Wusstest Du, dass Perus erste Hauptstadt nicht Lima hieß? Ich habe Jauja besucht, das von vielen besonderen und überhaupt nicht populären Touristenzielen umgeben ist. Ich wanderte in die ehemalige Xauxa-Festung, die sich in großer Höhenlage versteckt. Weiters nahm ich ganz zufällig an einer Vogelbeobachtung um die sumpfige Lagune des Yanamarca-Tals teil. Es waren weitere Zehn-Punkte-Attraktionen im Hochland von Zentralperu!

Um ehrlich zu sein, kenne ich das Terminal Terrestre Los Andes de Huancayo nicht. Das Sammeltaxi-Netzwerk deckt nämlich das Gebiet so gut ab, dass ich keinen Bus von Huancavelica oder nach Jauja nehmen musste. Es machte mir überhaupt nichts aus, weil die Colectivos, die die kleinen Siedlungen und Städte verbinden, viel schneller und bequemer sind. Wenn ich mit dem Sammeltaxi unterwegs bin, unterhalte ich mich gern mit dem Fahrer und den anderen Fahrgästen. Dies war jetzt auch der Fall, obwohl die Unterhaltung diesmal von den beiden Peruanern initiiert wurde, die ebenfalls nach Jauja unterwegs waren. In kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die beiden Einheimischen neben mir noch einen anderen Ungar kennen, nämlich den ehemaligen Pastor von Huancayo, der letztes Jahr nach sechs Jahren Aufenthalt in Peru nach Ungarn zurückkehrte.

Das Mantarobecken wird von einheimischen Bauern wunderschön kultiviert.

Als ich in Jauja ankam, stieg ich als erster aus dem Colectivo. Von der Tankstelle neben der Hauptstraße ging ich in meine neue Unterkunft, in der außer mir keine anderen Hotelgäste waren. Die Stadt, die schon bessere Zeiten erlebte, wurde 1534 die Hauptstadt des heutigen Perus. Francisco Pizarro und seine Kollegen entschieden sich aufgrund der fruchtbaren, kultivierten und beweideten Flächen dazu, aber ein Jahr später wurde Jauja bereits der Titel der Hauptstadt entzogen, um ihn Lima in der Nähe von Callao an der Pazifikküste zu geben.

Die Cristo Pobre-Kapelle ähnelt der römisch-katholischen Kathedrale Notre-Dame de Paris.

Abgesehen von einigen wunderschön restaurierten Kolonialkirchen gibt es in Jauja keine weiteren interessanten Sehenswürdigkeiten.

Damit war Jaujas Schicksal besiegelt. Abgesehen von ein paar Kolonialhäusern, hübschen Kirchen und einer Fußgängerzone gibt es in der kleinen Stadt keine weiteren nennenswerten Attraktionen. Auf dem Spazierweg stoß ich auf die Pizzeria der Fast-Food-Kette von Totos, die ich bereits aus Huancayo kannte. Ich aß hier zu Abend und spazierte dann zum Hauptplatz. Auf der Plaza de Armas fand ich die winzige geschlossene Holzhütte des regionalen Tourismusbüros. Das kleine Papier an der Tür des Standes gab einen Hinweis darauf, wohin ich am nächsten Tag einen Ausflug machen soll…

Eine der größten Erfahrungen meines aktuellen Aufenthaltes ist der Besuch der Lagune von Chocón.

Ich sehe Hunderte von Punaibissen.

Durch Zufall stellte sich heraus, dass es in der Nähe von Perus erster Hauptstadt Feuchtgebiete gibt. Am nächsten Morgen blieb mein Mund bei der Vogelbeobachtung am Feuchtbiotop offen stehen. Der Humedal El Chocón ist eine sumpfige Lagune im Yanamarca-Tal, in der ab Oktober neben mehreren endemischen Vogelarten auch Flamingos gut beobachtet werden können. Ich liebe Vögel, so nutzte ich diese Gelegenheit und begann meinen Tag im als Puna bekannten Hochland. Letzteres entwickelt sich auf sehr trockenen Gebieten mit hoher Dürre zwischen 3000-4000 Metern Höhe.

Die Hochlandzone ist durch trockene Gebiete gekennzeichnet.

Die Flamingos wechseln mehrmals den Standort, kehren aber immer zur sumpfigen Lagune zurück.

Der Chocón-Stausee am südlichen Ende des Tals wird vom spärlichen Wasser eines Baches namens Yanamarca gespeist. Das Feuchtgebiet mit typischer Moorvegetation ist etwa fünf Quadratkilometer groß. Während der Regenzeit in den Monaten Januar, Februar und März überflutet der Humedal die Anbauflächen regelmäßig und erreicht mehrmals die Ufer der Flüsse Chocón und Tragadero.

Obwohl chilenische Flamingos mit etwas Glück das ganze Jahr über zu beobachten sind, sind sie ab Oktober häufiger anzutreffen.

Welche Vogelarten habe ich in der Senke gesehen? Zusätzlich zu den Dutzenden chilenischer Flamingos konnte ich unter anderem Kuhreiher, Silberreiher, Nachtreiher, Punaibisse, Schwarzzügelibisse, Andengänse, Südandenenten, Andenkiebitze, kleine Gelbschenkel und Andenmöwen beobachten.

Auch der Schwarzzügelibis zeigte sich.

Ich fotografiere hier in Peru zum ersten Mal Andengänse.

Ich beendete meinen Tag in der zwar bekannteren, aber für meinen Geschmack weniger spektakulären Lagune Paca. Letztere liegt 3.400 Meter über dem Meeresspielgel im Tal des Mantaro-Flusses und ist der einzige Bergsee in der Gegend, der das ganze Jahr über mit Wasser gefüllt ist. Die Bildung des Bergseesystems wird auf die sedimentäre und tektonische Aktivität unter der zu seiner Zeit eisigen Oberfläche zurückgeführt.

Ich gehe in ca. zwei Stunden um die Lagune Paca herum.

Während meines Spaziergangs stoße ich auf ein kleines Dorf, in dem die Einheimischen in traditioneller Kleidung tanzen.

Ich habe es überhaupt nicht bereut, dass das Chocón-Feuchtgebiet ebenfalls in meinem Programm enthalten war. Die Hauptattraktion, für die ich tatsächlich nach Jauja kam, war aber die Ruinenstadt Tunanmarca (mit anderem Namen Siquillapucara), die ich am nächsten Tag besuchte.

Die umliegenden Gemeinden der Lagune von Chocón fordern die Erhaltung des Humedal und die Ausweisung als Feuchtgebiet von nationaler Bedeutung.

Die Inkas kamen um 1460 im Mantarotal an. Bis dahin lebte das indigene Volk der Xauxa fast zwei Jahrhunderte lang auf dem Tunun-Hügel, 3.800 Meter über dem Meeresspiegel. Ich hatte selber auch meine Mühe mit dem hochliegenden Hügel, bis ich vom verschlafenen Hochlanddörfchen Marco zum archäologischen Zentrum der Stätte marschierte…

Die Siedlung namens Marco und das Mantarobecken.

Viele Wissenschaftler behaupten, dass in Tunanmarca in seinen Ruhmzeiten fast 5000 Familien lebten. Die Festung war die letzte, die die Inkas trotz des heldenhaften Widerstands der Xauxa in großen Kämpfen besetzten. Auf Ersuchen der Inkas wurde Tunanmarca jedoch nie neu besiedelt, so dass sich die von dichter Vegetation umgebenen Ruinen in einem eher abgenutzten Zustand befinden.

Die am besten erhaltenen Bauwerke der Festung Xauxa.

Nicht wie der Fußweg, der am Eingang zur archäologischen Stätte gut ausgebaut wurde und vor einigen Jahren von der heutigen Bevölkerung von Tunanmarca und Marco sehr schön und komplett restauriert wurde. Trotz den spannenden Überresten und den gut ausgebauten Stiegen besuchen fast nur Peruaner die alte Ruinenstadt. Ich musste im abgegriffenen Gästebuch lange suchen, bis ich ausländische Einträge fand…

Der anspruchsvolle Zugang zu Tunanmarca wurde von den Bewohnern der hier lebenden zentralandinen Gemeinden gemeinsam finanziert.

Wunderschön gestalteter Aussichtsturm in der Nähe der archäologischen Stätte Tunanmarca.

Ich floh schnell vor dem Nachmittagsregen und kehrte in aller Eile ins Dorf Marco zurück. Mit einem Minibus kam ich zu meiner Unterkunft, um morgen weitere Kuriositäten magischer Landschaften in der Junín-Region im zentralen Andenbergland kennenzulernen.

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