Aus Cusco habe ich mein Basislager, in eine kleine Stadt mit außergewöhnlichen natürlichen Bedingungen, nach Calca verlegt. Von Calca aus habe ich eine dreitätige Wanderung in der Höhenlage von 2.800 m bis 4.700 m unternommen, wo ich wegen des anhaltenden schlechten Wetters zwischen weißen Schneefeldern und langgestreckten Bergrücken wieder mal spannende Abenteuer erlebte.

Aufgrund des sehr dichten, schier undurchdringlichen Nebel und des unberechenbaren Wetters habe ich am zweiten Tag meine Wanderung schweren Herzens abgebrochen. Dank der Wetterstürze habe ich aber die bestmögliche Entscheidung getroffen, denn so habe ich ein erstaunliches Naturphänomen des Landes, nämlich ein außergewöhnliches Wasserfallsystem kennengelernt. Der einmalige Wasserfall „Siete Cataratas“ zeigte all seine verborgene Schönheit. Es bleibt aber immer noch ein ungelöstes Rätsel für mich, warum dieser ganz besondere Wasserfall mit keinem Wort in den Reiseführern über Peru erwähnt wird.

Vor der Lagune unweit von Quishuarani

Nach dem Erkunden der mystischen Bergfestung Waqra Pukara und des Regenbogenberges habe ich mich trotz Müdigkeit körperlich und mental sehr wohl gefühlt. Schön langsam hat sich mein Körper an die Gegebenheiten der Höhenlage gewöhnt, so habe ich bei der Rückkehr nach Cusco mit großer Begeisterung nach einem erneuten puren Wandererlebnis Ausschau gehalten. Meine Wahl ist auf den weniger bekannten und abgelegenen Lares Trek gefallen.

Von den verschiedenen Mehrtagesrouten wollte ich eine dreitätige Variante in Angriff nehmen, die nicht bei der weltbekannten Inkastätte Machu Picchu endet, sondern schon etwas früher, nämlich in Lares. Bei den peruanischen Reiseveranstaltern wird der Lares Trek fernab der Touristenströme als eine echte naturbelassene Alternative zum klassischen Inkatrail angeboten.

Üppig bewachsene grüne Märchenwelt

Letzteres ist zweifellos die letzte und schönste Etappe der berühmten Inka-Wallfahrt, die von Cusco zur berühmten Zitadelle von Machu Picchu führt. Heutzutage braucht man eine Zulassung für den klassischen, stark reglementierten Inka-Pfad, einen der schönsten Pilgerwege in ganz Amerika. Wer die Wanderung auf sich nehmen will, muss sich einer Gruppe mit lizenziertem Führer anschließen. Die Zugangszahlen sind rigoros begrenzt, daher sind die Zulassungen jedes Jahr schnell ausverkauft. Wenn der Trail der ehemaligen Handelsroute bereits ausgebucht ist, ist der Lares Trek eine hervorragende Alternative, die ursprüngliche und verträumte Schönheit der Anden mit wesentlich weniger Wanderern ungestört zu genießen.

Atemberaubendes Tal mit Lamas

In meinem Fall war keine Rede von einer organisierten Wanderung durch einen Reiseveranstalter. Ich habe geplant, die spektakuläre Trekkingtour mit der Überquerung von zwei Pässen ohne lokalen Guide zu bewältigen. Ich habe versucht, andere Wanderinteressierte für meine aktuelle Tour zu begeistern und zu rekrutieren, allerdings haben sich meine neuen französischen Bekannten, die ich am Gipfel des Regenbogenberges kennengelernt habe, entweder für andere hochgelegene Wanderungen in den Anden oder für Dschungeltouren im Amazonas Regenwald in Puerto Maldonado entschieden.

Ich habe diesmal die Ausgangsbasis für meine aktuelle Tour verändert. Cusco’s Lage war nicht mehr optimal, viel zu viele Touristen in der sonst netten Innenstadt. Den Hauptplatz habe ich strikt gemieden und habe mich in meinem Quartier außerhalb des Zentrums in totaler Ruhe erholt. Nach ein paar Tagen der Erholung bin ich zum idealsten und am besten geeigneten Ort, in die Siedlung von Calca aufgebrochen.

Grüne türkisfarbene Lagunen vom Grat aus

In einem von einem netten Türken betriebenen sympathischen Hostel, dem El Mono Sabio habe ich mich für ein paar Tage niedergelassen. Das Hostel El Mono Sabio und Calca erwiesen sich als eine ausgezeichnete Wahl. Obwohl in einem angenehmen Klima in einem tiefen, grünen Tal zwischen hohen, teils steilen Bergen gelegen, haben sich die Abende in Calca schon recht kühl angefühlt. Der Ausgangspunkt meiner Wanderung zum Lares Trek befand sich ganz in der Nähe der Siedlung, so bin ich nach einem Tag von Planen und Erholen gut vorbereitet in der Früh zur nahe liegenden kleinen Siedlung von Huarán mit einem lokalen Kleinbus aufgebrochen.

Der Weg führt entlang des Cancha Flusses

Von Huarán aus beginnt die wunderschöne Wanderung, die in den ersten Stunden in einem engen Tal zum Fluß Cancha führt. Der Ausgangspunkt der Wanderung liegt 2.840 Meter über dem Meeresspiegel, so musste ich zum von Quechuas bewohnten kleinen Bergdorf Cancha Cancha innerhalb von einem halben Tag mehr als tausend Höhenmeter zurücklegen. Um zum Tagesziel des ersten Tages zu gelangen, musste ich über das Huarán-Tal in Richtung Norden aufsteigen. Neben einfachen Lehmhäusern mit Strohdächern und neben vor allem von Amerikanern betriebenen Luxushotels wandernd, nahm ich von der Zivilisation nach ca. 45 Minuten für ein paar Tage Abschied.

Typische Reetdachhäuser auf 3.800 Metern

Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch erreichte ich schließlich das auf 3.290 m über dem Meeresspiegel gelegene landschaftlich atemberaubende Saywapata, einen beliebten Punkt des berühmten Inka-Trails, der auch zu den heißen Wasserquellen und zum Badeort von Lares führt.

Während meiner aktuellen Wanderung bewegte ich mich durch die geheime Schönheit der Wälder mit einheimischen Bäumen und Sträuchern. Im Tal beobachtete ich die durch die Erosion von Wind und Regen fantastisch und teilweise skurril geformten Felsformationen und genoss eine wunderbar magische Aussicht auf das Heilige Tal der Inkas mit grünen Wiesen, auf denen Schafe und Lamas geweidet haben.

Lamas auf dem felsigen Hügel

Nach fast fünf Stunden Fußmarsch bin ich im malerischen Dorf von Cancha Cancha im atemberaubenden Tal angekommen. Neben der aus typischen Stein- und Reetdachhäusern bestehenden Siedlung, bin ich auf einen lokalen Bergführer getroffen, der einen aus Österreich stammenden Wanderer führte. Der peruanische Guide und der sympathische Salzburger sind aus der anderen Richtung, praktisch vom anderen Ende der Gebirge gekommen. Wir unterhielten uns lange auf Deutsch und ich habe ein paar nützliche Tipps vom netten Typen aus meiner ehemaligen Wahlheimat erhalten. Lustig fand ich als mich der Wanderer wegen meiner Aussprache für einen Italiener hielt. Witzig ist, dass dreieinhalb Jahre spanisch und portugiesisch mein Deutsch so weich und melodiös klingend verändert haben…

Ausserhalb von Cancha Cancha am Ende des ersten Tages

Es war erst früher Nachmittag, dennoch haben mir meine neuen Bekannten gleich davon abgeraten, den hohen Pass noch am selben Tag zu erklimmen. Ihrer Meinung nach sollte ich außerhalb von Cancha Cancha campen und mich im Zelt erholen und stärken. Ich bin ihrem Rat gefolgt und habe mein Zelt in einem Tal mit einem alles umhüllenden Nebel aufgeschlagen, von wo aus man bei idealen Wetterbedingungen in allen Richtungen grossartigen Weitblick erleben kann.

Zelten in der Höhenlage

Nach dem Abendessen hat es durchgängig angefangen zu regnen, so habe ich mich in mein Zelt in der Hoffnung zurückgezogen, dass mich am nächsten Morgen ein schöner Tag empfangen wird und ich mit einem wunderschönen Ausblick auf die Gletscher Chicon (5.400 m), Sirihuani (5.300 m) und Colquecruz (5.700 m) und auf die herumliegenden Lagunen belohnt werde.

An einigen wenigen Stellen zeigt sich der Gletscher Colquecruz

Trotz des rauen Klimas und der dünnen Luft im Hochland bin ich schon am Nachmittag eingeschlafen und erst am nächsten Morgen wieder aufgewacht. Ich musste mit entsprechender Vorsicht vorgehen, mich erwartete auf einem steilen, stetig ansteigenden Pfad sechshundert Höhenmeter zum Pachacutec Pass, dem höchsten Punkt meiner Wanderung. Der Pass wurde nach dem berühmten Inka-Herrscher Pachacutec (der Name seines Namens bedeutet: der, der die Erde schüttelt) benannt. Pachacutec war von 1438 bis 1471 der neunte Herrscher über das Inkareich.

Kleines Quechua-Mädchen

Der Pfad, der entlang des Grates führt, erfordert angemessene Höhenkompetenz, Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit. Es hat Stunden gedauert, bis ich am felsigen Berghang hinaufstieg. Ich bin entlang von zwei kleinen entzückenden Seen gewandert, bis ich den höchsten Punkt der langen und abenteuerreichen Grattour, die Spitze des Passes erreicht habe.

Der Felsenstein als der höchste Punkt der Wanderung

Als ich aufstieg erkannte ich, dass der Nebel dicker wurde. Oben ankommend bemerkte ich, dass der Grat und die angrenzenden Berghänge mit frischer Schneedecke bedeckt waren. Viele denken, dass man auf einem weißen Schneefeld mit Leichtigkeit wandern gehen kann, aber genau dieses riesige schneebedeckte Feld bringt große Gefahren zum Vorschein. Weiterhin sollte es nicht vergessen werden, dass nachmittags riesige Wolkenfelder durchzogen, der Nebel stieg mit mir den Berg hinauf und bedeckte den Berg mit weißem endlosen Nebel.

Schneewiese am Klamm

Mit der Hilfe meiner Navigationsmittel versuchte ich den richtigen Pfad zu finden, aber aufgrund der aufziehenden Nebelwolke war der Horizont niedrig und noch sehr dunstig. Ich habe daher die nächste Markierung nicht finden können. Trotz trüber Sicht gelangte ich mehr und mehr in die kalte Nebelwolke, die sich um den Gipfel herum nicht auflösen wollte. Es gab keinen Pfad zum folgen, so musste ich beim Standort ein bisschen improvisieren. Ich stellte mir einfach den Pfad vor und versuchte nach meiner ersten Vorahnung dem vorgestellten Bogen zu folgen. Ich hatte offenbar das Glück, innerhalb weniger Minuten den richtigen teils felsigen Pfad am abfallenden Hang gefunden zu haben und begann einen langen Abstieg.

Hmm, wo geht es jetzt weiter!?

Als ich den Sattel verlassend hinunter ging, löste sich der sehr dichte Nebel ziemlich gut auf, tief in der einzigartigen Schönheit der Landschaft versunken schlenderte ich Richtung der Siedlung von Quishuarani.

Nach mindestens zwei Stunden intensiven Abstiegs in das Tal von mehreren Gletscherseen, Herden von Alpakas, Lamas und Schafe habe ich endlich die große Lagune von Quishuarani zu Gesicht bekommen. Rechts der Lagune entlang bin ich im Tal angekommen, wo ich am Rand der Siedlung Quishuarani campen wollte. Doch aufgrund des schlechten Wetters und der immer wieder plötzlich auftauchenden Nebelwolken habe ich mich entschieden, die eher weniger genießbare Wanderung abzubrechen und nach Calca bzw. nach Cusco zurückzukehren.

Typisch peruanische Querlandschaft beim Abstieg

Ich hatte nicht damit gerechnet, aber kurz darauf ereigneten sich einige der schönsten Momente meiner aktuellen Abenteuerreise. Es war ein erstaunliches Naturphänomen, das auf mich wartete und mit dem ich so gar nicht gerechnet habe. Ich wusste nicht mal von dessen Existenz. Als ich von der Lagune Abschied genommen habe und Richtung Quishuarani und direkt an der Hauptstraße zwischen Lares und Calca liegenden Pampacorral losmarschierte, bemerkte ich einen unglaublichen Wasserfallkomplex, der den Namen Qanchis Paccha, bekannt auch als „Siete Cataratas“, trägt.

Besonders jetzt in der Regenzeit beeindruckte mich das spektakuläre Naturwunder, es bot einen magischen Anblick. Ich habe es sehr beeindruckend gefunden, wie sich die Kraft der Natur gezeigt hat und wie es für die unglaubliche Wassermasse der verschieden Wasserfälle in die Tiefe ging. Als ich unweit der Piste in Pampacorral ankam, konnte ich leicht ein Sammeltaxi anhalten, das mich bei starkem Regen zurück nach Calca gebracht hat. Wenn nicht früher, dann im Kleinbus den strömenden Regen aus den Fenstern betrachtend, fühlte ich in meinem tiefsten Inneren, dass ich ohne Zweifel die richtige Entscheidung getroffen habe.

Der schillernde Wasserfallkomplex „Siete Cataratas“

Nach ein paar Tagen in Cusco werde ich in die peruanische Hauptstadt Lima zurückkehren, wo ich einige lokale Freunde der Musik besuchen werde. Bald darauf wird es für mich nach Huaraz weitergehen, wo ich meine Wanderabenteuer in der schönsten und ursprünglichsten Gebirgslandschaft des Landes fortsetzen werde. Die Cordillera Blanca, das Paradies für jeden Wander- und Trekkingfan, wartet auf mich. Ich werde sehr nah an Schneeriesen wandern gehen, werde zu smaragdgrünen Lagunen, in denen sich die schneebedeckten Gipfel spiegeln, aufsteigen. Daher freue ich mich schon richtig auf das “Chamonix der Anden” und auf die abwechslungsreichste und spektakulärste Trekking-Szenerie weltweit.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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