis zu einem 4.800 m hohen Pass zwischen den schneebedeckten 6.000 Meter hohen Coropuna- und Solimana-Bergen zur beeindruckenden Schlucht. Wegen der Fahrt in der Höhenlage und der schlechten Qualität der unzähligen und holprigen Serpentinen und unbefestigten Straßen musste ich ungefähr 11 Stunden Reisezeit bis zur Ankunft in Cotahuasi kalkulieren.

Ich wollte tagsüber fahren, um die herrliche Aussicht auf die Umgebung zu bewundern, aber am besagten Tag gab es nur einen Nachtbus Richtung Cotahuasi. Es war zu kalt und zu unbequem, um im Bus wirklich Schlaf zu finden, allerdings wusste ich, dass mich nach der Ankunft die wilde und imposante Schlucht und ihre außergewöhnliche Umgebung komplett umhauen wird.

Weitblick auf den schneebedeckten Solimana von Cochapampa aus

In den letzten fünf Jahren wurde der Besuch des Colca Canyons zu einem Trend unter den Touristen, Tausende von Menschen besuchen täglich die überlaufene Schlucht bei Arequipa. So war es nicht verwunderlich, dass nur ein weiterer Gringo mit dem selben Bus nach Cotahuasi unterwegs war, der Rest der Passagiere war peruanischer Herkunft.

Ich kam in der Morgendämmerung an, und da am lokalen Busbahnhof trotz der Morgenstunde recht viel los war, habe ich schnell die Einheimischen über mögliche Wanderungen und Busabfahrtszeiten befragt. An meinem ersten Tag in Cotahuasi hatte ich vor, die Bergsiedlung Pampamarca zu besuchen. Das Dorf mit einer Bevölkerung von fast 2.000 Personen liegt auf 3.800 m mit seiner einzigartigen Schönheit in einer Schluchtwand. Berühmte Alpaka-Teppiche werden vor Ort von Hand gewebt. Von der Siedlung startet ein Wanderweg zur speziell geformter Sandsteinformation von Huito (4.040 Meter), die von stark erodierten Klippen gebildet wurde, die in Millionen von Jahren durch Wind, Sonne und Regen geformt wurden.

Interessante Sandsteinformationen auf 4.040 Meter

Allerdings, wie ich erfahren habe, gibt es seit März 2017 keinen Busverkehr zwischen Cotahuasi und Pampamarca, da die einzige Möglichkeit, auf der Schotterstrasse dorthin zu gelangen, aufgrund von anhaltend starken Regenfällen im Vorjahr verschüttet worden ist. So ist die Strecke zwischen den zwei Ortschaften seit fast einem Jahr komplett lahmgelegt, nicht mal die Reparaturarbeiten konnten aufgenommen werden.

Ehrlich gesagt hatte ich das nicht erwartet, es war für mich ein kleiner Schock, und so um mich zu entspannen, habe ich gleich ein Hotelzimmer gesucht. Ein junger Biologe aus Arequipa kam mir zur Hilfe, er empfahl eine nette Unterkunft, die während meiner Tage im verschlafenen Cotahuasi als eine ausgezeichnete Basis für spektakuläre Wanderungen diente.

Grüne Terassenfelder unweit von Pampamarca

Ich habe mich in meiner Unterkunft für ein paar Stunden hingelegt, aber wollte nicht meinen ganzen Tag verschwenden, so war ich kurz nach acht Uhr schon auf den Beinen. Ich wollte irgendwie nach Pampamarca kommen. Ich beschloss, nach dem Frühstück den 1.200 Meter hohen Höhenunterschied zu Fuß zu überwinden. Um dies zu tun, musste ich die eigentliche Brücke der kleinen Stadt finden, die einen über das Dorf Mungui nach Pampamarca bringt. Nach den Informationen, die ich von den Einheimischen erhielt, musste ich zum Friedhof gehen und dort abbiegen, allerdings befand ich mich kurz darauf in einer Gartenanlage statt auf einer Brücke. Nichts desto trotz lief ich weiter und erreichte durch verschiedene Sommergärten die Hauptstraße, die nach Tomepampa in die falsche Richtung führte.

Täglich einmal verkehrt der Bus zwischen Cotahuasi und Pampamarca

Ich habe mich geärgert, aber nach dieser Erkenntnis blieb mir nichts anderes übrig, als alles einzustampfen und die netten Peruaner um Informationen wegen dem Weg zu bitten. Sie meinten nach ca. 5-6 km würde es eine Brücke geben. Ich sollte diese überqueren und wieder Richtung Siedlung laufen. Um Zeit zu gewinnen, entschied ich mich für Trampen. Da die Einheimischen hier selten auf Touristen treffen, hielt schon der erste Wagen, mit einem jungen Paar, an:

– “Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Ich will nach Pampamarca, können Sie mich bitte bis zur Brücke mitnehmen?” – fragte ich freundlich den Fahrer.

– “Sie wollen nach Pampamarca? Es ist weit weg, die Siedlung befindet sich tief in den Bergen,” – kam die verwundernde Antwort.

– “Ich weiß, es gibt einen Höhenunterschied von ca. 1200 Meter zu bewältigen. Von der Siedlung aus erreicht man Huito, die vom Wind geformten Felswälder. Ich will da rauf und noch am gleichen Nachmittag zurück nach Cotahuasi.” – meinte ich.

– “An einem Tag bestimmt eine eine unmögliche Mission, denn es ist ein langer Fußmarsch und die Sonne wird Dich gnadenlos verbrennen, Du wirst komplett angebrannt sein,” antwortete der junge Fahrer.

Mit einem Sonnenschutzmittel mit dem Schutzfaktor 50 beharrte ich auf meinen Plan, der lokale Fahrer schüttelte aber weiterhin seinen Kopf, wollte noch immer nicht glauben, was ich vorhatte.

Nach dem Erdrutsch verkehren die Einheimischen zu Fuß

Als ich an der Brücke ankam, konnte ich meine Wanderung auf dem richtigen Pfad fortsetzen. Ich näherte mich Cotahuasi wieder, und versuchte vergeblich den Weg nach Mungui zu finden. Ich fand nur einen winzigen Pfad, der von der Natur zerstört war, konnte aber nicht wirklich zu Fuß weiter. Glücklicherweise erschien kurz darauf ein älterer Mann, der mir sofort seine Hilfe angeboten hat. Er war nach Mungui unterwegs, wir haben uns lange unterhalten. Als erstes erzählte er, dass die Strecke nach einem kleinen Erdrutsch seit März 2017 zwischen Cotahuasi und Pampamarca unpassierbar ist. Autos und Busse verkehren überhaupt nicht, erst am Nachmittag gibt es einen Bus, der die Passagiere bis zum Ende der lahmgelegten Straße bringt. Nachdem diese den Pfad überquert haben, bringt ein weiterer Bus sie von der anderen Seite nach Pampamarca.

Mein lokaler Guide Richtung Mungui

Mein sympathischer Weggefährter zeigte mir den Pfad, den jeder für die Überquerung verwendet. Ich wollte nicht auf den Bus am Nachmittag warten, so schloss ich mich dem netten Mann aus Lima an, der zu meiner großen Überraschung sehr gut über die Länder Ungarn und Österreich informiert war. Er erzählte gerne über das Leben in Cotahuasi und gab mir tolle Tipps für den Aufstieg nach Pampamarca. Nachdem ich Mungui über eine Brücke passiert habe, ging ich nicht auf den Serpentinen weiter, die der Bus benutzte, sondern auf schmalen Pfaden, die von den Bewohnern der Bergsiedlungen tagtäglich durchquert werden. Die Schlucht schien jetzt verzaubert zu sein: der Weitblick war erstaunlich, die Tiefe beeindruckend, und meine Kamera fleißig im Einsatz.

Es war kein leichter Aufstieg, mit zunehmender Höhe wurde die Luft dünner, ich fühlte die Höhenlage und die sauerstoffarme Luft, allerdings hielt ich ausdauernd durch und ging hartnäckig weiter. Rückblickend boten sich viele Aussichtspunkte mit atemberaubendem Panoramablick. Man musste keinen ganzen Tag im Canyon verbringen, um den Anblick zu erleben, den man von ganzem Herzen erwartete.

Hängebrücke Richtung Cotahuasi

Die holprigen Serpentinen endeten in Huancallpa und innerhalb weniger Minuten erreichte ich die Siedlung von Cochapampa. Von hier aus wäre Pampamarca grundsätzlich innerhalb einer halben Stunde zu erreichen, aber von Pampamarca wäre es noch ein mindestens zweistündiger Auf- und Abstieg bis zur Felsenwald von Huito bzw. bis zum Aussichtspunkt Uskune, so entschied ich mich lieber dafür, nach Cotahuasi zurückzukehren, denn für den nächsten Tag hatte ich eine weitere lange Wanderung vor. Ich wollte nach dem Besuch des Sipia Wasserfalls entlang von Weinbergen, Obstplantagen und Kakteenstraßen nach Quechualla über die Schlucht laufen.

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