Nachdem ich von den Einheimischen mehr als einen ganz besonderen Tipp erhalten habe, bin ich ein wenig unvorbereitet, nämlich ohne Wanderkarte und detaillierte Routenbeschreibung, zur Erkundung der Festung Waqra Pukara aufgebrochen. Die ganz besondere archäologische Stätte befindet sich in einer aussergewöhnlich atemberaubenden Lage, gut verborgen in den Bergen. War der Weg auch ohne Wanderkarte begehbar!?

Das Fort stellte mich vor große Herausforderungen. Auf dem Hinweg fühlte ich mich nicht nur im Wunder seiner landschaftlichen Schönheit verloren, ohne einen richtigen Pfad habe ich auch den Weg im Labyrinth der zahlreichen von Hirten ausgetreten winzigen Pfaden für Stunden komplett verfehlt. Nach spannenden und mitreißenden Abenteuern erreichte ich die auf 4.000 Metern liegende, seit Jahrhunderten vergessene, mystische archäologische Stätte Waqra Pukara, die mit astronomischen Beobachtungen und Ritualen die Entwicklung der Landwirtschaft über Jahrhunderte beeinflusst hat.

Atemberaubendes Panorama

Nach intensiver Erkundung der bedeutendsten Ruinenstätten um Espinar und des Schluchtensystems Tres Cañones mit seinem außergewöhnlichen Charakteristikum habe ich in Cusco wieder mal richtig Bock darauf bekommen, die wunderbaren natürlichen Attraktionen der Gegend kennenzulernen und in der Höhenlage über 3.000 m wandern zu gehen.

Ich habe die langen Bergketten der Anden, die sanften grünen Hügel und die malerischen Bilderbuchlandschaften vermisst. Rund um die ehemalige Inka-Hauptstadt findet man zahlreiche unverwechselbare Landschaften und auch sportlich gut erklimmbare Berge und Gipfel. Wegen der breiten Auswahl an attraktiven Entdeckungstouren und Naturschätzen ist mir die Entscheidung „Wohin als Nächstes?“ ziemlich schwer gefallen.

Das idyllische Apurímac-Tal

Zu Beginn meines noch bis heute anhaltenden lateinamerikanischen Abenteuers im Jahr 2014 erwartete mich ein unvergessliches Erlebnis, als ich auf dem magischen, heutzutage aber leider viel zu touristischen Salkantay Trek am Ende einer viertätigen Wanderung in die verlorene Stadt der Inkas zum Machu Picchu gelangte.

Als bestimmende Erfahrung denke ich heutzutage dennoch immer noch an die unglaubliche Reihe von ökologischen Zonen, von spärlich bewachsenen Bergwiesen, die zwei spektakuläre 6000er Berge flankieren, bis hinunter zum subtropischen Wald, zurück. Eines der Highlights war, als ich über mehrere hohe Pässe knapp unter 5.000 m wanderte und auch Teile des subtropischen Regenwalds und die Hochgebirgslandschaft durchquerte.

Was für ein majestätischer Anblick bis zum Rio Apurímac

Der Salkantay-Pfad ist nach dem Inka-Trail die zweitbeliebteste Wanderroute der Umgebung. Vor ein paar Jahren wurde der Trek zu einer der zwanzig überwältigendsten Trekkingrouten der Welt gewählt. Dieses Mal sehnte ich mich nach einem ruhigen, selten besuchten Ort mit kaum Touristen, aber wundervollen Landschaften und sauberer Luft.

Während des Besuchs der im uralten Inka-Stil erbauten und aus Gras bestehenden Hängebrücke, der Q’eswachaka erzählten mir die Einheimischen mehrmals von der nahe liegenden Ruinenstätte von Waqra Pukara (auf Quechua bedeutet sein Name die Hornfestung). Meine Augen begannen damals sofort zu glänzen. Nach ihren eigenen Erzählungen erreicht man die wunderschöne Festung, die ohne Zweifel zu den architektonischen Meisterwerken der Inka-Zivilisation gehört durch die Schlucht des Apurímac-Flusses in den Bergen der Maranniyuq. Man hat den Namen von Waqra Pukara nicht zweimal erwähnen müssen, denn ich habe sofort beschlossen, die verborgenen, auf auffallend herausragenden Hügeln zwischen hohen Bergen gebauten Ruinen zu besuchen.

Der Wanderweg führt an den Ausläufern eines steilen Felskegels entlang

Meine im Tourismus beschäftigten Unterkunftgeber in Cusco haben noch nie den Namen der archäologischen Ausgrabung von Waqra Pukara gehört. Erhlich gesagt überraschte es mich überhaupt nicht, da vor Wochen auch die Namen der Schlucht des Tres Cañones und der Ausgrabungsstätte von Kanamarca völlig fremd in den Ohren meiner lokalen Bekannten klang.

Bauliches Meisterwerk der Inkas: die massive Konstruktion des Waqra Pukara

Ohne nützliche Tipps wollte ich im Internet recherchieren, aber ich war ziemlich überrascht, denn ich habe ganz wenige praktische Informationen über die Ruinenstätte gefunden. Ich habe aber herausgefunden, wie ich mit öffentlichen Verkerhsmitteln zum Ausgangspunkt des Wanderweges gelangen kann. Leider habe ich keine passenden Wanderkarten gefunden, denn sowohl maps.me, die beliebte Navi-App im Offline-Modus, als auch das praktische Wikiloc konnten mir nicht weiterhelfen. So bin ich etwas ungewollt ein wenig unvorbereitet zur spannenden, bestimmt aber unvergesslichen Wanderung ins namentlich benannte Ungewisse aufgebrochen.

Extrem hohe, senkrechte Felswände

Am frühen Morgen war die Brücke von Chuquicahuana mein erster Halt, von dort aus bin ich mit einem örtlichen Kleinbus nach Acomayo gefahren, wo ich gegen elf Uhr am Vormittag ankam. Auf dem Hauptplatz der einzigartigen Stadt, mit schöner umliegender Landschaft, fand der alltägliche Markt statt. Hier habe ich mir die fehlenden Früchte für meine Zweitageswanderung besorgt. Nachdem ich mich mit einem lokalen Taxifahrer über den Fahrpreis geeinigt habe, ging es ins kleine Bergdörfchen von Huayqui weiter.

Die Straße bergauf führte im Zickzack auf engen Waldwegen und steilen Serpentinen, mit atemberaubendem Panoramablick auf die imposante Stadt von Acomayo. Auf einer engen Straße sind wir so lange gefahren, wie mein Fahrer es für möglich hielt. Mein Chauffeur setzte mich irgendwo (genauer gesagt, inmitten der Pampa) aus und zeigte auf den Bergklamm hoch oben. Irgendwo dort, auf der anderen Seite des Berges, liege 2-3 Stunden entfernt das mystische Waqra Pukara auf einem hübschen Hügel.

Winzige Häuser aus der Vogelperspektive

Ohne Wanderkarte musste ich direkt vor Ort herumfragen. Ich habe versucht, von den Einheimischen Wegweiser bzgl. des Verlaufs der Route zum Waqra Pukara zu erhalten. Die einzige Familie, die ich im kleinen Örtchen fand, feierte mit lauter Musik und viel Alkohol im Garten ihres Hauses ausgiebig die Woche darauf immer noch den Karneval. So habe ich von der durch den Alkohol- und wahrscheinlich auch Drogenkonsum in Zombies verwandelten Familie „Hilfestellung“ bekommen. Die vom Alkohol verwüsteten Männer und Frauen zeigten mir einen unmarkierten Weg, dem ich laut ihnen folgen sollte, um zur mit weissen Pfeilen versehenen Beschilderung zu gelangen. Von dort aus wäre es ein leicht begehbarer mit weißen Pfeilen markierter Wanderweg direkt hinauf zu den Burgruinen von Waqra Pukara.

Alltag lokaler Ranger

Vergeblich folgte ich aber dem Hauptweg und wanderte mehrere Kilometer durch die Berge der Maranniyuq. Es gab viele unklare Situationen, Felsen rauf und wieder runter und großes Nachdenken, wenn sich mehrere Pfade kreuzten. Sehr verwirrend wirkten die ganzen Spuren. Der Weg hätte durchaus besser ausgeschildert sein können. Ich wanderte mindestens eine Stunde in den immer tiefer, dunkler und wilder werdenden Tälern und zwischen den kaum passierbaren schmalen Passagen. Inmitten lauten Blitzes hat es noch dazu angefangen in Strömen zu regnen.

Ich bin einfach von einem Pfad zum anderen gesprungen, querfeldein den Berg hinaufgelaufen und geriet zwischen besonders gefährliche Felsgrate. All die hervorstehenden Felsen und Wurzeln wurden rutschig, so versuchte mich ich mit meinem Rucksack auf den Schultern balancierend darauf zu konzentrieren, mit meinen Schuhen nicht auszurutschen. Es wurde mir sofort bewusst, ich bin am falschen Ort und ich sollte das gefährliche Gelände baldmöglichst verlassen.

Verlassenes Lehmhaus

Weiterhin hochkonzentriert und mit kühlem Kopf habe ich lange darüber nachgedacht, wie und wo genau die ausgestorbene Zivilisation den schwer zu findenden Pfad zur verborgenen Festung von Waqra Pukara ausgebaut haben könnte. Nach meinem gelungenen Abstieg vom massiven und riesigen Felsgrat bin ich auf den problematischen und rutschigen Pfadspuren mit erhöhter Aufmerksamkeit zurückgegangen.

Nach langem Suchen endlich auf dem richtigen Pfad

Ein großer Stein ist mir vom Herzen gefallen, als ich nach langem Umherirren den richtigen Weg und die erste offizielle Beschilderung gefunden hatte. Der Charakter des Pfades änderte sich schnell, der Wanderweg war recht eng und sehr kurvig, und ich musste über mehrere Steine ​​​​springend oft den wilden Bach überqueren. Der Pfad begann wieder intensiv anzusteigen, zwischen hohen, majestätischen Berggipfeln und tiefen Schluchten entlang sprang ich in der wild-romantischen Umgebung von Fels zu Fels.

Stufenartige Inka-Terrasse

Viele Stunden waren vergangen bis ich am späten Nachmittag endlich das beeindruckende Landwirtschafts- und Bewässerungssystem der Inkas auf den gegenüberliegenden Bergen erblicken konnte. Ich habe gefühlt, ich bin nicht mehr weit von meinem lang ersehnten Tagesziel entfernt. Kurze Zeit später ließ sich auch die uralte Festung, das mystische Waqra Pukara blicken. Es war ein majestätischer Anblick.

Das Fort Waqra Pukara ist schon in Reichweite

Die aufregende und malerische archäologische Stätte habe ich kurz vor Sonnenuntergang erreicht. Ich bin bei den verborgenen Überresten der alten Inkaburg auf drei lokale Ranger getroffen, die das Waqra Pukara tagtäglich sorgfältig hüten. Die sympathischen Parkwächter haben mich wegen dem aufkommenden Regen in ihr einfaches Lehmhaus für die Nacht eingeladen. Ich lehnte aber dankend ab, ich wollte nämlich unbedingt im Tal direkt vor den gigantischen Ruinen und riesigen Felsformationen in meinem eigenen Zelt übernachten.

Auf dem Gipfel des Waqra Pukara, auf ca. 4.000 m

Am nächsten Morgen war der Himmel wieder klar und fast vollständig sichtbar. Eine landschaflich spektakuläre Aussicht auf die herumliegenden Bergketten zeigte sich, die Zeit war gekommen, den auf einem vorstehenden Felsen thronenden, mystischen archäologischen Komplex für mich zu entdecken.

Das Waqra Pukara und seine jahrhundertealte Steintreppe

Ich verbrachte fast eine Stunde damit, die verschiedenen Ebenen der Festung zu durchstreifen, erlebte spektakuläre Geografie und großartige Inka-Architektur, in der sich dreifache Nischen mit gewölbter Kuppel abheben. Nach dem Erkunden der archäologischen Ausgrabung baute ich mein Zelt ab, packte es zusammen und kehrte für einen wärmenden Tee bei den netten Parkwächtern ein. Ich verbrachte viel Zeit in der Lehmhütte der Ranger und tauschte mich mit meinen neuen Bekannten über Länder, Sitten und Gewohnheiten verschiedener Kulturen aus.

Frühstück bei den sympathischen Parkwächtern

Der Himmel zog sich inzwischen wieder zu, aber nicht mal der aufkommende Regen hinderte mich bei meinem Plan aufzubrechen und loszulaufen. Ich habe mir die Empfehlung der Ranger zu Herzen genommen und verließ die Ruinenstätte auf der anderen Seite des Berges, um Stunden später wieder auf der Hauptstraße zurück zu sein. Auf dem Rückweg war der Pfad ziemlich gut beschildert und ich bewegte mich auf dem Gestrüpp und auf nassen Wiesen viel schneller und erlebte diesmal keine bösen Überraschungen.

Anspruchsvolle Passage über eine einfache Holzbrücke

In unmittelbarer Nähe der Siedlung Sarangará erreichte ich die Hauptstraße und nahm eine halbe Stunde später den lokalen Minibus, um noch vor dem Sonnenuntergang mit einem Sammeltaxi die Siedlung von Pitumarca zu erreichen. Dort wollte ich wieder mal ohne organisierte Tour draußen in der Natur neue Abenteuer erleben und in der Höhenlage wandern gehen. Es wartete Cusco’s neues Wunder, das farbenprächtige, aber viel zu touristische Rainbow Mountain in der Vinicunca Bergkette auf mich.

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