In Cusco ankommend, habe ich mit wenig Aufwand ganz viel erlebt, lernte das traumhafte Tal in der direkten Umgebung kennen, besuchte je eine der präkolumbianischen Ruinenlandschaften der Inkas und der Waris. Den letzteren verdanken wir die ersten “richtigen” Städte in Südamerika mit Verteidigungsmauern ausgestattet und schachbrettartig angelegt.

Aus Cotahuasi bin ich nach zwei langen, zehnstündigen Fahrten müde in Cusco angekommen. Cusco ist eine der ältesten Städte Amerikas, in der Inkasprache heißt sie der „Nabel der Welt“. Vor der spanischen Eroberung war Cusco die archäologische Hochburg des mächtigen Inka-Reiches. Cusco, welches die schönsten Erinnerungen an die Inkas und an die spanische Herrschaft bietet, ist eine aufregende Stadt für sich selbst, aber die meisten Besucher kommen in erster Linie hierher, weil hier die Touren nach Machu Picchu, in die verlorene Stadt der Inkas starten.

Das Cusco-Tal bei Tipón

So war es bei mir 2014 auch der Fall. Nach einer kurzen Akklimatisierung in der bildhübschen Stadt auf 3.400 Meter, machte ich mich auf den Weg zum fünftägigen Salkantay-Pfad, um entlang heiliger Inkaberge zu wandern und zu den mystischen Ruinen von Machu Picchu zu gelangen.

Dieses Mal wollte ich mehr Zeit in der Gegend von Cusco verbringen und mich auf die Inka- und Wari-Ruinenlandschaften im Heiligen Tal zu konzentrieren. Neben einigen Museen ermöglicht das Sammelticket „Boleto Turistico“ den Zutritt zu allen wichtigen Ruinenstätten, nur für die Maras Salzterassen musste ich einige Tage später eine separate Eintrittskarte kaufen. Dazu aber später.

Die traumhafte Ruinenlandschaft von Tipón

Bevor meine Gäste aus Wien anreisten, hatte ich einen ganzen Tag dafür Zeit, die Gegend von Pikillacta und Tipón im südlichen Cusco-Tal zu erkunden. Die ganz besonderen Ruinen von Tipón liegen näher bei Cusco, also entschied ich mich, als erstes, das Wasserwerk des Inka-Reiches zu besuchen. Die alte Ruinenstadt liegt auf 3.450 Meter am Berghügel von Tipón. Man erreicht sie über unzählige, kurvige Serpentinen. Ich bin selber mit einem einfachen lokalen Bus aus Cusco in Tipón angekommen, so hätte ich die sechs km von der Endstation bergauf zu Fuß bewältigen sollen. Allerdings einigte ich mich schnell mit einem Taxifahrer, der mich binnen zehn Minuten zum Eingang der imposanten Ruinenstätte gefahren hat.

Die gut erhaltenen Ruinen der Stadt, die sich über das Gebiet von Tipón erheben, bestehen aus wunderbar grünen Gärten und Tempeln und stammen aus der Zeit der Inkas. Es gibt insgesamt zwölf breite Terrassen-Einheiten, untermauert aus rotem Gestein, die die zwölf Monate des Jahres symbolisieren.

Tipón’s Sonnenstein, der Intihuatana

Besonders auffallend sind die zahlreichen Bewässerungsterrassen und die sie verbindenen künstlichen, dekorativen Wasserfälle. Die noch heute funktionierenden Wasserleitungen sind mehrere Kilometer lang und stellten zu den Inkazeiten eine besondere Quelle dar, die das Wassersystem speisen konnte, weil es das Wasser aus ca. einem Kilometer Entfernung in verschiedene Kanäle heranführte, aufteilte und wieder zusammenführte. Die verschiedenen Terrassen sind durch kleine Kanäle noch immer verbunden. Das gesamte Wasserleitungssystem zu entwerfen und zu gestalten ist eine richtige ingenieurtechnische Meisterleistung der Inkas gewesen, erforderte herausragende Fähigkeiten und ganz besondere Qualitäten und verrät viel über ihr Wissen in der Landwirtschaft.

Dank den Inkas und ihres gigantischen und sehr ausgeklügelten Kanalsystems waren solche großen Terrassen besonders fruchtbar, es wurden auf ihnen landwirtschaftliche Versuche durchgeführt und gleichzeitig war die Anlage eine Hommage an das Wasser als Lebenselement. Eine solche Hommage war für die alten Kulturen von großer Bedeutung und es erinnert uns daran, daß wir auch die Erhaltungspläne unserer endlichen Wasserressourcen respektieren sollen. Wenn wir nur noch erfahren könnten, wie die Inkas, die hier vor Jahrhunderten gelebt haben, ihr Wassersystem behandelt haben, wäre unsere Welt ein anderer Ort. Es wäre auch leichter zu verstehen, was wir tun könnten, um unseren Planeten zu schützen.

Das Meisterwerk der Inkas, das Fuente Ceremonial

Anstatt mit einem Taxi die Anlage zu verlassen, wählte ich für den Abstieg die breiten Treppen des originalen Zugangs, um auf Tipón’s Hauptstraße ankommend die überteuerten Preise von Restaurants, die die peruanische Delikatesse Cuy (Meerschweinchen) anboten, zu realisieren. Ich versuche, wenn es geht, vegetarisch zu essen, so ging ich einfach in eine Nebengasse und fand leckere Hausmannskost für einen günstigen Preis in einem der dortigen Restaurants.

Weiter ging es erneut mit einem lokalen Bus Richtung Urcos. Zwanzig Minuten später stieg ich auf der Hauptstraße aus, unweit von hier entdeckte ich die faszinierende Größe der Ruinen der ausgedehnten Stadtanlage von Pikillacta, die nicht das kurzlebige Meisterwerk des Inka-Imperiums darstellte, sondern vom Reich der Wari in der vor-inkaischen Zeit erbaut wurde.

Die hohe Bruchsteinmauer der Pikillacta-Stätte

Die erhöht über dem Tal liegende etwa 50 ha große, weitläufige Ausgrabungsstätte Pikillacta ist die größte archäologische Ruinenstätte der Waris, einer vor-inkaischen Regionalkultur im Bereich um Cusco. Pikillacta wurde um 500 n. Chr. erbaut und ist eine willkommene Abwechslung zu den Inka-Ruinen, die in Cusco und Umgebung so bekannt sind.

Für den ersten Blick scheint die Prä-Inka-Stadt ein riesiger, undurchsichtiger, vernachlässigter Tummelplatz zu sein, obwohl der Ort selbst später eine tiefgründige Erklärung bietet und auch ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wie gut die Wari-Zivilisation lebte und wie perfekt die Waris ihre Städte planten.

Eines der Meisterwerke des Wari-Imperiums

Das Layout der Stadt ist sehr beeindruckend. Sie selbst ist eine enorme Reihe von Ruinen und besitzt eine sehr harmonische und schon fast perfekte Bauweise, blockweise eingeteilt mit einer geraden Straßenanordnung.

Die Ruinenlandschaft befindet sich im Becken von Lucre und umfasst eine Fläche von fast zwei Quadratkilometern, darunter etwa siebenhundert Gebäude, zweihundert Wohnungen und fast fünfhundert Schuppen und Lagerhäuser, sowie weitere Komplexe. Man spekuliert, daß die Stadt eine Bevölkerung von etwa 10.000 Einwohnern innehatte.

Pikillacta’s Straßen sind gerade wie ein Pfeil!

Die Anordnung der Pikillacta-Stätte ist sehr spektakulär, die mörtellosen Bruchsteinmauern sind an einigen Stellen bis zehn Meter hoch. Die Straßen und Gassen sind unter freiem Himmel und einige der Häuser haben Gips- und Schlammbeläge, die sich stark von den Inkas unterscheidet, die nur Steine für den Bau ihrer Anlagen ​​benutzten. Es ist dadurch offensichtlich, wie unterschiedlich die Prä-Inka-Kulturen hinsichtlich ihrer Architektur und Bautechniken waren.

Eine der interessantesten Aspekte von Pikillacta sind die ausgeklügelten hydraulischen Arbeiten, die die Wasserressourcen des Geländes mit den Terrassen und kultivierbaren Feldern im Lucre-Becken verbinden, darunter Kanäle, Stauseen und Dämme. Diese komplexen Merkmale ermöglichten eine intensive Landwirtschaft mit Mais, Kartoffeln und anderen Nutzpflanzen.

Lehmgeziegelte vor-inkaische Ruine aus den Jahren zwischen 500 und 1100

Die mit großer Präzision erbauten Städte Tipón und Pikillacta verzauberten mich total, der Besuch der zwei besonderen Grundsteine der Inka- und Wari-Kulturen war ein großartiger Start in ein langes Abenteuer, bald kommt mein Cousin mit einem Freund in Cusco an und wir brechen zusammen ins Herz des Inka-Reiches, ins Heilige Tal, auf!

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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