Unweit von Perus wichtigsten touristischen Hotspots habe ich unvergessliche Tage in dem atemberaubend schönen Nationalpark Pacaya Samiria verbracht. Mein lokaler Guide Javier, der im Kanu um die 100 km auf einem Amazonas-Zufluss gepaddelt ist, zeigte mir die reiche und außergewöhnlich vielfältige Flora und Fauna der Landschaften des Niedrigen Dschungels (Selva Baja). Javier erzählte mir bei einem Dschungelspaziergang mit großer Begeisterung von den verschiedenen Pflanzenarten, den weitläufigen Bäumen, den magischen Heilkräften ihrer Ernten und der Krusten. Jeden Tag haben wir mit einem Speer gefangenen Fisch frisch zubereitet, während wir die Nächte angenehm direkt am Flussufer verbrachten. Im grünen Paradies für Tierbeobachtungen sind wir abends mit dem Zwitschern der Vögel ins Bett gegangen, während wir morgens zum Trällern schöner Melodien aufwachten.

Nach vielen wundervollen Höhenwanderungen und mehrmonatiger Höhenlage war es eine sehr aufregende Erfahrung, im Regenwald im mit tropischem Klima gesegneten Tarapoto wandern zu gehen. Die einzige Schwierigkeit bestand nur darin, sich an das feucht heiße Klima und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit vor Ort anzupassen.

Charapa-Schildkröten (gelten als vom Aussterben bedroht)

Riesenotter

Ich verließ die, am Fuße der orientalischen Kordilleren, auf das Amazonasbecken blickende große Stadt in Richtung Yurimaguas. Auf der durchgängig asphaltierten Hauptstraße sind wir beim Touristen-Liebling der Peruaner, bei den aufsehenerregenden Ahuashiyacu-Wasserfällen und auch bei den Cascadas de Pishurayacu vorbeigefahren. Nach einer fast zweistündigen Fahrt erreichten wir Yurimaguas, den am linken Ufer des Río Huallaga, einem schiffbaren Quellfluss des Amazonas erbauten wichtigen Warenumschlagplatz der Region Loreto. Loreto ist nicht nur die größte Region Perus, sondern auch das am dünnsten besiedelte Gebiet des Landes.

Ciao Yurimaguas, hallo Lagunas! Bootsfahrt auf dem Río Huallaga, einem Amazonas-Quellfluss

Von Yurimaguas aus ist der peruanische Regenwald nur mit einem (Frachter)schiff oder per Boot erreichbar. Genau das war mein Plan. So bin ich am nächsten Morgen mit einem Schnellboot sechs Stunden lang nach Lagunas gefahren, um nach 2016 wieder die unvergleichliche Pflanzen- und Tierwelt des unendlichen Dschungels an einem Nebenfluss des Amazonas zu erkunden.

Typisches Holzhaus in Lagunas im staubigen Vorposten der Zivilisation

Einheimische Familie unterwegs in ihrem Kanu

Im Jahr 2014 besuchte ich das erste Mal den großen Regenwald des Amazonasbeckens und war überwältigt von der Klangkulisse. Ich entdeckte die außerordentlich vielfältige Fauna der bolivianischen Sümpfe am Fluss Beni unweit von Rurrenabaque. Zwei Jahre später, in Manaus, an der Mündung des Rio Negro dem berühmtesten Nebenarm des Amazonas, kehrte ich in die scheinbar unendlichen Tiefen des Regenwaldes zurück.

Unser Dreirad-Taxi am Eingang zum Pacaya Samiria Nationalpark

Bootswandertour mit einem einfachen Holzkanu in den Amazonas-Regenwald

Obwohl Amazonasdelfine direkt neben meinem kleinen Boot aufgetaucht sind und auch meine Unterkunft, eine direkt an den Ufern liegende Ecolodge, alle Erwartungen übertroffen hat, blieb das brasilianische Amazonas-Gebiet eine der größten Enttäuschungen auf meiner Reise. Spätestens als mein damaliger Guide bei einer nächtlichen Erkundungstour einen Baby-Kaiman gefangen hat und das wehrlose kleine Lebewesen von Hand zu Hand zum Fotografieren weiterreichte, hatte ich endgültig die Nase voll von dieser Art Kommerz-Tourismus.

Amazonasfischer

Eine meiner direkt am Fluss liegenden offenen Unterkünfte

Nach den negativen Erfahrungen am Amazonas unweit von Manaus näherte ich mich dem tropischen Regenwald diesmal etwas vorsichtiger. Im Jahr 2017 kehrte ich zu einem Nationalpark und einer bunten Naturschönheit in Form eines Flusses (Rio Papaturro) zurück, der meinen Aufenthalt wieder zu einem sagenumwobenen Erlebnis machte.

Zwischen überfluteten Wäldern geht es auf dem sumpfigen Fluss vorwärts

Auf geht’s in den unendlichen Dschungel!

Zu dieser Zeit befand ich mich abseits ausgetretener Wege im Südosten des wunderschönen Nicaragua und verbrachte drei unvergessliche Tage im Los Guatuzos Nationalpark mit dem wahrscheinlich besten Ökologen und Ornithologen des Landes, mit Armando.

Gelbkehlkarakara

Ein weiterer Naturliebhaber, der Amerikaner Ian, versucht Amazonasdelfine zu fotografieren

Armando scheint all die Vögel zu kennen und erzählte selbst so voller Begeisterung vom Biosphärenreservat, dass dies auf mich abfärbte. Durch ihn lernte ich die biologische Vielfalt von Papaturros Flora und Fauna detailliert kennen.

Gelbbrustaras sitzen still

Fischbussard

Während einer unserer abendlichen Bootsfahrten hat Armando die Vogel-Welt so intensiv beobachtet, dass er dabei komplett die Zeit vergessen hat und wir dadurch mehr als eine Stunde später als geplant in unsere Unterkunft zurückkehrten. Ich verpasste das Abendessen an diesem Tag und ging hungrig ins Bett… Ich war aber überhaupt nicht sauer, und kann ohne jegliche Übertreibung behaupten, dass durch die außergewöhnliche Vielfalt der am Fluss Papaturro und in seinem Umkreis erlebten Fauna und Flora die drei mit Armando verbrachten Tage zu meinen spektakulärsten und unvergesslichen Wildniserlebnissen zählen, die ich je erlebt habe.

Weißschulterkapuziner

Nach den außergewöhnlichen Erlebnissen in Nicaraguas „Garten Eden”, hatte ich mir in Peru lange Zeit den Kopf zerbrochen, von wo aus ich dem Amazonas-Dschungel nähern sollte, wo ich wieder paradiesischen Frieden und einen dichten fast unberührten Regenwald vorfinden wollte.

Meine absoluten Lieblinge, die Dreifinger-Faultiere

Die Hauptstadt von Loreto, Iquitos, kam nicht in die Frage, ich wusste, dass es in unmittelbarer Nähe einer Großstadt keine so reiche und abwechslungsreiche Natur geben kann wie an einem ruhigen versteckten Ursprungsfluss des Amazonas. Ich fand den idealen Ort nach erst langer Suche.

Das 2 Mio Hektar große Naturreservat Pacaya-Samiria befindet sich vor den Toren des amazonischen Regenwaldes und liegt von Yurimaguas sechs Stunden mit dem Boot entfernt. Eine wunderbare Welt, in der Wasser und Himmel verschmelzen. Pacaya-Samiria ist ideal für diejenigen, die in der größten Regenwaldregion der Erde einen hautnahen Kontakt mit der Natur erleben möchten.

Mit Lanze gefangener Fisch zum Mittagessen

Pacaya-Samiria ist eines der am besten geschützten Gebiete Perus. Während einer viertägigen Kanutour im Urwald besuchte ich den Nationalpark mit seinen reißenden, gewundenen und häufig anschwellenden Gewässern und sumpfigen Teichen.

Der amazonische Regenwald kann richtig gut nur vom Wasser aus mit einem Boot oder per Kanu begutachet werden. Auf wirklich authentische Art und Weise, mit einem alten Holzkanu, erkundete ich mit meinem Guide Javier eines der weltweit ungewöhnlichsten Ecken des Amazonas-Regenwalds.

In dieser Idyllischen Umgebung genießen wir ein gutes Mittagessen

Paddelnd auf dem Fluss verbrachten wir alle vier Tage im Holzkanu und waren begeistert vom unglaublichen Anblick. Mit Hilfe von Javier, der während des Ruderns begeistert viel interessantes über die Tiere im Reservat erzählte, lernte ich die unvergleichliche Artenvielfalt der Pflanzen und die einzigartige Schönheit exotischer Tiere kennen.

Der Cocoireiher ist der größte Reiher in seinem Verbreitungsgebiet

Wir bewegten das Kanu ganz langsam, denn es gab viel zu sehen. Die Natur war paradiesisch und sie trieb es bunt. Als wir tiefer in den Dschungel eingedrungen sind, begegneten wir unzähligen seltenen Tierarten. Mein Favorit war aber das gut getarnte Faultier. Die Faultiere verbringen nahezu ihr gesamtes Leben in den Ästen hängend und sind dank der Färbung im Blätterdach nur schwer zu erkennen. Dank den guten Augen von Javier habe ich mich tierisch gefreut, in den vier Tagen insgesamt elf (!) Faultiere gesehen und fotografiert zu haben.

Amerikanischer Schlangenhalsvogel

Um uns zu entspannen, machten wir immer erst zum Mittagessen halt, um durch den blitzschnellen Javier einen fangfrischen Fisch vorzubereiten. Das Wassersystem des Pacaya-Samiria-Schutzgebietes ist mit rund 250 Arten von Süßwasserfischen sehr umfangreich. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ich immer eine andere Art Fisch auf meinen Teller serviert bekommen habe.

Zu unseren Aktivitäten gehörte auch eine Erkundungstour bei Nacht, als wir mit dem Boot in der Uferzone sehr langsam und leise gleitend nach Schwarzköpfigen Nachtaffen und Vögeln im Urwald Ausschau hielten, die auf den Ästen über dem Wasser ruhten. Tolle Erfahrung!

Der Blaureiher lebt in Sümpfen, einzelne Tiere wandern nach der Brutsaison weit nach Norden bis zur Grenze Kanadas

Ich habe jeden Moment der viertätigen Dschungeltour genossen. Für alle, die im Regenwald nach außergewöhnlicher Schönheit suchen, empfehle ich diesen absolut authentischen Amazonas-Dschungel, der ohne Motorgeräusch entdeckt werden kann.

Fangerfolg beim Nachtfischen

Ich freue mich jetzt schon wahnsinnig auf die Fortsetzung meiner Entdeckungstour in Nordperu. Ich werde bald nach Tarapoto zurückkehren und dann Richtung Westen nach Moyobamba fahren, wo mich der Tingana Nationalpark hoffenlich mit einer ähnlich schönen und unberührten Natur und mit neuen Dschungelerlebnissen erwartet.

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