Ich habe die abenteuerliche Erkundung der Provinz Espinar fortgesetzt, besuchte detailliert die aus der Ära vergangener Kulturen stammenden mysteriösen Ruinen von Maukallacta und Maria Fortaleza und gelangte auch zu einem atemberaubend schönen und verlassenen Schluchtsystem namens Tres Cañones. Eingebettet zwischen vulkanischen und bizarren Felsformationen wandernd erreichte ich die Spitze des Berghügels, wo mich ein atemberaubend schöner Weitblick auf die imposante Schlucht erwartete. Die wild-romantische Umgebung bedeutete mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis. Wer sich nach Peru begibt und es liebt, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, sollte in der Provinz Espinar vorbeischauen. Auf der Suche nach versunkenen Hochkulturen und dramatischen Canyonlandschaften garantiere ich eine ganz besondere Erfahrung, die man nicht bereuen wird.

Kanamarca’s, die auf einer Hochebene gelegenen Ruinen, haben mich persönlich ziemlich beeindruckt. Vor allem faszinierten mich die geheimnisvollen alten archäologischen Ausgrabungen. Ich habe nicht gedacht, dass ich die dort gesammelten unvergesslichen Erfahrungen in den nächsten Tagen irgendwie noch übertreffen könnte. In mir schwebten ähnliche Gefühle, wie Monate zuvor, als ich Pisacs höchst überzeugende, auf einem Hügel mit Blick auf die Stadt liegende, archäologische Stätte besuchte. Die Überreste und Schreine der alten verschwundenen Zivilisation begeisterten mich und verschlugen mir die Worte. Diesmal habe ich gefühlt, dass ich die im endlosen Komplex der Kana-Indianer erlebten unvergesslichen Erlebnisse nicht so schnell noch einmal übertreffen können werde.

Lokaler Karnevalsumzug

Nichtsdestotrotz wartete ich am nächsten Morgen mit großer Aufmerksamkeit, was die beiden archäologischen Ausgrabungen Maukallacta und Maria Fortaleza an Höhepunkten für mich bereithielten. Als Draufgabe wartete noch das riesige Schluchtsystem des Tres Cañones auf mich. Am Ende des Tages war ich in der Tat keineswegs enttäuscht, denn ich erlebte wieder ein faszinierendes Abenteuer!

Ohne ein spezielles Reisepaket oder eine von einem Reisebüro zusammengestellte und durchgeführte Tour ist es gar nicht so einfach, die touristischen Attraktionen und spektakulären Landschaften von Espinar zu erkunden. Ein Mietwagen oder ein Taxi hätte mir viel geholfen, aber alleine wäre die Miete zu kostenintensiv und nicht bezahlbar gewesen. So blieb mir nichts anderes übrig, als mich für die kostengünstige Alternative, nämlich für die Kombination aus lokalem Transport, Reise per Anhalter und der üblichen erfrischenden und gesunden Wanderung zu Fuß, zu entscheiden.

Maukallacta: eine höchstbeeindruckende Ruinenstätte in einer magischen Umgebung

Am Tag meiner Ankunft, bevor ich mich dem Karneval, den hervorragenden Blockparties und dem jährlich stattfindenden Folklore-Festival angeschlossen habe, fand ich schnell heraus, an welcher Kreuzung der Kleinbus nach Sukuytambo üblicherweise abfährt. Diesmal hatte ich wieder mal Glück, denn am Montagmorgen fand der traditionelle Markttag in der kleinen Siedlung statt. So wollten alle möglichen Händler und Anbieter aus Espinar in die 40 km entfernt liegende Siedlung aufbrechen. Am frühen Morgen verließ ich meine tolle, zentral gelegene Unterkunft und habe den bereits schrottreifen und mit Ware komplett vollgepackten Minibus genommen.

Dekorative Tracht während des Karnevals

Mit sympathischen Einheimischen entwickelte sich ein sehr unterhaltsames Gespräch und ich plauderte mit ihnen über die gesamte Fahrtzeit von ca. 45 Minuten. Nur der Fahrer wollte mir beim Verlassen des Busses noch mehr Geld abverlangen. Für ihn schienen alle Gringos wohlhabend und reich, aber ich enttäuschte ihn sehr schnell. Es war ein wohl vergeblicher Versuch, ich habe mich nämlich schon vor Antritt der Fahrt über den ungefähren Preis erkundigt. Der ältere Fahrer wirkte komplett enttäuscht, als er mich in der Nähe des Tres Cañones auf der staubigen Schotterstraße, ohne das leichte Extrageld verdient zu haben, aussteigen ließ.

Wundervolle Schlucht vom Aussichtspunkt aus

Was ist denn dieses Tres Cañones? Um die Wahrheit zu sagen, wusste ich am Jahresbeginn nicht einmal von der Existenz des imposanten Canyons. Nach einer dreitätigen Wanderung in einer der tiefsten Schluchten der Welt, im weltberühmten Colca Canyon vor vier Jahren und nach meinem letztjährigen Abenteuer in der atemberaubenden Schluchtlandschaft von Cotahuasi gelangte ich das erste Mal zum abgelegenen, spektakulären Tres Cañones umgeben von atemberaubender Natur.

Die himmelhohe monumentale Felswand des Tres Cañones

Die gezackten Felsgipfel, welche die wichtigsten und bedeutendsten Naturattraktionen in der Gegend darstellen, erodierten durch die drei Flüsse Apurímac, Callumani und Cerritambo bis zu den Felsgesteinen. So ragen in der Schlucht vulkanischen Ursprungs oft achtzig bis hundert Meter hohe Steinformationen Richtung Himmel. Die Natur des Tres Cañones ähnelt ein bisschen den Sandsteinsäulen von Huito, die ich Monate zuvor im Cotahuasi-Tal von der Siedlung Pampamarca aus beobachtet habe. Die speziell geformte Sandsteinformation von Huito wurde von stark erodierten Klippen gebildet, die in Millionen von Jahren durch Wind, Sonne und Regen geformt wurden. Zwischen den Steinsäulen des Tres Cañones befinden sich sowohl hohle, als auch feste Gesteine, deren besondere Form im Laufe der Jahre von der Natur geprägt wurde.

Spektakuläre Hängebrücke über dem reißenden Fluß Apurímac

Nach Überquerung des Flusses lockte ein alter Pfad neugierig nach oben. Nachdem ich an den steilen Felswänden entlang auf dem Bergplateau ankam, befand ich mich in einem Steinwald und wurde mit einem wunderschönen Panoramablick auf die umliegenden Schluchten belohnt.

Nach vielen geschossenen Fotos und einem leichten Abstieg verließ ich das Tres Cañones zu Fuß, ohne öffentliche Verkehrsmittel. Nun erwärmte die Sonne die Luft mit ihren freundlichen Strahlen und ich verbrauchte während der Wanderung immer mehr Wasser. Ich habe nichts gegen die plötzliche Hitze und den garantierten Muskelkater am Folgetag gehabt, denn die imposante und fantastische Landschaft beeindruckte mich weiterhin und die Schönheit der Schlucht übertraf alle meine Erwartungen.

Süße Hasenmaus bei den Ruinen von Maria Fortaleza

Mein nächster Halt war ein verlassener, aus der Inkazeit stammender prächtiger Baukomplex Taqrachullo, auch als Maria Fortaleza genannt. Er diente auch als Verwaltungszentrum. Der obere Teil des Geländes besteht aus zahlreichen Grabkammern und runden Lagergebäuden. In den alten Tagen galt die kleine Festung als wichtiger Kontrollpunkt und Bastion für die Ruinenstätte Maukallacta. Die Aussicht vom Hügel aus ist schon erstaunlich schön, die zwischen den Felsen posierenden Viscachas sind großartige Fotomotive.

Nach einem längeren Fußmarsch erreichte ich die in spannender und reizvoller Lage befindliche ehemalige Wari-Stadt Maukallacta, die wahrscheinlich größte und am besten erhaltene archäologische Stätte um Espinar. Die Ruinenstätte liegt auf der anderen Seite des Flusses Apurímac und ist über eine Brücke entlang von Lamaweiden zu erreichen.

Restaurierte Chullpa im perfekten Zustand

Neben der zur Ehre der Mutter Erde Pachamama gewidmeten Akropolis und den vierzig im Flusstal in einem sehr guten Zustand erhaltengebliebenen kreisförmigen Konstruktionen und ovalen Häusern ist die auf dem Hauptplatz befindliche Chullpa das schönste Gebäude der Ausgrabung, einer der berühmten Grabtürme Perus.

Die meisten der auf dem Standort befindlichen Chullpas wurden im Laufe der vergangenen Jahrhunderte zerstört, von vielen sind nur die Grundmauern erhalten geblieben, aber es gelang den Archäologen, einen Grabturm eindrucksvoll zu rekonstruieren. Mit seiner beeindruckenden Kuppel ist es zweifellos der mächtigste Höhepunkt von Maukallacta.

Lamaweide Richtung Maukallacta

Zurück auf der Schotterpiste habe ich versucht, eine Mitfahrgelegenheit nach Espinar zu bekommen, allerdings hat zu meiner großen Enttäuschung keiner der Busse angehalten. So musste ich unweigerlich zu Fuß Richtung Espinar marschieren.

Der lange Weg, das wenige, spärliche Wasser und die Affenhitze bedeuteten keine guten Zeichen für meinen Rückweg, allerdings war das Glück wieder auf meiner Seite. Ich war nicht mal 2-3 km unterwegs, als ein sympathischer Junge mit seinem Motorrad anhielt und mich bis ins Zentrum von Espinar mitgenommen hat.

Lokaler Motorradfahrer zurück nach Espinar

Auf dem Rückweg haben wir noch eine schnelle Station bei einer weiteren touristischen Attraktion, bei der alten Inka-Brücke Machupuente gemacht, wo mein Fahrer am einfachen Kiosk eine Plastikflasche Kraftstoff besorgt hat, denn eine Tankstelle war nämlich kilometerweit nicht in Sicht!

Das schmackhafteste peruanische Essen auf Fischbasis, das Ceviche

In Espinar habe ich meine Rucksäcke vom Hotel abgeholt, habe eine leckere Ceviche auf der Straße zu Mittag gegessen und bin über die übliche Route durch Sicuani nach Cusco, in die ehemalige Inka-Hauptstadt zurückgefahren, um nach dem spannenden Besuch von Ruinen alter Zivilisationen und der imposanten Schlucht des abenteurlichen Tres Cañones mehrtätige Höhenwanderungen in den herumliegenden Bergen von Cusco zu planen.

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