Canchayllo ist ein Ort mit hervorragenden Bedingungen für unterschiedlichste Freizeitaktivitäten. Neben dem wuchernden Bromelienwald gibt es in der unmittelbaren Umgebung weitere wunderschöne Geheimnisse. Ich stieg bis auf 4000 m auf, um die am langsamsten blühende Pflanze der Welt zu betrachten. Stunden später wanderte ich durch eine steile Talschlucht…

Das geschlossene Tourismusbüro am Hauptplatz des Kolonialstädtchens Jauja half mir wieder dabei, wo ich in der Gegend wandern gehen konnte. Um dies zu tun, genügte es, das Wort “Puya raimondii” an der Tür des Holzstandes zu lesen. Ich wusste sofort, dass es eine großartige Erfahrung sein wird, den für die trockene Punavegetation charakteristischen außergewöhnlichen, dürretoleranten und hochandinen Riesenbromelien wieder zu begegnen.

Wenn man die Natur der Region erkundet, ist der zur alten Zinkmine Azulcocha führende Abschnitt einen Umweg wert.

Ich habe die äußerst spektakuläre endemische Pflanze letztes Jahr in Vischongo kennengelernt, wo in der Höhenlage von viertausend Metern Hunderte von Hektaren an Riesenbromelien besichtigt werden können. Damals erlebte ich den Titankayoq-Wald ganz alleine, ohne einen einzigen Touristen. So war es jetzt auch der Fall. Während der gesamten Tour ist mir kein anderer Wanderer begegnet. Es ist völlig unverständlich, warum eines der wenig beachteten, aber dennoch bestgehütetsten Geheimnisse Perus in keinem der Reiseführer verzeichnet ist. Jedenfalls machte es mir überhaupt nichts aus, denn so konnte ich die Wanderung für mich alleine genießen.

Ich besuche eines der abgelegensten Gebiete im Naturschutzgebiet Nor Yauyos-Cochas.

Ich habe das auf 4000 m verborgene Naturwunder wieder ganz alleine aufgesucht. Kein Mensch war zu sehen, kein Tourist hatte sich hierher verirrt.

Vom Busbahnhof in Jauja kam ich mit einem Colectivo im Andendorf an. Am Sammelplatz musste ich vorerst ungefähr eine Viertelstunde warten, bis meine MItfahrgelenheit komplett mit Einheimischen gefüllt war. Der Kleinbus ließ mich etwa 45 Minuten später im Dorf San Juan de Pachacayo aus, von wo aus ich Canchayllo mit einem sogenannten Sammeltaxi erreichte. Das stark abgenutzte Fahrzeug hatte seine Mühe, da die schlechte Straße mit ordentlichen Schlaglöchern versehen war.

Die xerophytische, mehrjährige Pflanze ist sowohl in Peru als auch in Bolivien eine endemische Pflanze.

Ich befand mich in einer Höhe von weit über 3500 Metern, als ich mich in den Bromelienwald aufmachte, der sich am Rande des angrenzenden Berges versteckte. Ich stieg auf einem wunderbar gestalteten Pfad immer höher auf und fand eine halbe Stunde später die Riesenbromelien, die in der mehr als 4.000 Meter hohen Zone der Anden wachsen. Die dürretolerante Puya raimondii-Pflanze ist ein Ananasgewächs und wird bis zu acht Meter hoch. Ihr riesiger Blütenstand entspringt einem Kranz aus glänzenden schwertförmigen Hochblättern am oberen Ende der Stiele.

Die vom Aussterben bedrohten Riesenbromelien blühen nur einmal in ihrem Leben.

Das Andendorf Canchayllo ist nicht nur berühmt für seinen Bromelienwald, sondern ist auch die Heimat des Shucto-Canyons, den ich am Nachmittag erreicht habe. Dazu musste ich ein Stück zum Dörfchen zurückgehen, um weiter Richtung Norden den Fluss Piñascocha entlang zu marschieren. Ohne eine Brücke erfuhr ich von den Einheimischen, wie ich sicher und möglichst trocken ans andere Ufer gelangen kann.

Die Bewohner von Canchayllo sind auf die Aufzucht von Bio-Forellen spezialisiert.

Um in den Canyon zu gelangen, musste ich einen Fluss namens Piñascocha überqueren.

Vom Wasserkraftwerk aus marschierte ich ca. zwei Stunden auf einem Feldweg. Mir war nicht langweilig, da die zur Schlucht führende Wegstrecke viele herrliche und natürliche Attraktionen bot. Das enge Tal des Flusses Piñascocha ist eine der schönsten Naturformationen der Region. Als ich mich auch an die außergewöhnliche Hitze gewöhnt hatte, kam ich zum verlassenen, unbewohnten Gebäude und der ausgeschilderten zum breiten Canyon führenden Gabelung. Der Cañón del Shucto ist eine zerklüftete Mondlandschaft, die sich Hunderte von Metern wie eine Schlange rollt und auf beiden Seiten des Feldweges gleitet.

Ich langweilte mich hier überhaupt nicht, denn ich fotografierte die für die Punavegetation typischen Vögel, wie zum Beispiel den Weißhalsibis.

Die trockene Hochgebirgssteppe verbirgt eine reiche Vogelwelt.

Eine vielfältige und steile Talschlucht, die sich heutzutage bei Kletterern großer Beliebtheit erfreut, ist eine geologische Felsformation, die durch über Millionen von Jahren andauernde Wassererosion entstanden ist. Der Canyon ist Teil des 2000 Quadratkilometer großen Landschaftsreservats Nor Yauyos-Cochas und befindet sich an seiner abgelegenen Nordspitze. Die seltsame und unglaubliche Felsformation zeichnet sich durch schroffe Felswände und Aussichtsplattformen aus, die eine herrliche Aussicht bieten.

Im Flussbett formt sich ein kleiner Wasserfall, der von der Natur gebildet wird.

Schucto liegt fast 3.800 Meter über dem Meeresspiegel in der fabelhaften Schlucht des Nor Yauyos-Cochas.

Kletterer üben Sportklettern an den 70 m hohen fast senkrechten Felswänden.

Nachdem ich an der Spitze der Felswände angekommen war und die Talschlucht aus jedem möglichen Winkel fotografierte, ging ich nach Canchayllo zurück. Zum Glück hielt ein örtlicher Campesito mit seinem Auto an, sodass ich nicht zweimal die selbe Route spazieren musste.

Die Hauptform der wellenförmigen Formation war früher vom Regenwasser geprägt, heute dominiert eher der Erosionseffekt des Windes.

Eine der herausragenden natürlichen Schönheiten der Region ist der Shucto-Canyon. Die stark erodierten und zackigen 90-Grad-Winkel der Felswände sind eine große Herausforderung für Kletterer.

Für die Schlucht, die sich über mehr als einen km lang durch steile Klippen schlängelt, war es den extra langen Spaziergang wert.

Ich bin mir sicher, dass ich beim nächsten Mal mehr Zeit im Nationalen Landschaftsreservat Nor Yauyos-Cochas verbringen und mich noch höher wagen werde. Ich werde auf jeden Fall die raue Schönheit der schneebedeckten Fünftausender des Nevado Pariacaca, des Tata Tunshu und des Nevado Runshu entdecken. Jetzt ist es jedoch an der Zeit, das peruanische Andenhochland abseits der touristischen Routen zu verlassen und für ein paar Tage nach Lima zurückzukehren, um dann in den nördlichen Teil Perus zu reisen…

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