Nach der landschaftlich sehr eindrucksvollen Wanderung am Vortag nach Cochapampa unternahm ich eine weitere fantastische Ganztagestour, diesmal entlang der Cotahuasi-Schlucht zu Fuß nach Quechualla. Während des spektakulären und an Abenteuern sehr reichen Tages lernte ich den magischen Sipia-Wasserfall kennen, habe erfahren, wie man die Kaktusfeige nicht öffnen sollte, bestaunte die Dimensionen des Naturwunders Cotahuasi auch von ganz unten, wanderte zwischen Obstplantagen und Kakteenwäldern, wurde von der ganz besonderen Gastfreundschaft der Einheimischen empfangen und erreichte den tiefsten Punkt des Canyons mit 3.517 Metern.

Die größte Attraktion und der meistbesuchte Ort der Schlucht ist der dreistufige Sipia-Wasserfall, der seinen tosenden Wasserkörper über die 150 Meter hohen Felsen stürzt. Der Wasserfall, der ein imponierendes Naturschauspiel bietet, liegt zehn Kilometer vom Dorf Cotahuasi entfernt auf einem fast dreistündigen Fußweg. Um zu dieser beeindruckenden Naturattraktion zu gelangen, nahm ich den einzigen Minivan, der tagtäglich frühmorgens nach Quechualla aufbricht. Um fünf Uhr war ich schon auf den Beinen, traf den örtlichen Bäcker auf dem Weg zum Busbahnhof, kaufte von ihm ein paar frische Backwaren und um halb sechs wartete ich schon auf meinen Bus.

Atemberaubender Ausblick

In der Haltestellte entdeckte ich den anderen Gringo in der Stadt, den Australier Antony, er war derjenige, der im gleichen Bus wie ich vor zwei Tagen von Arequipa angereist war. Wir machten uns bekannt miteinander und fuhren gemeinsam zum Wasserfall.

Minibus nach Quechualla

Trotz der Frühstunde schätzen wir beide die Aussicht auf die trockenen, halbwüstigen Gebiete, die uns nach Sipia begleiteten. Die Straße, die zum Wasserfall führt, ist reich an höchst malerischen hohen Felsen und verläuft an einigen Stellen am Rio Cotahuasi entlang. Zur Hängebrücke von Cuyao gelangten wir auf asphaltierter Straße, von da ging es auf geteerter Straße weiter. Trotz der unbequemen Fahrt in einer unbequemen Position im Bus kamen wir nach ein paar Minuten beim Wasserfall an.

Der frei fallende Sipia-Wasserfall mit drei Fallstufen

Mein aktueller australischer Weggefährte war, wie ich, das erste Mal auf Besuch in Cotahuasi und so schauten wir beide aufgeregt ins weite Tal. Ich erzählte Antony von meinem Plan, noch am gleichen Tag zu Fuß nach Quechualla zu laufen. Die Idee fand der Australier sehr interessant, allerdings hatte er kein richtiges Schuhwerk und keine Socken mit, so entschied er sich dagegen. Wir schauten uns den Wasserfall gemeinsam an und gingen danach verschiedene Wege.

Wir gelangten auf einem schönen gepflasterten Pfad zum Wasserfall, welcher das gesamte Wasser des Canyons aufsammelt und tosend in den tiefen Abgrund fallen lässt. Es ist ein beeindruckendes Naturschauspiel von 150 m Höhe.

Färbige Gesteine

Nachdem wir am Wasserfall atemberaubende Fotos geschossen haben und die Wassermassen auf uns wirken ließen, verabschiedeten wir uns voneinander. Antony beschloss, auf den Bus nach Cotahuasi zu warten, während ich Richtung Quechualla aufbrach. Schon am Vortag haben mir Einheimische geraten, während der Wanderung auf die Vielfalt der Früchte im Tal ganz besonders zu achten. Es war Erntezeit im Cotahuasi Tal, so freute ich mich um so mehr darauf, ich habe nämlich ausser ein paar Backwaren, einer Avocado und Wasser für die lange Wanderung nichts eingesteckt.swärts im 1914 gewann.

Namensloser Wasserfall an der Schluchtwand

Vom Sipia-Wasserfall führt die Feldstraße bergauf, der Aufstieg ist ein gutes Morgenmuffel-Workout. Mich störte der steile Weg überhaupt nicht, ich war noch immer überwältigt von der nicht zu übertreffenden Aussicht, spurtete zügig hoch, und wusste, dass es demnächst runter zum Talboden gehen wird.

Posierendes Vogelwunder

Mit ein bißchen Distanz zum Rio Cotahuasi fühlte ich mich als ob ich auf einem anderen Planeten wäre. Die großen Felsen und standfesten Gesteine um mich herum schienen gewaltig zu sein, ich schaute mehrmals Richtung Wasserfall zurück, um die tiefe Schlucht in den vulkanischen Sedimentgesteinen zu bewundern.

Avocado, eine der besten Früchte überhaupt!

Nach einer halben Stunde Gehzeit erreichte ich den höchsten Punkt meiner aktuellen Wanderung, ab hier ging es über tausend Meter Abstieg hinunter nach Quechualla. In Chaupo war ich in einem Tal zwischen stillen grünen Wiesen und Kaktusfeigen unterwegs. Ich hielt für eine schnelle Früchteernte an, allerdings war meine Gier zu groß. Die feinen Stacheln außen an der Schale bei der Kaktusfeige waren gemein zu mir, die kleinen Stacheln bohrten sich heimlich unter meine Haut und ich fühlte für mehrere Stunden das Zwicken und Stechen in der Hand.

Kaktusfeige

Ich traf in Rosariopampa auf meinen Morgenbus, der sich schon auf dem Rückweg nach Cotahuasi befand. Hier sah ich das erste Mal, was für komplexe und intensive Landwirtschaft die Talbewohner betrieben. Die Produzenten gaben ihre wertvollen Säcke voll mit frischen Früchten auf den Bus, um die sanftigen Früchte auf dem Markt und auf den Straßen in Cotahuasi zu verkaufen. Seit vielen Generationen spielt hier die hervorragende Qualität des biologischen Landbaus eine wichtige Rolle, das bewiesen auch einige sehr feine Weintrauben von den lokalen Anbaugebieten, die in meinem kleinen Rucksack landeten und später während einer eingelegten Rast verzehrt wurden.

Färbige Pflanze in karger Umgebung

Es waren drei bis vier Kilometer bis zum eindrücklichen Kakteenhain von Judiopampa. Einige Spezies der hier anzutreffenden Riesenkakteen erreichen eine Höhe von mehr als zehn Meter. Wie ich später erfuhr, sind die Kakteen im Laufe der Zeit eine Symbiose mit einer dort heimischen Fledermausart eingegangen.

Kakteenhain in Judiopampa

Velinga war meine nächste Station. Die Siedlung liegt in den Bergen und befindet sich nicht wirklich auf der Route nach Quechualla. Dennoch entschied ich mich für den 30-minütigen Aufstieg an der steilen Schluchtwand. Abgesehen von ein paar Steinhäusern, einer schönen alten Kirche und zwei lebenslangweiligen Tischlern fand ich im kleinen Dorf nichts interessantes, so sammelte ich ein paar Avocados auf und stieg nach Quechualla ab.

Kurzbesuch in Velinga

Auf dem Feldweg, Richtung der sich verengenden Schlucht laufend erreichte ich gegen 14 Uhr das ruhige Dorf, bekannt für seine Weinberge und Obstbäume. Unter Schatten spendenden Weinlauben gelangte ich zum Hauptplatz. Hier in einer Seitengasse befindet sich die einzige Unterkunft der Siedlung, leider fand ich sie geschlossen vor.

Schatten spendende Weinlaube

Nichts desto trotz schaute ich weiter und klopfe bei den Nachbarn an. Aus mehreren Gründen war ich hier richtig: einerseits betreiben Rafael und seine Familie das kleine Hostel nebenan, zweitens befand sich die Familie beim Mittagessen, so teilten sie mit mir eine geschmackvolle Suppe und einen Maracujasaft. Schon jetzt bewunderte ich die offensichtliche Großzügigkeit und Freundschaft der hier lebenden Menschen.

Die Brücke zum tiefsten Punkt der Schlucht

Nach dem Mittagessen erzählte mir Rafael, wie ich nach Ushua gelange. Der 3 km von Quechualla entfernte Ort weist den tiefsten Teil der Cotohausi-Schlucht vor. Ich lief ein paar km bis zur Brücke, überquerte diese und lief in den sich verengenden Canyon bis zum Flußufer. Stolz entdeckte ich die verrostete Tafel, die mir erzählte, dass ich mich auf 1.518 Metern und 3.517 Meter tief in der Schlucht befand. Auf dem Rückweg besuchte ich noch die zwei nahegelegenen Wasserfälle mit tollen Fotogelegenheiten.

Der tiefste Punkt des Canyons (3.517 Meter)

Am Abend versammelte sich die ganze Familie und ein Teil der Verwandtschaft zu meinen Ehren, wir aßen zusammen. Beim Abendessen tauschten wir uns über unsere Kontinente, Lebensgewohnheiten, Früchte und mehr aus. Wie es sich herausstellte, haben meine Gastgeber äußert starke und stolze Persönlichkeiten, sie waren glücklich, ihr abgeschiedenes und hartes Leben hier mit Zufriedenheit entgegenzunehmen.

Terrassenanbau, wie in der Inkazeit

Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück, half ich noch Rafael’s Familie, mehrere große Fruchtsäcke mit einem Packesel zur Bushaltestelle zu führen. Die Zeit in Quechualla, abseits von großen Menschenmassen und ohne Handyempfang, genoß ich in vollen Zügen.


Unser Bus kam verspätet an, nichts desto trotz fuhren wir alle zusammen nach Cotahuasi, wo ich nach einem leckeren Mittagessen und der wunderbaren peruanischen Erfindung namens Cusqueña Negra nach Arequipa aufbrach, um kurz nach Ankunft nach Cusco weiterzufahren. Zwei lange Busfahrten über Nacht mit jeweils über zehn Stunden warteten auf mich. Ich bereute das nicht, da ich wusste, dass mich im Neujahr mein Cousin besuchen wird, der mit einem Schulfreund aus Wien anreisen wird, um gemeinsam zwei Wochen Urlaub in sowohl Peru als auch in Bolivien zu unternehmen.

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