In einer sauerstoffarmen Höhenlage im Anden-Hochland habe ich die besondere Lage und die Einzigartigkeit der landschaftlichen Umgebung des Gebirgsees Llaca mit einem neuen Weggefährten aus der Schweiz kennengelernt, wo es für meine neue Bekanntschaft eher darum ging, in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit sich bestmöglich zu akklimatisieren bzw. sich der Höhe solide anzupassen. Ich kann hiermit bestätigen, dass die Akklimatisation auf unsere bevorstehende Höhentour im Huascarán Nationalpark gut verlaufen ist und wir uns bestens akklimatisiert fühlen. Der etwa 50 km lange Santa-Cruz-Trek in den schneebedeckten, weißen Kordilleren darf demnächst kommen!

Ich habe vor einigen Wochen eine sehr interessante, aber eher ungewöhnliche Anfrage erhalten. Unter Bezug auf meinen deutschsprachigen Blog meldete sich ein junger Schweizer bei mir. Michael meinte, er sei ein Fan meines Blogs und würde mit großem Respekt und großer Freude meinen wöchentlichen Blogbeiträgen folgen. Zum Zeitpunkt seiner Anfrage habe ich über Peru geschrieben, über das exotische südamerikanische Land, in welches der vom Bodensee stammende Schweizer demnächst zu reisen vorhatte.

Mein aktueller Weggefährte, Michael

Nach einiger Korrespondenz haben wir uns ziemlich schnell darauf geeinigt, uns ein paar Wochen später in Huaraz zu treffen und haben beschlossen, dass sich Michael für eine Woche mir anschließt. All das, mit der Vorgabe, während seines Aufenthalts in der Trekkinghauptstadt Perus an den Touren und Wanderungen teilzunehmen, die ich schon Tage zuvor für mich in der Bergkette der Cordillera geplant hatte.

Typische Andenlandschaft

Ein außergewöhnlich schönes Tal

All das stellte mich erneut vor eine ernsthafte Herausforderung. Der Südamerika-Neuling besuchte nämlich den Kontinent das erste Mal und ist schon bereits einen Tag nach seiner Ankunft in Lima weiter nach Huaraz gefahren, dorthin, wo ich mich schon mit dem Erkunden der außergewöhnlichen Welt der Lagunen Churup und Churupita bzw. mit dem atemberaubenden Rajururi-Canyon bereits erfolgreich akklimatisiert habe. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass meine neue Bekanntschaft noch nie in der Höhenlage gewesen ist, wo einem weniger Sauerstoff zur Verfügung steht und die Höhenlage einen signifikanten Einfluss auf den menschlichen Körper hat.

Das verschneite Bergpanorama motiviert mich, näher zum Gletscherberg zu gelangen

Ich erinnerte mich sofort an meine persönlichen Erfahrungen aus dem Jahr 2014, als ich das erste Mal nach Huaraz gekommen war. Ich erlebte in Peru eine ähnliche Situation, denn noch nie zuvor überquerte ich die damals magisch scheinende Höhe von 3.000 m.

Endlich bei der Lagune, aber bei Wind und starken, eiskalten Luftströmungen

Ich mache kein Geheimnis daraus, aber vor vier Jahren fühlte ich mich in keinem einwandfreien Zustand, als ich zum inmitten der Cordillera Negra auf ca. 3.800 m befindlichen aussichtsreichen Gipfel der Lagune Wilcacocha aufstieg. Am Tag darauf fühlte ich noch immer die Symptome der akuten Bergkrankheit und hatte Schwindel und starke Kopfschmerzen, als ich durch saftig grüne Landschaften wandernd, aber bedroht von der Höhenkrankheit, zum faszinierenden Gletschersee der Lagune 69 auf ca. 4.600 m hochkletterte.

Auf dem Rückweg bestand ernste Gefahr des Regens

Es ist bekannt, dass die Akklimatisation in der Höhenlage kein Kinderspiel ist. Jede ernsthafte und perfekte körperliche Vorbereitung ist vergeblich, man kann nie wissen, wie der menschliche Körper auf die Höhenlage reagiert. Mit gemischten Gefühlen, zufrieden mit der neuen Bekanntschaft und einem neuen Weggefährten, aber mit ernsthafter Angst vor einer möglichen Höhenkrankheit erwartete ich Michael’s Ankunft.

Typische lokale Frau mit dem unvermeidlichen Hut

Da ich mich seit ein paar Tagen in Huaraz aufgehalten habe, hatte ich schon mehrere Akklimatisierungstouren hinter mir, so war ich eher um die Gesundheit meiner neuen Bekanntschaft besorgt, ich wusste nämlich, dass in den folgenden Tagen intensive und sehr belastande Tage auf uns warten werden. Für jede(n) ist das Erreichen der Höhenlage ohne eine solide Akklimatisierung eine große Herausforderung.

Die einzigartige Naturlandschaft von besonderer Schönheit fasziniert uns beide

Nach einem langen und intensiven Fußmarsch in der Höhenlage erwartete uns der mindestens drei Tage andauernde ca. 50 km lange Santa Cruz Trek. Nicht gerade eine leichte Wanderung. Die Wanderung zur Lagune Llaca erreicht eine Höhe von ca. 4.500 m, während der anspruchsvolle und technisch schwierige Trek Santa Cruz am zweiten Tag einen Pass auf 4.700 m überquert.

Frisches Hühnerfleisch für schmackhafte Gerichte

Gleich am Morgen nach Michael’s Ankunft haben wir schon mit der Akklimatisierung in Form vom Kokatee begonnen. Die Kokablätter beseitigen nämlich die von der Höhenlage verursachten pulsierenden Kopfschmerzen. Am ersten Tag erkundeten wir, ohne anstrengenden Aufstieg und ohne nennenswerte Höhendifferenz, unsere zwischen den Bergketten der Cordillera Negra und Cordillera Blanca liegende Basis, Huaraz, mit seinem Markt. Am Abend besuchten wir ein Ligaspiel von der lokalen Fußballmannschaft von Huaraz, wo das Heimteam Unentschieden gegen die Mannschaft aus Lima gespielt hat.

Die Kathedrale von Huaraz an der Plaza de Armas

Aufgrund seiner Nähe zu Huaraz und der gut ausgebauten Schotterstraße ist das zwischen verschneiten Bergen und spektakulären Gletschern versteckte Naturwunder, der Bergsee Llaca mit einem Mietwagen oder Taxi für alle Wanderfreunde leicht begehbar. Dennoch haben wir uns für eine lange Höhenwanderung zu Fuß entschieden, die wir am Ende des Tages nicht bereut haben!

Endlich im Huascarán Nationalpark!

Schutzhütte am Fuße hoch aufragender Granitfelsen unterhalb der Lagune Llaca

Bis hinauf zur kleinen Andensiedlung Marian wurden wir mit einem lokalen Kleinbus gefahren. Vom Zentrum des Dorfes ausgehend verlief der offizielle Pfad. Hin und zurück ergab sich ein beachtliches Pensum von ca. 30 km. Die türkisfarbene, aus dem schmelzenden Gletscher entstandene Lagune ist ein strategisch ideales Basislager für Kletterliebhaber. Vom Gebirgssee aus lässt sich nämlich innerhalb eines Tages zum fast 5.700 m hohen Gipfel des Nevado Vallunaraju, westlich der Lagune Llaca liegend, aufsteigen.

Nevado Vallanaraju, der Traum für jeden Bergsteiger

Der örtliche „Schuhdoktor“, meine Wanderschuhe während einer Operation

Einen solchen ehrgeizigen Plan hatte keiner von uns und am Ende des Tages wirkten wir beide sehr zufrieden. Die Höhenanpassung ist gut verlaufen und wir absolvierten die Strecke zwischen Marian und der Lagune Llaca problemlos und ohne viel Anstrengung. Wir werden morgen den nötigen Nahrungsmittelvorrat beschaffen und gehen das spannende, höchstwahrscheinlich drei Tage andauernde Abenteuer Santa Cruz an!

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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