Im Rahmen einer abenteuerlichen dreitägigen Expedition erkundete ich einen der bezauberndsten Teile der Anden, aber auch die kommerziellste Mehrtagestour der Cordillera Blanca. Mit meinem aktuellen Weggefährten aus der Schweiz erweiterten wir den bei den Touristen sehr populären Santa Cruz Trek mit dem Besuch des Basecamps des Nevado Alpamayo, wo uns am Frühmorgen die von vielen als der schönste Berg der Welt geltende perfekte Gletscherpyramide von unvergleichlicher Schönheit und mit speziellem Charme absolut begeisterte.

Nachdem sich mein aktueller Weggefährte Michael in relativ kurzer Zeit in der neuen Umgebung an die Höhe gewöhnt und gut akklimatisiert hat, widmeten wir uns neuen und größeren Herausforderungen als an den Tagen zuvor, indem wir zur Lagune Llaca im Rahmen einer Akklimatisationstour hinaufstiegen. Ohne geführte Tour und ohne Hilfe der lokalen Träger wollten wir auf eigene Faust den weltberühmten Santa Cruz Trek, die vielleicht schönste und vielseitigste Mehrtageswanderung der Region erkunden. Diese überzeugt durch ihre Idylle und die beeindruckende, raue Landschaft mit Panoramablick auf die höchsten Berge Perus.

Die Lagune Arhuaycocha verzaubert uns beide

Allerdings habe ich mich vor dem Start unseres Trekkings etwas unsicher gefühlt, ob ich wirklich am beliebtesten Pfad des Landes wandern gehen sollte. Genau seine außergewöhnliche Popularität sprach gegen die Nutzung des berühmten Weitwanderwegs. Neben dem beliebten türkisblauen Gletschersee Laguna 69 und dem Pastoruri-Gletscher gilt der Santa Cruz Trek als eine weitere kommerzielle Tour um Huaraz, den Outdoor-Hotspot in der Cordillera Blanca.

Spektakuläre Miniregenfälle dank der Regenzeit

Trotz seiner Bekanntheit warteten wir beide sehr gespannt auf die vor uns liegenden 50 Kilometer, zwischen schneebedeckten weißen Gipfeln und massiven Felsen. Die vielversprechenden Wanderwege, durch zwei ausladende, malerische Täler, den hohen Pass und das Zelten im Hochland der beeindruckenden Anden-Region ließen uns vor Begeisterung glühen.

Vor unserer Mehrtageswanderung haben wir erfahren, dass der offizielle Trek von Cashapampa (2.900 m) über den Pass „Punta Union“ (4.750 m) nach Vaqueria (3.450 m) führt, jedoch wollte ich mich dem Huascarán Nationalpark von der östlichen Seite, von Vaqueria aus nähern. Mit fantastischen Landschaften, wilder Natur, außergewöhnlicher Bergflora, zahlreichen Bergseen und Schnee, hat uns schon die Hinfahrt völlig verzaubert.

Unser Kleinbus beim Portachuelo Llanganuco-Pass

Die Stadt Yungay haben wir mit unserem Kleinbus auf der Schotterpiste Richtung Nationalpark verlassen. Nach der Registrierung und dem Kauf der Eintrittskarten sind wir entlang smaragdgrünen Lagunen über eine steile Zickzackstraße bis zum auf fast 4.800 m liegenden Portachuelo Llanganuco-Pass aufgestiegen. Am Pass begrüßte uns eine herrliche, mit Worten kaum beschreibbare Aussicht. Im leichten Schneefall genossen wir das spektakuläre Naturerlebnis und das atemberaubende Rundum-Panorama auf die zahlreichen schneebedeckten Andengletscher, die über 5.000 m hoch in den Himmel ragen. Nach einer kurzen Fotopause sind wir vom Pass zur Vaqueria-Siedlung herabgestiegen, wo der offizielle Pfad zu unserem Mehrtagestrek begonnen hat.

Steile Zickzackstraße mit zahlreichen schneebedeckten Andengletschern

Da wir in der Regenzeit unterwegs waren, haben wir die fiesen dunkelgrauen Wolken beobachtend schnell festgestellt, dass wir nicht unbedingt am selben Tag die ganzen 50 Kilometer des Pfades passieren werden. Nachdem wir die kleine Siedlung hinter uns gelassen haben, haben wir unser Zelt noch vor dem Sturm und dem aufziehenden Regenschauer an einem geschützten Ort des Huaripampatales aufgestellt.

Üppige Vegetation in Vaqueria

Am nächsten Tag, eigentlich an unserem ersten richtigen Wandertag, war uns beiden bewusst, dass uns ein anspruchsvoller und steiler Fußmarsch erwarten wird. Langsam aufsteigend mussten wir bis zum Pass „Punta Union“ fast tausend Höhenmeter überwinden. Wunderschönes Panorama und eine tolle Aussicht in beide Richtungen erwartete uns auf dem höchsten Punkt des Santa Cruz Treks, allerdings wurden wir vom Wetter leider wieder mal komplett enttäuscht. Nein, es hat nicht wieder angefangen zu schneien wie am Vortag, dieses Mal sind wir in eine unnatürlich dichte Nebelwolke geraten, daher war unsere Sicht stark eingeschränkt. Das neblige, trübe Wetter hat uns aber beim Vorwärtsbewegen dennoch nicht gestört, nur war es halt sehr traurig und enttäuschend für uns beide, dass wir nicht die bestimmt einzigartige und fantastische Andenaussicht genießen konnten, die wir bei der Lagune Llaca glücklicherweise so lange bewundern durften.

Erleichtert beim Pass „Punta Union“

Immer höher und höher auf steilen und engen Passagen aufsteigend sind wir auf ein deutsches Wanderpaar getroffen, welches uns stets ermutigte und meinte, der Pass liege nicht mehr so weit entfernt, allerdings sollten wir beim Aufstieg über den steilen Pfad vorsichtig sein, denn es schneit oben und der unebene Wanderweg ist wegen der Feuchtigkeit rutschig und der Pass liegt in einer relativ dichten Nebelwolke. Wir hatten nichts anderes zu tun, als mit den natürlichen Elementen weiterzukämpfen und sind unerschrocken auf dem ausgetretenen Pfad weitermarschiert.

Trotz Nebelsuppe spektakuläre Sicht vom Pass aus

Nach einem weiteren anspruchsvollen Anstieg von ca. 30 Minuten erreichten wir schließlich beide sehr erleichtert den Pass. Nach den üblichen Gipfelfotos, die wegen den extremen Wetterbedingungen und der dichten Nebelsuppe nicht ganz so nach unserem Wunsch gelungen sind, folgten wir im Nieselregen dem Pfad Richtung dem üppigen, blumenreichen Tal von Taullipampa, wo wir uns das erste Mal Gedanken darüber gemacht haben, wo wir am Abend zelten sollten.

Michael kämpft im Nieselregen auf den rutschigen Steinen

Am Fuße des Nevado Taulliraju in Taullipampa wäre die Zeltübernachtung bestimmt ideal gewesen, allerdings fühlten wir uns nach der Passbesteigung so glücklich und erleichtert, dass wir uns gestärkt mit neuen Energien gleich neue Ziele vorgenommen haben. Wir hatten vor, bis zum Basecamp des Nevado Alpamayo zu laufen und dort am Fuße des pyramidenförmigen Alpamayo in der Höhenlage zu campen. Dafür mussten wir zusätzlich noch einen Abstecher machen und vom Wanderweg des Santa Cruz Treks etwas abweichen.

Die smaragdgrüne Lagune Taullicocha

Trotz Müdigkeit euphorisch und emotional hielten wir durch und sind entlang steilen, buschigen, grasbewachsenen Hängen immer weiter gekommen. Spätnachmittags erreichten wir die Mündung des oberen Tals und damit auch unseren Campingplatz auf 4.115 m Höhe. Das Alpamayo-Basecamp ist ein ruhiger, gemütlicher Ort für perfektes Campen mit einem wunderschönen Blick auf die umliegenden majestätischen Berge und den schneebedeckten Eisgipfel des Alpamayo. Es gab keine Spur von anderen Touristen, und wir fühlten uns privilegiert, dass wir diesen besonderen Ort in Ruhe geniessen durften.

Das Nevado Alpamayo: perfekte Gletscherpyramide von unvergleichlicher Schönheit

Das Nevado Alpomayo und die 5.830 Meter hohe natürliche Schönheit des Berges Taulliaru haben wir erst am nächsten Tag zu spüren bekommen, als wir nach dem frühmorgendlichen Aufwachen die Lagune Arhuaycocha erreichten. Trotz des trüben Wetters und des kalten Windes hatten wir einen ganz besonderen Panoramablick, nachdem wir auf dem Trampelpfad einen Fußmarsch mit ca. 250 Höhenmetern zurückgelegt haben. Die zusätzlichen sechs km lohnten sich auf alle Fälle. Das verschneite, glaziale Naturwunder um die imposante smaragdgrüne Lagune verzauberte uns total und wir haben auch kurz den Artesonraju, der angeblich jener Berg sein soll, der auf dem Paramount Picture Logo zu sehen ist, bewundern können.

Wir fühlten uns beide sehr wohl und merkten, dass wir bei unserer aktuellen Hochgebirgswanderung richtig gut ins Laufen gekommen sind. Es folgte ein relativ schneller Abstieg zum Tal von Taullipampa und weiter ging es entlang mehrerer wunderschöner Lagunen ins Santa Cruz Tal. Dort wurden die trockenen, kühlen klimatischen Bedingungen der Hochlandlandschaft durch mildes Klima und üppige Vegetation ersetzt.

Mildes Klima und üppige Vegetation im Tal von Taullipampa

Als wir auf dem Campingplatz von Llamacorral ankamen, trafen wir auf die ersten Zeichen der Zivilisation und es gab kleinere und größere Reisegruppen, welche die drei- oder viertägige Wanderung des Santa Cruz Treks von Cashapampa aus gestartet haben. Zu meiner großen Überraschung begrüßte Michael einen Schweizer Freund in einer der organisierten Gruppen. Mein Weggefährte wusste, dass sich sein Bekannter zur gleichen Zeit in Peru aufhalten würde, aber dass sich die Wege der beiden exakt im Hauscarán Nationalpark kreuzen würden, überraschte uns alle.

Das bezaubernde Santa Cruz Tal unweit von Cashapampa

Nach einem langen Fußmarsch auf den geschwungenen Pfaden der immer niedriger scheinenden Felsen erreichten wir gegen den frühen Nachmittag den anderen offiziellen Eingang des Treks in Cashapampa. Das bedeutete auch das Ende unseres spannenden dreitätigen Abenteuers Santa Cruz. Nach einer verdienten Pause und Smalltalk mit dem Ranger, kehrten wir beide etwas müde aber gestärkt mit neuer Motivation, Erinnerungen an drei super schöne, unterhaltsame Wandertage zu unserer Basis nach Huaraz zurück.

Spektakuläre Pflanzenlandschaft beim Rio Santa

Morgen werden wir uns aktiv entspannen und werden uns die archäologische Stätte Chavín de Huántar ansehen, das religiöse Zentrum der Chavín-Bevölkerung, mit seiner unvergleichlichen Schönheit inmitten der Bergketten der Weißen Kordilleren!

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