Als wir unsere kulturelle Rundreise fortsetzten, brannten unsere Sohlen noch gewaltig wegen den vielen Treppenstufen zum Weltwunder Machu Picchu. Beim Morgenbesuch in Ollantaytambo, einem der schönsten Städtchen des Heiligen Tals, waren wir noch nicht wirklich munter, wir bewunderten aber die mystischen Tiefen von Moray und die eindrucksvollen Salzterassen von Maras. Unsere Bewunderung für die Kultur und das Know-how der Inkas wuchs mit jedem Ort. Nach der Besichtigung uralter archäologischer Ausgrabungsstätten beeindruckte uns der charmante Chinchero am meisten. Die auf den Fundamenten der damaligen Sommerresidenz erbaute koloniale Dorfkirche gilt als eine der herausragenden Perlen der kirchlichen Kunstwerke.

Nach unserem lohnenswerten Besuch von Machu Picchu ging unsere kulturelle Rundreise im Heiligen Tal weiter. Unser kleines Team verließ im Morgengrauen mit der berühmten Eisenbahnlinie im Urubambatal die Heilige Stadt. Die Andenbahn startete diesmal pünktlich, aber trotz frühem zu Bette gehen und genug Schlaf hätten wir es nicht bereut, etwas später aufzubrechen. Es gab aber weitere, rätselhafte Inka-Stätten zu bewundern und es warteten wieder mal neue Abenteuer auf uns.

Ollantaytambo ist Schauplatz des größten Inka-Sieges über die spanischen Konquestadoren

Mit einem interessanten Hinterland, zwischen imposanten Hügeln und eingebettet in atemberaubenden tropischen Wäldern, führte uns der Andenzug bis zum von hohen und steilen Bergen eingerahmten Städtchen, Ollantaytambo. Die im Urubambatal in gutem Zustand befindende Siedlung hat ihre uralten Traditionen viel besser bewahrt, als beispielsweise das vor wenigen Tagen von uns besuchte Pisac. Seine archäologische Zone, die engen, kopfsteingepflasterten Gassen, das intelligente Kanalsystem und die begeisternde Festung sind wieder mal architektonische Meisterwerke der Inkas. Ollantaytambo, die imposante Megalith-Anlage, wurde vom neunten Herrscher über das Inkareich, vom König Pachacútec erbaut, und ist strategisch günstig gelegen, um das Tal zu überschauen und zu kontrollieren.

Die Inkaforscher haben zunächst angenommen, dass die hohen Inkamauern der soliden und komplexen Burg ausschließlich zur Verteidigung des Inka-Reiches vor einem möglichen äußeren Angriff errichtet wurden, man hat aber mittlerweile erkannt, dass es hier vor allem um Landwirtschaft, aber auch um religiöse wie astrologische Aspekte gegangen ist. Dies wird durch die bis heute erhaltenen Gebäude der ehemaligen Lagerhäuser untermauert. In den massiven Qollqas, welche auf einem ziemlich abschüssigen Hügel im Berg erbaut wurden, wurde unter anderem Quinoa, das wichtigste Inka-Getreide, gelagert. Die Inkas schützten ihre wichtigen Lebensmittel weit oben, an einem gesicherten Hang, vor möglichen Angreifern und Plünderern.

Eines der beliebtesten Touristenziele im Valle Sagrado

Die mächtige Inka-Festung von Ollantaytambo liegt am Ende des Tales oberhalb der Siedlung und wurde während der Zeit der spanischen Eroberung, nach der Besetzung der Inkahauptstadt Cusco, zum Zentrum des Widerstands und zur Zuflucht der Inkas. Der grausame Inka-Eroberer Francisco Pizarro und seine kleine Armee stoßen in Ollantaytambo, beim Rückzugsort der Inkas, auf einen unerwarteten Widerstand. Gefangen im Tal gelang es den spanischern Eroberern nur mit großer Mühe zu entkommen. Dies war einer der wenigen großen Siege des Inka-Reiches gegen die spanischen Konquistadoren.

Richtung dem Ausgang über zahlreiche, wuchtige Terrassen und über Unmengen von Treppenstufen runter laufend, erreichten wir die letzten ausgegrabenen Teile der Ruinenstätte, die Wasserleitungen und die rituellen Bäder, die benutzt wurden, bevor man die Heilige Stätte betreten hat.

Moray, das Agrarversuchsfeld der Inkas

Wie zwei Tage davor in Pisac ausgemacht, wartete unser Fahrer Miguel pünktlich auf uns beim Parkplatz der Ruinenstadt. So fuhren wir wie geplant zu unserer nächsten Station, zum landwirtschaftlichen Versuchsgelände der Inkas, nach Moray, weiter.

Mit einer traumhaften Landschaft im Hintergrund umrahmt mit den schneebedeckten Gipfeln der hiesigen Andenkette liegt Moray, berühmt für seine landwirtschaftlichen Terrassen, die nicht wie üblich an einem Berghang, sondern in einer Vertiefung angelegt und hat eine ungewöhnlich rundgeformte Struktur.

Tatsächlich erinnern die Kreise der gigantischen Anlage eher etwas an ein römisches Amphietheater, als an eine kunstvolle Anlage, an der die Inkas landwirtschaftliche Experimente durchgeführt haben. Moray war nämlich das faszinierende, landwirtschaftliche Labor der Inkas, um die auf unterschiedlichen Ebenen liegenden Terrassen zu Pflanzenexperimenten zu verwenden.

Kreisförmige Terrassenanlagen in einem natürlichen Geländekessel

Die Inkas experimentierten mit verschiedenen Höhenlagen, um zu erfahren, auf welcher Höhe sie bestimmte Produkte anbauen können. Je nach Stufe der Terrasse herrschten unterschiedliche Temperaturen und Lichtverhältnisse und man konnte verfolgen, welche Pflanzen auf welcher der Terrassen am besten wachsen. Da es auf den Terrassen absteigend immer wärmer wird, konnten in Moray zur Zeit der Inka-Zivilisation offenbar fast alle Klimazonen simuliert werden.

Beeindruckende Salzgewinnungsanlage

Auf kurvigen Serpentinen erreichten wir Maras, wo man die aus der Inkazeit stammenden etwa 4000 Salzterrassen mit oberirdischer Salzgewinnung bewundern kann, welche sich über den Hang in über 3.300 Meter erstrecken. Vor vielen Jahrhunderten wurden in einer salzreichen natürlichen Wärmequelle tausende regelmäßig geformte Salzpfannen erbaut, durch die künstliche Wasserkanäle eingeführt wurden. Der kleine Bach bewässert so unzählige Terrassen, die noch aktiv, nach alter Tradition, bewirtschaftet werden. Die Salzbecken sind seit Generationen in Familienbesitz und werden immer weitervererbt.

Maras’ spezielle Salzgewürze sind in allen Formen zu haben

Das Salz wird durch Auswaschen einer Salzsohle mit anschließender Kristalisierung und über Verdunstung in einem Becken gewonnen. Die Größe des ganzen Bereichs ist beeindruckend, die Anlage ist ein geniales Meisterwerk, erschaffen durch die hohe Intelligenz einer alten Zivilisation.

Hochgelegene Salzbecken an den steilen Hängen der Bergschluchten von Urubamba

Nachdem uns “das Gold der Anden” von Salinas tief beeindruckt hat, machten wir uns zur letzten Etappe unserer Kulturreise im Heiligen Tal, nach Chinchero auf. Unsere Mägen meldeten aber auf einmal Hunger. Wir wollten nicht in ein überdimensionales, teures Restaurant gehen, so wandten wir uns mit unserem Problem an Miguel, der mit ein bißchen Vorsicht ein kleines „Bistro“ einer örtlichen Gemeinde am Straßenrand vorschlug. Miguel’s Vorschlag nahmen wir sehr gerne entgegen, so freuten wir uns auf die zahlreichen Fleischspezialitäten und auf den Rocoto Relleno, auf eine Art gefüllte Paprika-Schote.

Authentisches Straßenrestaurant mit vorzüglicher Küche

Das idyllische und eher untouristische Chinchero ist ein kleines Andendorf auf 3.762 Meter über dem Meeresspiegel. Die Siedlung hat eine reiche Geschichte und blickt auf eine langjährige Handwerkertradition zurück. Der bunte Indio-Markt, der vorwiegend auf die Bedürfnisse der Einheimischen und nicht jene der Touristen ausgerichtet ist, ist in ganz Peru berühmt und ist mit seinen Geweben bodenständiger und weniger touristisch orientiert, als beispielsweise der Markt von Pisac.

Bunter Textil-, und Kunsthandwerksmarkt der hiesigen Dorfgemeinden

Die Siedlung, die auf einem Plateau ruht, besteht hauptsächlich aus jahrhundertealten Lehmziegel-Häusern und hat eine grandiose Aussicht auf das Heilige Tal der Inkas, auf die Cordillera de Vilcabamba und auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel des Salkantays, die alle den westlichen Horizont dominieren.

Chinchero ist auch bekannt als der mythische Geburtsplatz des Regenbogens, denn diese durch seine Farbenpracht ausgezeichnete Naturerscheinung ist im Heiligen Tal der Inkas in der Regenzeit besonders häufig zu sehen.

Chinchero: ein magisches Anden-Indianerdorf mit jahrhundertealter Tradition

Das in der Nähe der alten Königsstadt Cusco gelegene kleine Andendorf hatte schon immer eine wichtige historische Bedeutung. Der jeweilige Inka-Herrscher nutzte nämlich den damaligen Palast als sein Sommersitz. Wegen seinen weitläufigen Plateaus, Lagunen und dem atemberaubenden Bergpanorama war Chinchero zu den Inka-Zeiten der wohl perfekte Ort im Valle Sagrado.

Extrem sehenswert: die koloniale Dorfkirche auf Inkamauerwerk errichtet

Mit der wunderschönen, schneeweißen Dorfkirche aus der Kolonialzeit habe ich ein hübsches Schmuckstück gefunden, da der im Jahr 1607 erbaute Tempel für uns alle ein besonderes Erlebnis und der Höhepunkt des Tages wurde. Seine detailreichen, mehr als fünfhundert Jahre alten, anspruchsvollen Originalfresken, unter anderem mit den zwölf Aposteln an den Innenwänden und den wunderschönen farbigen Holzbalkendecken machten mich wirklich sprachlos.

Einer der schönsten Tempel Südamerikas

Diese koloniale Dorfkirche wurde von spanischen Eroberern auf den Fundamenten eines früheren Inkapalastes erbaut, den die Konquistadoren bis auf die Grundmauern abgerissen haben. Chinchero ist meine aktuelle Lieblingsruinenstätte geworden, eine der fabelhaftesten Perlen der kirchlichen Kunstwerke, in dem wir aber leider nicht fotografieren durften.

Gleichmäßig aufgeteilte Becken mit Inka-Tradition

Ohne Fotos über den Innenraum der Dorfkirche, aber mit unvergesslichen und abwechslungsreichen Erlebnissen erreichten wir am späten Nachmittag Cusco. Wir verabschiedeten uns von der sympathischen Claudia und am Spätabend setzten wir uns in einen Nachtbus nach Puno, um am nächsten Tag auf dem Titicacasee die interessanten, aber extrem touristischen schwimmenden Uros-Inseln zu besuchen bzw. auf der mehr authentischen, eher abgelegenen Taquile Insel zu übernachten…

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

Wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat und du neugierig auf weitere Fotos und Informationen geworden bist, besuche einfach meine Facebook-Seite.