Nach Trekkingtouren von unvergleichlicher Schönheit in der Kordillere verlegte ich mein Hauptquartier an die Nordküste Perus, wo ich nach 2014 die riesigen Lehmstädte und eindrucksvollen Pyramiden der Chimú- und der älteren Moche-Kultur im Detail kennenlernte.

Die Entfernung zwischen Huaraz und Trujillo beträgt etwas mehr als 300 km. Die bekannten Busunternehmen legen die Strecke zwischen den beiden sich im nördlichen Zentral-Peru befindlichen Städten in acht Stunden zurück. Ich hätte daher auch mit einem Nachtbus in die eindrucksvolle Kolonialstadt Trujillo reisen können, dennoch habe ich die Reise tagsüber unternommen. Die im 16. Jahrhundert gegründete Stadt mit heute knapp 1 Millionen Einwohnern ist seit etwa zehntausend Jahren dauerhaft besiedelt. Im 12. Jahrhundert blühte die Chimú-Kultur, die auch als direkte Vorfahrin der Inka gilt, an der Nordküste des heutigen Perus auf. Die Chimú bauten die ehemalige Hauptstadt des Königreichs, Chan Chan („Sonne Sonne” in der Sprache der Chimú) – die größte Lehmstadt der damaligen Zeit.

Vor sechs Jahren traf ich auf dem Hauptplatz von Trujillo auf ein religiöses Ereignis.

Traditionell gefertigte kleine Fischerboote, auch als Caballito de Totora genannt, am Strand von Huanchaco.

Ich habe meine aktuelle Basis nicht direkt in der Großstadt von Trujillo geplant, sondern bin lieber mit einem lokalen Bus zur nahe gelegenen Pazifikküste nach Huanchaco gefahren. In einer Stadt, die für ihre aus Totora-Schilf gebauten Boote bekannt ist, mietete ich ein einfaches Privatzimmer im neu erbauten Hostal E&C am Rande der Stadt.

Wunderschöne Chimú-Dekoration: wiederholte Darstellung kleinerer Säugetiere.

Nur einer der neun autonomen Bezirke der riesigen Lehmstadt kann besichtigt werden.

Am nächsten Morgen erreichte ich mit einem “Combi” genannten lokalen Minibus die sich auf der Halbdistanz zwischen Huanchaco und Trujillo befindliche Prä-Inka-Stätte Chan Chan. Ich habe 2014 zum ersten Mal die ehemalige Hauptstadt des Chimú-Reiches (900-1500 n. Chr.) bewundert. Nichtsdestotrotz habe ich wieder mal mit großem Interesse die zu ihrer Blütezeit größte aus Lehmziegeln erbaute Stadt besichtigt, die ihre wichtigsten Bauwerke und Wandflächen häufig mit marinen Verzierungen dekorierte. Zu mir gesellte sich Lisbeth, die bei meiner Ankunft unsicher in Richtung der bedeutenden Ruinen marschierte. Wir kamen schnell ins Gespräch. Ich half gerne der Peruanerin und zeigte ihr den offiziellen Eingang der uralten Festungsstadt.

Wiederholte Abbildungen des Meeres an einem der Wandreliefe in Chan Chan.

Mit der aus Ayacucho stammenden Lisbeth fand ich schnell ein gemeinsames Gesprächsthema. Ich habe nämlich vor einem Monat die eher unbekannten Sehenswürdigkeiten Südperus aufgesucht, wo ich neben den Ruinen aus der Wari-Kultur auch den natürlichen Pools von Millpu einen Besuch abgestattet habe. Der mächtige Chan Chan wurde aus sonnengetrockneten Lehmbausteinen errichtet und ist seit Jahrhunderten durch natürliche Erosion beschädigt worden. Daher muss die einstige Hauptstadt des Chimú-Volkes und seine Strukturen ständig vor der Zerstörung bewahrt werden.

Die Chimú bauten ihre zehntausenden Gebäude aus getrockneten Lehmbausteinen.

Huaca Toledo, östlich des zentralen Bereichs der großen präkolumbianischen archäologischen Stätte gelegen, habe ich bis jetzt noch nicht gekannt. Letztere ist eine mehr als 20 m hohe und 90 m breite Stufenpyramide, die seit 2015 von Archäologen restauriert wird.

Ich habe die Pyramide von Huaca Toledo visuell inspiziert.

Durch die Konservierung und kontinuierliche Restaurierung zeigt sich die Pyramide nun wunderschön.

Mittags erfrische ich mich mit einem in Limettensaft kalt gegarten leckeren Ceviche.

Unser Kombiticket, das wir in Chan Chan erhalten haben, war auch für den Besuch anderer Fundstätten gültig. Zusammen mit der sympathischen Peruanerin besuchte ich noch kurz vor der Schließung die ebenfalls zur Chimú-Kultur gehörenden Ruinen von Huaca La Esmeralda. Der von den direkten Vorfahren der Inka erbaute Smaragdtempel wurde 1925 entdeckt. Über die Jahrhunderte hinweg waren die Ruinen unter dem Wüstensand verborgen. Während der ersten Entwicklungsphase der Chimú-Kultur wurde in enger Verbindung mit der Hauptstadt Chan Chan ein altes Zeremonienzentrum mit einer Fläche von 2.600 Quadratmetern errichtet.

Lisbeth begleitete mich zur archäologischen Stätte von Huaca La Esmeralda.

Der rechteckige Tempel besteht aus zwei Ebenen. Hinter der ältesten Plattform befindet sich eine Dekoration ähnlich dem bereits von Chan Chan bekannten Tschudi-Bereich, mit einem Design aus Netz und Seeotter. Die Lehmwände sind mit zoomorphen Motiven und geometrischen Figuren verziert. Die archäologische Stätte wurde in den letzten Jahrzehnten mehrfach umgebaut, vor allem in ihrem zentralen Teil, wo in Verbindung mit einer zentralen Rampe eine zweistufige Plattform errichtet wurde.

Auch an diesem Tempel sind die schönen Lehmreliefs zu bewundern.

Ich habe Trujillo zuletzt Mitte Juni 2014 besucht, als ich ein wirklich brillantes Museum gefunden habe, das unter einer Tankstelle (!) der Marke Repsol versteckt war. Die Keramiksammlung und die gut dargestellten Exponate im bizarren Cassinelli-Museum haben mich vor sechs Jahren total umgehauen, deshalb wollte ich das Museum wieder besichtigen.

Einer der Höhepunkte meines ersten Besuchs in Trujillo war das von einem italienischen Migranten entworfene Museo Arqueologico Cassinelli.

Nach aktuellen Informationen ist das Museum inzwischen komplett nach Moché südlich von Trujillo übersiedelt. Es ist eine reibungslose Angelegenheit, zur nahe gelegenen Kleinstadt zu gelangen und das Gemeindeamt zu besuchen – dort werden die berühmten Keramikfunde ausgestellt – dachte ich.

Ich muss wohl mindestens ein weiteres Jahr warten, um die berühmte Cassinelli-Sammlung zu begutachten.

Vergebens navigierten mich jedoch die sympathischen Passagiere meines Kleinbusses zum Hauptplatz, das Museum war leider wegen Wartungsarbeiten geschlossen… Ich konnte nichts tun, so spazierte ich zur archäologischen Stätte von Huaca de la Luna, die glücklicherweise meinen Tag rettete.

Der Heiligtum von Huaca de la Luna wurde aus Hunderten von Millionen Lehmziegeln errichtet. Die Angehörigen der ethnischen Gruppe der Chimú haben die Adobe-Ziegel in Form einer Steuer gezahlt.

In der Region um Trujillo traf ich die meisten (peruanischen) Touristen im archäologischen Komplex von Huaca de la Luna.

Fünf verschiedene Farben wurden verwendet, um das anspruchsvolle, farbenfrohe Wandrelief zu malen.

Das Reich der Moche, das in den Oasen und Flusstälern lebte, blühte zwischen 300 und 800 n. Chr. zur gleichen Zeit wie die Volksgruppe der Nazca-Kultur, jedoch völlig unabhängig von ihr. In dieser Zeit wurden viele mit Gemälden geschmückten Paläste und Tempel errichtet.

Dekorationen im Heiligtum der Huaca de la Luna auf den vielleicht am besten erhaltenen Lehmwänden.

In der Pyramide erscheint der Enthauptungsgott der Mochica, Ai-Apaec.

Die bemalte Fassade der Hauptkirche zeigt in mehreren Reihen das Leben der Moche Zivilisation.

Die allerwichtigsten Lehmpyramiden der Mochica sind der Tempel des Mondes und der Tempel der Sonne in der Nähe von Trujillo, von denen nur der ca. 90% restaurierte Mondtempel besichtigt werden kann. Unser Tourguide meinte, man würde mit der Erkundung der Sonnenpyramide erst beginnen, wenn die Archäologen die archäologischen Erforschungen am irrsinnig großen Huaca de la Luna abschließen.

Zu betrachten ist auch die ausgegrabene untere Schicht der Huaca de la Luna.

Überreste der Lehmbauten aus der Moche-Kultur hinter der Pyramide der Huaca de la Luna. Im Hintergrund ist die Huaca del Sol zu sehen, die noch vor der kompletten Ausgrabung steht.

Die Huaca del Arco Iris, auch bekannt als Huaca del Dragón, befindet sich am Stadtrand von La Esperanza, ca. 4 km nordwestlich von Trujillo. Das prestigeträchtige Gebäudesystem aus Lehm und Schlamm aus dem 12. Jahrhundert ist eines der am besten erhaltenen Exemplare der Chimú-Tempel – einfach weil es bis in die 1960er Jahre unter jahrhundertealtem Sand begraben war.

Wunderschön restauriertes Mauerrelief im Regenbogentempel.

Die genaue Lage der Huaca del Arco Iris war peruanischen Archäologen und Grabräubern (Huaqueros) bereits in den 1960er Jahren bekannt, die archäologischen Ausgrabungen begannen allerdings erst 1963. Zwanzig Jahre später verursachte das El Niño Klimaphänomen leider schwere Schäden an den empfindlichen Friesen.

Die beeindruckende Kunstfertigkeit der Chimú lässt sich gut an den Wandstümpfen des Regenbogentempels nachvollziehen.

Die den Tempel schmückenden einzigartigen Wandreliefs wurden von den Chimú gemalt, aber heute sind nur noch ganz schwache Spuren von Gelbtönen erhalten. Der Regenbogentempel besteht aus einem erdbebensicheren Mauerwerk mit einer Mauerdicke von mehr als zwei Metern und einer Fläche von 3.245 Quadratmetern, einschließlich des Tempels. Das spektakuläre Gebäude umfasst auf zwei Ebenen ca. 800 Quadratmeter mit einer Gesamthöhe von rund 7,5 m. Die Wände sind mit wiederkehrenden Regenbogenmotiven versehen, von denen einige bereits restauriert wurden.

Nachdem ich die einzigartigen Ruinenstädte der Chimú und der Moche in unmittelbarer Nähe von Trujillo besichtigt habe, wage ich mich das nächste Mal etwas weiter…

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