Nach meiner Ankunft im idyllischen Städtchen von Chachapoyas bewunderte ich die beiden perfekt in Szene gesetzten Wasserfälle Gocta und Yumbilla mit ihren imposant herabstürzenden Wassermassen. Wegen des dichten Wasserdampfs von Gocta war es unmöglich, mich den tobenden Wassermassen entgegenzustellen. Zum Abschluß meines wasserreichen Abenteuers im üppigen Naturwald bin ich auf schwierigem Gelände ziemlich mühsam dem Wasserfall Pabellón nähergekommen. Pabellón, zusammen mit dem Catarata La Chinata, wird in ein paar Jahren bestimmt einer der beliebtesten Attraktionen für Touristen sein, nachdem der Trampelpfad vollständig gesäubert und der Wanderweg zu beiden imposanten Naturwundern offiziell geöffnet wird.

Nach einer langen Anreise aus Moyobamba bin ich in der sehr hübschen Kleinstadt Chachapoyas angekommen. Die Hauptstadt der Provinz Amazonas gilt als der neue touristische Anziehungspunkt der Zukunft. Die sehr charmante und einladende im Kolonialstil gebaute Stadt hat ihren Namen Chachapoyas (auf Quechua bedeutet es „Wolkenmenschen“ oder auch „Nebelkrieger“) wahrscheinlich von ihren Feinden den Inkas bekommen.

Dichte, üppige Vegetation in der Nähe von Gocta

Laut Archäologen lebten die Chachapoya-Indianer zwischen 800 und 1540 im nördlichen Peru auf der östlichen Seite der Anden. Das ist das Gebiet für das gigantische Flusssystem Amazonas und den Amazonas-Dschungel.

Die beschauliches, ursprünglich-traditionelles Flair versprühende Kolonialstadt Chachapoyas scheint in keiner Weise als eine geschäftigte Hauptstadt der Provinz zu gelten, denn der Geräuschpegel ist viel niedriger als in den bisher für mich bekannten Nordstädten von Tarapoto oder Moyobamba. Die gut erschlossene Stadt habe ich schon ganz am Anfang unglaublich in mein Herz geschlossen. Die weiß gekalkten Häuser des schön gestalteten Zentrums sind alle renoviert, während die kunstvoll geschnitzten Balkone den Besucher völlig faszinieren.

Die ganz liebevolle Innenstadt habe ich schnell in mein Herz geschlossen

Schön geschnitzte Balkone schmücken das Zentrum

Die vier bis fünf in der liebevollen und unverwechselbaren Stadt verbrachten Tage, haben mir wirklich gut getan. Ich konnte meine Batterien mit zahlreichen aktiven Programmen wieder aufladen. Ich habe viel Zeit in der einiges zu bietenden prachtvollen Umgebung von Chachapoyas verbracht.

Angenehmer Rastplatz mit Weitblick auf den Wasserfall Gocta

Nach Moyobamba und Tarapoto gab es hier auch ein absolutes Must-Do, einen geradezu obligatorischen Programmpunkt, nämlich das Erkunden wunderschöner tropischen Regenwälder und der durchaus beachtlichen Wasserfälle. Nach dem Cataratas las Tres Hermanas, mit seiner kontinuierlichen freien Fallhöhe von 914 Metern, im Nationalpark Otishi verfügt Chachapoyas über die zweit- und dritthöchsten Wasserfälle des Landes, die weltweit auch als Kuriosität gelten.

Der gigantische Wasserfall mit 771 m Fallhöhe ist schon von weitem sichtbar

Von den beiden Riesenwasserfällen ist der 771 Meter hohe Gocta der beliebtere und einfacher zugängliche Wassersturz. Den malerischen Wasserfall, die beliebteste Touristenattraktion von Chachapoyas, entdeckte im Jahr 2002 ein deutscher Entwicklungshelfer namens Stefan Ziemendorff während einer Expedition für den Plan „100.000 Trinkwasseranschlüsse“ im unwegsamen Naturreservat.

Bereits die obere Wasserstufe wirkt überwältigend

Ziemendorff kehrte im März 2006 zum „als zuletzt entdeckten großen Wasserfall“ zurück, wo er den Wasserfall vermessen ließ und ihn auf der anschließenden Pressekonferenz als den dritthöchsten Wasserfall der Welt nannte. Heute ist es bekannt, dass Gocta “nur” der 16. höchste Wasserfall der Welt ist, nichtsdestotrotz ist der Anblick sehr eindrucksvoll.

Für das subtropische Klima typische Bananenbäume sieht man häufig in der Umgebung von Chachapoyas

Den aufgrund lokaler Mythen bekannt gewordenen majestätischen zweistufigen Wasserfall, besuchte ich auf eigene Faust, ohne eine organisierte Tour. Es war nicht schwer, mit einem lokalen Kleinbus zwischen den unberührten und wilden Bergen bis zur Kreuzung der Hauptstraße zu gelangen, wo die meisten Touristen zum Örtchen Cocachimba, zu einem der Eingänge des Parks, weiterfuhren. Ich selbst entschied mich nach San Pablo fahren zu lassen, um durch eine ausgiebigere Wanderung den Park zu erkunden und erst zum oberen Teil und anschließend zum unteren Teil des Wasserfalls zu gelangen.

Winziger Mann, riesiger Wasserfall

Auf dem wunderschönen Wanderpfad durch einen Nebelwald tat mir das Wandern wirklich ausgesprochen gut. Von verschiedenen von der Kaskade weit entfernten Aussichtspunkten ließen sich die unvergleichlichen und erstaunlichen Dimensionen des Gocta beobachten. An der unteren Wasserstufe angekommen war der Wasserdampf an manchen Stellen so stark, dass ich, als ich mich dem gigantischen Wasserfall näherte, völlig nass wurde.

Unvergessliches Abenteuer in der besonderen Flora des Nebelwaldes

Am nächsten Tag setzte ich mein Wasserfallabenteuer fort, denn einige Kilometer weiter nördlich gibt es sogar einen noch höheren Wasserfall als den Gocta, nämlich den stolzen 896 Meter messenden und nur zur Regenzeit wasserführenden Yumbilla. Die hohe natürliche Formation ist herrlich und untouristisch. Um so größer war meine Freude, als ich den zweitgrössten Wasserfall des Landes und den fünftgrößten der Welt ganz alleine erkundete. Wie Gocta, wurde der in der Nähe gelegene Yumbilla auch erst spät, 2007 in der Höhe vermessen und für die Öffentlichkeit bekannt gemacht. Dank der geographischen Studie des Nationalen Instituts für Geographie von Peru wurde Yumbilla weltberühmt.

Tagesbeginn am Markt von Chachapoyas

Ähnlich wie beim Wasserfall Gocta habe ich ebenfalls einen Minibus genommen, jedoch diesmal bis Pedro Ruiz. Weiter ging es mit dem Mototaxi für ca. 30 Minuten bis zum charmanten Dorf von Cuispes und nach der Registrierung und der Zahlung des Eintrittsgeldes zu Fuß zum Ausgangspunkt der Wanderung.

Catarata Medio Cerro

Kristallklares Wasser beim Catarata Cristal

Im magischen Primärwald passierte ich auf dem Weg zum Yumbilla automatisch zwei weitere aufregende Wasserläufe. Ich erreichte den in drei Stufen geteilten pittoresken Wasserfall nach ca. anderthalb Stunden Wanderung. Das Schauspiel vom Wasser, welches zu jeder Tageszeit beeindruckt, hat meine Vorstellungskraft wirklich komplett übertroffen.

Der 896 m hohe Yumbilla, der fünftgrößte Wasserfall der Welt

Es gibt einen zweiten Wanderweg, auf dem man sich abseilen kann, um nach Cuispes zurückzukehren. Allerdings experimentierte ich wegen der Regenzeit und dem matschigen und rutschigen Pfad jedoch nicht, und kehrte zum Eingang des Wanderweges zurück. Hier an der Schotterstraße führt ein Weg auch nach rechts runter, nämlich zum offiziell noch nicht zugänglichen Wasserfall Pabellón. Auf meine Anfrage im Häuschen des Tourismusvereins wurde mir mitgeteilt, dass der Trampelpfad nicht gesperrt sei, man zum Pabellón-Wasserfall wandern könne.

Inmitten herrlicher Natur: der vielversprechende Yumbilla in seiner vollen Pracht

Ich traf während der ca. halbstündigen Wanderung auf relativ schwieriges Gelände und eine unberührte Natur, jedoch fand ich auf der matschigen Rutschpartie überall meinen Weg zum Weiterlaufen. Der 440 Meter hohe, zwischen besonders interessanten Orchideen und verschiedenen Bromelien gelegene, Pabellón wirkte auch höchst beeindruckend. Es besteht kein Zweifel darin, dass der Wasserfall in ein paar Jahren unter den Wasserfall-Liebhabern bestimmt sehr populär sein wird.

Pabellón, ein eigentlich offiziell noch nicht zugänglicher Wasserfall

Morgen werde ich die andere überragende Sehenswürdigkeit von Chachapoyas entdecken, nämlich die isolierte pre Inka-Stadt Kuélap, die auf einer 3.000 m hohen Bergkuppe thront.

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