Zwischen den Bergmassiven der Westlichen Kordilleren liegt auf 3.800 Metern Höhe die vergessene Wüste von Marcahuasi, in der laut lokalen Forschern die erste terrestrische Zivilisation in unbestimmter prähistorischer Zeit gediehen sein könnte. Obwohl ich diesmal weder Sterne berühren noch Ufos und andere Erscheinungen sichten konnte, habe ich schöne Tage damit verbracht, fernab jeglicher Menschenmassen die kuriosen Pareidolie-Granitfelsen des kargen Plateaus zu erkunden.

Als ich von Jauja nach Lima zurückkehrte, übernachtete ich wieder in meinem Lieblingshostel. Das Orchid befindet sich in der inneren Altstadt um die Ecke der Plaza San Martín. Das Hostel ist ein perfekter Ausgangspunkt für die Erkundung des Stadtzentrums und mit seinen sehr geräumigen Zimmern und bequemen Betten ein geeigneter Ort zum Aufladen der Batterien. Es lagen anstrengende zwei Wochen hinter mir, also erlaubte ich mir eine kleine Pause, um in der Zwischenzeit meinen nächsten Monat in Peru zu planen.

Spezielle Pareidolie-Formen im Amphitheater.

Es war keine Frage, wo ich demnächst Wochen im Norden des Landes verbringen würde. Bevor ich jedoch wieder nach Huaraz und in die Kordilleren zum Hochgebirgswandern in traumhafter Andenkulisse reiste, gab es in der Nähe von Lima eine weitere Kultattraktion, die aus irgendeinem Grund leider bisher immer aus meinem Programm gestrichen wurde…

Auf geht’s nach Marcahuasi!

Oberhalb von 3.200 Metern blüht der Kaktus.

Marcahuasi war das Ziel, ein mysthisch anmutender Steinwald vulkanischen Ursprungs in den Zentral-Anden, den ich mit einem lieben Bekannten besucht habe. Ñaka (ursprünglich bekannt als Julius) ist der Schlagzeuger der peruanischen okkulten Doom Rock Band Reino Ermitaño. Ich habe in Europa während meiner Karriere in meinem eigenen Musikverlag mehrere Jahre lang mit der Band aus Lima zusammengearbeitet. Man könnte sagen, ich habe die Band Musikfans außerhalb Perus vorgestellt. Nachdem ich die musikalische Arbeit beendet hatte, blieb ich mit der Band auch über weite räumliche Distanzen in Kontakt. Während der Erkundung des südamerikanischen Kontinents treffe ich in der peruanischen Hauptstadt immer wieder auf die Musiker. Ñaka arbeitet seit Jahrzehnten als Reiseleiter, niemand kennt Lima und seine Umgebung besser als er. Mein Bekannter meinte, er habe Marcahuasi im Laufe der Jahre mindestens schon Dutzende Male besucht.

Eine echte Mondlandschaft, fotografiert von der Spitze von Fortaleza.

Mit Ñaka beschloss ich, nachts nach San Pedro de Casta zu reisen, der Stadt, die als der offizielle Ausgangspunkt für die Wanderung zur mysteriösen Steinwüste gilt. Um dies zu tun, nahm ich bereits um zwei Uhr nachts ein Uber in den Stadtteil La Molina, um meinen Bekannten bei seinen Eltern zu treffen. Wir brachen gegen drei Uhr auf und freuten uns auf die Entdeckung neuer Welten und auf spannende Abenteuer.

Ich bin voll dabei, auf dem Kraftfeld von Marcahuasi heilende Energie zu sammeln.

Die Laguna Cachu-Cachu befindet sich auf einer Höhe von 4.000 Metern.

Ca. 90 km von Lima entfernt liegt ein mystisches Hochplateau mit einem Felslabyrinth, das als Landeplatz für Außerirdische und seit den 1980er Jahren als ein besonderer Treffpunkt für die Hippies in der Umgebung von Lima gilt. Obwohl wir mit unserem eigenen Auto nach San Pedro de Casta unterwegs waren, stellte die Anfahrt bereits eine große Herausforderung dar.

Der mehrfarbige Mais wird auf den Wellplatten der Häuser getrocknet.

Unser morgendlicher Stopp heißt San Pedro de Casta.

Man ist in drei Stunden 4.000 Höhenmeter gestiegen. In der Morgendämmerung schlängelten wir uns im Dunkeln zwischen riesigen Felsmassen durch. Man war auf einem beängstigend schmalen Schotterweg ohne Sicherung an tiefen Schluchten unterwegs. Wir ließen das Auto am Parkplatz von San Pedro de Casta stehen und machten uns auf die ca. sieben Kilometer lange Wanderung zum Fortaleza (auf Deutsch Festung) und zu den zehntausend Jahre alten aus der kargen felsigen Landschaft steil hochragenden monolithischen Strukturen und Megalithen auf, wo wir nachts gezeltet haben.

Camping am südlichen Ende des Marcahuasi-Steinwaldes auf 4.100 Metern.

…wir erreichen das Amphitheater inmitten der weitläufigen vier Quadratkilometer großen mystischen Stätte.

Marcahuasi, berühmt für seine Energiepunkte, weist Hunderte von monolithischen geologischen und skulpturalen Formationen auf, in denen menschliche Gesichter, Tiere und religiöse Symbole sichtbar sind.

Den gewaltigen Steinskulpturen werden außergewöhnliche Kräfte zugeschrieben.

Der riesige Granitfels von “Monumento a la Humanidad”.

Ñaka und ich blieben auch an unserem zweiten Tag in Marcahuasi aktiv. Wir besuchten spektakuläre präkolumbianische Ruinen und Grabstätten, die sich auf der Nordseite des unendlichen Felsplateaus versteckten und deren Grundriss sich völlig von den kreisförmigen Chullpas in Sillustani unterscheidet.

Präinkaische Chullpas auf der Nordseite der Hochebene.

Geduckte Bestattungsstrukturen aus Stein.

Eine wirklich große Herausforderung bedeutete, die improvisierte Ausstellung in San Pedro de Casta zu finden, wo 200-300 Jahre alte Naturmumien ausgestellt sind. Ñaka hätte schon vor langer Zeit aufgegeben, ich habe durchgehalten, bis die Mitarbeiter des Bürgermeisteramtes Ruben mehrmals durch einen Ansager (!) gefunden haben.

Die im vergangenen Frühjahr entdeckten Mumien wurden im provisorischen Museum von San Pedro de Casta ausgestellt.

Mit Hilfe des örtlichen Leiters des Tourismusbüros gelangten wir in ein Museum im zweiten Stockwerk eines alten, zerfallenden Hauses, in dem wir fünf der elf Mumien, die im März letzten Jahres gefunden wurden, visuell begutachten konnten.

Wir verabschieden uns vom auf einer gewaltigen Felsklippe thronenden Andendörfchen.

Neben einer riesigen Schlucht, die sich in Serpentinen und zwischen Gebirgspässen schlängelt, fahren wir nach Lima zurück.

Zurück in Lima mache ich mich bald auf den Weg nach Huaraz, zu den Traumbergen der Cordillera Blanca, um in den kommenden Wochen die mitreißenden Landschaften des „Weißen Gebirges“ zu genießen und die türkisfarbenen Meeresaugen auf exotischen und abenteuerlichen Ausflügen zu erkunden.

Wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat und du neugierig auf weitere Fotos und Informationen geworden bist, besuche einfach meine Facebook-Seite.