Ich wette, dass kaum jemand etwas von Vischongo, dem archäologischen Komplex von Intihuatana und dem Titankayoq-Wald gehört hat. Liege ich da richtig?! Ich verbrachte das Wochenende im kleinen Dörfchen von Vischongo, zweieinhalb Stunden von Ayacucho entfernt, und ging an einem Samstagmorgen in den auf 4.200 Metern liegenden Naturschutzpark, in dem über 450 (!) Hektar vom Aussterben bedrohter Riesenbromelien beheimatet sind. Hier folgt ein ausführlicher Bildbericht über das Wahrzeichen Perus:

Irgendwo auf halber Strecke zwischen Lima und Cusco, ca. 90 km südlich von Ayacucho, liegt in einer von Touristen bis jetzt verschonten Region die Siedlung von Vischongo.

Ausgehend vom Tal erreichte ich auf einem gut ausgebauten Pfad in anderthalb Stunden die Höhenlage von viertausend Metern. Je höher ich im “Bosque de Puya Raimondi” hinaufstieg, desto mehr einheimische, vom Aussterben bedrohte, Riesenbromelien durfte ich aus Körpernähe beobachten und fotografieren. Im Laufe der Jahre entwickelt sich aus der Blüte von Puya Raymondii eine fast kugelige Blattrosette mit bis zu 3 Metern Durchmesser.

Die außergewöhnliche Bromelienart trägt den Namen des italianischen Naturforschers, Antonio Raimondi. Die Dürre tolerierende Bromelie hat der Naturforscher 1867 in der Nähe von Chavín de Huantar entdeckt und sieben Jahre später wissenschaftlich veröffentlicht. Die indigenen Völker verwenden die verfallenen, getrockneten Pflanzen häufig als Brennstoff.

Die, wie eine riesige Fackel nach oben stehende, Riesenbromelie ist ein sogenanntes Ananasgewächs. Ich habe die Puya Raymondii-Pflanze das erste Mal vor Jahren in der Umgebung von Huaraz im Norden von Peru kennengelernt. In Vischongo traf ich auf den weltgrößten Wald mit Hunderten von Hektaren an Riesenbromelien.

Einmal in ihrem Leben, das über hundert Jahre dauern kann, erblüht Puya Raymondii nur ein einziges Mal für etwa neun Monate. Mit dem Ende der Blütezeit beginnt auch ihr Tod, denn die faszinierende Pflanze stirbt nach der Fruchtreife allmählich ab.

Die Einheimischen nennen die Bromelie auch Titanka, was übersetzt “verbrannte Blume” bedeutet.

Ein kleiner Größenvergleich: ich posiere mitten im intakten Bromelienwald von Titankayoq.

Auch bekannt als Puya Raimondii ist die Riesenbromelie die am langsamsten blühende Pflanze der Welt, die größte blühende Bromelie überhaupt. Die Puya Raimondii kann bis zu zehn Meter hoch werden und ist in den kargen Hochlagen der bolivianischen und peruanischen Anden in Höhen von 3.200 bis 4.800 m beheimatet.

Vielleicht mag es überraschend klingen, aber ich erlebte das seltene peruanische Naturwunder ganz alleine, ohne einen einzigen Touristen…

Mehr als ein eindrucksvoller Anblick… …wenn Du das Cocora-Tal in Kolumbien und die höchsten Palmen der Erde kennst, multipliziere das dortige Erlebnis mit mindestens zwei!

Der archäologische Komplex Intihuatana liegt an den Ufern der künstlich angelegten Pumacocha-Lagune und ist eine weitere wichtige Sehenswürdigkeit des Dörfchens Vischongo. Laut einigen Forschern diente das ehemalige Wohngebiet auf 3.100 Metern Höhe vielleicht als Rastplatz für die Inkas. Die Ruinen des Palastes, des Turms und des Inkabades sind unter den verbleibenden Bauwerken von größerer Bedeutung.

Ausgehend von der Innenstadt erreichte ich das Gelände des archäologischen Komplexes über lange Steinstufen. Die sorgfältige Fertigstellung der Steinmauern, die perfekt ineinander passen, lässt vermuten, dass der Baukomplex Teil eines Wohngebiets gewesen sein konnte, in dem wichtige Personen gelebt haben sollen.

Ohne ein Sammeltaxi oder einen Bus verließ ich Vischongo nach einem erlebnisreichen Tag auf der Ladefläche eines Pickups. Ich reiste im strömenden Regen in den dreißig Minuten entfernt liegenden Vilcashuamán, um mich in den nächsten Tagen mit den in relativ gutem Zustand verbleibenden Inkaruinen und architektonischen Schöpfungen der kleinen Andenstadt vertraut zu machen.

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