Obwohl es in Nazca außerhalb der touristisch ansprechenden Nazca-Linien viele interessante Sehenswürdigkeiten gibt, habe ich die Stadt irgendwie viele Jahre lang vernachlässigt. In der Wüste bei Nazca wurden vor mehr als einem halben Jahrtausend steinerne Gebäude aus der Zeit der Inkas errichtet. Am Rande der Kleinstadt kann man die höchste Sanddüne der Welt erklimmen. Etwa eine halbe Stunde von Nazca befindet sich der offene Begräbnisplatz Chauchilla mit Dutzenden von mumifizierten Leichen. Wir haben gewiss einen langen und aufregenden Tag hinter uns!

Nazca liegt in der Atacama-Wüste in Peru und wird von Touristen eindeutig mit seinen gigantischen Geoglyphen identifiziert. Um ehrlich zu sein, waren für mich die in den Wüstenboden geritzten monumentalen geometrischen Figuren und Bodenzeichnungen, die auf der extrem trockenen, lebensfeindlichen Hochebene Pampa de Jumana entdeckt wurden, seit Jahren von geringem Interesse. Erst 2018 besuchte ich zum ersten Mal die sich in der kargen Wüstenlandschaft erstreckende Kleinstadt. Doch seit Jahrhunderten sind die vermutlich größten grafischen Darstellungen der Welt von Mysterien umgeben. Das weitläufige Gebiet nördlich von Nazca ist kilometerweit mit einer Vielzahl von menschenähnlichen Gebilden und exotischen Tiermotiven unterschiedlicher Breite und Länge bedeckt.

Sowohl die Konturen des berühmten Affen, als auch die Zeichnungen anderer Tierfiguren bestehen aus einer einzigen, sich nicht überschneidenden Linie. (Foto: Lilla Pálfy)

Obwohl Wissenschaftler die rätselhaftesten Bodendenkmäler der Erde auf die Zeit der vorhergehenden Paracas- oder Nazca-Kultur datieren, wurden auf der Erdoberfläche gebildete Geoglyphen erst 1926 entdeckt. Der Hintergrund für die Schaffung der mythischen Gebilde, die auf dem Nazca-Wüstenplateau in die Erde gescharrt wurden, wird noch heute von Experten diskutiert.

Die Nazca-Figur mit einem Einsiedler-Kolibri zeigt überraschenderweise einen für die Gegend ganz untypischen Vogel. (Foto: Lilla Pálfy)

Die berühmten geometrischen Zeichnungen wurden in die Landschaft gezeichnet, indem die die oberste Schicht bedeckenden durch Eisenoxid hellrotschwarzen Steine beiseite gelegt wurden. So wurden die hellgelben Lößböden unter dem sogenannten Wüstenlack zum Vorschein gebracht. Durch die für die Region Nazca typische geringe Niederschlagsmenge und die extreme Trockenheit sind die Scharrbilder hervorragend erhalten.

Die Mirador-Gruppe bewundert aus einem Sportflugzeug die Nazca-Linien. (Foto: Lilla Pálfy )

In den letzten Jahren sind Dutzende lokaler Flugunternehmen aufgetaucht, um die großflächigen, rund 2000 Jahre alten Geoglyphen mit einem kleinen Sportflugzeug aus der Luft allen stark Interessierten zu zeigen. Der regionale Flughafen von Nazca ist nach der aus Dresden emigrierten deutschen Mathematikerin und Geografin Maria Reiche benannt, der Frau, die in der leblosen Wüste den Sandboden fegte. Die Wissenschaftlerin Reiche war jahrzehntelang mit der Erforschung bzw. Deutung der Scharrbilder beschäftigt, deren Bedeutung bis heute noch immer nicht gänzlich geklärt ist.

Mitten durch die Echse schneidet die Panamericana. (Foto: Lilla Pálfy)

Reiche, die spätere Pionerin der Nazca-Wissenschaft, kam 1941 auf Einladung des amerikanischen Historikers und Archäologen Paul August Kosok nach Nazca, um dort begeisterte Assistentin von ihm zu werden und mit ihrem Begleiter die Ursprünge und Gründe für die rätselhaften Linien im Wüstenboden von Nazca zu erforschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie für kurze Zeit nach Deutschland zurück. 1945 war Reiche wieder in Peru und verließ danach das südamerikanische Land nie mehr. Reiche wurde die Wächterin der geheimnisvollen Erdskizzen. Unter anderem arbeitete sie daran, die Linien vor Tausenden von neugierigen Einheimischen und vor dem Ansturm von internationalen Touristen zu schützen, um diese dadurch vor der Auslöschung zu bewahren.

Zwischen zwei Programmpunkten lernen wir den lokalen Markt kennen. (Foto: Lilla Pálfy)

Die Mirador-Gruppe trifft zum ersten Mal in Nazca auf einen echten peruanischen Markt. (Foto: Lilla Pálfy)

Die tropische Trockenwüste ist voller farbiger Vögel.

Die “Wächterin der Nazca-Linien” untersuchte etwa fünfzig der siebzig großen geometrischen Geoglyphen von Pampa de San José und Pampas de Jumana. Trotz ihrer wissenschaftlichen Veröffentlichungen und ihres Lebens, das der kontinuierlichen Forschung gewidmet war, gelang es ihr nie, das Geheimnis der kilometerlangen geometrischen Formen und mythischen Gebilde des Nazca-Plateaus östlich von der Andenkette und 40 Kilometer westlich vom pazifischen Ozean zu klären.

In Tobis traditioneller Töpferwerkstatt erhalten wir einen Einblick in die Herstellung der berühmten Nazca-Töpfe.

Ich habe begonnen, Nazca und seine Umgebung so richtig zu mögen, als ich vor einigen Wochen den mehr als 2.000 m hohen Sandberg des malerischen Cerro Blanco bestieg, der unweit der Kleinstadt thront. Bis heute bleibt die individuelle Wanderung auf die höchste Sanddüne der Welt als unvergessliches Erlebnis in meiner Erinnerung.

Cerro Blanco – ein überwältigendes Erlebnis!

Unser lokaler Fahrer Jesús hält seine große Rede.

Etwa 30 km von Nazca entfernt liegt der Grusel-Friedhof Chauchilla aus der Zeit der Chincha-Kultur (1000-1400). Wir erreichten die in den 1920er Jahren entdeckte Mumien-Nekropole bereits mit einem lokalen Fahrer namens Jesús, der sich bei den offenen Denkmälern in einen Reiseleiter verwandelte. Tatsächlich erhielten wir schon während der Fahrt zu den Grabstätten viele Informationen vom sympathischen Peruaner, der die 1998 verstorbene Reiche angeblich gut kannte.

Auf dem Gräberfeld von Chauchilla klicken unsere Kameras oft und wir knipsen unendlich viele Fotos. (Foto: Lilla Pálfy)

Der an Salz und Nitraten reiche Wüstensand und das extreme tropische Trockenklima haben die sorgfältig bestatteten und natürlich mumifizierten Körper in wunderschön bestickten Leinenkleidern in einer fast originellen Form gehalten. Chauchilla ist seit 1997 eine geschützte archäologische Stätte, da jahrzehntelang Huaqueros (Schatzsucher) den Landstrich und seine Gräber auseinander genommen und geplündert haben. Die Grabräuber ließen lediglich die mumifizierten Leichen zurück. In den letzten 25 Jahren haben Archäologen in mühevoller Arbeit einige der in den Boden gegrabenen rechteckigen Krypten rekonstruiert, damit die Mumien wieder in freigelegten Gräbern und mit ihren über 1000 Jahre alten Originalreliquien und Grabbeigaben bestaunt werden können.

Die Mumien wurden in einer gehockten Stellung, eingelassen in Grablöcher und mit Blick gegen Süden, beerdigt. (Foto: Lilla Pálfy)

Die archäologische Stätte von Los Paredones ist unsere nächste Station. Die Adobe-Gebäude wurden angeblich im 15. Jahrhundert von den Inka erbaut, die den Komplex zwischen 1471 und 1493 hauptsächlich als Verwaltungszentrum genutzt haben. Der Gebäudekomplex umfasst historische Lagerhäuser, einen trapezförmigen öffentlichen Platz, einen Wachturm sowie Zeremonial- und Opferbereiche.

Die Zitadelle ist bereits eine Spur aus der Zeit der Inkas.

Die am besten erhaltenen Ruinen von Paredones.

Große geometrische Formen ähnlich den Nazca-Linien wurden zudem auch bei den Geoglyphen von El Telar und Las Agujas gefunden. Die sakralen Linien der Siedlung Buena Fe sind nach Aufstieg auf die Hügel deutlich zu erkennen.

Das El Telar-Tal liegt mitten in einer völlig kargen Wüstenlandschaft, nur wenige Kilometer von Nazca entfernt.

El Telar besteht aus einer langen, trapezförmigen Geoglyphe und Spiralen, die das Weben – eine wichtige Form innerhalb des künstlerischen Ausdrucks der Präinkakulturen – symbolisieren.

Es wird angenommen, dass der Grundriss von Las Agujas (die Nadeln) die Textilherstellung darstellt.

Die letzte noch geöffnete Station an unserem langen Tag waren die einzigartigen Cantalloc-Aquädukte, die wir erst kurz vor Schließung erreichten. Mitglieder der Nazca-Kultur sammelten Wasser in ihren eigenen Wasserreservoiren und transportierten es dann durch künstliche unterirdische Wasserleitungen dorthin, wo es gebraucht wurde. So machte die Zivilisation das riesige, sonst wüstenartige und trockene Gebiet kultivierbar.

Am Rande der Stadt befinden sich die spiralförmigen und mit Steinen befestigten Wasserbrunnen der Cantalloc-Aquädukte, die untereinander durch Kanäle verbunden sind.

Das gefilterte Wasser des im 3-6. Jahrhundert erbauten Nazca-Aquädukts wird bis heute von den dort ansässigen Bewohnern konsumiert.

In den „Acueductos de Cantalloc“ wurden viele natürliche Filter platziert.

Die Region Nazcas ist voller aufregender historischer und kultureller Kuriositäten. Das nächste Mal werde ich definitiv längere Zeit in dieser Gegend verweilen, aber jetzt ist es nun an der Zeit für uns, in einen Nachtbus zu steigen, die “Weiße Stadt” von Arequipa wartet auf uns!

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